Tennisarm


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 16. November 2018
Kategorie: Krankheiten

Bei Überbelastung der Armmuskulatur können sich nicht nur Tennisspieler und Golfer den sogenannten Tennisarm (alternativ auch Golferellenbogen genannt) zuziehen. Auch Handwerker und Berufstätige, die viel am Computer arbeiten, riskieren den schmerzhaften Tennisarm.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Tennisarm?

Schematische Darstellung zur Anatomie des Armes bei Tennisarm bzw. Tennisellenbogen. Klicken, um zu vergrößern.

Die Begriffe Tennisarm und Golferellenbogen, übergreifend auch Epicondylitits genannt, bezeichnet eine Entzündung der Sehnen und Muskeln im Bereich des Ellenbogens.

Es handelt sich beim Tennisarm um eine Reizung der äußeren Muskulatur von Hand und Finger, also dem Strecker. Der Golferellenbogen bezieht sich hingegen auf eine Reizung der inneren Muskulatur von Hand und Finger, dem Beuger.

Fachsprachlich werden die beiden Symptome jeweils als Epicondylitis humeri radialis sowie Epicondylitis humeri ulnaris bezeichnet. Ihre populären Namen Tennisarm und Golferellenbogen erhielten die Syndrome auf Grund ihres häufigen Auftretens unter Tennisspielern und Golfern.

Ursachen

Die Ursachen liegen beim Tennisarm vor allem in der Überbelastung der Sehnen, die im Ellenbogenbereich mit den Knochen verbunden sind. Dabei ist nicht nur die chronische Überreizung ursächlich für den Tennisarm, auch eine akute Mehrbelastung kann zu der schmerzhaften Entzündung der Sehnenabschnitte führen.

Bei Sportlern in Sportarten wie Tennis, Golf oder Tischtennis, aber auch bei Volleyballern und Ruderern liegen die Ursachen für den Tennisarm im ständigen Wiederholen monotoner Bewegungsabläufe. Bei einem Großteil der Betroffenen kann der Tennisarm auf eine berufliche Tätigkeit zurückgeführt werden, die einseitige und sich wiederholende Bewegungen beinhaltet.

Dazu gehört beispielsweise auch die ständige Nutzung der Computermaus. Durch die repetitiven Bewegungen werden die entsprechenden Muskeln und Sehnen übermäßig belastet und es kommt zu Entzündungen im betroffenen Gewebe. Dies führt zu den für Tennisarm und Golferellenbogen starken Schmerzen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Anders als der Name vermuten lässt, treten Symptome nicht nur bei Tennisspielern auf. Gefährdet sind alle Personengruppen, die monotone Bewegungen mit dem Arm ausführen. Alle Betroffenen haben eins gemeinsam: den Schmerz. Er steigert sich bei einer Belastung. Mediziner beziehen den Tennisarm auf Beschwerden am Epicondylus lateralis.

Schmerzen bestehen im Bereich der Knochenvorsprünge des Ellenbogens. Dabei muss keineswegs eine Belastung vorliegen. Auch im Ruhezustand liegen Anzeichen vor. Dritte müssen den Arm nur leicht berühren, schon entsteht ein Druckschmerz. Auch die bloße Beugung und Streckung des Arms kann zur Qual werden. Manche Patienten berichten von einem Kribbeln in der Hand.

Die Arme sind im Alltag Lastenträger. Bei einem Tennisarm können sie dieser Funktion nach einiger Zeit nicht mehr nachkommen. Es entsteht ein Kraftverlust. Das Heben, Zugreifen und Tragen kann sich zur schmerzhaften Erfahrung entwickeln. Selbst das Händeschütteln gestaltet sich schwierig.

Wird der Tennisarm nicht fachkundig behandelt, nehmen Patienten oft eine Schonhaltung an. Diese führt zwar zunächst zu einer Reduzierung der Anzeichen. In der Konsequenz werden dadurch aber Verspannungen an anderen Körperteilen begünstigt. Eine weitreichende Fehlstellung ist die Folge. Nach einiger Zeit kommen die Beschwerden am Tennisarm zurück.

Krankheitsverlauf

Eine Tennisarm-Erkrankung verläuft meist positiv. Zunächst verspürt der Betroffene vor allem bei Drehbewegungen und starken Beanspruchungen von Hand und Arm starke Schmerzen, die meist vom Ellenbogen in Richtung Hand ausstrahlen.

Bleiben diese Tennisarm-Symptome unbeachtet kommt es langfristig zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Selbst leichte Tätigkeiten, wie das Halten kleiner Gegenstände oder das Tragen leichter Taschen können dann überaus schmerzhaft für den Betroffenen sein.

Darüber hinaus verschlechtert sich durch den Tennisarm die Kraft in Arm und Hand, sodass ein festes Zugreifen zusehends unmöglich wird. Ohne eine langfristig angelegte Behandlung werden die Schmerzen des Tennisarms und Golferellenbogens zu ständigen Begleitern der Betroffenen und führen zu starken Einschränkungen im Alltag. Nur eine entsprechende Therapie kann die Entzündung abklingen lassen und den Tennisarm heilen.

