Vitamin-D-Mangel

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 8. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Mangel an Nährstoffen ist bei einer ungesunden und stressreichen Lebensweise nicht selten. Weit verbreitet ist auch in Ländern mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot Vitamin-D-Mangel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vitamin-D-Mangel?

Ein Mangel an Vitamin D liegt dann vor, wenn der Bedarf des Körpers an diesem Vitamin nicht ausreichend gedeckt ist. Feststellbar ist ein Mangel über die Blutwerte. Normal ist eine Konzentration der Vorstufe des D-Vitamins (Vitamin-D3) im Blut eines erwachsenen Menschen von 20 bis 60 ng/ml (jedenfalls im Sommer sollten diese Werte ohne Supplementierung erreicht werden). Wenn die Werte unter 10 ng/ml liegen, deutet das darauf hin, dass bei dem betreffenden Menschen ein Vitamin-D-Mangel vorliegt.

Ursachen

Bei den meisten Menschen ist die Konzentration des Vitamin D im Blut geringer als der empfohlene Wert von 20 ng/ml bzw. 50 nmol/l. Besonders risikoreich sind die Wintermonate, da das Vitamin D durch Sonnenbestrahlung im Körper gebildet wird. Gerade in der dunklen Jahreszeit kann es leicht zu einem Mangel an Vitamin D kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Symptomen und Beschwerden eines Mangels an dem so genannten „Sonnenvitamin“ D gehören Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Muskelzucken.
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Die Ursache für einen Mangel an Vitamin D liegt in einer ungenügenden Zufuhr beziehungsweise Bildung des Vitamins. Das wiederum kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein. Zuerst ist als Ursache ein Mangel an Tageslicht zu nennen. Denn die Bildung des Vitamin D im Körper wird angeregt, wenn die Haut dem Sonnenlicht ausgesetzt ist.

Wer im Sommer einen Sonnenblocker verwendet und keine UV-Strahlung an die Haut heranlässt, wer dunkle Haut hat und wer seinen Körper stark bedeckt, der hat ein höheres Risiko, an einem Mangel des Vitamin D zu leiden. Auch im Winter, wenn naturgemäß weniger Sonnenlicht zur Verfügung steht, leiden viele Menschen an Vitamin-D-Mangel. Des Weiteren kommt es zu einem Mangel, wenn zu wenig Vitamin D mit der Nahrung aufgenommen wird oder wenn der Körper das aufgenommene Vitamin D nicht verwerten kann, etwa bei einer Zöliakie, auch Sprue genannt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zu den typischen Symptomen und Beschwerden eines Mangels an dem so genannten „Sonnenvitamin“ D gehören Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Muskelzucken. Der so genannten Winterdepression kann ein Mangel an Vitamin D zugrundeliegen. Es können auch Schlafstörungen hinzukommen sowie Schmerzen in den Knochen und in den Füßen. Die Knochen können brüchig werden, es kann zu Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden kommen.

Denn wenn ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, kann das Kalzium aus der Nahrung nicht mehr ausreichend in die Knochen eingebaut werden. Durch die schlechtere Einlagerung des Kalziums in den Knochen kommt es zu einer Erweichung der Knochen, einer so genannten Osteomalazie. Bei Kindern kommt es zu einer Rachitis, einer Verformung am Kopf, an der Wirbelsäule und an den Beinen.

Auch die Anfälligkeit für Infekte wird durch einen Vitaminmangel steigen. Ebenso kann es zum vermehrten Auftreten allergischer Reaktionen kommen. Die Anfälligkeit für Heuschnupfen, Asthma und Nesselsucht (Urticaria) etwa kann durch einen Mangel an Vitamin D erhöht sein, außerdem kann es zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, insbesondere Herzmuskelschwäche kommen.

Die Gefahr, an Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Thyreoiditis sowie an Krebs (hier wäre vor allem Brustkrebs zu nennen) zu leiden, nimmt zu. Bei Schwangeren kann es zu massiven Schäden des ungeborenen Kindes kommen, weil sich die Knochen und auch das Gehirn des Fötus durch den Mangel nicht optimal entwickeln können. Auch Zahnfleischerkrankungen (Parodontitis) und Diabetes werden durch einen Mangel an Vitamin D begünstigt.

Wenn anhand bestimmter Anzeichen ein Verdacht auf einen Mangel an Vitamin D besteht, kann ein Bluttest die Diagnose absichern. Bei einem weiteren Verlauf eines Mangels kann es zu bleibenden Schäden (zum Beispiel Tumorerkrankungen, Schizophrenie, Depression) kommen.

