Lagerungsschwindel


Aktualisiert am 22. September 2018 von Dr. med. Nonnenmacher

Ein Schwindelgefühl hat wohl jeder schon einmal erlebt: Es scheint, als würde sich der Raum um einen drehen oder schwanken. Schwindel kann in verschiedenen Formen auftreten und zahlreiche Ursachen haben. Der bei Erwachsenen häufigste Typ ist der Lagerungsschwindel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lagerungsschwindel?

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist die häufigste Schwindelform bei Erwachsenen. Alle Betroffenen klagen über circa dreißig Sekunden dauernde Schwindelattacken nach Lageveränderungen.

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist die häufigste Schwindelform bei Erwachsenen. Alle Betroffenen klagen über circa dreißig Sekunden dauernde Schwindelattacken nach Lageveränderungen, also beispielsweise beim Hinlegen, Drehen des Kopfes oder bei Heben und Senken des Kopfes.

Manche Patienten leiden zudem unter Übelkeit und Erbrechen sowie dem Gefühl, auf Watte zu laufen. Trotz dieser Symptome wird der Lagerungsschwindel medizinisch zwar als unangenehm und alltagseinschränkend, nicht aber als krankhaft, definiert.

Aus diesem Grund fehlen bisher auch eindeutige Untersuchungen zur Häufigkeit dieser gutartigen Schwindelform. Man weiß, dass er im Alter zwischen 60 und 80 Jahren an Häufigkeit zunimmt und Frauen eher betroffen sind als Männer. Aktuelle Zahlen aus Deutschland und den USA lassen jährlich 64 Neuerkrankungen auf 100000 Einwohner vermuten.

Ursachen

Die Ursache des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels liegt im Innenohr und ist recht komplex. Wenn sich die Otolithen, die man grob vereinfacht als Sinnes- und Gleichgewichtszellen des Innenohrs beschreiben kann, aus der Ohrhöhle lösen und in den Bogengang überwandern, bewegen sie sich bei jeder Kopfneigung.

Das Gehirn erhält dann eine Bewegungsmeldung, die jedoch kein anderes Körperorgan bestätigen kann, und reagiert mit Schwindel auf die Verwirrung.

Die Gründe, aus denen sich die Otholiten lösen, konnten bisher nicht hinreichend erklärt werden. Die Wissenschaft vermutet diesen Prozess als normalen Bestandteil des Älterwerdens. Als Risikofaktoren für Lagerungsschwindel gelten Schädelhirntraumata, Innenhirnoperationen und Entzündungen des Innenohres.

Auch bei Migränepatienten und Betroffenen des Morbus Menière ist Lagerungsschwindel häufig. Zudem kann er bei Störungen der Gehirnfunktionen auftreten.

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Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Sehr häufig kommt es bei Lagerungsschwindel zu Spontanheilungen, so dass ein Arztbesuch unnötig wird. Bestehen die Symptome über längere Zeit, so sollte in jedem Fall ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden, um schwerwiegendere Ursachen ausschließen und eine adäquate Therapie einleiten zu können.

Der Arzt wird zunächst die Hörfähigkeit und das Gleichgewicht des Patienten testen, um einen Hörsturz und gravierende Folgen und Ursachen des Schwindels auszuschließen. In einer ausführlichen Anamnese werden anschließend alle Symptome und dem Patienten auffallende Besonderheiten seines Schwindels besprochen, um die Schwindelform eindeutig zu diagnostizieren.

Besteht nach der ausführlichen Diagnose der Verdacht, dass die Ursachen des Schwindels im Gehirn liegen, so wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt weitere Untersuchungen einleiten. Zu diesen gehören bildgebende Verfahren, neurologische Untersuchungen und die Messung der Hirnströme.

Häufig verschwindet der Lagerungsschwindel nach einiger Zeit, es sind jedoch auch langanhaltende Verläufe über Monate und Jahre möglich. Zudem kommt es bei mehr als zwei Dritteln der Patienten im Verlauf von zwei Jahren zu einem Wiederauftreten des Schwindels.

