Supraspinatussehnensyndrom

Letzte Aktualisierung am 4. Oktober 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das Supraspinatussehnensyndrom bezeichnet ein chronisches Schmerzsyndrom der Schultermuskulatur. Es tritt vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter nach Verschleißprozessen auf, wird jedoch durch bestimmte anatomische Eigenarten oder Verletzungen begünstigt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Supraspinatussehnensyndrom?

Beim Supraspinatussehnensyndrom ist die Sehne des Musculus supraspinatus (Obergrätenmuskel) degenerativ verändert. Dadurch treten chronische, bewegungsabhängige Schmerzen auf, insbesondere beim Abspreizen des Armes.

Das Supraspinatussehnensyndrom ist eine der Einzelerkrankungen, die unter dem Oberbegriff "Impingement-Syndrom der Schulter" zusammengefasst werden. Neben der Sehne des Musculus supraspinatus können auch umliegende Strukturen wie Schleimbeutel von Degeneration und Entzündungen betroffen sein.

Ursachen

Das Supraspinatussehnensyndrom ist mit der anatomischem Lage und der besonderen Degenerationsanfälligkeit des Musculus supraspinatus zu erklären. Der Muskel ist Teil der sogenannten Rotatorenmanschette, die den Oberarmknochen in der Gelenkpfanne des Schulterblattes hält und seinen Bewegungsumfang ermöglicht.

Der Musculus supraspinatus zieht vom hinteren oberen Schulterblatt zum Oberarmknochen. Dabei muss seine Sehne unter dem knöchernen Schulterdach (Acromion) sowie unter einem Band zwischen Schulterdach und Rabenschnabelfortsatz (Ligamentum coracoacromiale) hindurchtreten. Diese natürliche Engstelle kann durch individuelle anatomische Gegebenheiten, nach Frakturheilungen oder durch Entzündungen zusätzlich verengt sein.

Zudem ist die Supraspinatussehne hier physiologischerweise hohen Druck- und Reibebelastungen ausgesetzt und so im Laufe des Lebens anfällig für degenerative Abnutzung. Mit der Sehne selbst degenerieren auch ihre Versorgungsstrukturen: Es kommt zu Durchblutungsstörungen und immer schlechter funktionierenden Reparaturmaßnahmen, bis schließlich ein voll ausgebildetes Supraspinatussehnensyndrom vorliegt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Erstes Symtpom eines Supraspinatussehnensyndroms sind Schmerzen beim aktiven Abspreizen (Abduzieren) des Armes, insbesondere gegen Widerstand. Da die Schmerzen bei einem mittleren Abspreizungsgrad von ca. 70-120 Grad am heftigsten sind, spricht man von einem "schmerzhaften Bogen".

Typisch für ein Supraspinatussehnensyndrom sind auch Druckschmerzen am vorderseitigen Gelenkspalt und ein Ausstrahlen des Schmerzes in den äußeren Oberarm hinein. Üblicherweise verläuft die Ausbildung eines Supraspinatussehnensyndroms phasisch: Schmerzhafte Reizzustände wechseln sich mit Phasen der - bewussten oder unbewussten - Schonung ab, durch die jeweils eine vorübergehende Verbesserung erzielt werden kann.

Im Laufe der Zeit werden Schonung und Regeneration aber immer ineffektiver und die schmerzfreien Phasen immer kürzer, bis die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen schließlich chronisch vorhanden sind. Durch die Schonung des Musculus supraspinatus bilden sich außerdem muskuläre Dysbalancen aus, die einen Hochstand des Oberarmkopfes und eine weitere Einengung der Supraspinatussehne begünstigen - ein Teufelskreis.

Zur Diagnostik des Supraspinatussehnensyndroms wird zunächst bestimmt, bei welchen Bewegungen in welcher Armstellung und in welchem Ausmaß die Schmerzen auftreten. Im Röntgenbild sind die eigentlichen Degenerationsprozesse nicht gut zu erkennen - eventuell liefern aber knöcherne Wucherungen nach Frakturheilungen, Verkalkungen oder ein bereits vorliegender Hochstand des Oberarmkopfes Hinweise auf ein Supraspinatussehnensyndrom.

Besser beurteilt werden können die Schultermuskulatur und die umliegenden Weichteilstrukturen in einer Ultraschalluntersuchung. Teilweise wird auch Kernspintomografie eingesetzt. Eine Spiegelung (Arthroskopie) des Schultergelenks - früher häufig Bestandteil der Diagnostik - zählt heute aufgrund verbesserter Bildgebung eher zu den Therapiemitteln.

