Rhabdomyolyse
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Rhabdomyolyse löst sich die willkürliche (quergestreifte) Muskulatur auf. Die Ursachen sind vielfältig, beispielsweise eine Verletzung der Muskulatur, Autoimmun-Erkrankung, ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch.
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Was ist Rhabdomyolyse
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Bei einer Rhabdomyolyse zerfallen Muskelfasern der Skelettmuskulatur. Das heißt, dass sich die Muskulatur aufzulösen beginnt. Hierbei werden große Mengen Myoglobin freigesetzt. Über die Blutbahnen gelangen diese bis zu den Nieren. Dies kann zu einem erheblichen Schaden bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Daher ist die ärztliche Hilfe unbedingt und unmittelbar notwendig.
Es gibt verschiedene Arten: Die traumatische (körperlich), nicht-traumatische (nicht-körperlich), belastungsabhängige und belastungsunabhängige Rhabdomyolyse. Die belastungsabhängige Rhabdomyolyse kann beispielsweise durch ein zu hartes Training entstehen.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen sind eine übermäßige Muskeldehnung, eine anhaltende Druckeinwirkung auf den Muskel sowie eine Quetschverletzung. In Bodybuilding-Kreisen wird immer wieder davor gewarnt, dass es durch ein sehr hartes Training, bei dem die Muskulatur schwer überlastet wird, und einem gleichzeitigen Flüssigkeitsmangel, zu einer akuten Muskelentzündung und dadurch zur Rhabdomyolyse kommen kann.
Das Gleiche gilt, wenn die Trainingseinheiten zu schnell hintereinander erfolgen. Zu den giftigen Ursachen gehört Kokain und zu den ansteckenden Auslösern eine Infektion. Vergiftungen durch Schlangenbisse können zur Auflösung der willkürlichen (quergestreiften) Muskulatur und somit zur Rhabdomyolyse führen. Auch Elektrolytstörungen können zu einer Rhabdomyolyse führen.
Zu den auslösenden Medikamenten zählen vor allem die cholesterinsenkenden Statine, besonders in der Kombination mit bestimmten anderen Arzneimitteln. Muskelschmerzen unter Statinen sind allerdings häufig und in aller Regel harmlos; die Rhabdomyolyse ist die sehr seltene schwere Ausnahme. Wer solche Beschwerden bemerkt, sollte das Mittel deshalb nicht eigenmächtig absetzen, sondern den behandelnden Arzt darauf ansprechen. Weitere Auslöser sind lang anhaltende Krampfanfälle und ein Hitzschlag.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Geschwollene, weiche und schmerzende Muskeln sind das deutlichste Zeichen für eine Rhabdomyolyse, während Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Benommenheit und eine schwere Erschöpfung zu den unspezifischen Symptomen gehören. Die Erkrankung kann mit Muskelschmerzen, -krämpfen und -verhärtungen oder einem Anschwellen der Muskulatur mit einer anschließenden Lähmungserscheinung einhergehen.
Spätestens wenn sich der Urin rotbraun färbt, muss sofort ein Mediziner aufgesucht werden, da dies ein Anzeichen für einen sehr hohen Myoglobin-Gehalt im Blut und eine akute Niereninsuffizienz ist. Myoglobin ist ein Protein, das innerhalb der Muskulatur dafür zuständig ist, den Sauerstoff zu transportieren. Wird es in großen Mengen über die Niere ausgeschieden, kommt es zur Färbung des Urins. Die Symptome der Rhabdomyolyse dürfen nicht unterschätzt werden, da sie zum Teil lebensgefährlich sind.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Eine leichte Rhabdomyolyse wird häufig durch erhöhte Werte von Eiweißen und Enzymen festgestellt, die normalerweise im Muskel vorkommen, beispielsweise Myoglobin, die Creatin-Kinase und die Lactatdehydrogenase. Wenn die Myoglobinwerte hoch sind, färbt sich der Urin aufgrund der Ausscheidung des Myoglobins über die Nieren rot-braun. Zur Diagnostik gehören eine ausführliche Anamnese, eine klinische Untersuchung, Labor, Elektrophysiologie, Muskelbiopsie mit Pathobiochemie, eine Muskel-MRT und in manchen Fällen eine Elektronenmikroskopie.
Komplikationen
Die Rhabdomyolyse stellt eine Komplikation von verschiedenen traumatischen oder nichttraumatischen Prozessen dar. Verletzungen oder Quetschungen von Muskelgewebe können ebenso wie bestimmte Gifte (Schlangengift), Infektionen, Medikamente, Drogen oder immunologische Erkrankungen zur Auflösung von quer gestreifter Muskulatur führen. Die gefährlichste Komplikation der Rhabdomyolyse kann sich aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Myoglobin durch die Nieren entwickeln.
Das Myoglobin bildet sich beim Abbau von Muskelgewebe. Es veranlasst oft die Verlegung der Tubuli in den Nieren, wobei das im Häm enthaltene Eisen die Tubuluszellen schädigt. In der Folge kann Tubulusgewebe absterben, was häufig ein akutes Nierenversagen hervorruft. Des Weiteren kann es zum sogenannten Kompartmentsyndrom kommen, welches ebenfalls einen schweren Notfall darstellt.