Komplikationen

Der Lagerungsschwindel gilt als gutartige Erkrankung, die in der Regel durch einfache Übungen kuriert werden kann. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass die Therapie doch etwas länger dauert. Dann können die Symptome des Schwindels die Lebensqualität der Betroffenen einschränken. Viele Menschen finden die Schwindelattacken als beängstigend. Wenn die Schwindelanfälle sehr häufig auftreten, entwickelt sich ein hoher Leidensdruck.

Der Lagerungsschwindel hinterlässt zwar keine bleibenden Schäden. Langfristig können sich jedoch psychische Probleme einstellen. Manchmal bildet sich eine Angsthaltung vor der nächsten Attacke heraus. Einige Patienten müssen psychotherapeutisch betreut werden, um mit den psychischen Folgen fertig zu werden. Häufig kommen auch Schlafstörungen dazu. Diese entwickeln sich aufgrund der Tatsache, dass Schwindelanfälle häufig während des Schlafes auftreten.

Das geschieht deshalb sehr oft, weil der Lagerungsschwindel immer durch Lageveränderungen des Körpers ausgelöst wird. Im Schlaf findet häufig ein Wechsel der Lageposition statt. Eine weitere Komplikation ist das mögliche Auftreten von Stürzen. Das ist besonders für ältere Patienten ein Problem, da diese Stürze bei ihnen leicht zu Knochenbrüchen und anderen Verletzungen mit gefährlichen Folgen führen können.

So kann ein Schwindelanfall bei älteren Menschen manchmal sogar zu einem Notfall werden. Hinzu kommt, dass das Risiko für Lagerungsschwindel mit dem Alter zunimmt. Aber auch bei jungen Menschen stellen Stürze ein großes Gesundheitsrisiko dar.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist trotz der auf die Patienten häufig sehr bedrohlich wirkenden Drehschwindel-Attacken eine harmlose Erscheinung. Auf die Physis bezogen ist wegen dieser gutartigen und in der Regel selbst zurückgehenden Schwindelform kein Arztbesuch notwendig. Dennoch gibt es Fälle, in denen der Besuch eines Hausarztes beziehungsweise eines HNO-Arztes oder Neurologen durchaus sinnvoll ist.

Hier steht der Erstbesuch bei Auftreten des Lagerschwindels im Sinne einer exakten Diagnostik an erster Stelle. Denn angesichts der heftigen Schwindelanfälle, die dem Patienten vor allem bei den ersten Malen ihres Auftretens Angst bereiten können, hilft oft die Beruhigung, dass hinter den ausgeprägten Symptomen kein Schlaganfall oder eine andere ernstzunehmende Erkrankung steckt. Der einmalige Besuch beim Mediziner hat einen weiteren Vorteil: Der Arzt kann dem Betroffenen Übungen zeigen, mit denen sich die Schwindelsymptome durch Selbsthilfe beseitigen lassen.

Hat der Patient die gegen den Lagerungsschwindel hilfreichen Übungen erst einmal erlernt, muss er wegen des zwar unangenehmen, aber völlig ungefährlichen Krankheitsbildes nicht mehr zum Arzt. Allerdings gibt es hier einige Ausnahmen: So sollte der Mediziner erneut um Rat gefragt werden, wenn die Übungen nicht helfen oder sich zum Schwindel weitere Symptome wie Kopfschmerzen und Ohnmacht gesellen. Bei starker Angst in Bezug auf den harmlosen Schwindel kann zudem eine Verhaltenstherapie beim Psychologen oder Psychotherapeuten helfen.

Behandlung & Therapie

Trotz der guten Aussichten auf Spontanheilung sollte der Lagerungssschwindel therapiert werden. Nötig ist dies insbesondere, um einem Vermeidungsverhalten der Patienten entgegen zu wirken, da dieses funktionelle Folgen haben und die Leidensdauer verlängern kann.

Zudem besteht bei der, wenngleich unangenehmen, gezielten Auslösung der Symptome eine Chance auf Gewöhnung, so dass das Gehirn seine Irritation verliert und die Symptome zurückgehen.

