Hypokalzämie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Hypokalzämie bezeichnet den Mangel an Kalzium im Blut. Da Kalzium wichtig für eine Vielzahl von Körperfunktionen ist, kann ein Mangel zu Knochen-, Muskel- und Nervenschäden führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypokalzämie?

Hypokalzaemie
Eine Hypokalzämie äußert sich durch Mangelerscheinungen wie Müdigkeit und eine eingeschränkte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Im Bereich des Herzens kann es zu Herzrhythmusstörungen und Brustschmerzen kommen.
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Kalzium ist essentiell für Gesundheit und Vitalität des Körpers. Es spielt eine wichtige Rolle im Knochenwachstum, innerhalb der Nerven- und Gehirnfunktion, im Zellenwachstum und bei der Muskelkontraktion.

Wenn der Kalziumgehalt im Blut unter ein kritisches Maß fällt, spricht man von Hypokalzämie. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um einen Laborbefund, der auf eine zugrunde liegende Störung hinweist; behandelt werden muss daher immer auch deren Ursache. Menschen mit Hypokalzämie bemerken möglicherweise keinerlei Symptome, besonders zu Beginn der Erkrankung. Doch die Belastung steigt an, je ernsthafter die Erkrankung wird. Die Beschwerden können sich unter anderem als Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexe, Stechen in Händen und Füßen oder unregelmäßiger Herzschlag äußern. Leitsymptom eines ausgeprägten Kalziummangels ist die Tetanie mit Kribbeln um den Mund und in den Händen sowie schmerzhaften Muskelkrämpfen, die zur typischen Pfötchenstellung der Hände führen. Das Gegenstück, ein Kalziumüberschuss im Blut, wird unter Hyperkalzämie beschrieben.

Als besonders kritisch ist Hypokalzämie bei Neugeborenen anzusehen. Die Mangelerscheinung kann das Wachstum und die gesunde Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Wenn Neugeborene Anzeichen von Muskel- oder Nervenzucken zeigen, zittern oder nur schwer zu füttern sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine mögliche Hypokalzämie zu diagnostizieren und eine Behandlung einzuleiten.

Ursachen

Die häufigste Ursache für geringe Kalzium-Level ist eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Diese bilden das Parathormon, das den Kalziumgehalt im gesamten Körper reguliert. Am häufigsten werden die Nebenschilddrüsen bei einer Operation an der Schilddrüse verletzt oder versehentlich mit entfernt (siehe Nebenschilddrüsenunterfunktion). Abgesehen davon kann ein zu großer Anteil an Phosphat eine Ursache von Hypokalzämie sein (Hyperphosphatämie), da dieser den Kalziumgehalt absinken lässt.

Auch ein geringes Level des Proteins Albumin, das in der Leber produziert wird, kann den Kalziumgehalt drücken. In diesem Fall ist allerdings nur der Gesamtkalziumwert erniedrigt, während das frei wirksame Kalzium normal bleibt und daher keine Beschwerden entstehen. Die Aufnahme von Kalzium durch Nahrungsmittel, zusätzlich zu Vitamin D und Magnesium ist ebenso wichtig für den Kalziumhaushalt des Körpers. Lebensmittel mit hohem Kalziumgehalt sind Milchprodukte, Spinat, Brokkoli oder Orangen.

Die häufigsten Ursachen für Hypokalzämie sind andere Erkrankungen. Hypokalzämie tritt hier als ernsthafte Nebenerscheinung auf. Dazu zählen: Alkoholismus, Nieren- oder Leberleiden, ein Vitamin-D-Mangel, Mangelernährung, Fehlernährung (Mangel an Kalzium im Essen).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Hypokalzämie äußert sich durch Mangelerscheinungen wie Müdigkeit und eine eingeschränkte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Im Bereich des Herzens kann es zu Herzrhythmusstörungen und Brustschmerzen kommen. Bei einigen Patienten nimmt die kardiale Pumpfunktion ab, woraus sich eine Herzschwäche entwickeln kann. Weiterhin kann eine Hypokalzämie Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

