Trigeminusneuralgie

Eine Trigeminusneuralgie oder Gesichtsneuralgie ist die Erkrankung oder Überreizung des 5. Hirnnervs. Die Beschwerden sind starke anfallsartige Schmerzen im Gesicht. Die Behandlung wird zunächst mit Medikamenten durchgeführt, in schweren Fällen kann eine Operation nötig sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des Trigeminusnervs. Er innerviert mit seinen drei Ästen (trigeminus = Drilling) das Gesicht, den Kauapparat und den Schlund und ist direkt mit dem Gehirn verbunden. Er gehört zu den 12 Hirnnerven und wird als 5. Hirnnerv bezeichnet.

Neuralgie ist das medizinische Fachwort für Nervenschmerz (neuron = Nerv, -algie = Schmerz). Eine Trigeminusneuralgie äußert sich in anfallsartigen Schmerzen an der Wange, in Ober- und Unterkiefer sowie auf der Stirn, um das Auge oder in der Stirnhöhle.

Man unterscheidet zwischen symptomatischer und klassischer Trigeminusneuralgie. Die seltener vorkommende symptomatische Form tritt als Begleiterscheinung zu anderen Grunderkrankungen auf, häufig bei multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall. Sie entsteht oft beidseitig. Die klassische Trigeminusneuralgie ist die häufigere Art. Sie bildet sich meist nur einseitig und ist von beschwerdefreien Intervallen gekennzeichnet.

Ursachen

Die Ursache für eine Trigeminusneuralgie ist eine Schädigung, Überreizung oder Erkrankung des 5. Hirnnervs (Trigeminusnerv). Bei der klassischen Trigeminusneuralgie ist der Auslöser meist ein erhöhter Druck auf den Nerv.

Dies wird durch verdickte Blutgefäße verursacht. Wenn Arterien verkalkt sind, lässt ihre Elastizität nach und sie werden dick und unbeweglich. Liegt nun eine solche verdickte Arterie in der Nähe des Nervs, erzeugt sie Druck und verursacht so eine Reizung oder Schädigung des Nervs.

Bei der selteneren symptomatischen Trigeminusneuralgie liegt die Ursache in einer anderen Erkrankung. Bei multipler Sklerose entzünden sich die Nerven und lösen so die Trigeminusneuralgie aus, bei einem Schlaganfall kann eine Durchblutungsstörung im Gehirn die Neuralgie verursachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hauptsymptom der Trigeminusneuralgie ist ein starker einseitiger Schmerz im Gesicht, der plötzlich und ziehend einschießt. Es fühlt sich fast wie ein blitzartiger Stromstoß an, der nach kurzer Zeit wieder verebbt. Manchmal werden die Schmerzen auch als brennend oder stechend wahrgenommen. Je nachdem welcher Ast des Trigeminusnervs betroffen ist, liegen die Beschwerden im entsprechenden Areal des Gesichts.

Am häufigsten erkranken der zweite und der dritte Ast. Dies führt zu Schmerzen an den Wangen, dem Jochbein und dem Kinn, an der Nase oder am Ober- und Unterkiefer. Auch die Zähne können wehtun. Eher selten dagegen sind Beschwerden an der Stirn, wo der erste Nervenast verläuft. Die Schmerzattacken können durch Berührung der Haut ausgelöst werden, durch einen Luftzug, durch Zähneputzen, durch Bewegungen des Kiefers beim Sprechen oder Kauen oder durch Schlucken.

Sie können jedoch auch völlig unvermittelt und ohne vorherigen Reiz aufflammen. Manchmal ist der einschießende Schmerz von Zuckungen der Gesichtsmuskulatur begleitet. Der Trigeminusnerv ist einer der dicksten Nerven im Körper, daher ist der ausgelöste Schmerz fast unerträglich.

Aus Angst vor einer Schmerzattacke verzichten manche Patienten darauf, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dies kann Gewichtsabnahme und Austrocknung verursachen. Da die Beschwerden extrem belastend sind, kann die Erkrankung zu Depressionen führen.

Diagnose & Verlauf

Die Beschwerden bei einer Trigeminusneuralgie äußern sich hauptsächlich in plötzlich einschießenden starken Schmerzen im Gesicht, die nur wenige Sekunden lang andauern und dann wieder nachlassen. Sie fühlen sich an wie Stromstöße und können sich in mehreren kurzen Intervallen wiederholen und dann für einen Zeitraum wieder verschwinden.

