SLAP-Läsion

Letzte Aktualisierung am 17. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei einer SLAP-Läsion handelt es sich um eine spezielle Verletzung des oberen Bizepsankers, der sogenannten Knorpellippe (Labrum). Diese befindet sich am oberen Rand des Schultergelenks in unmittelbarer Nähe zum Ursprungsort der Bizepssehne. Die Verletzung kann verschiedene Ursachen haben und wird meist konservativ behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine SLAP-Läsion?

Der Begriff SLAP-Läsion ist eine Abkürzung, die im medizinischen Fachbereich verwendet wird. Das Akronym SLAP steht für superiores Labrum von anterior nach posterior und beschreibt den Ort der Läsion. Eine Läsion (Latein für Verletzung) ist nichts weiter als eine Schädigung der anatomischen Strukturen des Körpers.

Hierdurch soll klar werden, dass aufgrund einer Verletzung eine verminderte physiologische Funktion der betroffenen Stelle eintritt. Unter einer SLAP-Läsion wird folglich eine Verletzung der langen Bizepssehne verstanden. Die Läsion tritt an der Stelle auf, an welcher die Bizepssehne in das Schultergelenk hineinläuft und in die obere Knorpellippe (sogenannte Gelenkpfanne) einstrahlt. In der Medizin wird zwischen vier verschiedenen Typen der SLAP-Läsion unterschieden (Klassifizierung nach Snyder).

  • Typ 1: Hierbei handelt es sich um eine Degeneration der oberen Knorpellippe (Labrum) sowie des Ansatzes der Bizepssehne (Bizepsanker). Unter einer Degeneration wird eine formale, funktionale oder strukturelle Abweichung vom körperlichen Standardbau verstanden.
  • Typ 2: Ein vom oberen Rand der Schultergelenkpfanne (Glenoid) ausgehender Abriss des Bizepsankers. Die Verletzung erfolgt hier kranial (das heißt zum Kopf hin).
  • Typ 3: Korbhenkelriss (besondere Form einer Meniskusläsion) bei funktionierendem und unverletztem Bizepsanker.
  • Typ 4: Längsaufspaltung der langen Bizepssehne. Kennzeichnend ist hier, dass ein Teil der Bizepssehne in kaudaler Richtung (das heißt vom Kopf abwärts) in einen Teil des Gelenkspalts verschoben ist. Folglich liegt eine Dislokation vor.

Ursachen

Für eine SLAP-Läsion kommen verschiedene Faktoren als Ursache in Betracht. Möglich sind ein plötzlicher und unerwarteter Druck auf eine bereits angespannte Bizepssehne (zum Beispiel dem Heben schwerer Gegenstände, Sturz auf den Arm, Windsurfen). Häufig stellt sich eine SLAP-Läsion aber als Sportverletzung dar.

Insbesondere Werfer (zum Beispiel Tennisspieler, Speerwerfer, Weitwerfer, Baseballwerfer) ziehen sich in Ausübung ihres Sports Mikroverletzungen zu, die zunächst unbemerkt bleiben. Denn bei der Durchführung von Würfen treten massive Torsions- und Zugkräfte am Ansatz der Bizepssehne auf. Eine Vielzahl dieser Mikroverletzungen kann dann zur Ausbildung einer SLAP-Läsion führen. Bei auf diese Art entstehenden SLAP-Läsionen wird auch von mikrotraumatisch verursachten SLAP-Läsionen gesprochen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Tücke der SLAP-Version besteht darin, dass sie eine sehr unterschiedliche Schmerzsymptomatik aufweist. Das heißt nicht jeder Patient verspürt die gleiche Art von Symptomen. Häufig werden jedoch Belastungen im Bereich des Überkopfes als schmerzhaft empfunden.

Selbiges gilt für die Durchführung von Würfen (Abduktion oder Außenrotation) beziehungsweise die Ausführung wurfartiger Bewegungen. In einigen Fällen kommt es bei derartigen Bewegungen zu einem hörbaren Knacken oder einem Schnappgeräusch. Häufig tritt eine SLAP-Läsion zusätzlich zu anderen Verletzungen auf (Begleitpathologien).

So wird in einigen Studien berichtet, dass 40 Prozent der untersuchten Patienten neben der SLAP-Läsion Verletzungen der Rotatorenmanschette aufwiesen. Auch konnten Abrissverletzungen und Verrenkungen festgestellt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine SLAP-Läsion zu diagnostizieren, ist nicht einfach. Durch Röntgenaufnahmen ist sie nicht zu erkennen. Das gilt ebenfalls für eine Computertomographie (CT) oder eine Echographie (Sonographie). Erschwerend kommt die unterschiedliche Schmerzsymptomatik der Läsion hinzu.

