Testosteronmangel beim Mann im Alter (Andropause)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Testosteronmangel beim Mann im Alter wird in der Medizin auch als Andropause bezeichnet. Testosteron ist das bedeutendste männliche Sexualhormon. Es ist maßgeblich an der Entwicklung und dem Wachstum des Mannes beteiligt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion von Testosteron ab, was unter anderem zu Erektionsstörungen und Osteoporose führen kann.
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Was ist Testosteronmangel?
Der Begriff Testosteron setzt sich aus „Testis“ (Hoden) und „Steroid“ zusammen. Hergestellt wird das Sexualhormon in den sogenannten Leydigschen Zwischenzellen, welche sich in den Hoden befinden. Testosteron bewirkt bereits vor der Geburt die Bildung der Geschlechtsmerkmale und sorgt in der Pubertät für deren Weiterentwicklung und die Spermienproduktion.
Ebenso trägt es zum Wachstum und Erhalt des gesamten Körpers bei. Testosteron sorgt einerseits für eine tiefere Stimme, den Muskelaufbau, eine dickere Haut, erhöhten Stoffwechsel, die Körperhaarbildung (nicht das Kopfhaar) und den Geschlechtstrieb des Mannes und verursacht andererseits Haarausfall und das männliche „Imponiergehabe“. (Doch auch Frauen produzieren in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde Testosteron, allerdings weit weniger, als es beim Mann der Fall ist.)
Der Testosteronspiegel des Mannes erreicht seinen Höhepunkt zwischen dem zwanzigsten und dem dreißigsten Lebensjahr, danach sinkt die Produktion von Testosteron jährlich um etwa ein bis zwei Prozent.
Ursachen
In diesem Lebensabschnitt, der unter anderem als „Andropause“ oder „Klimakterium virile“ bezeichnet wird, sinkt der Testosteronspiegel des Mannes derart ab, dass es zu merklichen Veränderungen sowohl psychischer wie auch physischer Natur kommt, die der Mann vielleicht ignorieren, jedoch nicht leugnen kann.
Dieser Prozess lässt sich daher durchaus als Pendant zu den Wechseljahren bei Frauen verstehen, auch wenn beim Mann weiterhin grundsätzlich die männlichen Geschlechtshormone überwiegen. „Late-Onset-Hypogonadismus“ nennt sich die häufigste Form der verminderten Testosteronproduktion. Von diesem behandlungsbedürftigen Testosteronmangel sind nach Bevölkerungsstudien nur wenige Prozent der Männer über 40 Jahren betroffen; mit zunehmendem Lebensalter steigt der Anteil deutlich an.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Der altersbedingte Rückgang des Sexualhormons Testosteron bei Männern zeigt vielfältige Signale. In der Lebensphase von 60 bis 75 Jahren nimmt die Zahl der Betroffenen deutlich zu. Anders als bei Frauen verläuft der hormonelle Umbau schleichend und weniger ausgeprägt. Ein allgemeines Anzeichen des Mangels ist die körperliche Ausdauer, die spürbar nachlässt. Psychisch fällt die abnehmende Motivation auf, die sich bei unterschiedlichsten Themen zeigt. Insgesamt geht die Lebenszufriedenheit deutlich zurück.
Typisch für die Andropause sind vor allem drei Symptome. Sie betreffen unmittelbar das Sexualleben und bleiben dem Partner nicht verborgen. Die früher zügige Erektion und deren Stärke sind vermindert. Ergänzend schwächt sich das körperliche Verlangen ab. Als drittes Zeichen der schwindenden Manneskraft kommt es seltener zur bisher regelmäßigen morgendlichen Penisschwellung. In der Summe leidet die Psyche enorm.
Bei einer Reihe der Betroffenen entwickeln sich weitere Beschwerden, die sich bei jedem Mann anders zeigen. Der Körperbau verändert sich durch den Rückgang von Muskelmasse und die Zunahme von Fettgewebe. Das Haupthaar wird langsam schütter und der Bartwuchs schwächer. Ein Teil der Patienten leidet unter anhaltender Nervosität, innerer Unruhe und Schlafstörungen.
Seltener treten zuvor nicht gekannte Schweiß- und Hitzeattacken auf. Einigen fällt es schwer, sich länger zu konzentrieren. Hinzu kommen Anzeichen von Gedächtnisschwäche. In einzelnen Fällen bleiben Depressionen nicht aus.
Diagnose & Verlauf
Um den Testosteronmangel beim Mann im Alter festzustellen, wird meist das Blutserum untersucht. Um eine verlässliche Diagnose zu erzielen, muss die Blutabnahme am Morgen erfolgen, da der Testosteronspiegel tagsüber starken Schwankungen unterworfen ist. So erreicht er frühmorgens seinen höchsten Wert, während dieser am Nachmittag auf ein Minimum sinkt.