Typisch sind Durchfall und Verstopfung, aber auch Übelkeit und Erbrechen. In Einzelfällen kommt es zu Sodbrennen und Entzündungen im Rachenraum. Die Symptome stellen sich meist schleichend ein und bleiben solange bestehen, bis die Elektrolytstörung ausgeglichen ist. Anschließend klingen die Beschwerden langsam ab, wobei je nach Schwere der einzelnen Symptome auch Langzeitfolgen zurückbleiben können.

So kann sich beispielsweise eine chronische Herzschwäche einstellen oder es kommt zu bleibenden Schädigungen im Magen-Darm-Trakt. Wird die Hypokalzämie nicht behandelt, kann sie sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Bei einer chronischen Hypokalzämie kann es zu Störungen von Haar- und Nagelwuchs kommen.

Mitunter entwickelt sich Zahnstein, Karies oder eine andere Erkrankung der Zähne. Begleitend dazu treten psychische Veränderungen auf, zum Beispiel Depressionen und Ängste. Des Weiteren kann es bei der chronischen Form zu einem anhaltenden Krankheitsgefühl kommen. Die Betroffenen fühlen sich häufig müde und abgeschlagen oder sind antriebslos.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Hypokalzämie erfolgt durch einen Bluttest. In den meisten Fällen erkennt der Arzt die Mangelerscheinung, bevor der Patient die Symptome an sich selbst entdeckt.

Ist die Hypokalzämie erst einmal festgestellt, werden in der Regel noch weitere Bluttests folgen, um die Qualität der Nierenfunktionen zu prüfen und den Gehalt von Parathormon, Vitamin D, Magnesium und Phosphat im Blut zu testen. Ergänzend prüft der Arzt zwei klinische Zeichen: Beim Chvostek-Zeichen zuckt die Gesichtsmuskulatur, wenn der Gesichtsnerv vor dem Ohr beklopft wird; beim Trousseau-Zeichen stellt sich die Hand unter einer aufgepumpten Blutdruckmanschette nach einigen Minuten in die Pfötchenstellung. Im EKG zeigt sich häufig eine verlängerte QT-Zeit.

Weitere Tests werden in Erwägung gezogen, wenn die Ursache der Hypokalzämie nicht eindeutig festzustellen ist. Abgesehen von den Kontrollen des Blutserums kann auch die Messung der Kalziumausscheidung im Urin zur Klärung der Ursache beitragen.

Komplikationen

Durch die Hypokalzämie kommt es zu verschiedenen Beschwerden. In der Regel hängt das Ausmaß der Beschwerden stark von der Ausprägung des Kalziummangels ab, weswegen keine allgemeine Vorhersage möglich ist. Der Betroffene leidet in der Regel an Muskelkrämpfen und einer Muskelschwäche und kann körperliche Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten nicht mehr ohne Weiteres durchführen.

Falls der Mangel an Kalzium über einen längeren Zeitraum anhält, kann es zu Schäden an den Nerven kommen, sodass Lähmungen oder Gefühlsstörungen beim Patienten auftreten. Diese können den Alltag erheblich erschweren. Auch die Funktion des Gehirns wird durch die Hypokalzämie eingeschränkt und es kann zu Konzentrationsstörungen oder zu Denkstörungen kommen.

Der Patient fühlt sich oft krank und schwach und leidet an Herzrhythmusstörungen. Weiterhin kann es zu Beschwerden an den Nieren kommen, wobei der Patient im schlimmsten Falle auf eine Dialyse angewiesen ist. Die Behandlung der Hypokalzämie führt in den meisten Fällen zu keinen Komplikationen.