Komplikationen

Ein Tennisarm tritt häufig bei Personen auf, die einen oder beide Arme dauerhaft stark belasten. Die Bänder und Sehnen im Ellbogen leiern aus, sodass es zu ersten Schmerzen unmittelbar nach der Belastung kommt. Wird der entsprechende Arm weiterhin stark belastet, werden die Schmerzen zunehmen und es sind diverse Komplikationen möglich.

Die Schmerzen können auch im Ruhezustand auftreten und es kann zur Bildung eines Abszesses kommen. Wenn dieses Krankheitsbild nicht fachmännisch behandelt wird, ist mit weiteren Komplikationen zu rechnen. Wenn die Eiterflüssigkeit in den Blutkreislauf gelangt, besteht sogar die Gefahr einer Blutvergiftung. Gleichzeitig tritt ein starkes Unwohlsein auf, sowie eine erhöhte Temperatur. Eine Behandlung von einem entsprechenden Arzt ist ratsam, da ansonsten sogar Folgeschäden zurückbleiben können.

Wenn bei ersten Schmerzen im Arm jedoch eine Behandlung eingeleitet wird, dann können die oben genannten Komplikationen frühzeitig bekämpft oder sogar vermieden werden. Somit gilt: Wer erste Anzeichen eines Tennisarms hat, der sollte sich frühzeitig in ärztliche und medikamentöse Behandlung begeben. Auf diesem Weise können mögliche Komplikationen frühzeitig abgewendet werden, sodass mit einem deutlich angenehmeren Verlauf zu rechnen ist.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die im Alltag monotonen Bewegungen ausgesetzt sind, sollten in regelmäßigen Abständen ausgleichende Bewegungen durchführen. Kommt es zu leichten Beschwerden und ersten Unregelmäßigkeiten der Muskulatur können frühzeitig ergriffene Selbsthilfemaßnahmen bereits genügen, um eine Linderung der Beschwerden zu erwirken. Ein Arzt wird in diesen Fällen nicht immer benötigt. Sofern nach einem erholsamen Nachtschlaf oder ausreichender Bewegung sowie sportlichen Aktivitäten eine Beschwerdefreiheit eintritt, sind keine medizinischen Versorgungen notwendig.

Ein Arzt wird benötigt, wenn der Betroffene mit eigenen Möglichkeiten keine Linderung der Beschwerden herbeiführen kann. Anhaltende oder zunehmende Schmerzen sowie Beeinträchtigungen der Bewegungsmöglichkeiten sollten einem Arzt vorgestellt werden. Unabhängig davon, ob die monotonen Bewegungen durch berufliche oder sportliche Tätigkeiten ausgeführt werden, ist eine Abklärung der Symptome notwendig. Es muss geprüft werden, ob weitere Störungen vorliegen oder es sich um eine Überlastung handelt. Der Betroffene benötigt ärztliche Hilfe und sollte krankengymnastische Übungen machen.

Verspannungen, Schmerzen sowie Störungen der Sensibilität sollten einem Arzt vorgestellt werden. Bei Störungen der Durchblutung, eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie dem Gefühl der inneren Schwäche benötigt der Betroffene Hilfe. Können alltägliche Handlungen, wie das Heben, Tragen oder Festhalten von Gegenständen nicht mehr wie gewohnt ausgeführt werden, ist ein Arztbesuch notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Tennisarm und Golferellenbogen kann durch unterschiedliche Methoden erfolgen. Zum einen bestehen verschiedene Möglichkeiten den Tennisarm nicht-operativ zu therapieren. Bei akuten Schmerzen helfen kurzfristige Maßnahmen wie Kühlen und Wärmen sowie Massagen der Handgelenks- und Armmuskulatur.

Auch entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente können kurzweilig eine Lösung darstellen. Diese Behandlungsversuche können durch die Ruhigstellung des Armes mit Hilfe einer speziellen Schiene unterstützt werden. Langfristig sollten jedoch dauerhafte Maßnahmen gegen den Tennisarm getroffen werden. Hierzu gehört beispielsweise die Krankengymnastik. Diese schließt bestimmte Dehn- und Kräftigungsübungen der Muskulatur ein. Auch das Tragen einer Bandage während der belastenden Tätigkeit kann zum Abklingen der Tennisarm-Symptome führen.

Wird durch diese verschiedenen Methoden keine Besserung erzielt, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Bei der Operation von Tennisarm und Golferellenbogen gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen kann der Arzt die entzündete Sehne vom Knochen abtrennen, damit sie an einer anderen Stelle wieder anwächst. Dies führt zu einer Verlängerung und somit zu einer Entlastung des Muskelstranges. Zum anderen kann der Arzt eine Denervierungsoperation durchführen, bei der die Nervenstränge durchtrennt werden. Nach der Operation sollte der Tennisarm physiotherapeutisch behandelt werden.

