Renale Osteopathie


Medizinische Qualitätssicherung am 16. Juli 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Bei der Renalen Osteopathie handelt es sich um eine Erkrankung, die im Zusammenhang mit einer chronischen Schwäche der Nierenfunktion steht. Die Krankheit wird unter Medizinern in manchen Fällen auch mit dem synonymen Begriff ‚Renale Osteodystrophie‘ bezeichnet. Die Renale Osteopathie ist dadurch gekennzeichnet, dass die betroffenen Patienten an Beschwerden des Skeletts leiden. Darüber hinaus ist der Stoffwechsel von Mineralien beeinträchtigt und funktioniert nicht wie bei gesunden Personen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Renale Osteopathie?

Im Rahmen der Renalen Osteopathie entwickelt sich an den Knochen eine sogenannte Osteomalazie. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einer bestehenden chronischen Nierenschwäche und dem Auftreten der Symptome. Die Osteomalazie entwickelt sich in erster Linie bedingt durch einen Hyperparathyreoidismus sekundärer Art.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung der Renalen Osteopathie sind sehr spezifisch. In erster Linie wird die Erkrankung durch einen sekundären Hyperparathyreoidismus verursacht. Dieser geht mit Elektrolytstörungen einher, außerdem zeigt sich eine Störung beim Stoffwechsel von Vitamin D. Zum einen ist die Krankheit durch Beeinträchtigungen der Knochen geprägt, die denen einer Osteomalazie stark ähneln.

Andererseits bildet sich in der Regel eine sogenannte Fibroosteoklasie, die auf die Wirkung der Parathormone zurückzuführen ist. Im Rahmen einer chronischen Nierenschwäche mangelt es dem menschlichen Organismus an dem Stoff Calcitriol. Bei dieser Substanz handelt es sich um eine Form von Vitamin D, die beim entsprechenden Stoffwechselvorgang aktiv ist.

Zuerst erfolgt die Hydroxylierung von Cholecalciferol in der Leber und der Niere. Schließlich wird der Stoff in seinen biologisch aktiven Zustand umgewandelt. Grundsätzlich hat Calcitriol die Aufgabe, Phosphat und Calcium aus dem Magen-Darm-Trakt sowie der Niere zu resorbieren.

Dieser Vorgang stellt einen wichtigen Faktor bei der Mineralisation von Knochen dar. Die Abwesenheit von Calcitriol führt im ersten Schritt zu einer Hypokalzämie und im weiteren Verlauf zu einer Osteomalazie beziehungsweise Ostepathie.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Renale Osteopathie bringt zahlreiche verschiedene Symptome und Beschwerden für die betroffenen Patienten mit sich. Typischerweise kommt es im Rahmen der Erkrankung zum Beispiel zu Schmerzen in den Knochen und Gelenken, außerdem sind geschwollene und deformierte Stellen möglich. Mitunter leiden die erkrankten Personen an einer speziellen Form der Muskelschwäche.

Prinzipiell stellt die Renale Osteopathie eine komplizierte Erkrankung der Knochen beziehungsweise des Skeletts dar. Da in der heutigen Zeit bei einer bestehenden Nierenschwäche oft über viele Jahre hinweg eine Dialyse durchgeführt wird, tritt die Krankheit öfter auf als zu früheren Zeiten. Die Renale Osteopathie ist mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche und einer Muskelatrophie verbunden.

In der Gegend der Schultergelenke, Zehen, Knie und Ellenbogen zeigen sich bei der Renalen Osteopathie mitunter Ansammlungen von Kalk. In der Folge davon leiden die Patienten an intensiven Schmerzen, die auch die Bewegungsfähigkeit herabsetzen. Insgesamt wird die Lebensqualität erheblich reduziert.

In einigen Fällen sind die Verkalkungen der Gefäße so stark ausgeprägt, dass eine peripher verringerte Durchblutung sowie eine arterielle Verschlusskrankheit die Folgen sind. Dabei kommt es unter Umständen auch zu Nekrosen der Finger oder Zehen. Hierbei sind oftmals eine sogenannte Dilatation der Gefäße und ein operativer Eingriff notwendig.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei ersten Anzeichen und typischen Symptomen der Renalen Osteopathie ist so rasch wie möglich ein geeigneter Facharzt aufzusuchen. Möglich ist es auch, sich zunächst an den Hausarzt zu wenden, der den betroffenen Patienten an einen entsprechenden Spezialisten überweist. Zur Stellung der Diagnose der Renalen Osteopathie ist eine detaillierte Anamnese unverzichtbar.

