Rektusdiastase

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Rektusdiastase

Tritt eine Rektusdiastase auf, so kommt es zu einem Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln. Sie ist selbst kein echter Bruch, kann aber in seltenen Fällen einen Bauchwandbruch begünstigen. Rektusdiastasen sind sehr häufig auf eine Bauchwandschwäche zurückzuführen, die durch Übergewicht oder eine Schwangerschaft hervorgerufen wird. Im Rahmen einer Therapie werden die Bauchmuskeln gestärkt, in manchen Fällen muss eine Rektusdiastase auch operiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rektusdiastase?

Im Rahmen einer Rektusdiastase, auch Mittellinienbruch genannt, weitet sich die Bindegewebsnaht, die senkrecht am Bauch verläuft, aus. In weiterer Folge tritt eine Abweichung des linken beziehungsweise rechten geraden Bauchmuskels auf, außerdem bleibt ein Spalt zurück. Die Bindegewebsnaht weist im Normalfall eine Breite von ein bis zwei Zentimetern auf und entsteht dadurch, dass sich die Bindegewebsstrukturen der Bauchmuskulatur verflechten.

Eine Rektusdiastase ist kein echter Bruch, am stärksten ausgeprägt ist sie im Nabelbereich, wo sie bis zu zehn Zentimeter breit werden kann. Eine Rektusdiastase tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf, da im Zuge einer Schwangerschaft die geraden Bauchmuskeln häufig überdehnt werden. Wenn die Bauchmuskulatur sehr schwach ist, so weichen die Muskelstränge auseinander, wodurch die Trage-, Stütz- und Haltefunktion beeinträchtigt wird. Auch nach der Schwangerschaft bleibt dann eine Vorwölbung an der Vorderseite der Bauchwand bestehen.

Ursachen

Viele Rektusdiastasen werden durch eine Schwangerschaft ausgelöst. Während einer Schwangerschaft wächst das Kind, die Bauchmuskeln werden gedehnt und verlieren dadurch an Spannung. Darüber hinaus wirkt das Schwangerschaftshormon Relaxin ebenfalls entspannend, wodurch die Dehnung der Bindegewebsnaht noch begünstigt wird. Meist tritt eine Rektusdiastase in den letzten Schwangerschaftsmonaten auf. Daher ist es wichtig, dass Frauen in dieser Zeit den Bauch nicht zu stark belasten.

Das Risiko für das Auftreten einer Rektusdiastase wird durch Mehrlingsschwangerschaften oder wiederholte Schwangerschaften noch zusätzlich erhöht, außerdem kann auch Übergewicht zu einer Rektusdiastase führen. In seltenen Fällen hat ein Mittellinienbruch auch angeborene Ursachen. Dann ist der Verlauf der Bauchmuskeln nicht parallel, sondern es kommt zu einer Abweichung nach oben. Die Bindegewebsnaht vergrößert sich und die Bauchdecke wölbt sich nach vorn.

Darüber hinaus kann eine Rektusdiastase auch bei Säuglingen beziehungsweise Neugeborenen auftreten, da der Abstand zwischen den Bauchmuskeln bei ihnen noch relativ groß ist. Sobald die Kinder aber laufen, verschwindet die Rektusdiastase dann jedoch wieder.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Häufig verursacht eine Rektusdiastase zunächst keine Beschwerden. In der Bauchmitte bildet sich ein Spalt, der auch tastbar ist. Bei Anspannung tritt eine sichtbare Auswölbung auf. Während einer Schwangerschaft kommt es bei Belastung oft zu Schmerzen in der Hüfte, Schmerzen im Gesäß sowie im Bereich des unteren Rückens. Vor allem bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, treten die Beschwerden auf, da die Muskulatur dadurch sehr stark gedehnt wurde.

Im vorderen Bereich des Bauches stehen dann überschüssige Haut und Gewebe hervor, bei einer starken Rektusdiastase sind oftmals sogar die Umrisse des Kindes sichtbar. Dadurch kann auch die Geburt erschwert werden, da die Gebärende die Bauchmuskulatur nicht im richtigen Ausmaß einsetzen kann. In diesem Fall können eine gestärkte Rückenmuskulatur sowie eine aufrechte Gebärhaltung Abhilfe schaffen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht der Verdacht auf einen Mittellinienbruch, so sollten ein Allgemeinmediziner oder ein Frauenarzt aufgesucht werden. Nach einer Anamnese kann der Arzt eine Rektusdiastase auf Grund eines Tastbefundes feststellen. Dafür muss sich der Betroffene auf den Rücken legen und die Bauchdecke anspannen.

Durch dieses Anspannen ist die Lücke in der Bauchwand dann für den Arzt gut fühlbar. Wenn der Patient hustet oder lacht, so tritt eine „Wulst“ zwischen den Bauchmuskeln auf. In seltenen Fällen ist auch eine Ultraschalluntersuchung notwendig. Durch sie kann festgestellt werden, wie weit der Mittellinienbruch bereits fortgeschritten ist.

