Varizenverödung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei den meisten Menschen kommt es im Laufe des Lebens durch Veränderungen der Venen zur Bildung von Krampfadern (Varizen). Wer darunter leidet und sie loswerden möchte, hat verschiedene Behandlungstechniken zur Auswahl. Bei kleineren Krampfadern bietet sich die Verödung an.
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Was ist die Varizenverödung?
Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sie können, besonders wenn es sich um größere Krampfadern handelt, auch gesundheitliche Folgen haben bis hin zu Thrombosen und offenen Beinen. Deshalb ist es sinnvoll, sie rechtzeitig zu behandeln. Zur Behandlung stehen verschiedene nicht-operative und operative Verfahren zur Verfügung.
Eines dieser Verfahren ist eine Verödung der Krampfadern (Varizenverödung), sie wird auch als Sklerosierung bezeichnet. Bei der Verödung wird ein Verödungsmittel in die Vene gespritzt und löst im Inneren der Vene künstlich eine Entzündung aus. Diese führt dazu, dass die Innenwände der Vene verkleben und vernarben. Sie wird hauptsächlich zur Behandlung von Besenreisern und kleineren Krampfadern angewandt. Bei Besenreisern wird ein flüssiges Mittel gespritzt, bei den größeren Krampfadern ein Schaum. Für eine erfolgreiche Behandlung sind meistens mehrere Sitzungen erforderlich.
Um zu verstehen, warum sich gerade kleinere Krampfadern für dieses Verfahren eignen, hilft ein Blick auf ihre Entstehung. In den Beinvenen muss das Blut entgegen der Schwerkraft nach oben befördert werden. Dafür sorgen die Muskeln der Wade, die die Venen bei jedem Schritt zusammendrücken, und zarte Klappen im Inneren der Venen, die verhindern, dass das Blut zwischen zwei Schritten zurücksackt. Schließen diese Klappen nicht mehr vollständig, staut sich das Blut in den oberflächlichen Venen; sie weiten sich, werden länger als der Platz, den sie haben, und schlängeln sich sichtbar unter der Haut.
Nach Ausmaß und Ort unterscheidet man mehrere Formen. Die Stammvarikose betrifft eine der beiden großen oberflächlichen Hauptvenen des Beines, die große oder die kleine Rosenvene. Von ihnen zweigen die Seitenäste ab, deren Erweiterung als Seitenastvarikose bezeichnet wird. Darunter liegen die netzförmigen retikulären Varizen und schließlich die Besenreiser, feinste erweiterte Äderchen unmittelbar in der Haut. Diese Abstufung entscheidet über die Wahl des Verfahrens: Je größer das Gefäß und je stärker der Rückstau, desto eher kommen operative und Katheterverfahren in Betracht; je feiner es ist, desto mehr spricht für die Verödung.
Begünstigt wird die Entwicklung durch eine ererbte Bindegewebsschwäche, durch das Lebensalter, Übergewicht, mehrere Schwangerschaften und durch Berufe, in denen viel gestanden oder gesessen wird. Bemerkbar macht sich der Rückstau zunächst als Schweregefühl und Spannen gegen Abend, als geschwollene Knöchel oder als nächtliche Wadenkrämpfe. Bleibt er über Jahre bestehen, kann daraus eine Venenschwäche mit Hautverhärtungen und Verfärbungen am Unterschenkel entstehen, im ungünstigsten Fall ein offenes Bein.
Vor jeder Behandlung steht deshalb eine Untersuchung des gesamten Venensystems mit dem Ultraschall, meist als farbkodierte Doppler-Sonographie. Sie zeigt, welche Klappen undicht sind, wo der Rückfluss beginnt und wie weit er reicht, und sie beantwortet vor allem die Frage nach den tiefen Beinvenen: Diese übernehmen den Abtransport, wenn eine oberflächliche Vene verödet wird, und müssen dafür frei durchgängig sein. Erst dieser Befund macht die Entscheidung möglich, ob und womit behandelt wird; zugleich dient er als Ausgangsbild, an dem sich der Erfolg später messen lässt.