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Vorbeugung

Um dem schmerzhaften Tennisarm und dem Golferellenbogen vorzubeugen, empfehlen sich verschiedene Maßnahmen. Zum einen sollten monotone Bewegungen vermieden werden. Zum anderen sollten Sportler beim Training auf die richtige Technik achten und auf leichte Symptome möglichst schnell reagieren. Für Nicht-Sportler können ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz sowie regelmäßige Dehnübungen zu einer Entlastung der Sehnen und Muskeln führen und einem Tennisarm vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Die Ursache eines Tennisarms ist in einer falschen Beanspruchung des menschlichen Skelett- und Muskelsystems im Unterarm zu finden. Häufig wird dieser Bereich über eine längere Zeit kaum bewegt und dann durch sportliche Aktivitäten oder andere körperliche intensive Arbeiten einer Überforderung ausgesetzt.

Im Alltag sollte darauf geachtet werden, dass die Differenz eines kaum beanspruchten Unterarms im Vergleich zu einer starken Belastung minimiert wird. Da der Unterschied der Belastungsansprüche die gesundheitlichen Beeinträchtigungen auslöst, kann der Betroffene selbständig im alltäglichen Geschehen verschiedene Veränderungen herbeiführen.

Hilfreich ist es, in Phasen einer geringen Beanspruchung diese bewusst zu initiieren oder ausgleichende Übungen durchzuführen. Darüber hinaus sind Fehlhaltungen zu vermeiden. Die Bewegungsabläufe sollten den körperlichen Möglichkeiten entsprechen und sind zu optimieren. Zusätzlich sind in den Zeiten der starken Beanspruchung Ruhephasen einzulegen. Arbeiten am Computer oder das Spielen eines Musikinstrumentes sollten zum Zweck der Erholung häufiger unterbrochen werden.

In einer Physiotherapie können unterschiedliche Übungen erlernt werden, die zu einer Erleichterung der Alltagsbewältigung führen. Die Trainingseinheiten sollten außerhalb der Sitzungen diszipliniert umgesetzt werden, damit eine Verbesserung der Situation erfolgt. Bei Sportlern ist eine ausreichende Aufwärmphase besonders wichtig. Darüber hinaus kann die Veränderung der Dauer eines Trainings bereits zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

dohaimat kommentierte am 18.09.2011

Bei mir wurde Epicondylitis diagnostiziert. Ich bin schon verzweifelt und habe einige Wochen diverse Medikamente (z.B. Seractil forte 400 mg) von meinem Hausarzt verschrieben bekommen. Dennoch ist es nach einigen Wochen schlimmer geworden. Ich habe dann einen Unfallchirurgen aufgesucht und bin schon die dritte Woche mit einem Oberarmgips umwickelt. Zusätzlich gab es drei Infiltrationen mit Cortison volon á 40 mg, drei Wochen Voltaren rapid Kapseln. Trotzdem schmerzt es auch heute wieder. Nächste Woche beginne ich mit einer physikalischen Therapie. Oder sollte ich vielleicht doch einen Handchirurgen aufsuchen? Sollte nicht auch mal eine Ultraschalluntersuchung oder ein CT gemacht werden? Röntgen wurde gemacht, aber man sieht natürlich nichts, denn es sind ja auch die Sehnen und Muskeln und nicht der Knochen.

Joggingeddi kommentierte am 03.03.2015

Vor 15 Jahren wurde mein "linker" Tennisarm in Nürnberg operiert (minimal invasiv). Nach zwei Wochen war ich schmerzfrei und nach vier Wochen war der Arm wieder voll belastbar. Vor 4 Wochen wurde nun der "rechte" Tennisarm operiert (minimal invasiv) in Finnentrop. Bis heute ist keine Besserung zu bemerken. Im Gegenteil: Es ist immer noch eine stark eingeschränkte Bewegung vorhanden und immer noch die typischen Tennisarmbeschwerden. Außerdem eine geschwollene Elle.

Mansfelder kommentierte am 17.10.2015

Vor einigen Monaten hatte ich im rechten Ellenbogen Geräusche, als wenn Fleisch zerreißt. Weil Mitte September die Schmerzen stärker wurden und ich vor Schmerzen niemandem die Hand geben konnte, ging ich zum Chirurgen. Der stellte dann nach dem Röntgen fest, dass nichts gebrochen war und diagnostizierte einen Tennisarm. Meine Frage nach den Geräuschen ließ er unbeantwortet. Außer einer speziellen Bandage hat er mir nichts weiter verschrieben. Meine Hausärztin verschrieb mir dann Ultraschallbehandlungen und Diclo 75 SL. Zusätzlich lege ich noch ein Tenz-Gerät an. Die Schmerzen sind jetzt nach fünf Wochen zwar weniger, aber immer noch da. Ich habe immer noch Schmerzen beim Hände drücken und beim Anheben eines vollen Kaffeepottes. Ist dieser Verlauf normal?