Schlauchmagen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Mit Verfahren wie dem Schlauchmagen begrenzt die Adipositaschirurgie die maximal mögliche Nahrungszufuhr von stark übergewichtigen Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, die entweder einen BMI über 40 oder einen BMI über 35 und Folgeerkrankungen wie Diabetes nachweisen können.
Vor dem Eingriff müssen die Patienten in einem Beratungsgespräch darlegen, dass sie alle konventionellen Methoden zur Gewichtsreduzierung bereits erfolglos ausgeschöpft haben und weder unter Suchtproblematiken noch Psychosen leiden. Während des einstündigen, restriktiven und minimalinvasiven Eingriffs entfernt der Arzt einen Großteil des Magens und lässt lediglich einen schlauchförmigen Magenrest zurück, der den Patienten durch nur mehr begrenzt mögliche Nahrungsaufnahme beim Abnehmen unterstützt.
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Was ist der Schlauchmagen?
Der Schlauchmagen ist eine operative Maßnahme der Adipositaschirurgie, die Personen mit starkem Übergewicht beim Abnehmen unterstützen soll, indem die maximale Nahrungsaufnahme auf ein Minimum begrenzt wird.
Das Verfahren gehört zu den insgesamt vier anerkannten Standardtechniken im Bereich der Adipositaschirurgie und wird mitunter mit einer der drei weiteren Eingriffsmöglichkeiten kombiniert. Schlauchmagen-Operationen sind minimalinvasive Operationen, die zu den restriktiven Verfahren der Adipositaschirurgie gehören. Restriktiv bedeutet in diesem Fall, dass durch eine Reduzierung des Magenvolumens die maximal mögliche Nahrungszufuhr minimiert wird. Nach heutigem Kenntnisstand beruht die Wirkung des Schlauchmagens allerdings nicht allein auf dieser Mengenbegrenzung: Mit dem herausgenommenen Teil des Magens entfällt auch der Magenfundus, also jener obere Abschnitt, in dem der appetitanregende Botenstoff Ghrelin überwiegend gebildet wird, sodass der Hunger unabhängig vom verkleinerten Fassungsvermögen nachlässt. Der Schlauchmagen hat im 21. Jahrhundert extrem an Bedeutung gewonnen und konnte Statistiken zufolge 2012 sogar den Magenbypass überholen.
Der Eingriff lässt eine 70- bis 80-prozentige Reduzierung des Übergewichtes erwarten und minimiert gleichzeitig damit auch das Risiko für übergewichtsbedingte Folgeerkrankungen. In der Regel steigert sich nach der Operation außerdem das allgemeine Wohlbefinden des Patienten.
Fachsprachlich heißt der Eingriff Schlauchmagenbildung oder Sleeve-Gastrektomie, im klinischen Alltag oft verkürzt Sleeve. Der Name beschreibt das Ergebnis: Vom Magen bleibt ein schmaler, an eine Banane erinnernder Schlauch entlang der kleinen Kurvatur übrig, der Speiseröhre und Magenausgang weiterhin auf dem natürlichen Weg verbindet. Anders als beim Magenbypass wird dabei nichts umgeleitet und keine neue Verbindung zum Dünndarm geschaffen; anders als beim Magenband wird kein Fremdkörper eingesetzt, der nachjustiert werden oder verrutschen könnte.
Entstanden ist das Verfahren als Zwischenschritt. Bei besonders schweren Ausgangsbefunden führten Chirurgen zunächst nur die Magenverkleinerung durch, um das Operationsrisiko der aufwendigeren Umleitungsverfahren zu senken, und planten den zweiten Eingriff für später ein. Dabei zeigte sich, dass viele Patienten schon nach dem ersten Schritt so viel Gewicht verloren, dass der zweite entbehrlich wurde. Aus dem Zwischenschritt wurde auf diese Weise ein eigenständiges Verfahren, das heute zu den weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen bei krankhafter Adipositas zählt.
Wer für den Eingriff in Frage kommt, entscheidet sich nicht am Gewicht allein. Die Behandlung folgt einem gestuften Konzept: Am Anfang stehen Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltensänderung, zusammengefasst als multimodales Konzept, das über einen längeren Zeitraum unter fachlicher Begleitung durchlaufen und dokumentiert wird. Erst wenn es das angestrebte Ergebnis nicht bringt, kommt die Operation in Betracht. Vor der Entscheidung stehen außerdem eine Magenspiegelung zur Beurteilung von Schleimhaut, Speiseröhre und einem möglichen Zwerchfellbruch, die Abklärung von Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder einem Schlafapnoe-Syndrom sowie eine psychologische Begutachtung.