Die Ablösung der Othilien ist nicht reversibel. Mit entsprechenden Bewegungs- und Lagerungsübungen sollte es bei korrekter Durchführung jedoch möglich sein, die Othilien aus den Bogengängen hinaus und in eine harmlose Ruheposition zu befördern. Die bekannteste Übung ist das Epley-Manöver, dessen Wirksamkeit in verschiedenen unabhängigen Studien belegt werden konnte.

Da es wichtig ist, dass diese Behandlung unter fachkundiger Anleitung erfolgt, um Komplikationen zu vermeiden, wird sie an dieser Stelle nicht näher beschrieben.

Medikamente und operative Methoden, wie die Entfernung des Gleichgewichtsorganes, kommen bei Lagerungsschwindel nicht zum Einsatz, da sie zu starke Nebenwirkungen haben.

Aussicht & Prognose

Bei Lagerungsschwindel ist in der Regel kein Besuch beim Arzt notwendig. Das Symptom verschwindet in den meisten Fällen von selbst und muss nicht behandelt werden. Bei langanhaltenden Symptomen kann allerdings der HNO-Arzt um Rat gefragt werden.

Nicht selten tritt beim Lagerungsschwindel auch eine Einschränkung des Hör- und Sehvermögens beim Patienten ein. Wie stark diese Einschränkungen sein werden, kann nicht allgemein vorausgesagt werden. Oft kommt es zu starken Kopfschmerzen und einer Übelkeit. Bei diesem Symptom tritt in vielen Fällen eine spontane Heilung auf. Allerdings können Patienten auch mehrere Jahre lang am Lagerungsschwindel leiden.

Durch den Lagerungsschwindel ist das Leben des Patienten eingeschränkt. Oft ist es nicht mehr möglich, die Arbeitsstätte ohne Weiteres aufzusuchen. Hinzu kommen teils Schlafstörungen oder Depressionen. Aufgrund des Lagerungsschwindels kann es vermehrt und einfacher zu Unfällen mit Knochenbrüchen kommen. Durch das Symptom steigt auch das Risiko für Schlaganfälle und plötzliche Ohnmachtsanfälle.

Das Symptom wird in der Regel nicht durch Medikamente oder operative Eingriffe behandelt. Sollte der Lagerungsschwindel durch bestimmte Vorgänge ausgelöst werden, so müssen diese vom Patienten vermieden werden.

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Vorbeugung

Es gibt keine Möglichkeit, dem Lagerungsschwindel vorzubeugen. Auch die Vermeidung entsprechender Kopfbewegungen ist schädlich, da sie der Heilung entgegen wirkt.

Das können Sie selbst tun

Lagerungsschwindel fühlt sich überaus unangenehm an. Trotzdem ist er an sich harmlos. Den teilweise massiven Schwindelanfällen kann jeder Betroffene aber bestimmte Übungen entgegensetzen. Diese fühlen sich anfangs ebenfalls sehr unangenehm an, weil der Betroffene durch genau vorgeschriebene ruckartige Bewegungen exakt den Schwindel auslöst, den er gerne vermeiden möchte. Dazu gibt es aber keine Alternative. Bei akuten Schwindelanfällen sind stilles Sitzen, bewusste und langsame Kopfbewegungen angezeigt.

Bei leichten Fällen von Lagerungsschwindel kann es ausreichend sein, bewusste und deutlich langsamere Bewegungen mit dem Kopf zu machen. Gelegentlich legt sich der Lagerungsschwindel dann nach einigen Tagen wieder. Da der Lagerungsschwindel aber mit zunehmendem Alter häufiger vorkommen kann, sollten Betroffene sich rechtzeitig hilfreiche Strategien zurechtlegen. Damit können sie bereits beim ersten Auftreten eines neuen Anfalls von Lagerungsschwindel besser darauf reagieren.

Gegenstrategien wie das Epley-Manöver sind aus ärztlicher Sicht das einzige Mittel, das gegen einen Lagerungsschwindel hilfreich ist. Die im Internet zu findenden Übungen gegen Lagerungsschwindel können verinnerlicht und beim ersten Auftreten von lagerungsbedingtem Schwindel geübt werden. Darüber hinaus haben Patienten aber auch die Möglichkeit, über Akupressurpunkte, Hand- oder Fußreflexzonenmassagen oder die Dorn-Methode für Erleichterung zu sorgen. Diese sind Maßnahmen, die jeder Betroffene bei akuten Schwindelattacken ausprobieren kann. Ob sie hilfreich sind, ist individuell verschieden.

