Methylprednisolon
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Methylprednisolon ist ein Wirkstoff aus der Klasse der Glukokortikoide. Der Arzneistoff ist als Tablette, als Infusionslösung und als Injektionslösung erhältlich; die Zubereitungen zur Anwendung auf der Haut enthalten seinen Ester Methylprednisolonaceponat.
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Was ist Methylprednisolon?
Methylprednisolon ist ein weißes kristallines Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist. Es ist im Handel in Form von Monopräparaten oder Kombinationspräparaten erhältlich. Methylprednisolon gehört zu den nicht-halogenierten Glukokortikoiden. Diese werden vor allem wegen ihrer entzündungshemmenden und immunsuppressiven Wirkung eingesetzt.
Da der Wirkstoff ein recht breites Wirkungsspektrum aufweist, kann er auch bei anderen Erkrankungen, wie beispielsweise Nebennierenrindeninsuffizienz, Atemwegserkrankungen, Arthritis oder bei chronischen Entzündungen von Magen oder Darm verabreicht werden.
Methylprednisolon ist in Form von Tabletten erhältlich. Der Arzneistoff kann allerdings auch als Infusion oder Injektion eingesetzt werden. Bei Hauterkrankungen werden Salben, Cremes, Lotionen oder Lösungen aufgetragen, die den Ester Methylprednisolonaceponat enthalten.
Bei den Zubereitungen zur Anwendung auf der Haut ist eine Besonderheit zu beachten: Die beiden in Deutschland angebotenen Präparate Advantan und Avatop enthalten nicht Methylprednisolon selbst, sondern dessen Ester Methylprednisolonaceponat. Auch die Zubereitungen zum Spritzen und Infundieren enthalten den Wirkstoff nicht in freier Form, sondern als Natriumsalz des Methylprednisolon-21-hydrogensuccinats, das sich im Körper erst in den eigentlichen Wirkstoff umwandelt. Unter den in Deutschland angebotenen Zubereitungen enthält damit nur die Tablette Methylprednisolon in freier Form.
Arzneilich zählt Methylprednisolon zu den Kortikosteroiden zur systemischen Anwendung und trägt den ATC-Code H02AB04. Es ist ein nicht fluoriertes Glukokortikoid. Die Tabletten enthalten Lactose; für Menschen mit einer seltenen erblichen Galactose-Unverträglichkeit, einem vollständigen Lactase-Mangel oder einer Glucose-Galactose-Malabsorption sind sie deshalb nicht geeignet.
Pharmakologische Wirkung
Methylprednisolon eignet sich auch zur Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen, da durch den Wirkstoff die Schleimhäute der Atemwege abschwellen. Mit dem Abschwellen geht auch eine Erweiterung der Bronchien einher. Dadurch bekommen die betroffenen Patienten deutlich besser Luft.
Glukokortikoide, wie Methylprednisolon, richten sich auch gegen eine unkontrollierte Vermehrung von Gewebe. Das Wachstum des Gewebes wird gehemmt, sodass unerwünschte Gewebewucherungen nicht weiter wachsen, sondern schrumpfen oder gar verschwinden.
Methylprednisolon beeinflusst den Stoffwechsel fast aller Gewebe, und zwar abhängig von der Dosis. Im natürlichen Bereich ist diese Wirkung lebensnotwendig: Sie hält das innere Gleichgewicht des Körpers in Ruhe und unter Belastung aufrecht und steuert die Tätigkeit des Immunsystems. Fällt die Nebennierenrinde aus oder arbeitet sie unzureichend, kann Methylprednisolon das körpereigene Hydrokortison ersetzen und greift dann in den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel ein. Beim adrenogenitalen Syndrom ersetzt es das Kortisol, das wegen eines Enzymdefekts fehlt, und bremst zugleich die überschießende Bildung von Kortikotropin in der Hypophyse.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Methylprednisolon wirkt abschwellend und entzündungshemmend. Es wird deshalb unter anderem zur Behandlung von allergischen Erkrankungen eingesetzt. Auch chronisches Asthma oder allergisches Asthma sind mögliche Indikation für die Einnahme von Methylprednisolon. Weitere Atemwegserkrankungen, bei denen das Medikament zum Einsatz kommt, sind der akute Schub einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und chronische Formen der Sarkoidose; bei allergischem Schnupfen beschränkt die Fachinformation die Anwendung auf schwere Verlaufsformen, bei denen in die Nase verabreichte Glukokortikoide nicht ausgereicht haben.