Der zu erwartende Gewichtsverlust wird üblicherweise nicht in Kilogramm angegeben, sondern als Anteil des Übergewichts, also des Gewichts oberhalb des Normalbereichs und nicht des gesamten Körpergewichts. Auf diese Rechengröße bezieht sich die genannte Reduzierung um 70 bis 80 Prozent. Der größte Teil der Abnahme fällt in die ersten Monate nach dem Eingriff; danach flacht die Kurve ab, und ein Teil der Operierten nimmt nach einigen Jahren wieder zu. Ob das Gewicht gehalten wird, hängt weniger von der Operation selbst als von der Nachsorge und von den veränderten Ess- und Bewegungsgewohnheiten ab.
Funktion, Wirkung & Ziele
Besonders verbreitet ist die Schlauchmagen-Operation in Form eines Revisionseingriffs bei vorausgegangener Implantation eines Magenbands. Abgesehen davon ist der Schlauchmagen auch als erster Eingriff der Zwei-Schritt-Methode bekannt, der nach rund zwei Jahren durch eine biliopankreatische Diversion nach Scopinaro ergänzt wird. Diese Ergänzung kombiniert die Begrenzung der maximal möglichen Nahrungsaufnahme mit einer Restriktion der Nährstoffaufnahme. Heute wird der Schlauchmagen allerdings überwiegend als alleiniges Verfahren durchgeführt; ein zweiter Eingriff folgt nur dann, wenn die Gewichtsabnahme nicht ausreicht.
Der Arzt legt den Patienten zur Durchführung einer Schlauchmagen-Operation in eine Allgemeinnarkose und operiert daraufhin minimalinvasiv. Er schneidet den Magen dazu mit einem Ultraschalldissektor an der großen Kurvatur ab. Dieser Schnitt erfolgt dicht unterhalb der Speiseröhre, wo der Magen vom Verbindungsnetz zur Milz abgetrennt werden kann. Entlang eines Kalibrierungsschlauchs an der kleinen Kurvatur entfernt der Arzt mit Klammer-Schneideinstrumenten einen Großteil des Magens und vernäht laparoskopisch den schlauchförmigen Rest des Organs.
Damit reduziert der Mediziner das Magenvolumen um rund 80, manchmal sogar 90 Prozent. Die Operation dauert insgesamt ungefähr eine Stunde, wobei der Arzt vor Abschluss des Eingriffs in der Regel die Dichtigkeit des Magenrests prüft.
An die Operation schließt sich ein geregelter Kostaufbau an. Der verkleinerte Magen muss abheilen, seine Klammernahtreihe darf nicht durch Druck belastet werden, und das Fassungsvermögen ist zunächst sehr gering. Deshalb beginnt die Ernährung flüssig und wird in Stufen über passierte zu weicher und schließlich fester Kost gesteigert, jeweils nach Vorgabe des Behandlungsteams. Dauerhaft bleiben einige Grundregeln bestehen: kleine Portionen, langsames Essen, gründliches Kauen und das Trennen von Essen und Trinken, weil Flüssigkeit den Schlauch rasch füllt und die feste Nahrung dann keinen Platz mehr findet. Wer sich darüber hinwegsetzt, bemerkt es schnell an Druckgefühl, Übelkeit oder Erbrechen.
Die Nachsorge ist auf Dauer angelegt. Vorgesehen sind regelmäßige Termine mit Gewichtskontrolle, Ernährungsberatung und Laboruntersuchungen, anfangs engmaschig, später in größeren Abständen, aber lebenslang. Kontrolliert werden vor allem jene Werte, die nach einer Magenverkleinerung absinken können: Vitamin B12, das ohne den vollständigen Magen schlechter aufgenommen wird, außerdem Eisen, Folsäure sowie Vitamin D und Kalzium. Ein unbemerkter Nährstoffmangel macht sich erst spät bemerkbar – als Blutarmut, als Nervenstörung oder als Verlust an Knochendichte – und ist der Hauptgrund dafür, dass die Nachsorge nicht als lästige Zugabe, sondern als Bestandteil des Verfahrens gilt.