Quellen

  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie. Springer, Berlin 2012
  • Brandt, T., Dieterich, M., Strupp. M.: Vertigo – Leitsymptom Schwindel. Springer, Berlin 2013
  • Hacke, P.: Neurologie. Springer, Berlin 2016


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Martina kommentierte am 09.01.2015

Ich hatte vor vier Wochen heftige Drehschwindelattacken. So schlimm, dass wir den Krankenwagen anrufen mussten. Es würde ein Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel festgestellt. Jetzt hatte ich heute Nacht wieder einen Anfall und mir geht es gerade nicht so gut. Übelkeit, Kopfweh und beim runter oder rauf schauen, Schwindel. Ich habe jetzt die Übung ein paarmal gemacht. Ich weiss, es dauert ein wenig aber ich habe Angst die Übungen nicht richtig zumachen. Meine Frage ist: Wer kann mir es richtig zeigen oder kann man nichts falsch machen? Ich bin jetzt 41 Jahre alt (jung) und ehrlich gesagt, schräntk mich der Schwindel ein. Ich habe nach dem ersten Anfall vor jeder Bewegung Angst gehabt. Ich fühle mich nicht richtig erstgenommen mit diesem Problem und auch allein gelassen.

Jana kommentierte am 04.02.2015

Hey Marina,

das tut mir Leid. Ich bin 32 und hatte zum ersten Mal mit 27 damit zu tun. Ich bin Migränepatient und vermute, da liegt der Zusammenhang.

Ende letzten Jahres hatte ich leider nach 4 Jahren Pause dann auch wieder mit Lagerungsschwindel zu tun. Und genau wie bei Dir, tauchte er trotz erfolgreichem Manöver exakt vier Wochen später wieder auf und war viel schlimmer.

Genau wie Du, habe auch ich mich richtig schlecht gefühlt und hatte Angst vor jeder Bewegung.

Wieder hatte ich nach einem Manöver nach ungefähr 5 Tagen Ruhe. Das ist jetzt 6 Wochen her und lässt mich hoffentlich endlich zufrieden.

Vom Ohrenarzt fühlt man sich leider nicht ernstgenommen, da dieser Zustand ja nicht "wirklich" gefährlich ist. Auch ich wurde nach 10 min aus dem Behandlungszimmer verband, obwohl ich noch Fragen hatte. Ich denke, wer es nicht kennt, versteht nicht, dass man auch seelisch total mitgenommen ist.

Er gab mir noch den Hinweis mit, dass zwar keine Schonhaltung nach dem Schwindel gut sei, jedoch gewisse Bewegungen vllt. mal ein halbes Jahr ausgesetzt werden sollten, und zwar: Saltos und Vorwärtsrollen (klar :)), Karrusells und auch nicht "langes freies Hängenlassen" des Kopfes (zum Beispiel beim Gardienenaufhängen). Jetzt aber nicht einschränken im Alltag. Es dauert wohl etwas, bis sich diese Steinchen an ihrer richtigen Stelle wieder "festkleben".

Ich hoffe, das hilft Dir ein bisschen und ich hoffe Du bist es erstmal los!

Gruß einer Leidensgenossin :)

Zita kommentierte am 30.10.2016

Leider wird man immer wieder überfallartig überrascht. Meistens nachts während des Schlafens. Starkes Drehen auf der betroffenen Seite, so dass man den Kopf nur zur nichtbefallenen Seite halten kann. Oft ist ein kurzzeitiger Aufenthalt im Krankenhaus, wegen Infusion, nötig. Lagerungsschwindel ist sehr unangenehm, mit Übelkeit verbunden und das Alltagsleben ist völlig eingeschränkt. Die Übungen, die den Lagerrungsschwindel beseitigen/vermindern, sollten allerdings nur so lange gemacht werden, bis der Lagerungsschwindel weg ist. Darüber hinaus nicht ratsam, also es gibt keine Vorbeugung, wer dazu neigt, bekommt es immer wieder, ohne Vorwarnung und anfallartig.