Dabei verhindern die Abflussstörungen von venösem Blut durch Schwellungen im Muskelbereich den Zustrom von arteriellem Blut, was zu einer Unterversorgung der Muskulatur und der daraus resultierenden weiteren Nekrose von Muskelgewebe führt. Gleichzeitig kommt es häufig zu einer Hyperurikämie, die von einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut gekennzeichnet ist. Daraus können sich die Symptome einer Gicht entwickeln.
Außerdem treten nicht selten Elektrolytstörungen wie Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und Hypokalziämie auf. Diese führen zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Krampfanfällen, Tetanie, Kreislaufkollaps und psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen oder Angststörungen. Eine weitere Komplikation stellt das bedrohliche Absinken der Thrombozytenzahl dar, das gleichzeitig zu Thrombosen und starker Blutungsneigung führt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Rhabdomyolyse sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Es kommt bei dieser Erkrankung in der Regel nicht zu einer Selbstheilung, sondern in den meisten Fällen zu einer deutlichen Verschlechterung des allgemeinen Zustandes des Patienten. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto höher ist die Aussicht auf einen Erfolg.
Ein Arzt ist bei der Rhabdomyolyse dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an Erbrechen und an Übelkeit leidet. Auch Fieber oder starke Schmerzen in den Muskeln können dabei auf die Erkrankung hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu Lähmungen an der Muskulatur kommen, sodass der Betroffene an Einschränkungen in der Bewegung leidet und sich auch nicht mehr problemlos fortbewegen kann. Sollte die Rhabdomyolyse nicht behandelt werden, so kann es im schlimmsten Fall auch zu einer Niereninsuffizienz kommen, die tödlich enden kann. Die Rhabdomyolyse kann durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Sie muss allerdings durch verschiedene Fachärzte behandelt werden.
In bestimmten Situationen zählen jedoch Minuten, und der Weg in die Praxis ist der falsche. Wer nach einer Verschüttung, einem langen Eingeklemmtsein oder nach stundenlangem Liegen infolge eines Sturzes befreit wird, ist auch dann gefährdet, wenn er sich zunächst gut fühlt: Erst wenn das gequetschte Gewebe wieder durchblutet wird, überschwemmen die Zerfallsprodukte den Kreislauf. Das Gleiche gilt, wenn sich der Urin rotbraun verfärbt oder kaum noch Urin ausgeschieden wird, wenn ein Muskelabschnitt prall anschwillt, taub wird oder sich nicht mehr bewegen lässt, oder wenn Herzstolpern, Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung hinzukommen. In all diesen Fällen ist sofort über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu rufen.
Behandlung & Therapie
Die Rhabdomyolyse bildet sich meistens über eine längere Zeit aus und kann bei einem rechtzeitigen Unterbinden der Auslöser manchmal rückgängig gemacht werden. Der Abbau der Muskulatur kann in therapeutischer Hinsicht zwar nicht unmittelbar gestoppt werden, jedoch regeneriert sich das Muskelgewebe nach einiger Zeit wieder von selbst. Eine leichte Rhabdomyolyse, die rechtzeitig erkannt wird, kann durch eine starke Zufuhr von Flüssigkeit und gegebenenfalls zusätzlichen Elektrolyten behandelt werden. Gemeint ist damit keine Maßnahme für zu Hause: Die Flüssigkeit wird frühzeitig und in großen Mengen über die Vene gegeben, und zwar unter ärztlicher Überwachung von Urinmenge, Nierenwerten und Salzen im Blut. Vermehrtes Trinken allein reicht nicht aus und darf einen Arztbesuch nicht ersetzen.
Nur einer eventuellen Schädigung der Nieren sowie einem Volumenmangel, da der beschädigte Muskel Flüssigkeit bindet, muss rechtzeitig begegnet werden. Mit einer forcierten Diurese kann die Schädigung der Nieren vermieden werden. Hierbei werden dem Betroffenen durch Infusionen mehrere Liter Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung) zugeführt, um die Ausscheidung des Myoglobins zu beschleunigen und das Myoglobin, das sich im Urin angesammelt hat, zu verdünnen.
Genügt dies nicht, wird der pH-Wert des Urins durch bestimmte Stoffe zusätzlich angehoben, damit das Myoglobin gelöst bleibt und nicht in den Nierenkanälchen ausfällt. In extremen Fällen kann mit einer Dialyse das Myoglobin aus dem Blut entfernt werden. Die Dialyse übernimmt dabei vorübergehend die Reinigung des Blutes, bis die Nieren wieder selbstständig arbeiten. Die betroffene Muskulatur darf nicht mehr belastet werden, bis sämtliche Auffälligkeiten abgeklungen sind. Das wichtigste Behandlungsziel ist grundsätzlich, eine akute Nierenverletzung zu vermeiden. Schwere Verlaufsformen enden unbehandelt nicht selten in einem tödlichen Nierenversagen. Dies resultiert aus der Anflutung der Zerfallsprodukte.