Oft werden diese Schmerzattacken durch Berührungen im Gesicht oder durch Bewegungen des Kiefers ausgelöst. Es kann beim Kauen oder Schlucken passieren, beim Zähneputzen oder auch beim Sprechen. Manchmal werden die Attacken auch durch einen Luftzug ausgelöst. Die Schmerzen einer Trigeminusneuralgie gehören zu den stärksten Schmerzen, die es gibt. Betroffene vermeiden oft zu essen oder zu sprechen, da dadurch die Schmerzattacken ausgelöst werden.

Um die Diagnose Trigeminusneuralgie eindeutig stellen zu können, muss der Arzt zunächst die Krankengeschichte des Patienten erfragen und ihn neurologisch untersuchen. Durch eine zahnärztliche, orthopädische und HNO-ärztliche Untersuchung kann man andere Krankheiten mit ähnlichen Schmerzen ausschließen. Mit einer Kernspintomografie (MRT) kann man frühere Schlaganfälle, Tumore oder Entzündungen erkennen, die eventuell der Auslöser für die Trigeminusneuralgie sind.

Komplikationen

Die äußerst schmerzhafte Trigeminusneuralgie kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Diese sind meist als postoperative Komplikationen einzuordnen. Aufgrund der anfallsartig auftretenden und heftigen Schmerzen können die Betroffenen bei einer Trigeminusneuralgie an schmerzbedingten Depressionen leiden.

Abgesehen vom medizinischen Behandlungsziel, eine dauerhafte Schmerzlinderung zu erwirken, sind manchmal psychotherapeutische Interventionen notwendig. Sind die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie mit Medikamenten nicht zu lindern - oder haben diese zu starke Nebenwirkungen - sind operative Methoden üblich. Die ehemals ausgeführte Durchtrennung des Trigeminus führte meist zu einer partiellen Gesichtslähmung.

Da diese Operationsmethode oft mehr Schmerzen hervorrief als zuvor, ist man von dieser Behandlungsmethode abgekommen. Doch auch die heute eingesetzten OP-Methoden sind nicht risikolos. Bei symptomatischen Trigeminusneuralgien können die potenziell möglichen Komplikationen von der zugrunde liegenden Erkrankung geprägt sein.

Es kann sich dabei um Krebserkrankungen oder Multiple Sklerose handeln. Entsprechende Komplikationen wie Metastasenbildungen, Lähmungen oder Blindheit sind denkbar. Nach Operationen am Ganglion Gasseri kann es zu Druckempfindlichkeit, Empfindungsstörungen oder noch stärkeren Schmerzen kommen. Diese sind allerdings meist Dauerschmerzen.

Bei der mikrovaskulären Dekompression bestehen neben erhöhten Narkoserisiken auch höhere Komplikationsrisiken. Gelegentlich kommt es durch den Eingriff zu einseitigem Hörverlust, Blutungen oder Kleinhirn-Schwellungen. Bei Bestrahlungen des gereizten Trigeminusnervs mit einem Linearbeschleuniger treten vergleichsweise weniger Komplikationen auf. Die Erfolgsquote ist deutlich niedriger.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da die Trigeminusneuralgie mit massiven Gesichtsschmerzen einhergeht, sollte der Betreffende schnell zum Arzt gehen. Dieser muss feststellen, ob es einen konkreten Auslöser gab, oder ob es sich um eine idiopathische Trigeminusneuralgie handelt.

Bei der symptomatischen Variante der Trigeminusneuralgie ist die auslösende Grundproblematik möglichst zeitnah festzustellen. Erst danach kann eine zielgerichtete Behandlung einsetzen. In deren Verlauf kann auch der massive Gesichtsschmerz verschwinden.

Der schnelle Arztbesuch ist auch deshalb angeraten, weil sich hinter der schweren Schmerzsymptomatik im Gesichtsbereich eine Spätkomplikation der Gürtelrose, ein Tumorgeschehen oder eine Multiple Sklerose verbergen können. Auch Schlaganfallsymptome oder eine Borreliose sind bereits als Auslöser einer symptomatischen Trigeminusneuralgie festgestellt worden. Tumoren sind eher selten die Auslöser einer Trigeminusneuralgie. Falls sie es aber sind, kann die Tumoren sowohl gutartig als auch metastasierte Ausläufer eines noch nicht entdeckten Tumors sein.

In der Summe sind die möglichen Auslöser ernsthaft genug, um eine Trigeminusneuralgie nicht monatelang unter selbst verordneten Schmerzmitteln zu ertragen. Davon abgesehen, sind die Schmerzen bei einer Trigeminusneuralgie oft massiv. Der Gang zum Arzt geschieht daher oft von allein.