Während des Patientengesprächs beschreibt die Person dem Facharzt ihre Beschwerden, bedeutende Merkmale der Lebensweise sowie chronische und vergangene Erkrankungen. Dadurch lässt sich unter Umständen bereits eine Verdachtsdiagnose stellen. Im zweiten Schritt untersucht der Arzt die klinischen Symptome der Erkrankung.

Dabei kommen außerdem diverse untersuchungstechnische Methoden zum Einsatz, die eine Diagnose der Renalen Osteopathie erleichtern. So sind zum Beispiel verschiedene Laboruntersuchungen angezeigt. Im Rahmen von Blutanalysen zeigen sich über den Normalwert gesteigerte Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin.

Auch weisen die Ergebnisse in der Regel auf eine Hyperphosphatämie hin. Die Anteile an Kalzium im Serum des Blutes sind häufig sehr niedrig, unter Umständen jedoch noch im Normbereich. Neben den Blutuntersuchungen werden meist auch bildgebende Verfahren zur Diagnose der Renalen Osteopathie eingesetzt. Bei der Durchführung von Röntgenuntersuchungen ergeben sich Hinweise auf eine sogenannte Osteitis fibrosa, die in der Folge des Hyperparathyreoidismus entsteht.

Weitere typische Ergebnisse bestehen in einer fleckigen Osteosklerose und subperiostalen Resorptionen. Mitunter entwickeln sich diffuse Deformitäten an den Knochen, die auch bei dem primären Hyperparathyreoidismus auftreten. Diese kommen zum Beispiel im Bereich des Beckens vor.

Möglich sind auch Verkalkungen extraossärer Art, die sich insbesondere innerhalb von Gefäßen bilden. Tritt die Renale Osteopathie bereits im Kindesalter auf, ergeben sich Störungen an den Wachstumsfugen der Knochen.

Komplikationen

Die renale Osteopathie stellt bereits eine Komplikation der Niereninsuffizienz dar, die von einer komplexen Knochenerkrankung gekennzeichnet ist. Neben Knochenschmerzen, Deformationen und Schwellungen besteht auch eine erhöhte Knochenbrüchigkeit. Die Sprödigkeit der Knochen führt oft schnell zu Knochenfrakturen, deren Heilungsprozess nicht selten sehr langwierig ist. Gleichzeitig finden sich Kalkablagerungen in jeglichen Gelenken.

Betroffen sind unter anderem Schultergelenke, Knie, Ellenbogen, Finger oder Zehen. Diese Kalkablagerungen verursachen starke Gelenkschmerzen und führen außerdem zur Beeinträchtigung der Beweglichkeit. Als Folge ist die Lebensqualität der Patienten oft sehr stark eingeschränkt. Chronische Schmerzen, dauernde Knochenbrüche und die starke Bewegungseinschränkung können auch zu vielfältigen psychischen Erkrankungen führen.

Die Betroffenen sind dann oft nicht mehr in der Lage, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und isolieren sich daher häufig. In vielen Fällen leiden die Betroffenen an Depressionen. Die Gefahr eines Suizids steigt. Eine schwere und lebensgefährliche Komplikation der renalen Osteopathie stellt die arterielle Verschlusskrankheit dar. Diese wird durch Kalkablagerungen in den Gefäßen hervorgerufen. Dabei tritt hier eine besonders schwere Form der Verschlusskrankheit auf.

Neben zunehmenden Schmerzen beim Gehen (Schaufensterkrankheit) kommt es häufig auch zum Absterben von Zehen oder Fingern. Da meist auch Herz und Hirn versorgende Schlagadern verengt sind, können auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle auftreten. In fortgeschrittenen Stadien kann das Leben oft nur noch mittels Amputation der absterbenden Körperteile gerettet werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Diese Krankheit sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Da die Erkrankung das Skelett betrifft und zu ernsthaften Beschwerden im Alltag führen kann, sollte immer schon frühzeitig eine Behandlung durchgeführt werden, um weitere Kompilationen zu vermeiden. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene unter Schmerzen an den Knochen leidet. Diese Schmerzen können relativ sporadisch auftreten und sich sehr negativ auf den Alltag und auf die Lebensqualität des Patienten auswirken.

