Photodynamische Therapie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die photodynamische Therapie stellt ein vergleichsweise schonendes und zugleich effektives Behandlungsverfahren bei oberflächlichen Hauttumoren dar. Mit Hilfe von sogenannten Photosensibilisatoren und Lichtwellen werden Stoffe im Organismus freigesetzt, die gezielt zum Zelltod der erkrankten Zellen führen.
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Was ist die photodynamische Therapie?
Als photodynamische Therapie (PDT) wird ein diagnostisches und nichtinvasives therapeutisches Verfahren im Rahmen der Behandlung von oberflächlichen Hauttumoren (Carcinoma in situ) bezeichnet.
Das Verfahren stellt eine effektive und schonende Alternative zu konventionellen invasiven operativen Eingriffen dar. So führt eine photodynamische Therapie in aller Regel zu besseren kosmetisch-ästhetischen Resultaten mit deutlich geringerer bis keiner Narbenbildung. Charakteristische Krankheitsbilder, die mit photodynamisch therapierbaren Tumoren einhergehen, sind Morbus Bowen, aktinische Keratosen sowie die in Mitteleuropa am häufigsten diagnostizierten Basaliome (semimaligner Hauttumor).
Zudem können viral bedingte Hautveränderungen (u.a. Warzen) sowie feuchte Formen der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zur Verödung abnormer Blutgefäße in der Netzhautmitte wirksam durch eine photodynamische Therapie behandelt werden.
Das Verfahren beruht auf dem Zusammenspiel von drei Bestandteilen: einem lichtempfindlich machenden Stoff, Licht der dazu passenden Farbe und Sauerstoff im behandelten Gewebe. Keiner dieser Bestandteile richtet für sich genommen etwas aus. Der Photosensibilisator bleibt ohne Bestrahlung weitgehend untätig, das eingesetzte Licht ist für sich zu schwach, um Zellen zu schädigen, und ohne ausreichende Sauerstoffversorgung des Gewebes können die schädigenden Verbindungen gar nicht erst entstehen. Aus dieser dritten Bedingung ergibt sich zugleich eine praktische Grenze: Schlecht durchblutete und daher sauerstoffarme Bereiche sprechen weniger gut an.
Von den beiden namensähnlichen Lichtbehandlungen unterscheidet sich die photodynamische Therapie deutlich. Die Phototherapie arbeitet allein mit Licht und ohne Medikament, etwa bei entzündlichen Hauterkrankungen. Die Photochemotherapie verbindet zwar ebenfalls einen lichtempfindlich machenden Stoff mit Bestrahlung, verwendet dafür jedoch Psoralen und langwelliges UV-Licht und verfolgt ein anderes Ziel: Sie soll eine überschießende Reaktion der Haut dämpfen und die beschleunigte Zellerneuerung bremsen. Die photodynamische Therapie dagegen kommt ohne UV-Licht aus, nutzt in der Regel sichtbares Licht und ist ausdrücklich darauf angelegt, ein umschriebenes Gewebe zu beseitigen.
Ihre Zielgenauigkeit bezieht sie daraus, dass sich der Photosensibilisator beziehungsweise dessen im Körper gebildete wirksame Form in den krankhaft veränderten Zellen stärker anreichert als im gesunden Nachbargewebe, und daraus, dass nur bestrahlt wird, was behandelt werden soll. Beides zusammen begrenzt die Schädigung weitgehend auf den erkrankten Bereich. Dass dabei kein Gewebe entfernt wird, ist Vorteil und Nachteil zugleich: Es entstehen kaum Wunden und selten Narben, es steht danach aber auch kein Präparat für eine feingewebliche Untersuchung zur Verfügung. Bei unklarem Befund wird deshalb vor der Behandlung eine Biopsie entnommen.
Beschrieben wurde der zugrunde liegende Effekt bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als auffiel, dass bestimmte Farbstoffe Zellen erst unter Lichteinwirkung und nur in Anwesenheit von Sauerstoff schädigen. Als planbares Behandlungsverfahren setzte sich die photodynamische Therapie jedoch erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch, als geeignete Sensibilisatoren und ausreichend gleichmäßige Lichtquellen zur Verfügung standen. Angewendet wird sie heute nicht nur in der Dermatologie, sondern auch in der Augenheilkunde sowie – über endoskopische Zugänge – in der Krebsbehandlung an inneren Organen.
