Pylorusstenose (Magenpförtnerverengung)

Die Magenpförtnerverengung bzw. Pylorusstenose ist eine Verdickung des Durchgangs vom Magen zum Zwölffingerdarm. Sie verhindert das Passieren des Speisebreis und führt zu schwallartigem Erbrechen. Eine Pylorusstenose muss behandelt werden, da sie sonst einen lebensbedrohlichen Zustand verursachen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pylorusstenose?

Erwachsene mit einer Magenpförtnerverengung verspüren Durst und leiden an Völlegefühl, sie müssen sauer aufstoßen und es kommt wie bei den Kindern zu schwallartigem Erbrechen.
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Die Magenpförtnerverengung (mediznisch: Pylorusstenose) ist eine Verdickung am Magenausgang. Der Magenpförtner (Pylorus) ist ein Muskel, der sich aufgrund von kreisförmig angelegten Fasern durch Zusammenziehen und Entspannen wie ein Ring schließen und öffnen kann.

Der Pylorus trennt den Magen vom Zwölffingerdarm ab. Ist der Magenpförtner verdickt, so lässt er sich nicht mehr weit genug öffnen, um den Speisebrei in den Darm passieren zu lassen. Dies führt dazu, dass die verdaute Nahrung im Magen bleibt, dort zu gären beginnt und Fäulnisprozesse einsetzen.

Die Magenpförtnerverengung kommt häufig bei Säuglingen ab der zweiten bis achten Lebenswoche vor, wobei Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen. Auch Erwachsene können an Magenpförtnerverengung erkranken, meist geschieht dies durch Vernarbungen nach abgeheilten Magen- oder Darmgeschwüren.

Ursachen

Die genaue Ursache der Magenpförtnerverengung ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass die Krankheit bei Säuglingen genetisch bedingt ist, denn sie tritt familiär gehäuft auf.

Das bedeutet, dass in einer Familie, in der bereits ein Elternteil eine Magenpförtnerverengung hatte, häufig auch die Nachkommen davon betroffen sind. Tritt die Magenpförtnerverengung bei Erwachsenen auf, so liegt die Ursache oft in Vernarbungen des Pylorus. Diese entstehen manchmal nach Geschwüren im Magen oder im Zwölffingerdarm.

Wenn sie sich in der Nähe des Magenpförtners befunden haben, können sich in der Abheilungsphase Narben am Pylorus bilden. Sie verdicken den Schließmuskel und die Magenpförtnerverengung entsteht. Eine weitere mögliche Ursache für eine Magenpförtnerverengung ist die Entwicklung einer Gewebewucherung direkt am Magenausgang.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typisches Symptom einer Pylorusstenose ist das schwallartige Erbrechen kurz nach dem Verzehren einer Mahlzeit. Dabei kann es zu mehrmaligem Erbrechen kommen, das in kurzen Intervallen stattfindet. Meist ist der Geruch des Mageninhalts stark säuerlich. Falls der Magen bereits gereizt ist, können vereinzelte Blutspuren in dem Erbrochenen enthalten sein.

Da bei der Pylorusstenose der Magenausgang oft verdickt ist, lässt er sich durch die Bauchdecke deutlich ertasten. Auch kann man gelegentlich sehen, wie sich die Magenmuskulatur zusammenzieht, was sich als wellenartige Bewegung des Bauches beobachten lässt. Da mit dem Erbrochenen neben der Nahrung auch Flüssigkeit ausgeschieden wird, leiden die Kinder schnell unter Mangelerscheinungen.

Sie verlieren Gewicht und haben starken Durst, was sich in regelrecht gierigem Trinken äußert. Da sie die Flüssigkeit aber nicht behalten, kommt es mit der Zeit zu den typischen Zeichen von Austrocknung, wie Augenringe, trockene Schleimhäute und sogenannte stehende Hautfalten.

Letzteres sind mit den Fingern gezogene Falten der Haut, die beim Loslassen stehen bleiben. Weiterhin treten starke Schmerzen im Oberbauch auf. Manchmal kann es auch zu Gelbsucht kommen, welche mit einer Gelbfärbung der Haut und der ursprünglich weißen Lederhaut der Augen einhergeht. Sämtliche Symptome führen mit der Zeit zur totalen Erschöpfung und erfordern dringende ärztliche Behandlung.

Diagnose & Verlauf

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Das typische Symptom der Magenpförtnerverengung bei Säuglingen ist ein schwallartiges Erbrechen etwa 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme. Der Geruch des Erbrochenen ist stark sauer und manchmal sind dünne Blutfäden sichtbar.

Gelegentlich kann man durch die Bauchdecke die wellenförmigen Bewegungen des Magens sehen, der versucht sich durch Muskelkontraktionen zu entleeren. Die Kinder fühlen sich unwohl und haben Bauchschmerzen. Da durch das Erbrechen die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme gestört ist, nimmt das Kind ab und zeigt im weiteren Verlauf Anzeichen von Austrocknung (Exsikkose) wie beispielsweise trockene Schleimhäute, eine eingefallene Fontanelle (weiche Stelle am Oberkopf) und Augenringe.

Erwachsene mit einer Magenpförtnerverengung verspüren Durst und leiden an Völlegefühl, sie müssen sauer aufstoßen und es kommt wie bei den Kindern zu schwallartigem Erbrechen. Die Diagnose stellt der Arzt anhand der Symptome und der Krankheitsgeschichte. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann er erkennen, ob eine Magenpförtnerverengung vorliegt, da der verdickte Schließmuskel im Ultraschall sichtbar ist.

