Erblindung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Erblindung handelt es sich um die stärkste Sehbehinderung. Sie tritt in Folge verschiedener Krankheiten im Laufe des Lebens auf oder besteht bereits seit der Geburt. Da die Augen als wichtigstes Sinnesorgan des Menschen gelten, ist der Verlust der Sehkraft oft durch weitere psychologische Beschwerden gekennzeichnet. Die Erblindung ist dabei keine eigene Diagnose, sondern das Endergebnis ganz unterschiedlicher Augenerkrankungen.
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Was ist eine Erblindung?
Unter Erblindung wird im engeren Sinn der vollständige Verlust des Sehvermögens verstanden. Betroffenen ist es nicht mehr möglich, sich über die Augen zu orientieren. Mittlerweile existieren zwar zahlreiche Hilfsmittel, die erblindeten Personen das Leben erleichtern sollen (zu diesen gehören beispielsweise speziell ausgebildete Blindenführhunde oder eine mit dem Tastsinn erfassbare Schrift), dennoch gilt eine Erblindung als Einschnitt der Lebensqualität.
Bei den meisten Erkrankungen entwickelt sich Blindheit schleichend und nicht von dem einen Tag auf den anderen. Oft sind Krankheiten der Netzhaut für den Prozess verantwortlich. Aber auch Verletzungen können die Sehkraft sehr stark einschränken oder eliminieren.
Als absolut blind werden Menschen anerkannt, die kein Licht mehr wahrnehmen können. Dieser Zustand wird als Amaurose bezeichnet. Des Weiteren existiert eine Erblindung, wenn die Sicht des besseren Auges bei maximal zwei Prozent liegt. Blind im Rechtssinn ist in Deutschland also, wessen Sehschärfe auf dem besseren Auge 1/50 (zwei Prozent) oder weniger beträgt – Blindheit beginnt damit nicht erst bei völliger Schwarzsicht. Davon zu unterscheiden ist die Sehbehinderung, die bei einer Sehschärfe von weniger als 30 Prozent auf dem besseren Auge anerkannt wird.
Blindheit kann angeboren sein, wie zum Beispiel durch vererbte Netzhauterkrankungen, vorgeburtliche Fehlbildungen oder bedingt durch den Schwund der Sehnerven. In Deutschland ist der größte Teil der Erblindeten jedoch im Laufe ihres Lebens erkrankt.
Die Möglichkeit, die niedrige Sehkraft zu erhöhen, ist unter bestimmten Umständen gegeben und hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Beschwerden sollten deshalb zügig von einem Arzt abgeklärt werden.
Ursachen
Die Ursachen einer Erblindung liegen in unterschiedlichen Erkrankungen. Zu diesen gehört beispielsweise der Graue Star. Die Linse ist bei einem gesunden Auge dafür verantwortlich, dass das gesehene Abbild scharfe Umrisse annimmt, die dann an das Gehirn weitergeleitet werden. Der Graue Star hingegen sorgt für eine Trübung der Linse, wodurch diese ihre Funktion nicht einwandfrei erfüllen kann.
Stattdessen wird im weiteren Verlauf der Erkrankung ein Schleier hinter der Pupille sichtbar. Der Graue Star tritt insbesondere ab dem 65. Lebensjahr auf. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 400.000 bis 600.000 Menschen operativ behandelt; nach neueren Schätzungen sind es inzwischen rund 800.000 Eingriffe im Jahr. Ohne Therapie ist der Graue Star weltweit die häufigste Ursache einer Erblindung – gerade deshalb, weil die Operation in vielen ärmeren Ländern nicht verfügbar ist.
Als zweithäufigste Ursache kommt ein Glaukom in Frage, auch als Grüner Star bekannt. Unter dem Begriff werden mehrere Augenkrankheiten zusammengefasst, die sich schädigend auf den Sehnerv auswirken. Der Sehnerv stellt die Verbindung zwischen Augen und Gehirn dar. Das gesehene Abbild der Umwelt entsteht durch einfallendes Licht. Dieses wiederum löst bestimmte Reize auf der Netzhaut aus, die im weiteren Sehvorgang an das Gehirn vermittelt werden. Erst, wenn die Informationen im Gehirn angelangt sind, kann dieses die Reize auswerten und das Bild entsteht.