Eine grundsätzliche Grenze setzt die Eindringtiefe des Lichts. Es erreicht nur wenige Millimeter unter der Oberfläche eine ausreichende Stärke, weshalb sich das Verfahren auf oberflächliche Befunde beschränkt oder darauf, dass die Lichtquelle über eine Sonde unmittelbar an den Ort gebracht wird. Tief reichende oder in die Umgebung eingewachsene Tumoren sind damit nicht zu behandeln; hier bleiben ein chirurgischer Eingriff, die Strahlentherapie oder eine medikamentöse Behandlung die Verfahren der Wahl.
Funktion, Wirkung & Ziele
Darüber hinaus können durch das Verfahren virale Veränderungen der Haut (bspw. Warzen) effektiv behandelt werden. Hierzu wird auf den betroffenen Hautbereich eine spezielle Creme topisch appliziert und für etwa 3 Stunden mit Hilfe eines Klebepflasters lichtdicht abgedeckt. Der in der Creme enthaltene Lichtsensibilisator (Methylaminolävulinat oder 5-Aminolävulinsäure, kurz 5-ALA) stimuliert selektiv die pathologisch veränderten Hautzellen zur Synthese von Protoporphyrin IX, das eine Vorstufe des roten Blutfarbstoffs Häm darstellt.
Protoporphyrin IX wiederum ist photoaktiv und regt unter dem Einfluss bestimmter Lichtwellen die Bildung aggressiver Sauerstoffradikale an (sogenannter photodynamischer Effekt), die den Zelltod der abnormen Zellen hervorrufen. Auf die gesunden Zellen hat diese chemische Reaktion größtenteils keinen Einfluss. Da es während der Bestrahlung zu individuell unterschiedlich stark wahrgenommenen Schmerzen kommen kann, wird vor Therapiebeginn ein schmerzlinderndes Medikament verabreicht und der zu behandelnde Hautbereich während des Verfahrens mit Hilfe eines Kaltluftgeräts gekühlt.
Im Anschluss an die Behandlung sollten die bestrahlten Hautareale gekühlt und fettende Cremes oder Salben vermieden werden. Zur Beruhigung und Schmerzlinderung kann ein entzündungshemmendes Gel appliziert werden. In Abhängigkeit von Ausprägung und Stadium des vorliegenden Hauttumors muss die Therapie gegebenenfalls wiederholt werden. So ist beispielsweise bei einer ausgeprägten aktinischen Keratose nach etwa 4 Wochen eine Wiederholung der photodynamischen Therapie angezeigt.
Ferner werden halbjährige Kontrolluntersuchungen zur frühzeitigen Diagnose von Rezidiven empfohlen. Der beschriebene photodynamische Effekt kann darüber hinaus auch zu diagnostischen Zwecken genutzt werden (photodynamische Diagnostik bzw. Fluoreszenzdiagnostik). Nachdem die betroffenen Hautbereiche mit dem Photosensibilisator behandelt wurden, kann mit Hilfe einer Wood-Lampe (Schwarzlicht) das in den pathologisch veränderten Zellen selektiv angereicherte Porphyrin sichtbar gemacht werden. Dies ermöglicht eine frühzeitige Diagnose sowie eine detaillierte Identifizierung und Beurteilung der erkrankten Hautareale, was insbesondere bei den oftmals versprengten Formen der aktinischen Keratose von Bedeutung ist.
Seit geraumer Zeit wird die photodynamische Therapie auch bei feuchten Formen der altersbedingten Makuladegeneration angewandt. Hierbei wird im Vorfeld der Laserbehandlung der lichtsensible Farbstoff (u.a. Verteporfin) in die Armvene infundiert. Durch die anschließende Bestrahlung mit Lichtwellen können die geschädigten Blutgefäße im Auge, die sich mit dem Photosensibilisator angereichert haben, gezielt verödet werden. Im Anschluss an die photodynamische Therapie besteht in aller Regel eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, die das Tragen von dunklen Sonnenbrillen sowie entsprechend schützender Kleidung erforderlich macht. Bei der feuchten Makuladegeneration ist die photodynamische Therapie inzwischen allerdings weitgehend durch die Injektion von VEGF-Hemmern in den Glaskörper abgelöst worden und kommt dort nur noch in Sonderfällen zum Einsatz.