In der Regel sind auch die Gelenke von Schmerzen betroffen, sodass anstrengende Tätigkeiten oder sportliche Betätigungen nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden können. Auch eine dauerhafte Muskelschwäche kann auf diese Krankheit hindeuten und sollte von einem Arzt untersucht werden. Die Patienten zeigen häufig ein hohes Risiko von Knochenbrüchen oder von Muskelschäden. Auch eine gestörte Durchblutung deutet auf die renale Osteopathie hin.

In erster Linie kann dabei ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Die weitere Behandlung richtet sich nach der genauen Ausprägung der Beschwerden und der Symptome und wird von einem Facharzt durchgeführt.

Behandlung & Therapie

Das Ziel der Behandlung der Renalen Osteopathie besteht in erster Linie in der Normalisierung der Konzentrationen von Phosphat und Kalzium. Vitamin D in einer speziellen Form ist dringend zu verabreichen. Auch werden Calcitriol und Calciumcarbonat substituiert.

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Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung der Renalen Osteopathie sind nicht bekannt. Vielmehr ist eine rasche, adäquate Therapie angezeigt.

Nachsorge

Abhängig von der Stärke der Skelettsymptome und der Nierenfunktion ist auch nach einer behandelten Renalen Osteopathie eine Nachsorge notwendig. Da die Genesung der Renalen Osteopathie maßgeblich von den Nährstoffwerten im Blut abhängt, ist es wichtig, diese regelmäßig zu überprüfen. Die Vitamin-D-, Kalzium-, Kalium- und Magnesiumwerte sollten dabei regelmäßig vom behandelnden Arzt im Blut kontrolliert werden.

Sollte hierbei ein Mangel festgestellt werden, muss dieser mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln oder über Infusionen behoben werden. Da eine schlechte Nierenfunktion und begleitende Dialyse ursächlich für den Mineralstoffmangel und die Entstehung einer Renalen Osteopathie sind, müssen die Nieren- und Harnstoffwerte ebenfalls regelmäßig im Blut kontrolliert werden.

Daneben sollten nach einer erfolgten Dialyse immer Nährstoffe über Nahrungsergänzungsmittel und/oder Infusionen zugeführt werden. Zusätzlich dazu ist es zur Nachsorge einer Renalen Ostheopathie wichtig, bereits entstandene Folgeerkrankungen gesondert zu behandeln. Dies betrifft insbesondere Finger- oder Zehen-Nekrosen, Muskelschwäche, Knochendeformationen und arterielle Verschlusskrankheit, die in Folge der Renalen Osteopathie entstanden sind.

Zur Behandlung einer arteriellen Verschlusskrankheit werden blutverdünnende Medikamente (Macumar) eingesetzt. Die Quick und INR Werte im Blut müssen hierbei regelmäßig kontrolliert werden. Die passende Behandlung von Nekrosen, Muskelschwäche und Knochendeformationen sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, da je nach Nierenfunktion nicht alle Behandlungen in Frage kommen.

Das können Sie selbst tun

Da es sich bei der Renalen Osteopathie um ein äußerst komplexes Krankheitsbild handelt, gilt es die Behandlungsmethoden individuell an die erkrankte Person anzupassen. Derzeit werden Behandlungen lediglich symptomatisch durchgeführt. Doch gerade hier bestehen verschiedene Möglichkeiten, neben der medizinische Versorgung ergänzend auf alternative Therapiemethoden zurückzugreifen. Diese können, nach vorheriger professioneller Unterrichtung, selbst zu Hause angewendet werden und lassen sich in den individuellen Alltag integrieren.

Eine solche Maßnahme kann die Durchführung körperlicher Übungen sein. Durch verschiedene Studien konnte die Wirksamkeit einer Therapie der Knochenproblematik bei einer Renalen Osteopathie erwiesen werden. Durch Übungen, welche dem jeweiligen Leistungsstand des Patienten angepasst werden, kann eine Förderung des Erhalts der Beweglichkeit sowie der Leistungsfähigkeit erreicht werden. Yoga und Gymnastik beispielsweise haben neben einem physiologischen- oft auch einen mentalen Effekt auf die Übenden. Stress und Ängste, die mit den Folgen der Erkrankung und dem Leben mit den Symptomen einhergehen, können abgebaut werden. Wichtig ist dabei jedoch, diese Übungen regelmäßig anzuwenden und die Anforderungen dem jeweiligen Krankheitsverlauf anzupassen.

Auch der positive Effekt auf den Patienten durch ein funktionierendes soziales Netzwerk sollte nicht außer Acht gelassen werden. Freunde und Verwandte können helfen, neuen Lebensmut trotz einer schweren Erkrankung zu fassen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

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