Osteosklerose
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Osteosklerose beschreibt eine Verhärtung der Knochen durch unterschiedliche Ursachen. Dabei kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung der Knochensubstanz. Die Stabilität der Knochen ist jedoch beeinträchtigt.
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Was ist Osteosklerose?
Bei der Osteosklerose handelt es sich nicht um eine einheitliche Erkrankung. Der Begriff beschreibt nur die Veränderungen der Knochen in Richtung Verhärtung und Zunahme der Knochenmasse. Trotz erheblicher Knochendichte ist die Knochenarchitektur nicht stabil. Es kommt zu häufigen Knochenbrüchen und je nach zugrunde liegender Erkrankung zur weiteren Verknöcherung.
Dabei gibt es sowohl genetische Ursachen der Osteosklerose als auch sekundäre Knochenverhärtungen durch eine zugrunde liegende Erkrankung. Die Osteosklerose liegt in den meisten Fällen generalisiert vor. Das heißt, das gesamte Skelett ist vom Krankheitsprozess betroffen. Es gibt aber auch Fälle mit lokaler Osteosklerose. Besonders bei der primären Form der Knochenverhärtung kann als Ursache fast immer ein genetischer Defekt angenommen werden. Weil die Osteosklerose keine eigenständige Krankheit ist, sondern ein Befund, lautet die entscheidende Frage nach ihrer Feststellung stets: Welche Erkrankung steckt dahinter?
Diese Form der Erkrankung ist sehr selten. Die sekundäre Osteosklerose kommt häufiger vor und tritt besonders bei Niereninsuffizienz auf. Es gibt aber auch eine Form mit verstärkter Aufnahme von Fluoriden durch die Nahrung. Auch diese Form gehört zur sekundären Osteosklerose. Lokalisierte Formen der Osteosklerose können durch maligne oder benigne Knochentumoren oder im Rahmen von Morbus Paget entstehen. Auch Erkrankungen des Knochenmarks führen zu einer Osteosklerose, etwa die Osteomyelofibrose, bei der sich das Knochenmark bindegewebig umbaut, sowie abgeheilte Knochenentzündungen und Knochenmetastasen bestimmter Tumoren, vor allem der Prostata.
Ursachen
In anderen Fällen findet nur der Knochenaufbau ohne Umbauprozesse statt. So wird beispielsweise bei der erblich bedingten Osteopetrose (Marmorknochenkrankheit) der Knochen nur aufgebaut, ohne dass es zu Abbauprozessen kommt. Am Knochenumbau sind vor allem zwei Zellarten beteiligt: Osteoblasten und Osteoklasten. Die Osteoblasten sorgen für den Knochenaufbau, während die Osteoklasten überschüssiges Knochenmaterial abbauen sollen.
Innerhalb der Knochen muss ein ständiger Umbauprozess ablaufen, um die Knochen ständig neu zu modellieren. Das ist jedoch bei der Osteopetrose nicht gegeben. Eine weitere erblich bedingte Osteosklerose ist das Engelmann-Syndrom. Hier kommt es zu einem unregelmäßigen Knochenwachstum mit zunehmender Knochenverhärtung und Stabilitätsverlust der Knochen.
Bei der Melorheostose ist zwar der Knochenstoffwechsel störungsfrei, aber es kommt durch unregelmäßiges Wachstum an manchen Stellen, besonders an den Extremitäten, zur Verdickung der Knochen. Dabei sieht es so aus, als ob die Knochen fließen. Auch diese Erkrankung wird durch einen Gendefekt hervorgerufen. Häufiger bildet sich eine sekundäre Osteosklerose im Rahmen einer Niereninsuffizienz heraus.