Vor dem Auftragen der Creme wird die Hautstelle in der Regel vorbereitet: Schuppen und Krusten werden vorsichtig abgetragen, damit der Wirkstoff überhaupt in die veränderten Zellschichten gelangt. Von dieser Vorbereitung hängt der Erfolg wesentlich ab, denn eine Creme, die auf einer festen Hornschicht liegen bleibt, erreicht die Zellen darunter nicht. Die Behandlung erfolgt üblicherweise ambulant; eine Betäubung des ganzen Körpers ist nicht erforderlich.
Ein besonderer Vorteil zeigt sich bei ausgedehnter Lichtschädigung der Haut. Wo neben den sichtbaren Rauigkeiten bereits das ganze umgebende Areal verändert ist, lässt sich mit der photodynamischen Therapie die gesamte Fläche in einem Durchgang behandeln, während die Vereisung (Kryotherapie) oder das Abtragen einzelner Herde jeweils nur den einzelnen Punkt erfasst. Gerade an Stirn, Kopfhaut und Handrücken, wo solche Veränderungen gehäuft auftreten, ist das ein praktischer Unterschied.
In milderer Form steht die Behandlung mit Tageslicht zur Verfügung. Dabei wird die Creme aufgetragen und der Patient hält sich anschließend im Freien auf, statt vor einer Lampe zu sitzen. Weil das Licht dann von Anfang an und in geringerer Stärke einwirkt, wird die Behandlung deutlich besser vertragen und als weniger schmerzhaft empfunden. Sie ist allerdings an Jahreszeit und Witterung gebunden, setzt ausreichend milde Außentemperaturen voraus und eignet sich nicht für jeden Befund. Vor dem Hinausgehen wird die unbehandelte Haut mit einem geeigneten Sonnenschutz versehen.
Über endoskopische Zugänge lässt sich die Lichtquelle auch an innere Organe bringen. In der Speiseröhre kann die photodynamische Therapie bei frühen Formen von Speiseröhrenkrebs und bei Vorstufen eingesetzt werden, wenn eine Operation nicht in Frage kommt; an den Gallenwegen dient sie vor allem dazu, einen durch einen Tumor eingeengten Gang wieder durchgängig zu machen und den Galleabfluss zu sichern. In den Atemwegen kann sie über eine Bronchoskopie Gewebe verkleinern, das ein Bronchialkarzinom in einen größeren Bronchus hineinwachsen lässt und dadurch die Belüftung behindert. In diesen Fällen ist das Ziel häufig nicht die Heilung, sondern das Zurückdrängen örtlicher Beschwerden; die Behandlung tritt dann neben Chemotherapie, Bestrahlung und Eingriff und ersetzt sie nicht.
Der beschriebene Anreicherungseffekt wird darüber hinaus rein diagnostisch genutzt. Bei einer Blasenspiegelung wird der Sensibilisator zuvor in die Harnblase eingebracht; unter blauem Licht leuchten dann Veränderungen auf, die im gewöhnlichen Licht flach und unauffällig erscheinen, sodass sie bei der Untersuchung auf Blasenkrebs nicht übersehen werden. In der Neurochirurgie macht dasselbe Prinzip bei bösartigen Hirntumoren wie dem Glioblastom während der Operation die Grenze zwischen Tumor und umgebendem Gewebe sichtbar. In beiden Fällen wird das Licht nicht zur Zerstörung eingesetzt, sondern um zu erkennen – die Behandlung selbst erfolgt anschließend auf anderem Weg.
Ob bei einer Hautveränderung die photodynamische Therapie gewählt wird, ergibt sich aus dem Vergleich mit den übrigen Möglichkeiten. Einzelne, klar abgegrenzte Rauigkeiten lassen sich mit der Vereisung oder durch Abtragen in wenigen Minuten beseitigen. Äußerlich anzuwendende Mittel, die der Patient über einen längeren Zeitraum selbst aufträgt, erfassen ebenfalls eine ganze Fläche, verlangen aber Geduld und führen über Wochen zu einer sichtbaren Entzündungsreaktion. Die operative Entfernung wiederum liefert als einzige ein Präparat zur feingeweblichen Beurteilung. Für die photodynamische Therapie sprechen daher vor allem großflächige Befunde an kosmetisch heiklen Stellen, ein gesicherter oberflächlicher Charakter der Veränderung und der Wunsch, keine Narbe zu hinterlassen; gegen sie sprechen Unsicherheit über die Ausdehnung in die Tiefe und eine ausgeprägte Schmerzempfindlichkeit an der betroffenen Stelle.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Diese klingen üblicherweise innerhalb weniger Tage wieder ab. In seltenen Fällen können zudem Krustenbildungen, nässende Hautbereiche sowie Schwellungen im Anschluss an eine photodynamische Therapie festgestellt werden. Hautverkrustungen lösen sich wie Wundschorf zumeist nach einigen Tagen selbstständig ab.