Sie kann akut mittels Infusionen oder mit Hilfe einer gesunden und ausgewogenen Ernährung erfolgen. Gegebenenfalls muss auch die Grunderkrankung behandelt werden, die für die Hypokalzämie verantwortlich ist. Die Lebenserwartung wird dann eingeschränkt, wenn keine Behandlung stattfindet. Wie es um die Aussichten steht, entscheidet dabei in erster Linie die zugrunde liegende Erkrankung, denn der Kalziummangel ist deren Folge.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Symptome wie Muskelkrämpfe und ein zunehmendes Krankheitsgefühl bemerkt werden, liegt womöglich eine Hypokalzämie zugrunde. Ein Besuch beim Hausarzt ist nötig, wenn die genannten Anzeichen innerhalb weniger Tage nicht von selbst abklingen. Sollten weitere Beschwerden wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen hinzukommen, muss zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Bei einem starken Krankheitsgefühl, möglicherweise verbunden mit Beschwerden an den Nieren, ist der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 zu alarmieren. Sofort den Rettungsdienst rufen muss man außerdem bei einem tetanischen Anfall mit ausgedehnten Muskelkrämpfen, bei Atemnot durch einen Krampf des Kehlkopfs sowie bei Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit. Womöglich sind bereits Schäden an den inneren Organen entstanden, die unbehandelt schwerwiegenden Komplikationen nach sich ziehen können.

Grundsätzlich kann eine unbehandelte schwere Hypokalzämie lebensbedrohlich werden, weshalb die Erkrankung in jedem Fall abgeklärt und therapiert werden muss. Personen, bei denen eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen festgestellt wurde, sind besonders anfällig für die Entstehung einer Hypokalzämie. Auch eine Mangelernährung, Alkoholismus oder ein Nieren- oder Leberleiden sind mögliche Auslöser. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte mit genannten Symptomen einen Arzt aufsuchen. Neben dem Allgemeinmediziner ist ein Facharzt für innere Medizin der richtige Ansprechpartner.

Behandlung & Therapie

Hypokalzämie wird durch Infusionen behandelt, um ein gesundes Kalziumlevel im Körper sicherzustellen. Diese Infusionen werden gegebenenfalls mit Ergänzungsmitteln kombiniert, die oral eingenommen werden. Bei einer leichten Hypokalzämie genügen dagegen Kalziumtabletten, die zusammen mit Vitamin D eingenommen werden. Beruht der Mangel auf einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen, ist aktives Vitamin D (Calcitriol) erforderlich, weil der Körper gewöhnliches Vitamin D ohne Parathormon nicht ausreichend umwandeln kann.

Falls die Hypokalzämie durch eine darunterliegende Krankheit verursacht wurde, wird diese Ursache ebenso behandelt. In manchen Fällen löst sich eine Hypokalzämie von alleine wieder. Dies ist umso wahrscheinlicher, wenn keine merkbaren Symptome eintreten. Welche Art der Behandlung die richtige ist, muss der behandelnde Arzt individuell entscheiden. Bei Neugeborenen konzentriert sich die Behandlung meist auf eine genaue Kontrolle von Gesundheit und Körpergewicht sowie der Verträglichkeit von Nahrung, Medikamenten und Therapien.

Eine nicht behandelte Hypokalzämie kann die Gesundheit eines Neugeborenen ernsthaft gefährden. Doch auch die Auswirkungen auf einen Erwachsenen sind nicht zu unterschätzen. Um weiteren Gefahren aus dem Weg zu gehen, sollten die Anweisungen des Arztes penibel eingehalten werden. Folgeschäden können sein: Beschädigung der Nerven- und Gehirnfunktion; Osteomalazie: weiche und schwache Knochen durch einen Mangel an Vitamin D, im Wachstumsalter Rachitis genannt; Osteoporose: Verdünnung und Schwächung der Knochen; verschlechtertes Wachstum; Tetanie: Übererregbarkeit der Nerven mit Muskelkrämpfen, die starke Schmerzen verursachen.


Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Hypokalzämie sollte auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden. Hierzu gehört vor allem eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Der regelmäßige Verzehr von Nahrungsmitteln mit einem hohen Vitamin-D-Gehalt fördert die Aufnahme und Verarbeitung von Kalzium im Körper; Vitamin D steckt vor allem in fettem Seefisch und in Eiern. Kalzium selbst liefern unter anderem Tofu, Milch, Mandeln, Hafer und Kohl.

Außerdem sollte Alkohol vermieden werden, da dieser die Magnesiumreserven erschöpft und folglich zu Hypokalzämie führen kann. Die zusätzliche Einnahme von Kalziumtabletten kann die Versorgung ebenso regulieren.

Nachsorge

Eine spezielle Nachsorge bei Hypokalzämie besteht für die Betroffenen nicht. Die genaue Art der Therapie und auch die anschließenden Maßnahmen richten sich nach dem individuellen Krankheitsbild und nach der Ursache. Auf jeden Fall sollten die Patienten auf eventuelle Komplikationen achten, um eine Verschlechterung des Gesundheitszustands zu vermeiden. Die ärztlichen Hinweise zur ausreichenden Kalziumzufuhr über die Nahrung sind unbedingt zu beachten.

In diesem Zusammenhang ist die Kontrolle der Lebensmittel ein relevanter Faktor. Eine entsprechende Ernährungsumstellung rückt damit in den Mittelpunkt der Nachsorge. Zudem sollten die Patienten auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten, weil der Körper Kalzium ohne dieses Vitamin nur unzureichend aufnimmt. Im Anschluss an die eigentliche Behandlung geht es für die Betroffenen darum, dass die Erkrankung nicht noch einmal auftritt.

Darum befassen sich die Ärzte auch mit einer genauen Ursachenforschung. Wenn der Auslöser bekannt ist, lässt sich eine erneute Erkrankung besser vermeiden. Je nach Schweregrad des Kalziummangels empfiehlt der behandelnde Arzt eventuell auch Medikamente. Die Patienten sollten diese im Laufe der Nachsorgephase nach Vorschrift einnehmen. Ein gutes Gesundheitsbewusstsein hilft dabei, die Komplikationen erfolgreich zu bekämpfen und einem Rückfall vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

In manchen Fällen löst sich eine Hypokalzämie von selbst wieder auf. Bleibt der Kalziummangel aber bestehen, treten Beschwerden auf, die einer Behandlung bedürfen. Der Betroffene sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und die Mangelerscheinungen abklären lassen. Begleitend zur medizinischen Behandlung können einige Selbsthilfe-Maßnahmen ergriffen werden, um die Beschwerden zu lindern.

Als erste Maßnahme sollte die Ernährung umgestellt werden. Eine Diät mit viel Sesam, Emmentaler, Mandeln, Grünkohl und Spinat versorgt den Körper mit ausreichend Kalzium. Zudem sollte viel Flüssigkeit getrunken werden, um den Stoffwechsel anzuregen und somit die Kalzium-Zuführung zu fördern. Begleitend dazu wird am besten ein Ernährungstagebuch erstellt, denn nur so können die Ursachen für die Hypokalzämie langfristig ermittelt und dann nach und nach ausgeschaltet werden.

In den ersten Tagen nach einer medizinischen Infusion empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Der Betroffene sollte außerdem auf Sport verzichten. Sollten die Beschwerden nach einigen Tagen bis Wochen nicht abgeklungen sein, muss der Arzt informiert werden. Womöglich ist eine erneute Infusion vonnöten oder der Hypokalzämie liegt eine ernste Erkrankung zugrunde, die festgestellt und behandelt werden muss.

Quellen

  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132454132
  • Kuhlmann, U., Hoyer, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Thomas, L.: Labor und Diagnose.
    ISBN: 9783981620801
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783437238574

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