Komplikationen

Das Supraspinatussehensyndrom ruft in seinem Verlauf zunehmend Bewegungseinschränkungen hervor. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden die Schmerzphasen immer länger, bis sie schließlich zu einem chronischen Syndrom entwickeln. Der Betroffene führt dann meist Ausweichbewegungen durch, was zu einem verfrühten Gelenkverschleiß und weiteren Fehlstellungen führen kann.

Der Wechsel zwischen Schonung und Schmerzphasen ruft außerdem muskuläre Dysbalancen hervor, die zu einem Hochstand des Oberarmkopfes führen können. Dadurch kann es zu einer weiteren Einengung der Supraspinatussehne kommen. Langfristig kann das chronische Schmerzsyndrom zu einer Versteifung der betroffenen Sehne und der umliegenden Knochen und Gelenke führen.

Ein solch schwerer Verlauf ist meist mit psychischen Leiden verbunden, die das Wohlbefinden des Betroffenen weiter einschränken. Bei der Behandlung des Supraspinatussehensyndroms sind operative Komplikationen möglich. So kann es zu Blutungen und Entzündungen im Bereich des Eingriffs kommen.

In Einzelfällen werden Nervenstränge verletzt, wodurch sich Lähmungserscheinungen einstellen können. Die konservativen Therapiemethoden – also Kälte- und Wärmetherapie sowie Krankengymnastik – rufen gelegentlich vorübergehende Beschwerden hervor. Typisch sind Durchblutungsstörungen, Verspannungen, Blutergüsse oder Schwindel. Eine medikamentöse Behandlung ist mit weiteren Neben- und Wechselwirkungen verbunden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Supraspinatussehnensyndrom ist der Betroffene auf einen Besuch bei einem Arzt angewiesen. Dabei kann es nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, sodass ein Besuch bei einem Arzt immer stattfinden muss, um die Beschwerden zu lindern und weitere Komplikationen zu verhindern.

Je früher beim Supraspinatussehnensyndrom ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf der Erkrankung. Ein Arzt ist bei dieser Krankheit dann aufzusuchen, wenn es zu starken Schmerzen in den Schultern kommt. Diese Schmerzen treten ohne einen besonderen Grund auf und verschwinden nicht von alleine. Sie können auch in Form von Belastungsschmerzen oder auch durch Ruheschmerzen auftreten und wirken sich negativ auf die Lebensqualität aus. Weiterhin können auch starke Einschränkungen in der Bewegung auf das Supraspinatussehnensyndrom hindeuten und sollten ebenso durch einen Arzt untersucht werden.

In der Regel kann bei dieser Krankheit ein Orthopäde oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Der weitere Verlauf richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Erkrankung, sodass keine allgemeine Voraussage getroffen werden kann. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen durch diese Krankheit nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Supraspinatussehnensyndroms kann in den Anfangsstadien noch konservativ erfolgen. Das Spektrum der konservativen Therapiemethoden umfasst Kälte- oder Wärmetherapie, diadynamische Ströme zur Muskelentspannung, Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung sowie Krankengymnastik und manuelle Therapie.

Das Grundprinzip besteht darin, starke Belastungen der Supraspinatussehne zu vermeiden, gleichzeitig aber den Bewegungsumfang des Schultergelenks zu sichern und muskuläre Dysbalancen zu vermeiden. Initial kann ein stationäres Therapieprogramm in einer orthopädischen Rehabilitationseinrichtung sinnvoll sein. Dauerhaft kann der Patient die Schmerzsymptomatik nur im Zaum halten, wenn er die erlernten Übungen anschließend zuhause regelmäßig anwendet.

Erweist sich das Supraspinatussehnensyndrom als resistent gegen alle konservativen Therapieversuche, muss operiert werden: Hier existieren verschiedene Operationsansätze, aber alle verfolgen das Ziel, den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern. Die Operation eines Supraspinatussehnensyndroms erfolgt heute meist arthroskopisch mit sehr geringem Operationsrisiko.

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Vorbeugung

Eine Prävention des Supraspinatussehnensyndrom ist schwierig, da sich die begünstigenden anatomischen Faktoren nicht vermeiden lassen. Positiv beeinflussen lässt sich aber der Verlauf eines Supraspinatussehnensyndrom, indem Schmerzen ernst genommen und frühzeitig durch entsprechende konservative Therapiemethoden bekämpft werden.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Stoney kommentierte am 09.01.2016

Meine Schmerzen in der Schulter dauern schon neun Monate an. Sie sind permanent. Trotz Physio, Schröpfen, Akupunktur, Bioresonanz und täglichen Übungen mit dem Gummiband stellt sich keine Besserung ein. Supraspinatusentzündung MRT wurde durchgeführt und die Auswertung folgt. Ein Schleimbeutel ist seit der letzten Physio vor acht Jahren beseitigt. Was kann ich machen?