In äußerst seltenen Fällen kann durch die photodynamische Therapie eine Pigmentverschiebung (postinflammatorische Hyperpigmentierung) hervorgerufen werden, die sich anhand einer übermäßig starken Pigmentierung (dunkle Verfärbung) der Haut manifestiert. Im Rahmen der Behandlung einer altersbedingten Makuladegeneration kann das Verfahren Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen) und weitere Schädigungen in der Netzhaut bedingen. Zudem sind eine Visusverschlechterung oder Erblindung infolge einer photodynamischen Therapie nicht auszuschließen.
Bei der Behandlung der Haut ist der Schmerz während der Bestrahlung die häufigste Ursache dafür, dass eine Behandlung abgebrochen oder in kleinere Abschnitte aufgeteilt wird. Wie stark er empfunden wird, hängt von der behandelten Stelle und ihrer Ausdehnung ab; im Gesicht und auf der Kopfhaut ist er in der Regel ausgeprägter als am Rumpf. Neben der Kühlung und der Gabe eines schmerzlindernden Mittels kann die Bestrahlung unterbrochen, über eine längere Zeit mit geringerer Stärke geführt oder die Stelle örtlich betäubt werden; bei großflächiger Behandlung im Gesicht kommt auch eine Nervenblockade in Betracht.
Nach einer örtlich aufgetragenen Creme bleibt die erhöhte Lichtempfindlichkeit auf die behandelte Stelle beschränkt und klingt binnen kurzer Zeit ab. Anders verhält es sich, wenn der Photosensibilisator in eine Vene gegeben wird: Dann ist der ganze Körper betroffen, und zwar über einen deutlich längeren Zeitraum. Direkte Sonne, helles künstliches Licht und Untersuchungsleuchten sind in dieser Zeit zu meiden, geeignete Kleidung und eine getönte Brille gehören zur Nachbehandlung. Fensterglas hält den maßgeblichen Lichtanteil nicht vollständig zurück.
Gegen eine photodynamische Therapie sprechen eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber dem verwendeten Stoff, Erkrankungen des Porphyrinstoffwechsels (Porphyrie) und andere Zustände mit krankhaft gesteigerter Lichtempfindlichkeit. In Schwangerschaft und Stillzeit wird das Verfahren zurückhaltend gehandhabt. Ebenso wird erfragt, ob Medikamente eingenommen werden, die ihrerseits die Lichtempfindlichkeit steigern, weil sich beide Wirkungen addieren können.
Ein Risiko eigener Art liegt darin, dass kein Gewebe zur Untersuchung gewonnen wird. Ob ein Tumor vollständig erfasst wurde, lässt sich daher nicht am Präparat ablesen, sondern erst im weiteren Verlauf beurteilen. Ein Rückfall kann unter einer äußerlich abgeheilten Oberfläche entstehen und wird dann spät bemerkt. Aus diesem Grund gehören regelmäßige Kontrollen zur Behandlung, und bei tief reichenden, knotigen oder in der Einordnung unsicheren Befunden wird der operativen Entfernung der Vorzug gegeben, weil sie eine Beurteilung der Schnittränder erlaubt.
Bei den endoskopischen Anwendungen an inneren Organen kommen weitere Gefahren hinzu. Das behandelte Gewebe schwillt zunächst an, wodurch sich ein ohnehin verengtes Hohlorgan vorübergehend weiter einengen kann; in den Atemwegen kann abgestorbenes Material die Belüftung behindern und muss gegebenenfalls in einer zweiten Untersuchung entfernt werden. Möglich sind außerdem eine Blutung, eine narbige Engstelle im Verlauf der Abheilung und – selten, aber schwerwiegend – ein Durchbruch der Organwand. Solche Eingriffe werden daher an Einrichtungen durchgeführt, die auch die Behandlung der Komplikationen vorhalten.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Kaufmann, R., Podda, M.: Dermatologische Operationen.
ISBN: 9783132412958
- Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783540237815
- Zink, A. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783437238376
- Dirschka, T., Oster-Schmidt, C., Schmitz, L. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie.
ISBN: 9783437223037