Mit einer Blutuntersuchung wird abgeklärt, ob durch die fehlende Flüssigkeit bereits ein Mangel an lebenswichtigen Elektrolyten und Mineralstoffen eingetreten ist.

Komplikationen

Im schlimmsten Falle kann die Pylorusstenose zum Tod des Betroffenen führen. Dieser Fall tritt in der Regel allerdings erst dann auf, wenn die Behandlung nicht eingeleitet wird. Die Patienten leiden aufgrund der Verdickung an einem dauerhaften Erbrechen. Nicht selten kommt es dabei auch zu Depressionen oder zu einer Reizbarkeit des Betroffenen.

Auch Schmerzen im Bauch und in der Magengegend können auftreten und die Lebensqualität des Patienten erheblich verringern. Das Erbrechen tritt dabei vor allem nach der Einnahme der Nahrung auf. Dauerhaftes Erbrechen führt unweigerlich zu einem starken Gewichtsverlust der Betroffenen. Bei kleinen Kindern kommt es aufgrund der Schmerzen häufig zum Weinen, sodass auch die Eltern und die Angehörigen des Kindes in der Regel gestresst und gereizt sind.

Auch ein erhöhter Durst und ein starkes Völlegefühl können aufgrund der Pylorusstenose auftreten. Durch den Gewichtsverlust kommt es auch zu verschiedenen Mangelerscheinungen, die sich sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirken. Die Behandlung der Krankheit erfolgt in der Regel ohne Komplikationen durch einen operativen Eingriff. Die Beschwerden verschwinden dabei vollständig und treten auch nicht erneut auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Die Magenpförtnerverengung wird meist operativ behandelt. Eine konservative Therapie, das heißt eine nicht operative Behandlung, kann man nur bei sehr leichten Verengungen anwenden. Sie besteht darin, dass man dem Patienten die Nahrung nur in sehr kleinen Portionen zuführt und Medikamente verabreicht, die eine Entspannung der Muskeln bewirken.

Diese Therapie ist sehr langwierig und bringt meist nicht den gewünschten Erfolg. In den meisten Fällen wird operiert, allerdings ist das erst möglich, nachdem der Patient durch die Gabe von Elektrolyten und flüssiger Nahrung stabilisiert wurde. Bei einem chirurgischen Eingriff, der sich Pyloromyotomie (myo= Muskel, tomie= Schnitt) nennt, wird der ringförmige Muskel des Magenpförtners mit einem Schnitt geteilt und aufgezogen.

Dadurch vergrößert sich der Durchmesser des Durchgangs. Die Operation kann mit einem Bauchschnitt durchgeführt werden (Laparotomie) oder durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Bei der Laparotomie wird die Bauchdecke geöffnet, um zum Magenpförtner zu gelangen. Bei der Laparoskopie werden am Bauch nur drei kleine Einschnitte gesetzt, durch welche eine Kamera und die Operationsinstrumente bis zum Magenpförtner eingeführt werden. Nach erfolgter Operation der Magenpförtnerverengung kann man bereits nach ein paar Tagen wieder feste Nahrung aufnehmen.

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Vorbeugung

Einer Magenpförtnerverengung kann man nicht vorbeugen, da sie entweder angeboren ist oder durch Vernarbungen entsteht. Wichtig ist, bei Verdacht auf eine Magenpförtnerverengung, sofort einen Arzt aufzusuchen, da die Erkrankung bei Nichtbehandlung zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann.

Nachsorge

Nachsorgebehandlungen und eventuelle Nachsorgeuntersuchungen hängen von der angewandten Behandlungsmethode ab. In den meisten Fällen sind Säuglinge betroffen, die operativ – beispielsweise in einem laparoskopischen Eingriff – behandelt werden. Säuglinge erholen sich in der Regel sehr schnell von dem Eingriff, so dass postoperativ schon bald ein allmählicher Aufbau von Nahrungsgaben erfolgen kann.

Die vor der Operation beobachteten Symptome verschwinden zügig und die Gefahr eines Rezidivs, also einer Wiederholung der Pylorusstenose, ist nicht zu befürchten. Ausgesprochene Nachsorgeempfehlungen sind daher nicht gegeben. Falls die typischen Symptome wieder eintreten, sollten diese zum Anlass genommen werden, genauere Untersuchungen vornehmen zu lassen. In weniger gravierenden Fällen, in denen keine operative Behandlung indiziert ist, sollten die vorliegenden Symptome, die auf eine Pylorusstenose hindeuten, aufmerksam verfolgt werden.

In den sehr seltenen Fällen, in denen eine operative Behandlung dringend indiziert ist, aber aufgrund anderer Erkrankungen nicht möglich ist, bleibt nur noch die Möglichkeit einer jejunalen Ernährungssonde. Sie mündet unter Umgehung des Magenpförtners (Pylorus) direkt in den Dünndarm. In diesen Fällen weitet sich die Nachsorge zu einer ständigen Betreuung aus, solange die Behandlung der Sekundärerkrankung dauert, die den operativen Primäreingriff verhindert.

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011
  • Rodeck, B., Zimmer, K.-P.: Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung. Springer, Heidelberg 2013 - Gastro

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 13. April 2020

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