Ist der Sehnerv jedoch verletzt, so kann die Übertragung nicht mehr stattfinden. Stattdessen führt eine fortschreitende Verletzung zur Erblindung. 2012 gab es in Deutschland insgesamt 670.000 Menschen, die an einem Glaukom erkrankt waren; heute wird ihre Zahl auf etwa eine Million geschätzt.
Eine weitere potenzielle Ursache ist Diabetes. Die Stoffwechselkrankheit kann aufgrund von zerstörten Blutgefäßen zu einer Schädigung der Netzhaut beitragen (diabetische Retinopathie). In der Netzhaut sitzen verschiedene Lichtsinneszellen, die ein Abbild bei Dunkelheit sowie Tageslicht ermöglichen. Eine Schädigung der Netzhaut führt dazu, dass Betroffene das einfallende Licht nicht mehr wahrnehmen. Weil dieses im Sehvorgang eine bedeutende Rolle spielt, ist die Netzhaut ein wichtiges Element des Sinnesorgans.
Die genannte Reihenfolge gilt weltweit. In den Industrieländern und damit auch in Deutschland führt dagegen die altersabhängige Makuladegeneration die Statistik an, gefolgt von der diabetischen Retinopathie und dem Glaukom.
Betroffene können lernen, ihre anderen Sinne zur Kompensation zu schärfen. Insbesondere Personen, die von Geburt an blind sind, verfügen meistens z. B. über ein besser geschultes Gehör.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Aus einer Erblindung können weitere Beschwerden resultieren. Zum einen steigt die Unfallgefahr, zum Beispiel bei dem Überqueren einer Ampel oder bestimmten Aufgaben im Alltag. Als bedeutender werden oft jedoch die psychischen Konsequenzen wahrgenommen, welche sich insbesondere bei Personen äußern, die im Laufe ihres Lebens aufgrund von Krankheiten ihr Augenlicht verlieren.
Die Sinneswahrnehmung durch die Augen kann gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt erfolgen. Ein Sehen ist dem Betroffenen daher nicht mehr möglich. Dies gilt auch unter Zuhilfenahme etwaiger Sehhilfen. Von einer Vollblindheit (Amaurose) wird dabei nur dann gesprochen, wenn überhaupt keine optischen Reize mehr verarbeitet werden können.
Aber auch eine entsprechend schlechte Sehfähigkeit gilt bereits als Blindheit. Zugrunde gelegt wird hierbei eine Sehschärfe von 1/50 oder schlechter auf dem besseren Auge. Von Blindheit wird medizinisch auch dann gesprochen, wenn die Sehfähigkeit lediglich auf einem Auge stark eingeschränkt oder nicht vorhanden ist (einseitige Blindheit).
Blindheit als solche kann zu Folgesymptomen führen, die sich unter anderem aus dem erhöhten Verletzungsrisiko und einer gewissen psychischen Belastung, die Erblindete erfahren, ergeben. Das Notwendigwerden von Alltagshilfen kann zu entsprechenden Abhängigkeiten und Verhaltensänderungen führen. Der Verlust der Sehkraft kann zudem zu starken psychischen Leiden führen.
Anzeichen einer Erblindung gibt es häufig, insofern eine voranschreitende oder chronische Erkrankung die Ursache derselben ist. Zumeist trübt sich die Sicht vorerst oder das Gesichtsfeld wird allmählich eingeschränkter. Wie sich eine Erblindung ankündigt, ist ursachenabhängig. Eine unfallbedingte Blindheit oder eine solche, die auf irreparable Schäden in den Strukturen des Auges, der Sehnerven oder des Gehirns, zurückgeht, kann hingegen auch akut auftreten.
Psychische Schwierigkeiten mit der Erblindung können meist in verschiedene Phasen eingeteilt werden. Während Betroffene zu Beginn in ihrem Leben stagnieren und oft eine Veränderung der Gewohnheiten ablehnen, wird in der Phase der Konfrontation die Haltung der Verleugnung aufgegeben. Stattdessen kommt es zu einer Reihe psychischer Beschwerden wie Frust, Wut, die Suche nach Schuldigen, Auseinandersetzung mit Dritten und einem erhöhten Aggressionspotential. Es folgt die Episode der Depression, in der die Erblindung erstmals bewusst wahrgenommen und in der abschließenden Phase akzeptiert wird.
