Rhabdomyolyse

Bei der Rhabdomyolyse löst sich die willkürliche (quergestreifte) Muskulatur auf. Die Ursachen sind vielfältig, beispielsweise eine Verletzung der Muskulatur, Autoimmun-Erkrankung, ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rhabdomyolyse

Bei einer Rhabdomyolyse zerfallen Muskelfasern der Skelettmuskulatur. Das heißt, dass sich die Muskulatur beginnt aufzulösen. Hierbei werden große Mengen Myoglobin freigesetzt. Über die Blutbahnen gelangen diese bis zu den Nieren. Dies kann zu einem erheblichen Schaden bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Daher ist die ärztliche Hilfe unbedingt und unmittelbar notwendig.

Es gibt verschiedene Arten: Die traumatische (körperlich), nicht-traumatische (nicht-körperlich), belastungsabhängige und belastungsunabhängige Rhabdomyolyse. Die belastungsabhängige Rhabdomyolyse kann beispielsweise durch ein zu hartes Training entstehen.

Ursachen

Als Auslöser dieser Erkrankung kommen verschiedenste Faktoren infrage, beispielsweise Krankheiten wie die maligne Hyperthermie (lebensbedrohliche Funktionsstörung der Skelettmuskulatur), die akute toxische Myopathie (Muskelschädigung durch Giftstoffe oder Medikamente), Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Drogen oder Ethanol. Auch Ischämien (Unterversorgung Gewebegebiet mit Blut) oder ein Sauerstoffmangel gehören zu den Auslösern.

Die häufigsten Ursachen sind eine muskelübermäßige Dehnung, Muskeldrucklufterzeugung sowie eine Quetschverletzung. In Bodybuilding-Kreisen wird immer wieder davor gewarnt, dass es durch ein sehr hartes Training, bei dem die Muskulatur schwer überlastet wird, und einem gleichzeitigen Flüssigkeitsmangel, zu einer akuten Muskelentzündung und dadurch zur Rhabdomyolyse kommen kann.

Das Gleiche gilt, wenn die Trainingseinheiten zu schnell hintereinander erfolgen. Zu den giftigen Ursachen gehört Kokain und zu den ansteckenden Auslösern eine Infektion. Vergiftungen durch Schlangenbisse können zur Auflösung der willkürlichen (quergestreiften) Muskulatur und somit zur Rhabdomyolyse führen. Auch Elektrolytstörungen können zu einer Rhabdomyolyse führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Geschwollene, weiche und schmerzende Muskeln sind das deutlichste Zeichen für eine Rhabdomyolyse, während Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Benommenheit und eine schwere Erschöpfung zu den unspezifischen Symptomen gehören. Die Erkrankung kann mit Muskelschmerzen, -krämpfen und -verhärtungen oder einem Anschwellen der Muskulatur mit einer anschließenden Lähmungserscheinung einhergehen.

Spätestens wenn sich der Urin rotbraun färbt, muss sofort ein Mediziner aufgesucht werden, da dies ein Anzeichen für einen sehr hohen Myoglobin-Gehalt im Blut und eine akute Niereninsuffizienz ist. Myoglobin ist ein Protein, das innerhalb der Muskulatur dafür zuständig ist, den Sauerstoff zu transportieren. Kann es in der Niere nicht gefiltert werden, kommt es zur Färbung des Urins. Die Symptome der Rhabdomyolyse dürfen nicht unterschätzt werden, da sie zum Teil lebensgefährlich sind.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine leichte Rhabdomyolyse wird häufig durch erhöhte Werte von Enzymen festgestellt, die normalerweise im Muskel vorkommen, beispielsweise Myoglobin, die Creatin-Kinase und die Lactatdehydrogenase. Wenn die Myoglobinwerte hoch sind, färbt sich der Urin aufgrund der Ausscheidung des Myoglobins über die Nieren rot-braun. Zur Diagnostik gehören eine ausführliche Anamnese, eine klinische Untersuchung, Labor, Elektrophysiologie, Muskelbiopsie mit Pathobiochemie, Muskel-MR und in manchen Fällen eine Elektronenmikroskopie.