Komplikationen

Ein Vitamin-D-Mangel belastet den Körper schon nach kurzer Zeit. Der Betroffene leidet dann unter anderem unter Konzentrationsstörungen, Beschwerden des Herz-Kreislaufsystems und/oder an Muskelschmerzen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Haarausfall, Schlafstörungen und Nervosität. Ernste Komplikationen treten auf, wenn der Vitamin-D-Mangel nicht behoben wird.

Dann entstehen bleibende Schäden und das Risiko für psychische Erkrankungen wie Stimmungsschwankungen und Depressionen steigt. In schweren Fällen treten in Folge eines Vitamin-D-Mangels epileptische Anfälle auf, die für den Betroffenen auch mit einer akuten Verletzungsgefahr und etwaigen Schockreaktionen verbunden sind. Mögliche Folgeerkrankungen der Mangelerscheinungen sind beispielsweise Asthma, Multiple Sklerose und Krebs.

Ein Vitamin-D-Mangel scheint außerdem die Entstehung von Vergesslichkeit, Gedächtnisstörungen und Alzheimer zu begünstigen. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Bei Kleinkinder kommt es in Folge eines Mangels zu Veränderungen des Skelettsystems (Rachitis), die mit Fehlstellungen und anderen Komplikationen einhergehen.

Werden Vitamin-Präparate überdosiert, kann es im Rahmen der Behandlung zu einer Vergiftung kommen. Einige Ergänzungsmittel enthalten zudem Zusatzstoffe, die Allergien und Symptome einer Unverträglichkeit hervorrufen können. Bei einer intravenösen Vitamin-D-Gabe besteht das Risiko von Verletzungen, Infektionen und Blutungen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die unter einem Vitaminmangel leiden, können durch die Umstellung ihrer Lebensweise häufig selbst eine Linderung der Beschwerden erwirken. Insbesondere im Anfangsstadium der Mangelerscheinung kann durch die Maßnahmen der Selbsthilfe ein notwendiger Ausgleich zur Beseitigung des Ungleichgewichts stattfinden. Die Aufnahme der Nahrungsmittel, ausreichende Bewegung im Freien sowie ein gesunder Lebenswandel können zu einer Genesung beitragen.

Bei einem Vitamin D Mangel ist die ausreichende Zufuhr von Tageslicht besonders wichtig. Aus diesem Grund sollten Aufenthalte an frischer Luft täglich stattfinden. Bei den ersten Anzeichen von Schlafstörungen, Rückenbeschwerden, Niedergeschlagenheit oder einem allgemeinen Unwohlsein ist zu prüfen, ob der Tagesablauf optimiert ist für die Bedürfnisse des Organismus.

Die Aufnahme der Lebensmittel sollte auf ihre Inhaltsstoffe überprüft und die Art der Zubereitung kontrolliert werden. Wichtig ist die Zufuhr von frischen Nahrungsmitteln. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder zeigt sich ein zunehmender Charakter der gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten, sollte ein Kontrollbesuch bei einem Arzt initiiert werden. Bei Schmerzen, emotionalen Problemen oder wiederholtem Muskelzucken ist eine Untersuchung anzuraten.

Stimmungsschwankungen, eine erhöhte Anzahl von Erkrankungen, Störungen des Herzrhythmus sowie einem Krankheitsgefühl weisen auf eine gesundheitliche Störung hin. Zur Abklärung der Beschwerden ein Arztbesuch anzuraten. Über einen Bluttest kann das Ausmaß des Vitaminmangels erfasst werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Vitamin-D-Mangels ist ziemlich einfach. Zunächst kann versucht werden, den Körper einer intensiveren Sonnenlichtbestrahlung auszusetzen. Hierzu kann eventuell auch auf künstliches UV-Licht (in einem Solarium) zurückgegriffen werden. Wenn das (etwa aufgrund einer Sonnenlichtallergie oder besonderen Lichtempfindlichkeit) nicht sinnvoll möglich sein sollte, können verstärkt Lebensmittel verwendet werden, die einen besonders hohen Gehalt an Vitamin D aufweisen.

Hierzu gehören Lebensmittel wie Eier, Innereien (vor allem Leber vom Rind und Geflügel), Avocado, fettige Fische, Pilze (vor allem Champignons), Nüsse aller Art und Käse. Hilfsweise kann der Mangel des D-Vitamins auch durch geeignete Präparate aus der Drogerie oder Apotheke ausgeglichen werden, etwa in Form eines Multivitaminpräparates oder eines Monopräparates mit Vitamin D. Bei bereits bestehendem Mangel sollte auf ein höher dosiertes Präparat, eventuell in Absprache mit dem Arzt, zurückgegriffen werden.