Vorbeugung
Um eine Rhabdomyolyse zu verhindern, muss im Allgemeinen vermieden werden, die Muskeln einem zu intensiven Stress auszusetzen, beispielsweise durch ein Übertraining. Zudem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Körper vor, während und nach den sportlichen Tätigkeiten nicht dehydriert, indem ausreichend getrunken wird. Sporteinsteiger sollten langsam beginnen und das Training schrittweise steigern. Ein Warmmachen der Muskeln ist wichtig.
Bei Krankheiten sollte auf Sport verzichtet und bei der Einnahme von Medikamenten ein Arzt befragt werden. Von einem Training in der Verbindung mit Alkohol oder Drogen wird ebenso dringend abgeraten. Auch ein ausreichender Schlaf sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen sind sehr wichtig. Des Weiteren sollte bei zu extremen Temperaturen nicht trainiert werden, ganz gleich, ob kalt oder heiß.
Die Belastung ist für den gesamten Organismus bei einer starken Hitze oder hohen Minusgraden zu groß. Der Körper kann aufgrund der extremen Umstände Trainingsreize nicht sinngemäß verarbeiten. Dadurch kann es im Körper zu Fehlreaktionen kommen, beispielsweise dem Abbau der quergestreiften Muskulatur.
Nachsorge
Nach der Behandlung einer Rhabdomyolyse empfiehlt sich für die Patienten eine Nachsorge, die sich an der vorangegangenen Therapie orientiert. Wenn die Muskelzersetzung zum Beispiel durch eine Infektion ausgelöst wurde, dann wird bei Nachuntersuchungen überprüft, ob die Erreger aus dem Organismus des Patienten beseitigt werden konnten. Wenn für die Beschädigung der Muskeln ein Unfall oder ein Trauma verantwortlich war, wird bei den Nachsorge-Untersuchungen vor allem der Heilungsprozess des Gewebes überprüft.
Wurden die Nieren bereits durch die Erkrankung beeinträchtigt und arbeiten nicht mehr richtig, müssen die Betroffenen regelmäßig Medikamente einnehmen, die die Nierenfunktion unterstützen und die Produktion von Harn fördern. Unabhängig von der Therapie erhalten Patienten nach einer Rhabdomyolyse einen Ernährungsplan und sollen ihre Muskeln durch regelmäßige Übungen stärken.
Eine ausgewogene Ernährung soll dabei helfen, die natürlichen Heilungsfähigkeiten des Körpers zu unterstützen und das Immunsystem zu stärken. Anhand leichter sportlicher Übungen wird die verloren gegangene Muskulatur wieder aufgebaut und gekräftigt. Dabei ist besonders in der Anfangszeit sehr wichtig, dass die Patienten sich nicht überfordern. Andernfalls können die Muskeln erneut beschädigt werden. Es besteht das Risiko einer erneuten Rhabdomyolyse. Aus diesem Grund ist eine Betreuung in einer Reha-Therapie oder eine angepasste Krankengymnastik für die Patienten empfehlenswert.
Das können Sie selbst tun
Sobald die Diagnose feststeht, werden die behandelnden Ärzte versuchen, die auslösende Ursache der Rhabdomyolyse zu beseitigen, damit sich die Erkrankung nicht weiter verschlimmert. Des Weiteren werden sie die Erkrankung ihren Symptomen nach behandeln und vor allem versuchen, ein akutes Nierenversagen zu verhindern.
Da der entstandene Gewebeschaden nur durch körpereigene Reparaturmaßnahmen beseitigt werden kann, ist es für die Patienten sinnvoll, ihr Immunsystem so gut es geht zu stärken. Je nachdem, in welcher Verfassung sie sich befinden, sollten sie sich dazu viel im Freien bewegen. Ein gesunder, stressfreier Lebensstil unterstützt ebenfalls das Immunsystem. Die Patienten sollten daher nicht rauchen, nur wenig Alkohol trinken und sich gesund ernähren. Zu einer gesunden Ernährung gehören viele Vitamine und Mineralstoffe aus frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Fleisch. Auf rotes Fleisch, fette Wurst und Zucker sollte verzichtet werden. Auch viel Ruhe, ein ausreichender Schlaf und viel trinken – vor allem Wasser – sind sehr wichtige Maßnahmen zur Unterstützung des Immunsystems.
Für Probiotika und andere Mittel zur Stärkung des Immunsystems gibt es bei der Rhabdomyolyse keinen Wirksamkeitsnachweis; das geschädigte Muskelgewebe baut der Körper aus eigenen Vorläuferzellen wieder auf. Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Naturheilkunde“ sowie Heilpraktiker können hier entsprechende Empfehlungen aussprechen.
Quellen
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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- Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
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- Jerusalem, F., Zierz, S. (Hrsg.): Muskelerkrankungen.
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- Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
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