Da der Arzneistoff die Tätigkeit des Immunsystems hemmt, werden auch Autoimmunerkrankungen mit Methylprednisolon behandelt. Dazu gehören Erkrankungen wie Vaskulitis, Arthritis, Polyarthritis, Psoriasis-Arthritis oder Lupus erythematodes. Auch autoimmunbedingte, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa werden mithilfe des Wirkstoffes behandelt. Dasselbe gilt für schwere Entzündungen der Nieren, die durch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen werden.
Salben und Cremes mit Methylprednisolonaceponat können allergische Hautreaktionen und Entzündungen unterdrücken. Der Wirkstoff wird bei Hauterkrankungen wie Nesselsucht, Neurodermitis, Schuppenflechte oder beim Kontaktekzem verordnet. Da Methylprednisolon ein Glukokortikoid ist, kann es auch bei Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz) eingesetzt werden. Das Methylprednisolon gleicht hier den Mangel an körpereigenem Kortison aus. Mittel der ersten Wahl sind bei der Nebennierenrindeninsuffizienz allerdings Hydrokortison und Kortison. Da Methylprednisolon so gut wie keine mineralotrope Wirkung mehr besitzt, muss bei ausgefallener Nebennierenrindenfunktion zusätzlich ein Mineralokortikoid gegeben werden.
Die Fachinformation der Tabletten ordnet die Anwendungsgebiete in Gruppen. Bei den rheumatischen Erkrankungen nennt sie die aktive rheumatoide Arthritis mit schwerem fortschreitendem Verlauf und die kindliche Gelenkentzündung mit schwerer Beteiligung des ganzen Körpers. Bei den Bronchial- und Lungenkrankheiten stehen das Asthma bronchiale, der akute Schub einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung und die interstitiellen Lungenerkrankungen wie die akute Alveolitis, die Lungenfibrose und chronische Formen der Sarkoidose. Bei den Erkrankungen der oberen Luftwege sind es schwere Verlaufsformen des Heuschnupfens und des allergischen Schnupfens, und zwar erst dann, wenn in die Nase verabreichte Glukokortikoide versagt haben.
Bei den Hautkrankheiten gilt dieselbe Einschränkung: Behandelt werden Erkrankungen der Haut und Schleimhäute, die wegen ihrer Schwere, ihrer Ausdehnung oder einer Beteiligung des ganzen Körpers mit örtlich aufgetragenen Glukokortikoiden nicht ausreichend zu behandeln sind. Genannt werden allergische und pseudoallergische Reaktionen, Arzneimittelausschläge, das Erythema exsudativum multiforme, die toxische epidermale Nekrolyse, das Erythema nodosum, das allergische Kontaktekzem, Gefäßentzündungen und Autoimmunerkrankungen wie die Dermatomyositis, die systemische Sklerodermie und bestimmte Formen des Lupus erythematodes. Hinzu kommen die autoimmunhämolytische Anämie, die Vorbeugung und Behandlung von Erbrechen unter Zytostatika, die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn, die Ersatzbehandlung bei Nebennierenrindenschwäche jenseits des Wachstumsalters, die Unterdrückung des Immunsystems nach einer Verpflanzung von Organen sowie die begleitende Gabe im Rahmen einer Zytostatika- oder Strahlenbehandlung.