Bei der als renale Osteodystrophie bezeichneten Erkrankung handelt es sich um eine sehr komplexe Störung des Knochenwachstums. Die Niereninsuffizienz bewirkt, dass der Vitamin-D-Hormon-Stoffwechsel gestört ist. Kalzium wird dadurch im Darm schlechter aufgenommen, während Phosphat von der geschädigten Niere nicht mehr ausreichend ausgeschieden wird und sich im Blut anreichert. Die resultierende Hypokalzämie sorgt für eine höhere Konzentration des Parathormons, welches wiederum zur Demineralisierung des Knochens führt. Zum Ausgleich der Demineralisierung bildet sich verstärkt bindegewebsartiges Knochenmaterial. Die Knochenmasse nimmt zwar zu. Gleichzeitig kommt es aber zum Stabilitätsverlust.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Verlaufsformen der einzelnen Erkrankungen sind unterschiedlich. Als gemeinsames Symptom gelten jedoch eine ständige Vermehrung der Knochenmasse und gleichzeitig eine Verringerung der Stabilität der Knochen. Die Begleitsymptome sind von der jeweiligen Grunderkrankung abhängig. Die Osteopetrose zeichnet sich beispielsweise durch eine erhöhte Knochenbrüchigkeit, Leber- und Milzvergrößerung, Immunschwäche, Krämpfe und Hirnnervenschädigungen aus.
Es gibt des Weiteren Erkrankungen, die neben der Osteosklerose durch multiple Dysplasien gekennzeichnet sind wie das genetisch bedingte Lenz-Majewski-Syndrom. Die sekundäre renale Osteodystrophie fällt durch Knochen- und Gelenkschmerzen sowie Schwellungen auf. Die Knochenbrüchigkeit ist erhöht. Gleichzeitig tritt auch eine Muskelatrophie auf. An den Gelenken finden sich im Bereich von Ellenbogen, Schultergelenken, Knien, Zehen oder Fingergelenken äußere Kalkablagerungen.
Diese entstehen, weil Kalk innerhalb der Knochen verstärkt aufgelöst und im umgebenden Gewebe wieder abgelagert wird. Das verursacht Schmerzen, welche die Beweglichkeit stark einschränken. In den Arterien kann es auch zu Kalkablagerungen kommen, die eine arterielle Verschlusskrankheit mit all ihren Folgen hervorrufen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Die Osteosklerose selbst ist ein Röntgenbefund: Der verdichtete Knochen erscheint auf der Aufnahme heller als normales Knochengewebe. Sie ist damit noch keine fertige Diagnose, sondern ein Hinweis, dessen Ursache gesucht werden muss. Die weitere Diagnostik ist deshalb stark an der zugrunde liegenden Erkrankung oder Störung ausgerichtet. Wenn eine schwere Nierenerkrankung erkennbar ist, wird der Charakter der Erkrankung im Gesamtzusammenhang diagnostisch untersucht. Bei Verdacht auf eine erbliche bedingte Erkrankung können humangenetische Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu ist vorher jedoch eine intensive Anamnese der familiären Krankengeschichte notwendig. Liegt eine lokale Osteosklerose vor, sollte auch in Richtung Tumor untersucht werden.
Komplikationen
Weiterhin kommt es bei den Betroffenen nicht selten zu einem deutlich geschwächten Immunsystem und auch zu Krämpfen in den Muskeln. Bei einigen Grunderkrankungen, etwa der Osteopetrose, sind Leber und Milz deutlich vergrößert, sodass es in diesen Regionen zu Schmerzen kommen kann. Weiterhin kommt es durch das geschwächte Immunsystem häufiger zu Infekten und zu Entzündungen. Ohne Behandlung kann es dabei auch zu einer Schädigung des Gehirns kommen, die in der Regel irreversibel ist und auf jeden Fall vermieden werden sollte.