Anzeichen einer verminderten Produktion von Testosteron können Erektionsstörungen und die generelle Abnahme von Potenz und Libido sein. Ebenso zählen Osteoporose, die Verminderung körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, Herzklopfen und Schlafstörungen zu den Folgen von Testosteronmangel.
Komplikationen
Ein Testosteronmangel beim Mann im Alter kann zu verschiedenen Komplikationen führen. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer sehr stark ausgeprägten Muskelschwäche. Dabei kommt es auch zu einer Gewichtszunahme, sodass die Betroffenen mit ihrem Gewicht und häufig auch mit ihrem Aussehen unzufrieden sind und sich dafür schämen. Auch eine dauerhafte Müdigkeit und eine Abgeschlagenheit treten dabei auf und können dabei nicht durch Schlaf ausgeglichen werden.
Ein Teil der Betroffenen erkrankt durch den Testosteronmangel beim Mann im Alter auch an Depressionen oder an einer inneren Unruhe. Langfristig kann der Testosteronmangel außerdem die Knochendichte verringern und so eine Osteoporose mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche begünstigen. Ebenso kann sich die Beschwerde sehr negativ auf die sexuelle Lust auswirken, sodass es eventuell zu Beschwerden mit dem eigenen Partner kommt.
Die Behandlung der Krankheit wird in den meisten Fällen mit Hilfe von Hormonen durchgeführt. Auch diese Behandlung ist nicht frei von Risiken und erfordert regelmäßige ärztliche Kontrollen. Zudem sind die Betroffenen meist auf eine lebenslange Einnahme angewiesen. Sollte der Testosteronmangel beim Mann im Alter aufgrund einer Grunderkrankung ausgelöst werden, so muss auch diese behandelt werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Veränderungen des Hormonhaushaltes sind über die Lebensspanne normal und gehören zum natürlichen Prozess. Nicht immer wird bei ihrem Auftreten ein Arzt benötigt. Der Abbau des Testosterons setzt bei Männern bereits ab dem dreißigsten Lebensjahr ein und macht sich meist erst im höheren Lebensalter bemerkbar. Er erfolgt langsam und schleichend. Im Normalfall wird bei dieser Entwicklung kein Arztbesuch notwendig.
Leidet der Betroffene unter den körperlichen Veränderungen, sollte er einen Arzt konsultieren. Die Abnahme der Libido oder der sexuellen Aktivität gelten als natürlicher Prozess. Bemerkt der Betroffene, dass er mit diesem nicht im Einklang ist, sind die Veränderungen mit einem Arzt zu besprechen. Kommt es zu Störungen des Schlafes, nächtlichen Schweißausbrüchen oder Hitzeattacken, sollte die Rücksprache mit einem Arzt gesucht werden. Veränderungen des Haarwuchses, Störungen der Persönlichkeit sowie des emotionalen Empfindens sind ebenfalls von einem Arzt näher untersuchen zu lassen. Obgleich die Beschwerden bei Männern in einem hohen Alter als natürlich gelten, muss abgeklärt werden, ob weitere Erkrankungen vorliegen. Eine innere Unruhe, Nervosität und das Gefühl der Unausgeglichenheit gehören ebenfalls zu den Beschwerden eines Testosteronmangels.
Befindet sich der Betroffene in einem Alter unter 60 Jahren, sollte er grundsätzlich bei den Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Hier deutet der Testosteronmangel auf weitere Unstimmigkeiten hin, die untersucht werden sollten.
Behandlung & Therapie
Zur Behandlung von Testosteronmangel beim Mann im Alter kommen verschiedene Therapien zum Einsatz. Bei allen wird das dem Körper fehlende Testosteron von außen zugeführt.
Die älteste Form der Hormonbehandlung nennt sich Monats-Spritze. Diese erfolgt in einem Abstand von drei bis vier Wochen, wobei der Testosteronspiegel dennoch starken Schwankungen unterworfen sein kann. Bessere Ergebnisse erzielt ein spezielles Gel, welches täglich auf die Haut aufgetragen wird.
Auch das täglich auf den Hodensack zu klebende Skrotalpflaster hält den Testosteronspiegel relativ konstant, wird jedoch von manchen Männern als störend empfunden. Die 3-Monats-Spritze ist eine inzwischen etablierte Behandlungsform mit guten Ergebnissen. Sie hat den Vorteil, dass der Testosteronmangel beim Mann im Alter über einen längeren Zeitraum aufgehoben werden kann, ohne dass dieser sich darum kümmern muss.
In manchen Ländern besteht die Möglichkeit, Testosteron-Implantate unter die Haut einzusetzen. Durch einen kurzen, ambulanten Eingriff kann so der Testosteronspiegel über den Zeitraum eines halben Jahres aufrechterhalten werden.