Behandlung & Therapie

Die Trigeminusneuralgie wird zunächst mit Schmerzmitteln behandelt. Die üblichen apothekenpflichtigen Medikamente sind hierbei allerdings wirkungslos, da die Schmerzen extrem stark sind. Treten sehr viele Schmerzattacken hintereinander in einem kurzen Zeitraum auf, so wird intravenös mit einem hoch dosierten Antiepileptikum behandelt.

Für diese Therapie bei einem akuten Anfall ist die stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus nötig. Um den Schmerzattacken vorzubeugen, werden Antiepileptika als Tabletten in niedrigeren Dosen, aber dauerhaft, verabreicht. Liegen andere Grunderkrankungen vor, so müssen diese in erster Linie behandelt werden, da sie die Auslöser für die Trigeminusneuralgie sind.

Tritt durch die medikamentöse Behandlung keine Besserung ein, so ist eine Operation möglich. Dabei wird in einem chirurgischen Eingriff der Schädelknochen eröffnet, um den Nerv von einengenden Gefäßen zu befreien. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, bei der keine chirurgische Eröffnung des Schädels nötig ist, ist die radiochirurgische Therapie. Hierbei wird der Nerv durch den Knochen hindurch mit Strahlen behandelt.

Eine dritte Möglichkeit zur Behandlung der Trigeminusneuralgie ist die perkutane (durch die Haut) Thermoagulation, bei welcher unter Kurznarkose eine Sonde zu Nervenzellen des Trigeminusnervs geschoben wird und dort mit Hitze die Schmerzfasern des Nervs zerstört werden.

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Vorbeugung

Gegen eine Trigeminusneuralgie kann man nicht vorbeugen. Man kann jedoch durch ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise einer Arterienverkalkung vorbeugen, die oft Ursache für eine Trigeminusneuralgie ist.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 4. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Herbert kommentierte am 25.04.2015

Vor 18 Monaten hatte ich eine Wurzelbehandlung links unten an einem Backenzahn.
Leider ist der Bohrer dabei abgebrochen. Die Ärztin meint, dass hat keine gesundheitlichen Folgen. Derzeit habe ich leichtere und sehr starke Spannungschmerzen im Ober- und Unterkiefer, angefangen vom Kiefergelenk.
Kann ein abgebrochener Bohrer, der noch immer im Unterkiefer drinnen ist, Trigeminusschmerz auslösen?

Lee kommentierte am 24.11.2016

Nach jeder größeren Zahnbehandlung könnte ich vor Schmerz die Wände hochklettern. Ein Stechen, Drücken, Ziehen, Bohren und manchmal Pochen bis in die Ohren hinein und den Hals herunter. Ein Glück nicht hinauf in die Augen, denn diesem Schmerz bin ich schon oft während Migräneattacken hilflos ausgeliefert. Egal ob die Zahnbehandlung im Ober-oder Unterkiefer ist, die Schmerzen sind in der ganzen Hälfte des Gesichts, wo gearbeitet wurde. Ich bekam nun im Unterkiefer zwei Implantate gesetzt. Der Zahnarzt war zufrieden und da er weiss, dass ich oft diese starken Zahnschmerzen habe, verschrieb er mir Lyrica als Schmerzmittel. Trotz Lyrica sind die Schmerzen sogar fünf Stunden nach der Behandlung nicht gut. Diese unerklärlichen, lang anhaltenden, starken Schmerzen könnte es sich hierbei um Trigeminusneuralgie handeln?

Joshua kommentierte am 05.04.2017

Vor zwei Jahren hatte ich einen Arbeitsunfall. Krampfartig einschießende Schmerzen oberhalb der Augenbraue/Stirn traten auf. Diagnose des Arztes: Verletzung des Trigeminus. Der Arzt verschrieb mir Anti-Epileptiker Medikamente. Leider haben die nichts bewirkt und so wurde ich dann einen Monat später an die BG Ärzte geschickt. Leider erwischte ich Hand- und Fußchirurgen, wo ich mich nicht wirklich aufgehoben fühlte. Ein "Konsil" des für die BGHW von einem Neurologen führte zu einer erneuten Gabe von Epileptiker Medikamenten. Das Beste an der ganzen Sache war aber, dass die Ärzte der BG nicht auf Trigeminus behandelten, sondern angeblich auf Schädel-Hirn-Trauma. Fakt ist, bei mir wurde eine Trigeminusneuropathie nun mehrfach attestiert. Dass dieses durch den Unfall ausgelöst wurde, wird seitens der zuständigen Versicherung als wissenschaftlich nicht beweisbar eingestuft. Nach einer OP am rechten Fuß, wo man mir Tilidin verschrieben hat, habe ich seit mehr als zwei Jahren zwar mehr Honig im Kopf, aber wenigstens die täglichen Schmerzen sind gedämpft.