Der Nutzen der Operation erschöpft sich nicht in der Gewichtsabnahme. Übergewichtsbedingte Begleiterkrankungen bessern sich häufig deutlich: Ein Diabetes vom Typ 2 kann zurückgehen, ein Schlafapnoe-Syndrom sich abschwächen, Blutdruck- und Blutfettwerte sinken, und die Belastung von Knie-, Hüft- und Wirbelsäulengelenken nimmt ab. Bei den Stoffwechselwirkungen setzt der Effekt zum Teil früher ein, als es die Gewichtsabnahme allein erklären würde, was mit der veränderten Hormonlage des verkleinerten Magens in Verbindung gebracht wird. Aus diesem Grund werden solche Eingriffe heute auch als metabolische Chirurgie bezeichnet, gerade wenn ein Metabolisches Syndrom im Vordergrund steht.
Ebenso wichtig ist, was der Eingriff nicht leistet. Er ersetzt keine Verhaltensänderung: Kalorienreiche Flüssigkeiten passieren den Schlauch ungehindert, und wer über den Tag verteilt ständig kleine Mengen nachlegt, umgeht die Mengenbegrenzung. Auch die seelische Seite des Essverhaltens bleibt unberührt; Essen als Trost oder als Reaktion auf Belastung verschwindet mit dem Mageninhalt nicht. Genau deshalb gehören die psychologische Begutachtung vor dem Eingriff und die Begleitung danach fest zum Konzept.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Durch minimalinvasive Techniken wird das Risiko dennoch gering gehalten. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, leichtere kommen häufiger vor. In dem vorausgehenden Beratungsgespräch muss der Patient trotz dieser mittlerweile tragbaren Risiken nachweisen, dass alle konventionellen Methoden zur Gewichtsreduktion bereits erfolglos ausgeschöpft wurden. Als Voraussetzung für die Operation gilt außerdem ein Body-Mass-Index über 40. Alternativ dazu reicht auch ein BMI über 35 in Kombination mit übergewichtsbedingten Erkrankungen wie Diabetes aus.
Das extreme Übergewicht muss zudem seit mindestens drei Jahren bestehen, wobei der Patient ein Alter zwischen 18 und 65 Jahren mitbringen sollte. Abgesehen davon findet der Eingriff nicht an Personen mit Psychosen oder Suchterkrankungen statt. Auch nach dem Eingriff steht dem Patienten eine beratende Fachkraft zur Seite, die ihm Anleitung zum langsamen Wiederaufbau der Ernährung gibt. Substitutionstherapien mit Vitamin B12 sind nach Magenresektionen zum Beispiel grundsätzlich und dauerhaft indiziert. Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen Schlauchmagen nur im Einzelfall.
Der Patient muss die Notwendigkeit der Operation also glaubwürdig und überzeugend darlegen können, wenn er die Kosten nicht selbst tragen möchte oder kann. Der Schlauchmagen macht keine Darmumleitung erforderlich, was den Eingriff auch für Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn geeignet macht. Anders als bei den meisten anderen adipositaschirurgischen Eingriffen bleibt beim Schlauchmagen die Aufnahmefähigkeit von Medikamenten im Magen-Darm-Trakt erhalten.
Der Verlust des herausgenommenen Magenteils ist allerdings irreversibel, sodass der Eingriff schon aus diesem Grund gut überdacht werden muss. Patienten werden zur Operation immer stationär aufgenommen und bleiben zwischen rund zwei und vier Tagen in der Klinik. Nach der OP treten teilweise Nachblutungen, Thrombosen oder Undichtigkeiten der Nähte auf, was einen längeren Krankenhausaufenthalt erforderlich machen kann.
Unter diesen Komplikationen hat eine besondere Bedeutung: die Undichtigkeit der Klammernahtreihe, meist an ihrem oberen Ende nahe dem Übergang zur Speiseröhre. Sie tritt selten auf, kann sich aber auch erst Tage nach dem Eingriff zeigen und äußert sich durch zunehmende Schmerzen, Fieber, Herzrasen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Weil diese Zeichen unspezifisch sind, wird bei solchen Beschwerden nach der Entlassung ausdrücklich zur sofortigen Wiedervorstellung geraten. Behandelt wird je nach Ausmaß mit endoskopisch eingebrachten Hilfsmitteln, mit einer Ableitung des Sekrets oder mit einer erneuten Operation. Eine Verengung des Schlauches ist die zweite typische Spätkomplikation; sie führt zu Erbrechen und kann ihrerseits den Druck erhöhen, der eine Undichtigkeit oberhalb der Engstelle begünstigt.