Komplikationen

Die Rhabdomyolyse stellt eine Komplikation von verschiedenen traumatischen oder nichttraumatischen Prozessen dar. Verletzungen oder Quetschungen von Muskelgewebe können ebenso wie bestimmte Gifte (Schlangengift), Infektionen, Medikamente, Drogen oder immunologische Erkrankungen zur Auflösung von quer gestreifter Muskulatur führen. Die gefährlichste Komplikation der Rhabdomyolyse kann sich aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Myoglobin durch die Nieren entwickeln.

Das Myoglobin bildet sich beim Abbau von Muskelgewebe. Es veranlasst oft die Verlegung der Tubuli in den Nieren, wobei das im Häm enthaltene Eisen die Tubuluszellen schädigt. In der Folge kann Tubulusgewebe absterben, was häufig ein akutes Nierenversagen hervorruft. Des Weiteren kann es zum sogenannten Kompartmentsyndrom kommen, welches ebenfalls einen schweren Notfall darstellt.

Dabei verhindern die Abflussstörungen von venösem Blut durch Schwellungen im Muskelbereich den Zustrom von arteriellem Blut, was zu einer Unterversorgung der Muskulatur und der daraus resultierenden weiteren Nekrose von Muskelgewebe führt. Gleichzeitig kommt es häufig zu einer Hyperurikämie, die von einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut gekennzeichnet ist. Daraus können sich die Symptome einer Gicht entwickeln.

Außerdem treten nicht selten Elektrolytstörungen wie Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und Hypokalziämie auf. Diese führen zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Krampfanfälle, Tetanie, Kreislaufkollaps und psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen oder Angststörungen. Eine weitere Komplikation stellt das bedrohliche Absinken der Thrombozytenzahl dar, die gleichzeitig zu Thrombosen und starker Blutungsneigung führt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Rhabdomyolyse sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Es kommt bei dieser Erkrankung in der Regel nicht zu einer Selbstheilung und in den meisten Fällen auch zu einer deutlichen Verschlechterung des allgemeinen Zustandes des Patienten. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto höher ist die Aussicht auf einen Erfolg.

Ein Arzt ist bei der Rhabdomyolyse dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an Erbrechen und an Übelkeit leidet. Auch Fieber oder starke Schmerzen in den Muskeln können dabei auf die Erkrankung hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu Lähmungen an der Muskulatur kommen, sodass der Betroffene an Einschränkungen in der Bewegung leidet und sich auch nicht mehr problemlos fortbewegen kann. Sollte die Rhabdomyolyse nicht behandelt werden, so kann es im schlimmsten Fall auch zu einer Niereninsuffizienz kommen, die tödlich enden kann.

Die Rhabdomyolyse kann durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Sie muss allerdings durch verschiedene Fachärzte behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die Rhabdomyolyse bildet sich meistens über eine längere Zeit aus und kann bei einem rechtzeitigen Unterbinden der Auslöser manchmal rückgängig gemacht werden. Der Abbau der Muskulatur kann in therapeutischer Hinsicht zwar nicht gestoppt werden, jedoch bildet er sich nach einiger Zeit wieder von selbst zurück. Eine leichte Rhabdomyolyse, die rechtzeitig erkannt wird, kann durch eine starke Zufuhr von Flüssigkeit und gegebenenfalls zusätzlichen Elektrolyten behandelt werden.

Nur einer eventuellen Schädigung der Nieren sowie einem Volumenmangel, da der beschädigte Muskel Flüssigkeit bindet, muss rechtzeitig begegnet werden. Mit einer forcierten Diurese kann die Schädigung der Nieren vermieden werden. Hierbei werden dem Betroffenen durch Infusionen mehrere Liter Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung) zugeführt, um die Ausscheidung des Myoglobins zu beschleunigen und das Myoglobin, das sich im Urin angesammelt hat, zu verdünnen.

Genügt dies nicht, wird auch durch bestimmte Stoffe der ph-Wert zusätzlich gesenkt, damit sich das Myoglobin auflöst. In extremen Fällen kann mit einer Dialyse das Myoglobin aus dem Blut entfernt werden. Die Nieren werden dabei gereinigt, um wieder selbstständig funktionstüchtig zu sein. Die betroffene Muskulatur darf nicht mehr belastet werden, bis sämtliche Auffälligkeiten abgeklungen sind. Das wichtigste Behandlungsziel ist grundsätzlich, eine akute Nierenverletzung zu vermeiden. Die Rhabdomyolyse endet unbehandelt in den meisten Fällen in einem tödlichen Nierenversagen. Dies resultiert aus der Anflutung der Zerfallsprodukte.