Unabhängig davon, welches Verfahren gewählt wird, bleiben einige Grundmaßnahmen bestehen: viel gehen statt lange stehen oder sitzen, die Beine bei Gelegenheit hochlegen, regelmäßige Bewegung und, wo verordnet, das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Sie ersetzen keinen Eingriff, mindern aber Schweregefühl und Schwellung und behalten ihren Wert auch nach einer Verödung, weil die zugrunde liegende Veranlagung durch keine Behandlung beseitigt wird.
Funktion, Wirkung & Ziele
Während der Behandlung werden die Venen punktiert und im Anschluss ein Verödungsmittel in flüssiger Form (bei größeren Krampfadern Schaum) in die Venen injiziert, das durch eine künstlich verursachte Entzündung die Innenwände der Vene verkleben und vernarben soll. Nach der Einspritzung bekommen die Patienten einen Kompressionsverband und sollen mindestens eine halbe Stunde herumlaufen. Sie müssen sich nicht körperlich einschränken und können auch wieder direkt zur Arbeit gehen, es ist im Sinne der Therapie, sich viel zu bewegen. Stehen und Sitzen ist ungünstiger. In der Regel kann noch am selben Abend der Verband entfernt und durch den Kompressionsstrumpf ersetzt werden.
Er muss in den nächsten Tagen konsequent täglich getragen werden. Zu den Folgesitzungen muss der Patient den Verband wieder mitbringen. 2 bis 5 Tage nach der Verödung findet eine Kontrolluntersuchung statt. Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, muss der Strumpf noch 4 bis 6 Wochen regelmäßig getragen werden. 3 bis 6 Monate nach der Verödung wird die Funktion der Venen noch einmal kontrolliert. Die Varizenverödung ist ein relativ schmerzarmes Verfahren und bietet den Vorteil, dass sie bei Bedarf wiederholt werden kann. Eine Wiederholung ist in den meisten Fällen notwendig, weil die Veranlagung zu Krampfadern trotz der Behandlung bestehen bleibt. Vor einer Verödung sollte daher sorgfältig geprüft werden, ob sie die am besten geeignete Behandlungsmethode ist.
Als Verödungsmittel dienen heute überwiegend Substanzen aus der Gruppe der Detergenzien, allen voran Polidocanol. Sie schädigen gezielt die innerste Zellschicht der Venenwand, das Endothel. Der Körper beantwortet diese Schädigung mit einer örtlich begrenzten, wandständigen Gerinnselbildung; in den folgenden Wochen und Monaten wandern Bindegewebszellen ein und bauen die Vene zu einem festen Strang um, der schließlich nicht mehr zu tasten ist. Das Gefäß verschwindet also nicht auf einen Schlag, sondern wird nach und nach umgewandelt – deshalb zeigt sich das endgültige Ergebnis erst nach Monaten.
Der Schaum entsteht unmittelbar vor der Behandlung, indem Flüssigkeit und Luft über einen Dreiwegehahn zwischen zwei Spritzen hin- und hergeschoben werden, bis eine feinblasige, standfeste Masse vorliegt. Dieser Kunstgriff hat zwei Vorteile: Der Schaum verdrängt das Blut in der Vene, so dass der Wirkstoff unverdünnt an die Wand gelangt, und er ist im Ultraschall sichtbar, so dass sich seine Ausbreitung im Gefäß verfolgen lässt. Größere Venen werden aus diesem Grund unter Ultraschallsicht punktiert und behandelt.
Der Ablauf einer Sitzung ist überschaubar. Die zu behandelnden Gefäße werden zunächst im Stehen markiert, weil sie sich nur dann deutlich abzeichnen; gespritzt wird anschließend im Liegen mit erhöhtem Bein, damit sich die Vene entleert und das Mittel nicht sofort fortgeschwemmt wird. Verwendet werden sehr feine Nadeln, so dass eine Betäubung in aller Regel entfällt. Je nach Zahl der Einstiche dauert eine Sitzung wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde. Wie viele Sitzungen nötig sind, richtet sich nach Art und Ausdehnung der Krampfadern und lässt sich vorher nur ungefähr abschätzen.