Komplikationen

Eine Rektusdiastase ist meist harmlos und führt selten zu Komplikationen. Lediglich die Bauchmuskulatur wird schwächer und die geraden Bauchmuskeln entfernen sich immer mehr voneinander. In der Regel kann eine Rektusdiastase aber im Rahmen von Krankengymnastik behandelt werden. Allerdings sollten bei einer fühlbaren Rektusdiastase die geraden Bauchmuskeln nicht belastet werden, weil dies einen Behandlungserfolg erschwert oder die Bauchmuskeln noch weiter voneinander entfernt.

Als Belastung gilt die Anspannung der geraden Bauchmuskulatur, die unter anderem beim direkten Aufstehen aus der Rückenlage auftritt. In seltenen Fällen kann aber auch eine Operation notwendig werden, wenn sich die Bauchpresse zunehmend verschlechtert und die Gefahr eines Bauchwandbruchs zunimmt. Häufig treten dann Brüche in der Mittellinie und der Nabelgegend auf.

Solche Brüche sind potenziell gefährlich, weil sie zur Einklemmung von Organen oder Organteilen führen können. Die eingeklemmten Organteile sterben ab, wenn sie sich nicht mehr aus dem Bruch herausdrücken lassen. Besonders Teile des Darms werden im Zuge des Bruchs eingeklemmt.

Dabei handelt es sich um eine lebensgefährliche Situation, die eine Notoperation erforderlich macht, um einen Darmverschluss mit anschließender Bauchfellentzündung zu verhindern. Personen mit einer Rektusdiastase neigen außerdem auch zu Narbenbrüchen, die nach einer Bauchoperation entstanden sind. Auch Narbenbrüche können gefährlich werden, wenn sich Teile innerer Organe darin einklemmen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Rektusdiastase sollte durch einen Arzt behandelt werden. In den meisten Fällen verläuft die Behandlung ohne Komplikationen; der Spalt lässt sich durch gezieltes Training oft deutlich verkleinern, bildet sich aber nicht bei jeder Betroffenen vollständig zurück. Allerdings können in schwerwiegenden Fällen auch operative Eingriffe notwendig sein, um die Beschwerden der Rektusdiastase zu behandeln. Im Allgemeinen wirken sich eine frühe Diagnose und Behandlung immer sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene unter starken Schmerzen in der Hüfte oder im Gesäß leidet. Dabei können die Schmerzen auch in Form von Ruheschmerzen auftreten und sich sehr negativ auf den Alltag und auf den Schlaf des Betroffenen auswirken. Auch der Rücken kann dabei von Schmerzen betroffen sein. Ein Arzt ist auch dann aufzusuchen, wenn es an den Bauchmuskeln zu starken Schmerzen kommt. Die Beschwerden sind vor allem dann von einem Arzt zu untersuchen, falls sie nach einer Schwangerschaft auftreten. Sofort ärztliche Hilfe nötig ist dagegen, wenn eine Vorwölbung am Bauch plötzlich hart und sehr schmerzhaft wird, sich nicht mehr zurückdrücken lässt oder Übelkeit, Erbrechen und ausbleibender Stuhlgang hinzukommen. Das können Zeichen eines eingeklemmten Bruchs sein – in diesem Fall den Notruf 112 wählen. In der Regel kann die Rektusdiastase durch einen Allgemeinarzt behandelt werden. Die eigentliche Übungsbehandlung übernimmt meist eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut mit Erfahrung in Rückbildungs- und Beckenbodentherapie.

Behandlung & Therapie

Eine Rektusdiastase wird mit Hilfe eines Bauchmuskeltrainings behandelt. Falls erforderlich, muss auch vorhandenes Übergewicht abgebaut werden. Solange eine Rektusdiastase jedoch deutlich tastbar ist, sollten klassische Übungen für die geraden Bauchmuskeln wie Sit-ups oder Crunches unterbleiben, da sich der Spalt sonst noch vergrößern könnte; gezieltes Training der tiefen queren Bauchmuskulatur und des Beckenbodens ist dagegen ausdrücklich erwünscht. Um den Spalt zu verringern, können unterschiedlichste Übungen durchgeführt werden. Gut dazu geeignet sind zum Beispiel die Übungen nach Angela Heller.

Dabei werden die Muskeln diagonal angespannt, während die Krankengymnastin die diagonalen Bauchmuskeln zusammenhält. Außerdem werden die Schultern hochgezogen und gegen den Widerstand gedrückt. Mit leichten Übungen für Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur kann bereits im Wochenbett begonnen werden; der eigentliche Rückbildungskurs startet in der Regel etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt, nach einem Kaiserschnitt entsprechend später. Durch dieses Training bildet sich die Rektusdiastase meist zurück und weist dann oft nur noch eine Breite von einem Zentimeter auf. Ist der Mittellinienbruch nur ein oder zwei Zentimeter breit, so bildet er sich häufig auch von selbst zurück. Im Normalfall erfolgt bei einer Rektusdiastase keine Operation.