Vorbeugung

Um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen, sollte auf einen regelmäßigen Aufenthalt an der frischen Luft bei Tageslicht geachtet werden. Im Sommer kann ein halbstündiges Sonnenbad mit einem nur schwachen Lichtschutzfilter hilfreich sein, um die Bildung von Vitamin D über die Haut zu unterstützen. Im Winter sollte vorwiegend auf solche Lebensmittel zurückgegriffen werden, die einen besonders hohen Gehalt an Vitamin D aufweisen.

Vor allem im Alter und in der Schwangerschaft sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D geachtet werden. Auch Frauen in den Wechseljahren können besonders von einer ausreichenden Zufuhr profitieren. Die empfohlene Tagesdosis für einen erwachsenen Menschen liegt bei etwa 15 Mikrogramm Vitamin D pro Tag, das entspricht 600 i.E..

Nachsorge

Vitamin D Mangel ist in unseren relativ sonnenarmen Breiten sehr häufig, kann aber in vielen Fällen bereits durch ausreichenden Aufenthalt im Freien ausgeglichen werden. Betroffene sollten mehrmals in der Woche Zeit an der frischen Luft verbringen, damit der Körper mithilfe des Sonnenlichtes ausreichend Vitamin D bilden kann. Dabei sollten mindestens 20 Prozent der Körperfläche der Sonne ausgesetzt werden.

Sonnencremes behindern die Aufnahme des UV Lichtes, das die Vitamin D Produktion in Gang setzt. Allerdings sollte man sich natürlich auch nicht zu lange ungeschützt der Sonneneinstrahlung aussetzen, 15 bis 20 Minuten sind meist schon ausreichend. Tageslichtlampen können ebenfalls dazu genutzt werden, um die Vitamin D Produktion des Körpers anzukurbeln.

Gerade in den sonnenarmen Monaten empfiehlt sich eine entsprechende Ernährung, um dem Körper ausreichend Vitamin D zur Verfügung zu stellen. Über die Nahrung können bis zu 20 Prozent des täglichen Bedarfs gedeckt werden. Fettreiche Lebensmittel wie Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch, Rotbarsch, Leber, Eigelb, Butter, Sahne, sowie auch Champignons, Steinpilze und Pfifferlinge tragen zur Vitamin D Versorgung bei.

Sollte trotz aller Bemühungen der Mangel an Vitamin D weiterbestehen, müssen in Absprache mit einem Arzt die Speicher langfristig aufgefüllt werden. Dabei helfen freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel oder ärztlich verordnete und besonders hoch dosierte Produkte aus der Apotheke.

Das können Sie selbst tun

Ein Vitamin-D-Mangel kann oft bereits durch ausreichend Bewegung an der frischen Luft ausgeglichen werden. Betroffene Personen sollten drei- bis fünfmal pro Woche Zeit an der Sonne verbringen, damit der Körper ausreichend Vitamin D aufnehmen kann. Hierbei sollten mindestens 15 bis 20 Prozent der Körperfläche der Sonne ausgesetzt werden. Alternativ kann eine Tageslichtlampe verwendet werden, um dem Körper ausreichend Vitamin D zuzuführen. In den Sommermonaten sollte die Bewegung an der Sonne auf 15 bis 20 Minuten beschränkt werden, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.

Sonnenöl und Sonnencreme hemmen die Aufnahme von Vitamin D. In sonnenarmen Monaten empfiehlt sich eine Ernährungsumstellung. Die Diät sollte reich an Eiern, Fischöl und Lebertran sein. Außerdem bieten sich Emmentaler, Speisequark, Ziegenmilch und andere Milchprodukte sowie verschiedene Fische und Meerestiere wie Austern, Hering oder Lachs an.

Sollten die Anzeichen des Vitamin-D-Mangels bestehen bleiben, muss in jedem Fall der Allgemeinarzt oder ein Internist konsultiert werden. Die einzelnen Symptome wie Schwindel oder Müdigkeit können kurzfristig durch Schlaf und Ruhe gelindert werden. Langfristig müssen bei einem Vitamin-D-Mangel die körpereigenen Vitamin-D-Speicher aufgefüllt werden.

Quellen

  • Bässler, K.-H.: Vitamin-Lexikon. Urban & Fischer, München 2002
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pietrzik, K., Golly, I., Loew, D.: Handbuch Vitamine. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008

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