Ob ein flüssiges Verödungsmittel oder ein Schaum injiziert wird, ist von der Größe der Krampfadern abhängig. Bei Besenreisern reicht in der Regel ein flüssiges Mittel. Bei größeren hat sich eher Schaum bewährt. Die Varizenverödung gehört zu den ältesten und besten Methoden bei kleineren Krampfadern wie Besenreisern. Bei größeren Stammkrampfadern haben dagegen die endovenösen Katheterverfahren – die Radiofrequenz- und die Laserablation, bei denen die erkrankte Vene durch Hitze von innen verschlossen wird – dem operativen Stripping weitgehend den Rang abgelaufen. Da die Technik immer weiter voranschreitet, wird das Behandlungsspektrum der Varizenverödung in Zukunft sicherlich noch erweitert werden können. Gegenüber anderen Behandlungsverfahren bei Krampfadern bietet die Verödung den Vorteil, dass sie weitestgehend schmerzfrei ist und ambulant durchgeführt werden kann.
Die Patienten haben außer dem notwendigen Tragen des Kompressionsstrumpfes in der Regel keine weiteren Einschränkungen und können ganz normal ihren Alltag bestreiten. Allenfalls müssen sie in Kauf nehmen, dass bei einer Veranlagung zu Krampfadern die Behandlung nach ein paar Jahren wiederholt werden muss.
In der Praxis stehen die verschiedenen Verfahren weniger im Wettbewerb, als dass sie einander ergänzen. Häufig wird zuerst der undichte Hauptstamm mit einem Katheterverfahren oder operativ ausgeschaltet, und erst danach werden die verbliebenen Seitenäste und Besenreiser verödet, weil sich der Rückstau sonst immer wieder neue Wege sucht. Kleinere Seitenäste lassen sich außerdem über winzige Hautschnitte mit einem Häkchen herausziehen. Die klassische Operation, bei der die Stammvene an ihrer Einmündung abgetrennt und herausgezogen wird, kommt vor allem dann in Betracht, wenn die Venenverhältnisse ein Katheterverfahren nicht zulassen. Als Schaumverödung wiederum bewährt sich die Verödung gerade dort, wo eine Operation ungünstig wäre: bei erneut aufgetretenen Krampfadern nach einem Voreingriff, bei stark geschlängelten Venen und bei Patienten, denen ein größerer Eingriff nicht zugemutet werden soll.
Für die Kosten ist entscheidend, warum behandelt wird. Verursachen die Krampfadern Beschwerden wie Schweregefühl, Schwellungen oder Hautveränderungen, oder drohen Folgeschäden, so handelt es sich um eine Krankenbehandlung, die die gesetzlichen Krankenkassen tragen. Werden dagegen Besenreiser allein aus ästhetischen Gründen entfernt, ist die Behandlung eine Selbstzahlerleistung. Weil sich beides an einem Bein überschneiden kann, empfiehlt es sich, vor Beginn eine schriftliche Aufstellung zu verlangen und die Kostenübernahme mit der Krankenkasse zu klären.
Durchgeführt wird die Verödung in der Praxis oder in der Ambulanz, in der Regel von Ärzten mit phlebologischer Erfahrung, die überwiegend aus der Dermatologie, der Gefäßchirurgie oder der Angiologie kommen. Zur Aufklärung vor der ersten Sitzung gehören der Ultraschallbefund, eine Einschätzung, wie viele Sitzungen zu erwarten sind, der Hinweis auf mögliche Verfärbungen sowie die Verabredung, wie weiter vorgegangen wird, falls sich einzelne Abschnitte nicht verschließen lassen. Sinnvoll ist es außerdem, bestehende Erkrankungen, eine Schwangerschaft, Allergien und alle eingenommenen Mittel vorher anzugeben, weil sich daraus Gegenanzeigen ergeben können.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
- Wassereinlagerungen
- Entzündungen im Verödungsbereich
- Durchblutungsstörungen in den Arterien
- Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit oder Bettlägerigkeit
- Loch in der Herzscheidewand (offenes Foramen ovale)
- Venenentzündung/Thrombose
- Schwangerschaft
- Krankheiten mit Fieber
- Allergie gegen das Verödungsmittel
Abgesehen von den Kontraindikationen sind Nebenwirkungen beim Veröden von Krampfadern eher selten. Das Einspritzen des Verödungsmittels kann ein paar Sekunden lang einen leicht brennenden Schmerz verursachen und manchmal entstehen durch die Verödung kleine Blutergüsse oder eine leichte, aber ungefährliche Venenentzündung. Die verödete Stelle reagiert wie ein blauer Fleck. Sie färbt sich zuerst blau, dann grün und gelb, bis sie nicht mehr sichtbar ist. Manchmal verfärbt sich die Haut an der Einstichstelle bräunlich, die Verfärbung bildet sich aber in den nächsten Monaten wieder zurück.