Risiken & Nebenwirkungen
Bei Methylprednisolon ist es schwer, die Grenze zwischen Nebenwirkung und gewünschter Wirkung zu ziehen. So ist bei einigen Erkrankungen die Unterdrückung des Immunsystems gewollt, bei anderen Erkrankungen wiederum stellt sie eine ernstzunehmende Nebenwirkung dar. Eine typische Nebenwirkung der Cortisoneinnahme ist das sogenannte Cushingsyndrom. Es äußert sich durch Stiernacken, Gesichtsrötung, Vollmondgesicht und Erschöpfung. Bei Kortisoneinnahme steigt der Blutdruck und auch die Blutzuckerwerte erhöhen sich. Dasselbe gilt für die Blutfettwerte.
Aufgrund der immunsuppressiven Wirkung kann es zu einer gesteigerten Infektanfälligkeit kommen. Wassereinlagerungen im Gewebe führen zu einer Gewichtszunahme. Des Weiteren erhöht Cortison, abhängig von Dauer und Dosierung der Behandlung, das Risiko einer Osteoporoseerkrankung. Deshalb sollten vor und während einer längeren Cortisontherapie regelmäßige Knochendichtemessungen durchgeführt werden. Bei Bedarf sollten präventive Maßnahmen wie die Einnahme von Vitamin D und Kalzium erfolgen.
Eine weitere Nebenwirkung betrifft den hormonellen Bereich. Durch die Einnahme von Methylprednisolon stellt der Körper die eigene Hormonproduktion in den Nebennieren ein. Problematisch wird dieser Zustand erst dann, wenn das Methylprednisolon plötzlich abgesetzt wird. Es dauert etwas, bis die körpereigene Produktion wieder läuft. Steht nach dem Absetzen nicht ausreichend körpereigenes Kortison zur Verfügung, kann es zu einem lebensgefährlichen Kortisonmangel kommen. Kortison sollte deshalb niemals plötzlich abgesetzt, sondern immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt ausgeschlichen werden.
Weitere Nebenwirkungen von Methylprednisolon sind Wachstumshemmungen bei Kindern, Herzrhythmusstörungen und Depressionen. Methylprednisolon darf nicht bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder gegenüber anderen Glukokortikoiden eingenommen werden. Für die Tabletten sowie die Injektions- und Infusionslösung ist das die einzige Kontraindikation; für die kurzfristige Anwendung bei lebenswichtiger Indikation und für die Substitutionstherapie bestehen darüber hinaus keine Gegenanzeigen. Bei einer chronisch aktiven Hepatitis und bei schwerer Osteoporose ist die Behandlung dagegen nur unter strenger Indikationsstellung vertretbar. Dasselbe gilt für schwer einstellbaren Bluthochdruck, schwer einstellbaren Diabetes mellitus und Psychosen. Für Creme und Salbe gelten eigene Gegenanzeigen: Sie dürfen bei bakteriellen und durch Pilze verursachten infektiösen Hauterkrankungen, bei Virusinfektionen der Haut, bei Rosazea, bei perioraler Dermatitis und bei Akne nicht aufgetragen werden. Durch die Unterdrückung des Immunsystems würden sich diese Hauterkrankungen verschlimmern. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte Methylprednisolon nur in Ausnahmefällen, nach Absprache mit dem Arzt, eingenommen werden.
Die Fachinformation verlangt bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen eine besonders strenge Abwägung und gegebenenfalls eine begleitende Behandlung gegen den Erreger. Dazu zählen akute Virusinfektionen wie Gürtelrose, Herpes simplex, Windpocken und die herpesbedingte Hornhautentzündung, eine chronisch aktive Hepatitis mit Nachweis des Hepatitis-B-Oberflächenantigens, der Zeitraum um eine Impfung mit Lebendimpfstoffen, Pilz- und Parasitenerkrankungen des ganzen Körpers, die Kinderlähmung, eine Lymphknotenentzündung nach einer BCG-Impfung sowie akute und chronische bakterielle Infektionen. Bei einer Tuberkulose in der Vorgeschichte darf Methylprednisolon nur unter dem Schutz von Tuberkulosemitteln und unter sorgfältiger Überwachung gegeben werden, weil die Erkrankung wieder aufflammen kann.