Sollten die Beschwerden aber zunehmen oder kommt es auch zu Brüchen in der Nabelgegend, so ist eine Operation anzuraten. Dabei werden innere Nähte angelegt und die Bauchmuskeln fixiert. Eine zusätzliche Stabilisation erfolgt mit Hilfe von Kunststoffnetzen. Nach der Operation müssen die Patienten einen Bauchgurt beziehungsweise spezielle Kompressionswäsche tragen und dürfen für etwa sechs Wochen keinen Sport ausüben. Komplikationen sind aber eher selten und treten nur dann auf, wenn auf Grund eines Bruchs Organteile oder Organe eingeklemmt werden.


Vorbeugung

Nach einer Geburt ist eine Rückbildungsgymnastik sehr wichtig, da sie gleichzeitig auch der Vorbeugung dient. Dabei werden die geraden Bauchmuskeln nicht belastet, sondern das Training konzentriert sich auf den Beckenboden, die tiefe quere Bauchmuskulatur und die schrägen Muskeln des Bauches. Da auch Übergewicht zum Entstehen einer Rektusdiastase beitragen kann, sollte auch auf das Einhalten des Normalgewichtes geachtet werden.

Nachsorge

Wird die Rektusdiastase operativ behandelt, ist eine Nachsorge erforderlich. Sie läuft grundsätzlich ähnlich ab wie bei einer Bauchstraffung. Welchen Aufwand die Nachsorge der Rektusdiastase benötigt, hängt vom Befund sowie vom Aufwand des chirurgischen Eingriffs ab. Bei kleineren Eingriffen wird die Genesung rascher erreicht als bei größeren Operationen. Mitunter müssen auch Komplikationen behandelt werden, was die Heilungsdauer verlängert.

In den ersten zwei bis fünf Tagen trägt der Patient eine Drainage. Darüber hinaus muss er sich körperlich konsequent schonen und für etwa sechs Wochen auf sportliche Aktivitäten verzichten. Es wird zudem empfohlen, für diesen Zeitraum Miederwaren zu tragen. Außerdem ist eine leicht gebeugte Haltung des Körpers einzunehmen. Auf diese Weise lässt sich die Spannung der Bauchdecke vermindern.

Dies wirkt sich wiederum günstig auf die Stabilität der Naht aus. Außerdem darf die Naht nicht zu stark strapaziert werden, da sonst eine Aufdehnung droht. Daher ist es sinnvoll, auf dem Rücken zu schlafen. Auch Stehen und Gehen sollten in einer leicht gebeugten Haltung erfolgen.

Eine wichtige Rolle bei der Nachsorge spielt zudem die Stuhlregulierung. So besteht durch Verstopfung oder Blähungen das Risiko, dass das Resultat des chirurgischen Eingriffs negativ beeinflusst wird. Der Genuss von Lebensmitteln, die sich blähend oder verstopfend auswirken, ist daher nicht zu empfehlen. Bei einer Verstopfung gilt die Anwendung eines leichten Abführmittels als ratsam.

Das können Sie selbst tun

Die Rektusdiastase wird konventionell durch gezielte Bewegungstherapie, insbesondere Bauchmuskeltraining, behandelt. Klinische Studien sind noch nicht repräsentativ, aber Bewegung verspricht sowohl Prävention als auch Reduktion der Krankheit. Es ist wichtig zu wissen, dass Bewegung während und nach der Schwangerschaft grundsätzlich erwünscht ist; entscheidend ist die Auswahl der Übungen, denn Sit-ups und Crunches belasten die geraden Bauchmuskeln und sind bei einer tastbaren Rektusdiastase ungeeignet. Welche Übung auch immer gewählt wird, es ist wichtig, sicherzustellen, dass man in der Lage ist, eine gute Spannung im Bauchbereich zu erzeugen.

Auch die Beratung durch einen Physiotherapeuten kann von Vorteil sein. So kann beispielsweise ein Beckenbodenphysiotherapeut kreative und individualisierte Wege und Übungen finden, während des Trainings die inneren Muskeln anzuspannen. Diese Übungen können dann gezielt zu Hause wiederholt werden. Die Muskelkräftigung ist somit das vorteilhafteste Ziel und stand bisher im Mittelpunkt der meisten klinischen Studien.

Die Regeneration der Beckenbodenmuskulatur ist ein weiterer wichtiger Behandlungsbereich. Frauen mit einer Rektusdiastase haben häufiger eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur und damit ein höheres Risiko für Inkontinenz und Beckenschmerzen. Deshalb ist es wichtig, eine schlechte Körperhaltung zu verbessern und Beckenbodentraining zu absolvieren, um die Ursachen etwas einzudämmen.

Quellen

  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Duale Reihe Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Schwarz, N. T. (Hrsg.): Allgemein- und Viszeralchirurgie essentials.
    ISBN: 9783132447523
  • Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
    ISBN: 9783437210976
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Wonisch, M., Hofmann, P., Förster, H., et al. (Hrsg.): Kompendium der Sportmedizin.
    ISBN: 9783662688823

Das könnte Sie auch interessieren