In sehr seltenen Fällen kann sich die Einstichstelle entzünden und eine kleine Narbe hinterlassen. Noch seltener kommt es zu einer Thrombose der tiefen Beinvenen oder bei der Einspritzung wird versehentlich eine Schlagader getroffen mit dem Risiko des Absterbens von Gewebe. Allergische Reaktionen gegen Verödungsmittel oder Verbände treten auch nur selten auf. Ganz wichtig ist es, sich direkt nach der Verödung viel zu bewegen, Sitzen oder Stehen ist ungünstig. Wer Saunabesuche oder Solariengänge liebt, sollte mindestens eine Woche bis 10 Tage aussetzen.
Zwei Begleiterscheinungen verdienen eine genauere Betrachtung, weil sie das sichtbare Ergebnis beeinflussen. Die schon erwähnte bräunliche Verfärbung entsteht durch Eisen, das aus zerfallenem Blutfarbstoff im Gewebe zurückbleibt; sie kann sich über den Verlauf der behandelten Vene erstrecken und wird nach der Schaumverödung häufiger beobachtet als nach der Verödung mit flüssigem Mittel. Die zweite ist das sogenannte Matting: ein feines Netz neu gebildeter, rötlicher Äderchen im behandelten Bezirk, das gerade bei aus kosmetischen Gründen behandelten Besenreisern als störend empfunden wird und sich nicht immer vollständig zurückbildet. Beides ist ungefährlich, sollte aber vor der Behandlung zur Sprache gekommen sein, damit die Erwartungen nicht enttäuscht werden.
Eine Besonderheit betrifft die Schaumverödung. Ein Teil der Behandelten berichtet kurz nach der Einspritzung über Flimmern vor den Augen, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen oder ein Kribbeln. Diese Beschwerden entsprechen nach heutigem Verständnis überwiegend einer Aura, wie sie bei der Migräne auftritt, und klingen innerhalb kurzer Zeit folgenlos ab. Als Erklärung wird angenommen, dass Schaumbläschen über eine Kurzschlussverbindung zwischen rechter und linker Herzhälfte in den Körperkreislauf gelangen können – darin liegt der Grund, weshalb ein bekanntes offenes Foramen ovale in der obenstehenden Aufzählung erscheint. Schwerwiegende Ereignisse sind auf Einzelfallberichte beschränkt.
Nach der Behandlung gilt die Aufmerksamkeit vor allem dem behandelten Bein. Ein leichter Druckschmerz, tastbare Stränge und blaue Flecken sind zu erwarten und verschwinden von selbst. Ärztlich abzuklären sind dagegen eine zunehmende, einseitige Schwellung der Wade, ein tief sitzender Wadenschmerz sowie Atemnot oder Brustschmerz, weil solche Zeichen auf ein Gerinnsel in den tiefen Venen hindeuten können. Ebenso gehören eine sich ausbreitende Rötung mit Überwärmung und Fieber sowie eine sich verschlechternde Wunde an der Einstichstelle in ärztliche Hand. Bei den Kontrollterminen wird mit dem Ultraschall überprüft, ob die behandelten Abschnitte tatsächlich verschlossen sind und ob noch offene Bereiche nachbehandelt werden müssen.
Quellen
- Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
ISBN: 9783132455634
- Noppeney, T., Nüllen, H.: Repetitorium Phlebologie.
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- Rabe, E. (Hrsg.): Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie.
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- Debus, E. S., Gross-Fengels, W. (Hrsg.): Operative und interventionelle Gefäßmedizin.
ISBN: 9783662674550
- Luther, B.: Kompaktwissen Gefäßmedizin.
ISBN: 9783662614754