Allerdings ist über Langzeitschäden und andere Risiken, die durch die externe Verabreichung von Testosteron ausgelöst werden, noch wenig bekannt. Ebenso gibt es zahlreiche mögliche Nebenwirkungen (etwa Thrombose, Depression, Schlaganfall oder eine Schädigung des Herzmuskels), die speziell bei der Zufuhr von synthetischem Testosteron auftreten können. Die früher beschriebene Bildung von Leber- und Nierentumoren betrifft vor allem hoch dosierte, oral einzunehmende alkylierte Androgene und den Missbrauch von Anabolika, nicht die heute übliche Substitution mit Gel oder Depotspritze.
Vorbeugung
Um dem Testosteronmangel beim Mann im Alter bestmöglich vorzubeugen, sollte auf eine gesunde Lebensweise und ausgewogene Ernährung sowie sportliche Betätigung Wert gelegt werden.
Da auch Stress, Übergewicht, Alkohol, Drogen und bestimmte Medikamente wie Psychopharmaka oder Kortikoide den Testosteronspiegel negativ beeinflussen, lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Testosteronmangel beim Mann im Alter durch eine Veränderung der Gewohnheiten zumindest gemildert werden kann.
Nachsorge
Ein unbehandeltes Prostatakarzinom und ein Brustkrebs des Mannes sind Gegenanzeigen der Testosterontherapie; vor Therapiebeginn müssen sie deshalb ärztlich ausgeschlossen werden. Während einer Testosteronersatztherapie ist es von großer Bedeutung, die Prostata durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu überwachen, um die Entwicklung eines Prostatakarzinoms frühzeitig zu erkennen. Das Kontrollintervall sollte zunächst bei drei bis sechs Monaten liegen und dann erneut nach einem Jahr erfolgen. Die Untersuchungen sollten dann jährlich fortgesetzt werden. Die zu kontrollierenden Parameter sind der Tumormarker PSA und die rektale Untersuchung der Prostata.
Da Testosteron zu vermehrter Erythrozytenbildung führt, sollten der Hämatokrit- und der Hämoglobinwert regelmäßig bestimmt werden. Hierbei soll die Fließfähigkeit des Blutes überwacht werden, um thromboembolischen Ereignissen entgegenzuwirken. Studien zeigten, dass der Beginn einer Substitutionstherapie mit Testosteron mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien einhergeht.
Das Risiko solch einer gravierenden Nebenwirkung ist in den ersten drei Monaten nach Therapiebeginn am höchsten. Im Fall von bestehenden kardiologischen Vorerkrankungen sollten ebenfalls regelmäßige Check-ups durchgeführt werden. Therapieerfolge zeigen sich über einen Zeitraum von Monaten bis manchmal sogar Jahren.
Dass der Mangel an männlichen Hormonen auch zu seelischen Beeinträchtigungen führen kann, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Daher ist in der Nachsorge auch zu bedenken, eine psychotherapeutische Begleittherapie anzubieten. Auch das Angebot von Selbsthilfegruppen ist ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Nachsorge.
Das können Sie selbst tun
Die Andropause ist ein natürlicher Vorgang, der sich über viele Jahre erstreckt und nicht von selbst wieder vergeht. Eine Behandlung ist nur dann nötig, wenn Beschwerden auftreten. Bei Symptomen wie nachlassender Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen oder Libidoverlust kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Der Mann sollte sich frühzeitig um eine Behandlung kümmern und am besten mit dem Hausarzt über die Beschwerden sprechen.
Die Therapie kann zu Hause durch eine Umstellung der Ernährung und verschiedene Allgemeinmaßnahmen unterstützt werden. Die Ernährung sollte dauerhaft ausgewogen und gesund sein. Außerdem empfiehlt es sich, viel Zeit im Freien zu verbringen, um die Testosteronproduktion des Körpers anzuregen. Außerdem sollte Sport getrieben werden. Körperliche Bewegung trägt zu einem gesunden Hormonhaushalt bei und kann den typischen Beschwerden eines Testosteronmangels entgegenwirken. Bestehen Erektionsstörungen, kann der Arzt zusätzlich Medikamente aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer verordnen; sie dürfen jedoch nicht zusammen mit Nitraten oder anderen NO-Donatoren eingenommen werden. Welche Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, muss mit dem Arzt besprochen werden.
Männer mittleren Alters, die Symptome der Andropause bemerken, sprechen am besten mit ihrem Hausarzt. Der Mediziner kann eine körperliche Untersuchung durchführen und anhand der Ergebnisse eine geeignete Therapie vorschlagen. Bei Bedarf können weitere Fachärzte sowie Ernährungsmediziner und Sportmediziner hinzugezogen werden.
Quellen
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- Füeßl, H., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
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