Weiterhin kommt es zu Beschwerden an den Gelenken und ein Arterienverschluss kann auftreten. Ob eine ursächliche Behandlung möglich ist, hängt von der Grunderkrankung ab; die erblich bedingten Formen lassen sich bislang nicht ursächlich behandeln. Liegt ein bösartiger Knochentumor zugrunde, muss dieser entfernt werden, und eine anschließende Chemotherapie bringt eigene Nebenwirkungen mit sich.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Schmerzen im Bereich der Knochen oder Probleme beim Bewegen der Hände und Füße auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Die Symptome deuten auf eine Osteosklerose hin, die rasch abgeklärt werden muss, um eine Zunahme der Beschwerden und Langzeitfolgen zu vermeiden. Betroffene Personen sollten einen Arzt konsultieren, wenn die genannten Krankheitszeichen nicht von selbst zurückgehen oder innerhalb kurzer Zeit an Intensität zunehmen. Spätestens, wenn es ohne erkennbaren Anlass zu einem Knochenbruch kommt, ist ärztlicher Rat gefragt.
Der Mediziner kann die Osteosklerose anhand bildgebender Verfahren und einer Anamnese rasch feststellen und gegebenenfalls direkt eine Behandlung einleiten oder den Patienten an einen Spezialisten weiterleiten. Personen, die bereits einmal an einer Knocheninfektion oder an einer Entzündung des Knochens erkrankt sind, gehören zu den Risikogruppen. Sie sollten mit dem zuständigen Arzt konferieren, wenn die beschriebenen Symptome auftreten und nicht von selbst wieder abklingen. Auch nach Knochenverletzungen, dem Kontakt mit toxischen Substanzen und einer Knochenkrebserkrankung ist eine enge ärztliche Kontrolle notwendig. Neben dem Hausarzt kann der Orthopäde oder ein Facharzt für innere Medizin konsultiert werden. In Zusammenarbeit mit Ernährungsmedizinern und genetischen Beratungsstellen kann die Ursache für die Osteosklerose festgestellt werden. Während der Therapie sind Physiotherapeuten, Sportmediziner und weitere Fachärzte in die Behandlung involviert.
Behandlung & Therapie
Die Therapie einer vorliegenden Osteosklerose richtet sich nach der Ursache. Die erblich bedingten Erkrankungen können nicht ursächlich behandelt werden. Hier sind nur symptomatische Behandlungen möglich. Dazu gehören die ständige Kontrolle und auch die Behandlung einer eventuell aufgetretenen Fraktur. Bei einem diagnostizierten Tumor sind selbstverständlich chirurgische Maßnahmen notwendig.
Ist der Tumor bösartig, folgen Chemo- und Strahlentherapie. Die renale Osteodystrophie kann nur im Rahmen der Gesamttherapie der Nierenerkrankung behandelt werden. Sollte sich herausstellen, dass eine Fluorose vorliegt, steht die Beendigung der überhöhten Fluoridzufuhr im Vordergrund; verordnete Arzneimittel dürfen dabei nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Aussicht & Prognose
Die Prognose der Osteosklerose orientiert sich daran, in welchem Stadium die Erkrankung erkannt und behandelt wird und um welche Form der Osteosklerose es sich handelt. Bleibt das Leiden unbehandelt, kann sich die Verknöcherung verstärken und im Verlauf des Lebens verschiedene gesundheitliche Probleme hervorrufen. Zunächst wird die Belastbarkeit der Knochen vermindert, wodurch der Patient verschiedene Einschränkungen hinnehmen muss. Die Aussicht auf eine vollständige Genesung ist nicht gegeben. Bestehende Verhärtungen des Knochengewebes bilden sich nicht von allein zurück; behandelt wird deshalb in erster Linie die zugrunde liegende Erkrankung. Die Prognose stellt der Facharzt für Orthopädie. Abhängig von der Form und Ausprägung der Erkrankung wird er hierzu gegebenenfalls weitere Mediziner involvieren.