Eine Erblindung kann jedoch auch dauerhaft zu Depressionen führen. Obwohl mittlerweile zahlreiche Hilfsmittel und Betreuungsmöglichkeiten existieren, fühlen Erblindete sich nicht selten im Alltag überfordert und sozial ausgegrenzt. Insbesondere in den ersten Monaten benötigen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit, welche wiederum das Gefühl von Abhängigkeit aufkommen lassen kann.
Einige Betroffene nehmen sich selber teilweise als Last für Angehörige und Pfleger wahr. Zudem kann der Verlust der Unabhängigkeit zu weiteren psychischen Beschwerden führen. Weil die Orientierung zunächst über die Augen erfolgt, müssen bei einer Erblindung die anderen Sinnesorgane geschult werden, um den Verlust auszugleichen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, dass Betroffene nach einiger Zeit eine Verbesserung von Orientierung und der Bewältigung alltäglicher Aufgaben aufweisen. Dennoch bedeutet die Blindheit eine Einschränkung der Lebensqualität und macht in manchen Bereichen dauerhaft die Hilfe anderer erforderlich.
Komplikationen
Eine Erblindung selbst führt zu keinen medizinischen Komplikationen, die den Gesundheitszustand eines Patienten weiterhin verändern könnten. Allerdings wird durch die Erblindung der Alltag des Patienten zunächst stark eingeschränkt. Ohne Hilfsmittel und ohne ein entsprechendes Training ist es für den Betroffenen nicht mehr möglich, sich alleine fortzubewegen.
Dies kann vor allem bei jungen Menschen zu starken psychischen Problemen und Depressionen führen. Im schlimmsten Falle kommt es zu Suizidgedanken und schließlich zum Suizid. Auch das soziale Leben wird durch die Erblindung stark eingeschränkt. Der Betroffene leidet ebenso an einer erhöhten Unfallgefahr.
Die Erblindung selbst lässt sich meist nicht mehr rückgängig machen; behandelt wird deshalb in erster Linie die zugrunde liegende Erkrankung, um das verbliebene Sehvermögen zu erhalten. Zusätzlich ist es für den Patienten möglich, einige Bewegungshilfen zu nutzen. Dazu gehören der Blindenstock oder ausgebildete Hunde, die den Blinden im Alltag begleiten.
In der Regel wird die Lebenserwartung durch eine Erblindung nicht herabgesetzt. Maßgeblich für die Lebenserwartung ist ohnehin nicht die Erblindung selbst, sondern die Erkrankung, die zu ihr geführt hat. Allerdings kann der Patient nicht alle Krankheiten oder Verletzungen selbst erkennen, sodass bestimmte Symptome nur spät erkannt und behandelt werden. Hierbei kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen, die vom Symptom abhängen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine vollständige Erblindung ist in der Regel nicht zu beheben, sofern diese seit Geburt besteht. Wenn jedoch mit der Zeit erhebliche Sehstörungen wahrzunehmen sind, dann sollte so schnell wie möglich ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Sehstörungen können aus unterschiedlichsten Gründen entstehen, sodass an dieser Stelle höchste Vorsicht geboten ist. Auch eine verschleppte Infektion oder Entzündung des Auges kann zur Erblindung führen.
Eine Infektion im Auge kann unter Umständen die Bindehaut oder auch die Hornhaut angreifen, sodass die Sehkraft verloren gehen kann. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der Gang zum Arzt nicht hinausgezögert wird. Erste Anzeichen einer Infektion sind ein gerötetes Auge und Eiterbildung, die mit der Zeit stärker wird.
Entzündungshemmende Wirkstoffe können sehr effektiv und hilfreich sein, sie dürfen allerdings nur durch einen entsprechenden Arzt verschrieben werden. Somit gilt: Wer eine Erblindung vermeiden möchte, der sollte schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Durch eine ärztliche und medikamentöse Behandlung können eventuelle Folgeschäden frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Aussicht & Prognose
Eine genaue Aussicht und Prognose bei einer plötzlichen Erblindung zu stellen ist sehr schwer, da in vielen Fällen der Verlauf der Erblindung von der Ursache abhängig ist. In seltenen Fällen ist die Blindheit nur von kurzer Dauer und verschwindet danach vollständig. Meistens ist jedoch eine auftretende Blindheit dauerhaft und somit nicht heilbar.