Wegen der Gefahr eines Darmdurchbruchs mit Bauchfellentzündung ist bei einer schweren Colitis ulcerosa mit drohender Perforation, bei einer Divertikulitis und unmittelbar nach einer Darmnaht besondere Zurückhaltung geboten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zeichen einer Bauchfellreizung unter hohen Glukokortikoiddosen fehlen können. Ebenso kann die Behandlung die Anzeichen einer bestehenden oder sich entwickelnden Infektion verschleiern und damit die Diagnose erschweren; durch die Unterdrückung des Immunsystems steigt zugleich das Risiko für Infektionen, auch durch Erreger, die sonst selten Krankheiten auslösen.
Am Auge sind ein Eng- oder Weitwinkelglaukom sowie Geschwüre und Verletzungen der Hornhaut Anlass zur Vorsicht. Treten unter der Behandlung verschwommenes Sehen oder andere Sehstörungen auf, gehört das augenärztlich abgeklärt: Als Ursachen kommen ein Grauer Star, ein Glaukom und die seltene zentrale seröse Chorioretinopathie in Betracht. Bei einer Langzeitbehandlung sind regelmäßige ärztliche Kontrollen angezeigt, augenärztliche Kontrollen in dreimonatigen Abständen eingeschlossen.
Weitere Warnhinweise betreffen einzelne Krankheitsbilder: Bei Zuckerkranken kann der Bedarf an Insulin oder blutzuckersenkenden Tabletten steigen, bei Bluthochdruck ist der Blutdruck regelmäßig zu messen. Bei systemischer Sklerose besteht die Gefahr einer möglicherweise tödlichen Nierenkrise mit Blutdruckanstieg und verminderter Harnausscheidung. Bei bösartigen Bluterkrankungen wurde über ein Tumorlyse-Syndrom berichtet, nach der Gabe von Kortikosteroiden außerdem über eine Krise beim Phäochromozytom. Bei schwerer Herzschwäche, bei Neigung zu Thrombosen und bei Myasthenia gravis ist ebenfalls Vorsicht geboten; bei der Myasthenie kann sich die Muskelschwäche zu Beginn sogar verstärken.
Impfungen mit Totimpfstoffen sind grundsätzlich möglich, doch kann der Impferfolg unter höheren Dosen ausbleiben. Windpocken und Masern verlaufen unter Glukokortikoiden mitunter besonders schwer und sogar lebensbedrohlich; besonders gefährdet sind Kinder mit unterdrücktem Immunsystem und Menschen, die diese Krankheiten noch nicht durchgemacht haben. Kommt es während der Behandlung zu besonderen körperlichen Belastungen wie einem Unfall, einer Operation oder einer Geburt, kann vorübergehend mehr Wirkstoff nötig sein; für Patienten unter längerer Behandlung wird deshalb ein Kortikoidausweis ausgestellt.
Wird eine Langzeitbehandlung beendet, erfolgt das schrittweise. Ein abrupter Abbruch birgt das Risiko, dass die Grunderkrankung wieder aufflammt, dass die Nebennierenrinde akut versagt oder dass ein Steroidentzugssyndrom entsteht. Dieses äußert sich unter anderem in Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Teilnahmslosigkeit, Unwohlsein, Gelenkschmerzen, Schuppung der Haut, Schwäche, niedrigem Blutdruck und Gewichtsverlust. Auch eine zu rasche Verringerung der Dosis nach langer Behandlung kann Muskel- und Gelenkschmerzen hervorrufen.
Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang, und für keine von ihnen lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten abschätzen. Am Blut sind Veränderungen der weißen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen beschrieben, am Stoffwechsel eine Zurückhaltung von Natrium mit Wassereinlagerungen, ein vermehrter Kaliumverlust, eine verminderte Zuckerverträglichkeit bis hin zum Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte und ein verstärkter Eiweißabbau. Am Nervensystem können Schwindel, Kopfschmerzen, ein erhöhter Hirndruck ohne Tumor und eine gesteigerte Krampfbereitschaft auftreten, seelisch schwere Depressionen, Gereiztheit, Persönlichkeitsveränderungen, Stimmungsschwankungen, Euphorie und Psychosen. Am Magen-Darm-Trakt drohen Geschwüre mit der Gefahr eines Durchbruchs, Blutungen und eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, an der Haut Dehnungsstreifen, Gewebeschwund, erweiterte Äderchen, Hautblutungen, vermehrte Behaarung, Steroidakne und eine verzögerte Wundheilung. An Muskeln und Knochen stehen Muskelschwund und Muskelschwäche, Knochenbrüche bei schwerer Osteoporose, das Absterben von Knochenanteilen an Oberarm- und Oberschenkelkopf sowie der Riss einer Sehne.
Auch die Wechselwirkungen sind zahlreich. Arzneistoffe, die das Enzym CYP3A hemmen, etwa Cobicistat, Ritonavir, Ketoconazol und Itraconazol, verstärken die Wirkung des Kortikoids; für Cobicistat rät die Fachinformation ausdrücklich davon ab, die Kombination ohne überwiegenden Nutzen einzusetzen. Diltiazem hemmt sowohl den Abbau als auch den Abtransport aus der Zelle. Östrogene, auch in Verhütungsmitteln, verstärken die Wirkung ebenfalls. Umgekehrt schwächen Stoffe, die dasselbe Enzym anregen, die Wirkung ab: Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate und Primidon; auch Ephedrin beschleunigt den Abbau.
Aluminiumhydroxidhaltige Antazida können die Aufnahme verringern, weshalb ein zeitlicher Abstand zur Einnahme empfohlen wird. Herzwirksame Glykoside wirken bei Kaliummangel stärker, entwässernde Mittel und Abführmittel steigern den Kaliumverlust. Nicht depolarisierende Muskelrelaxanzien wirken länger und können eine akute Muskelerkrankung auslösen. Die blutzuckersenkende Wirkung von Antidiabetika und die gerinnungshemmende Wirkung von Cumarinen können nachlassen, der Blutspiegel von Praziquantel kann fallen, die Wirkung von Somatropin kann sich abschwächen. Entzündungshemmende Schmerzmittel, Salicylate und Indometacin erhöhen die Gefahr von Geschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Atropin und andere Anticholinergika den Augeninnendruck. Chloroquin, Hydroxychloroquin und Mefloquin steigern das Risiko für Muskel- und Herzmuskelerkrankungen, Ciclosporin das für Krampfanfälle im Gehirn, ACE-Hemmer das für Veränderungen des Blutbilds. Hautreaktionen bei Allergietests können unter der Behandlung ausbleiben.
Akute Vergiftungen mit Methylprednisolon sind nicht bekannt. Bei einer Überdosierung ist mit verstärkten Nebenwirkungen zu rechnen, vor allem am Hormonsystem, am Stoffwechsel und im Elektrolythaushalt; ein Gegenmittel gibt es nicht. Für die Schwangerschaft weist die Fachinformation darauf hin, dass Glukokortikoide im ersten Drittel das Risiko einer Lippen- oder Gaumenspalte erhöhen können und dass bei langer Behandlung Wachstumsstörungen des ungeborenen Kindes nicht auszuschließen sind; eine Behandlung gegen Ende der Schwangerschaft kann beim Neugeborenen einen Schwund der Nebennierenrinde hinterlassen, der eine ausschleichende Ersatzbehandlung nötig macht. In die Muttermilch gehen Glukokortikoide nur in geringen Mengen über; bei hohen Dosen oder langer Behandlung ist das Stillen dennoch zu vermeiden. Bei Kindern ist die Anwendung wegen der wachstumshemmenden Wirkung streng abzuwägen und das Längenwachstum zu kontrollieren; bei Frühgeborenen wurde über eine Verdickung des Herzmuskels berichtet. Schließlich kann die Einnahme bei Dopingkontrollen zu einem positiven Befund führen.
Quellen
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- Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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