Da sich die Osteosklerose im Verlauf verändern kann und meist nicht ursächlich behandelbar ist, muss die Prognose regelmäßig an den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten angepasst werden. Wie beschwerdefrei jemand lebt, hängt in erster Linie von der Grunderkrankung ab. Die Lebenserwartung ist durch die Osteosklerose in der Regel nicht eingeschränkt. Jedoch besteht ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Stürze. Bei der sekundären Form der Osteosklerose liegen zudem schwere Grunderkrankungen wie Krebs oder Nierenleiden vor, welche Lebensqualität und Lebenserwartung reduzieren können.
Vorbeugung
Eine generelle Empfehlung zur Vorbeugung vor einer Osteosklerose kann nicht gegeben werden. Die Ursachen sind sehr vielfältig und nur selten von der Lebensweise abhängig. Nur zur Verhinderung einer Fluorose sollte auf eine normale Fluoridzufuhr geachtet werden.
Nachsorge
Bei der Osteosklerose stehen Betroffenen in den meisten Fällen nur sehr wenige und in der Regel auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Aus diesem Grund sollten Betroffene bei dieser Krankheit schon sehr früh einen Arzt aufsuchen, um das Auftreten von weiteren Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Es kann nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, sodass Betroffene dabei immer einen Arzt aufsuchen sollten.
Nur ein kleiner Teil der Betroffenen ist auf einen operativen Eingriff angewiesen, nämlich dann, wenn ein Knochentumor die Ursache ist. Je früher dieser Eingriff stattfindet, desto besser ist meist auch der weitere Verlauf. Bei allen anderen Formen richtet sich die Nachsorge nach der Grunderkrankung – bei der renalen Osteodystrophie also nach der Nierenerkrankung. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene auf jeden Fall ausruhen und schonen, wobei von Anstrengungen oder von stressigen und körperlichen Aktivitäten abzusehen ist.
Die meisten Patienten sind während der Behandlung auch auf die Unterstützung und Hilfe der eigenen Familie angewiesen. Dabei wirken sich auch liebevolle und intensive Gespräche positiv auf den weiteren Verlauf der Osteosklerose aus und beugen damit auch psychischen Verstimmungen oder Depressionen vor. Die Lebenserwartung hängt in erster Linie von der Grunderkrankung ab; die Osteosklerose selbst verkürzt sie in der Regel nicht.
Das können Sie selbst tun
Personen, bei denen eine Osteosklerose diagnostiziert wurde, können einige Maßnahmen ergreifen, um die Genesung zu fördern und den Alltag mit der Erkrankung zu erleichtern.
Zunächst gilt es allerdings, die Vorgaben des Arztes bezüglich Ernährung und körperlicher Betätigung einzuhalten. Patienten sollten gemeinsam mit einem Ernährungsmediziner eine Diät erstellen und diese konsequent durchführen. Das Knochenleiden kann dadurch zwar nicht behoben werden, doch eine individuell angepasste Ernährung reduziert die Schmerzen und steigert das Wohlbefinden der Betroffenen. Selbiges gilt für Sport und einen geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und wenig Stress. Etwaige Bewegungseinschränkungen müssen durch Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Prothesen ausgeglichen werden. Die Patienten sollten hierzu frühzeitig einen Facharzt konsultieren und die notwendigen Schritte einleiten. Begleitend dazu ist in jedem Fall eine ständige Kontrolle und Behandlung etwaiger Frakturen notwendig.
Liegt der Osteosklerose ein bösartiger Tumor zugrunde, ist eine Chemo- oder Strahlentherapie angezeigt. Diese kann von den Betroffenen durch Schonung und Krankengymnastik unterstützt werden. Wenn eine Fluorose ursächlich ist, genügt es, die Fluoridzufuhr zu senken. Welche Lebensmittel, Zahnpflegeprodukte oder Medikamente dafür in Frage kommen, klärt der behandelnde Arzt – verordnete Arzneimittel dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Die Rückbildung der Knochenveränderungen zieht sich anschließend über Jahre hin und ist nicht nach wenigen Wochen abgeschlossen.
Quellen
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- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Wiedemann, H.-R., Kunze, J.: Wiedemanns Atlas klinischer Syndrome.
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