Häufiger als diese schweren Verläufe ist ein anderes Problem: Sodbrennen. Der Schlauchmagen kann eine bestehende Refluxkrankheit verstärken oder eine solche neu entstehen lassen, weil der Druck im verengten Restmagen steigt und der Verschluss zur Speiseröhre an Halt verliert. Ein ausgeprägter Reflux gilt deshalb als Grund, die Wahl des Verfahrens zu überdenken und stattdessen den Magenbypass zu erwägen, der in dieser Hinsicht günstiger abschneidet; bei bereits eingetretenen Schleimhautveränderungen der Speiseröhre wird von der Schlauchmagenbildung abgeraten. Ein gleichzeitig bestehender Zwerchfellbruch wird nach Möglichkeit in derselben Sitzung mitversorgt.
Nicht jeder Verlauf ist erfolgreich. Bleibt die Gewichtsabnahme hinter dem Erwarteten zurück, weitet sich der Schlauch im Lauf der Jahre wieder auf oder wird der Reflux nicht beherrschbar, kann eine Umwandlung in ein anderes Verfahren notwendig werden, in der Regel in einen Magenbypass. Solche Zweiteingriffe sind technisch anspruchsvoller als der Ersteingriff und mit höheren Risiken verbunden, weshalb sie spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben.
Als Begleiterscheinungen der starken Gewichtsabnahme sind schließlich Gallensteinbildung und überschüssige Hautfalten zu nennen. Gallensteine entstehen bei rascher Abnahme häufiger und können ihrerseits eine Operation nötig machen. Die erschlaffte Haut an Bauch, Oberarmen und Oberschenkeln ist für viele Betroffene eine erhebliche Belastung; straffende Eingriffe sind möglich, werden von den Krankenkassen aber nur übernommen, wenn ein medizinischer Grund wie eine wiederkehrende Hautentzündung in den Falten nachgewiesen ist. Frauen mit Kinderwunsch wird geraten, eine Schwangerschaft nicht in die Phase der raschen Gewichtsabnahme zu legen, weil die Nährstoffversorgung dann besonders knapp ausfällt.
Hinzu kommen die allgemeinen Gefahren einer Operation, die bei starkem Übergewicht schwerer wiegen: die Narkose bei eingeschränkter Atemreserve, die Lagerung auf dem Operationstisch, die Wundheilung im Fettgewebe und die erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln. Ihr wird mit früher Mobilisierung nach dem Eingriff, mit Kompressionsstrümpfen und mit einer ärztlich verordneten Gerinnungshemmung begegnet. Ein bestehendes Schlafapnoe-Syndrom sollte vor der Operation behandelt sein, weil es das Narkoserisiko zusätzlich erhöht.
Ein praktisches Problem der Langzeitbetreuung ist schließlich, dass viele Operierte die Nachsorgetermine im Lauf der Jahre nicht mehr wahrnehmen. Gerade dann aber treten Nährstoffmängel, Refluxbeschwerden und eine erneute Gewichtszunahme auf, die sich früh erkannt gut beeinflussen lassen. Adipositaszentren und Selbsthilfegruppen arbeiten deshalb daran, den Kontakt über den Eingriff hinaus zu halten; für die Betroffenen selbst ist die feste Anbindung an ein solches Zentrum der wichtigste Beitrag zum dauerhaften Erfolg. Hilfreich ist außerdem, den Hausarzt von Anfang an einzubeziehen, damit die jährlichen Laborkontrollen auch dann noch stattfinden, wenn die Termine im Zentrum seltener werden.
Quellen
- Ordemann, J., Elbelt, U. (Hrsg.): Adipositas- und metabolische Chirurgie.
ISBN: 9783662486979
- Kreis, M., Beyer, K. (Hrsg.): Chirurgie des oberen Gastrointestinaltrakts und Adipositaschirurgie.
ISBN: 9783662633601
- Hauner, H., Wirth, A. (Hrsg.): Adipositas.
ISBN: 9783662588949
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Billmann, F., Keck, T. (Hrsg.): Facharztwissen Viszeralchirurgie.
ISBN: 9783662728826