Häufig ist eine Beschädigung der Netzhaut oder des Sehnervs für eine Erblindung verantwortlich. Ist die Netzhaut oder der Sehnerv stark geschädigt, so ist mit einer permanenten Blindheit zu rechnen. Die Aussicht und Prognose auf eine vollständige Genesung stehen somit sehr schlecht. Anders sieht es jedoch aus, wenn eine bestehende Erblindung durch übermäßig helles Licht hervorgerufen wurde. Betroffene Personen haben in solchen Fällen häufig nur für kurze Zeit einen weißen Schleier vor den Augen. Die Chancen stehen auch ohne ärztliche oder medikamentöse Behandlung sehr gut.
In vielen Fällen ist jedoch eine vollständige Erblindung nicht mehr heilbar. Auch wenn eine ärztliche Untersuchung und Behandlung stattfindet, ist häufig nicht mit einer Wiederkehr der Sehkraft zu rechnen. Aus diesem Grund sollte bereits bei ersten Problemen mit der Netzhaut ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Durch eine frühzeitige Behandlung können schwerwiegende Komplikationen vermieden werden.
Das können Sie selbst tun
Die Diagnose kann den Betroffenen seelisch und körperlich aus seiner Bahn werfen. Oft wird es erforderlich sein, sich psychologische Unterstützung zu holen - professionell oder in Selbsthilfegruppen; denn die Angehörigen sind meist hilflos und überfordert.
Die Diagnose betrifft alle Lebensbereiche. Wie sieht es mit der Berufs- und Familienplanung aus, wie mit der finanziellen Absicherung? Kann umgeschult werden? Für die institutionellen Rahmenbedingungen steht der "Ratgeber für Menschen mit Behinderung" des BMAS zur Verfügung.
Wer als blind anerkannt ist, erhält einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "Bl" und hat Anspruch auf Blindengeld beziehungsweise Blindenhilfe; die Höhe des Blindengeldes regeln die Bundesländer unterschiedlich. Der Antrag lohnt sich in jedem Fall, denn an den Ausweis sind weitere Nachteilsausgleiche geknüpft. Ein Orientierungs- und Mobilitätstraining vermittelt den sicheren Umgang mit dem Langstock, ein Training in lebenspraktischen Fähigkeiten den selbstständigen Haushalt; beides kann der Augenarzt verordnen. Für den Weg außer Haus kommen außerdem ein Blindenführhund und für Computer und Smartphone Vorlesesysteme (Screenreader) infrage.
Der Betroffene selbst lernt, seine Wohnung und seinen Arbeitsbereich zu strukturieren und kontrastreich einzurichten. Auch Familienangehörige und Arbeitskollegen sollten sich an die Struktur halten, denn der Betroffene legt sich für alle möglichen Vorgänge eine "mind map" an: Was er nicht erinnert oder nicht findet, existiert nicht. Die Suche nach diesen Kleinigkeiten kostet unnötig viel Zeit und Nerven und erinnert den Betroffenen jedes Mal an den Krankheitsprozess. Aus diesem Grunde sollten auch keine Gegenstände im Weg herumliegen, über die der Betroffene stolpern und sich verletzen könnte.
In Abhängigkeit vom Funktionsausfall steht eine Vielzahl von optischen Hilfsmitteln und Hilfsmitteln für den Alltag zur Verfügung, die alljährlich auf der Anfang Mai in Frankfurt/Main stattfindenden Messe "SightCity" vorgestellt werden. Bei regionalen Aktionstagen der Blinden- und Sehbehindertenverbände gibt es ebenfalls Gelegenheiten, die optischen Hilfsmittel zu testen.
Quellen
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Salmon, J. F., Wolf, A. (Hrsg.): Kanskis Klinische Ophthalmologie.
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- Walter, P., Plange, N.: Basiswissen Augenheilkunde.
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- Lang, G. K., Lang, S. J., Lang, G. E., et al.: Augenheilkunde.
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- Liegl, R., Oeverhaus, M., Priglinger, S., Prokosch, V.: Augenheilkunde Fragen und Antworten.
ISBN: 9783662642665