Häufig verbleibt deshalb allein eine Darstellung der Verletzung mittels einer Kernspintomographie (MRT – Magnetresonanztomographie), um eine endgültige und belastbare Diagnose durchzurühren. Im Zuge einer bloß körperlichen Untersuchung ohne MRT kann ein Speed-Test zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um einen orthopädischen Test zur Untersuchung der Bizepssehne.

Er wird auch Paml-up-Test genannt. Der Test wird allenfalls ergänzend zur Diagnose einer SLAP-Läsion eingesetzt. In den meisten Fällen wird anschließend ein MRT durchgeführt vor dessen Durchführung ein Kontrastmittel verabreicht wird. Denn auch die Darstellung in einem MRT gelingt nicht immer einwandfrei.

Die Verabreichung des Kontrastmittels erfolgt durch Injektion direkt in das betroffene Gelenk. Das Kontrastmittel strömt durchschnittlich innerhalb von 50 bis 30 Minuten aus dem Gelenk, sodass für die Durchführung des MRT nur maximal 30 Minuten verbleiben.

Komplikationen

Die SLAP-Läsion hat meistens keine schwerwiegenden Komplikationen zur Folge. Die Betroffenen leiden allerdings unter einer eingeschränkten Beweglichkeit des betroffenen Arms. Dies kann zu Fehlhaltungen und Ausweichbewegungen führen, die den Gelenkverschleiß beschleunigen und dauerhafte Fehlstellungen hervorrufen können. Sollten sich starke Schmerzen einstellen, kann sich dies auf die psychische Verfassung der Betroffenen auswirken.

Gerade eine unbehandelte SLAP-Läsion stellt somit eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Wohlbefindens dar. Die Therapie der SLAP-Läsion ist ebenfalls mit Risiken verbunden. Bei einem chirurgischen Eingriff kann es immer zu Komplikationen wie Infektionen, Blutungen oder Nervenverletzungen kommen. Nach dem Eingriff treten gelegentlich Wundheilungsstörungen auf oder die Naht öffnet sich und es muss erneut operiert werden.

In Einzelfällen kann der eingesetzte Knochenanker verrutschen und Druckschmerzen sowie Nerven- und Muskelschäden hervorrufen. Werden dem Patienten Medikamente verordnet, sind Neben- und Wechselwirkungen nicht auszuschließen. Gelegentlich treten nach der Einnahme von Schmerzmitteln Kopfschmerzen auf oder der Patient fühlt sich müde und abgeschlagen. Selten kann es auch zu Herz-Rhythmus-Störungen und Hautirritationen kommen. Auch allergische Reaktionen auf die verwendeten Stoffe sind nicht auszuschließen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine SLAP-Läsion sollte immer von einem Arzt behandelt werden. In den meisten Fällen kommt es dabei nicht zu einer Selbstheilung, sodass der Betroffene auf eine medizinische Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist. Sollte keine Behandlung der SLAP-Läsion eingeleitet werden, so kann es zu erheblichen Beschwerden oder zu Komplikationen kommen. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene unter erheblichen Schmerzen leidet. Diese treten meistens am oberen Ende des Kopfes auf, können sich allerdings auch in die benachbarten Regionen ausbreiten.

In vielen Fällen kommt es auch zu Einschränkungen in der Bewegung. Die Knochen können auch ein Schnappgeräusch aufzeigen. Treten diese Beschwerden auf, muss ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin weisen auch Verrenkungen auf die SLAP-Läsion hin und sollten immer untersucht werden. Je früher die SLAP-Läsion erkannt und behandelt wird, desto besser ist der weitere Verlauf dieser Erkrankung.

Behandlung & Therapie

Eine konservative Therapie kommt ausschließlich bei Läsionen vom Typ 1 in Betracht. Hierbei werden die kleinen Risse am stabilen Bizepsanker durch Ruhigstellung geschont. Größere Risse werden durch eine Operation behandelt. Reguläre Risse beziehungsweise Läsionen der Typen 2 bis 4 werden arthroskopisch behandelt.

Das ab- oder angerissene Labrum wird hierbei durch kleine Knochenanker an der üblichen Stelle an der Gelenkpfanne fixiert und kann dann wieder einwachsen. Diese Behandlungsform ist minimalinvasiv und wird von den Krankenkassen übernommen. Eine stationäre Aufnahme ist nach erfolgreicher Durchrührung in der Regel nicht notwendig.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist lediglich für Werfer möglich. Diese sollten – wie bei anderen Sportarten auch – regelmäßige Pausen einlegen. Hierdurch wird eine zu große Ansammlung von mikroskopischen Verletzungen vermieden. Es ist also stets darauf zu achten, Überbelastungen zu vermeiden. Die Anzahl der Trainingseinheiten sowie die Trainingsdauer dürfen nur langsam gesteigert werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Rieger, H.: Sportverletzt – was jetzt? Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2010


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