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Vorbeugen

Um eine Rhabdomyolyse zu verhindern, muss im Allgemeinen vermieden werden, die Muskeln einem zu intensiven Stress auszusetzen, beispielsweise durch ein Übertraining. Zudem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Körper vor, während und nach den sportlichen Tätigkeiten nicht dehydriert, indem ausreichend getrunken wird. Sporteinsteiger sollten langsam beginnen und das Training schrittweise steigern. Ein Warmmachen der Muskeln ist wichtig.

Bei Krankheiten sollte auf Sport verzichtet und bei der Einnahme von Medikamenten ein Arzt befragt werden. Von einem Training in der Verbindung mit Alkohol oder Drogen wird ebenso dringend abgeraten. Auch ein ausreichender Schlaf sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen sind sehr wichtig. Des Weiteren sollte bei zu extremen Temperaturen nicht trainiert werden, ganz gleich, ob kalt oder heiß.

Die Belastung ist für den gesamten Organismus bei einer starken Hitze oder hohen Minusgraden zu groß. Der Körper kann aufgrund der extremen Umstände Trainingsreize nicht sinngemäß verarbeiten. Dadurch kann es im Körper zu Fehlreaktionen kommen, beispielsweise dem Abbau der quergestreiften Muskulatur.

Das können Sie selbst tun

Sobald die Diagnose feststeht, werden die behandelnden Ärzte versuchen, die auslösende Ursache der Rhabdomyolyse zu beseitigen, damit sich die Erkrankung nicht weiter verschlimmert. Des Weiteren werden sie die Erkrankung ihren Symptomen nach behandeln und vor allem versuchen, ein akutes Nierenversagen zu verhindern.

Da der entstandene Gewebeschaden nur durch körpereigene Reparaturmaßnahmen beseitigt werden kann, ist es für die Patienten sinnvoll, ihr Immunsystem so gut es geht zu stärken. Je nachdem, welcher Verfassung sie sich befinden, sollten sie sich dazu viel im Freien bewegen. Ein gesunder, stressfreier Lebensstil unterstützt ebenfalls das Immunsystem. Die Patienten sollten daher nicht rauchen, nur wenig Alkohol trinken und sich gesund ernähren. Zu einer gesunden Ernährung gehören viele Vitamine und Mineralstoffe aus frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Fleisch. Auf rotes Fleisch, fette Wurst und Zucker sollte verzichtet werden. Auch viel Ruhe, ein ausreichender Schlaf und viel trinken – vor allem Wasser - sind sehr wichtige Maßnahmen zur Unterstützung des Immunsystems.

Weil viele Immunzellen im Darm gefunden wurden, empfiehlt sich auch die Gabe von Probiotika. Dabei handelt es sich um eine Zubereitung mit lebenden Mikroorganismen. Sie sollen sich im Darm vermehren und dort das Immunsystem unterstützen. Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Naturheilkunde“ sowie Heilpraktiker können hier entsprechende Empfehlungen aussprechen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 4. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

G.Decker kommentierte am 03.01.2016

Ich lag November 2015 zwölf Tage mit einer Sepsis im Krankenhaus. Acht Tage davon lag ich auf der Intensivstation mit schwerer Pneunomie und Nierenversagen. Leider entwickelte sich auch ein sehr ausgeprägtes Durchgangssyndrom mit Eigengefährdung, welches eine mehrtägige Fixierung und Sedierung erforderlich machte.
Durch das tagelange, bewegungsunfähige Liegen entwickelte sich eine Rhabdomyolyse. Unter den Folgen leide ich sehr. Ein bereits seit Jahren chronisches Schmerzsyndrom hat sich, v.a. die Beinmuskulatur betreffend, verstärkt, so dass selbst Opioide keine nennenswerte Erleichterung mehr bringen. Ebenso hat sich die Muskelschwäche signifikant verstärkt. Hinzu kommt, dass sich durch die mehrfachen Lungenentzündungen auch die COPD-typischen Symptome noch deutlicher darstellen. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Erkrankungen sind die Beeinträchtigungen nicht mehr so gut auszuhalten. Hinzu kommt als "Sahnehäubchen" noch eine MS. Ich wäre schon sehr dankbar, wenn zumindest die Rhabdomyolyse zu verbessern wäre. Hat jemand einen Rat?