Verschlussplethysmografie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Verschlussplethysmografie untersucht den Blutfluss in den Venen. Sie soll dabei venöse Durchblutungsstörungen aufspüren. Die Messmethode ist in der Regel risikofrei mit Ausnahme bei einer besonderen Thromboseform, der Phlegmasia coerulea dolens.
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Was ist die Verschlussplethysmografie?
Die Verschlussplethysmografie bezeichnet ein Messverfahren, welches die Berechnung von Blutflüssen in Venen und Arterien zulässt. Dabei wird über die Messung der Änderung des Beinumfanges der Zustrom und Abfluss von Blut beurteilt. Der Beinumfang ist abhängig vom Volumen der Venen.
Der Name des Verfahrens setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen. Plethysmografie geht auf das griechische Wort für Fülle oder Zunahme zurück und bezeichnet die Aufzeichnung von Volumenänderungen an einem Körperabschnitt. Der Zusatz Verschluss verweist auf den Kunstgriff, der diese Änderungen überhaupt erst messbar macht: Eine Manschette unterbricht vorübergehend den Rückfluss des Blutes, während der Zustrom über die Arterien weiterläuft. Dadurch staut sich das Blut in dem Abschnitt unterhalb der Manschette, und das Bein nimmt an Umfang zu. Die Kurve dieser Zunahme und die Kurve der anschließenden Abnahme enthalten die eigentliche Information. Gemessen wird also nicht der Blutfluss selbst, sondern seine Wirkung auf das Volumen der Gliedmaße – ein Umweg, der ohne Einstich und ohne Kontrastmittel auskommt.
Bei der Messung werden Dehnungsmessstreifen verwendet. Die größte Verbreitung besitzen Quecksilberdehnungsmessstreifen nach der Strain-gauge-Methode. Diese bestimmen die Volumenzunahme des Unterschenkels, während am Oberschenkel eine Staumanschette festgezogen wird. Die Verschlussplethysmografie wird auch als Venenverschlussplethysmografie bezeichnet. Mit der Venenverschlussplethysmografie können sowohl am arteriellen als auch am venösen System Durchblutungsmessungen durchgeführt werden.
Der Quecksilberdehnungsmessstreifen ist ein feiner, elastischer Schlauch, der mit Quecksilber gefüllt und um die Wade gelegt wird. Nimmt der Umfang zu, wird der Schlauch länger und zugleich dünner; der Quecksilberfaden in seinem Inneren setzt dem Strom dadurch einen größeren elektrischen Widerstand entgegen. Diese Widerstandsänderung lässt sich sehr genau messen und in eine Umfangs- und daraus in eine Volumenänderung umrechnen. Neben dieser Bauart gibt es Geräte, die statt eines Messstreifens eine luftgefüllte Manschette um den Unterschenkel legen und den Druck in dieser Manschette registrieren, sowie Geräte, die den elektrischen Widerstand des durchströmten Gewebes selbst auswerten. Das Messprinzip bleibt in allen Fällen dasselbe: die Aufzeichnung einer Volumenkurve vor und nach dem kurzzeitigen Verschluss der Venen.
Bestimmt werden bei der Messung die Ruhedurchblutung, die reaktive Hyperämie, die venöse Kapazität, der venöse Ausstrom des Blutes und die Kapillarfiltration. Eine Verschlussplethysmografie wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine venöse Abflussstörung etwa durch eine Thrombose besteht oder wenn die Therapie nach einer Thrombose messtechnisch begleitet werden soll.
Verwechseln lässt sich das Verfahren leicht mit der Photoplethysmografie, die mit Licht arbeitet und die Füllung der kleinen Hautvenen verfolgt; sie beantwortet eine andere Frage und erfasst nicht das Volumen der ganzen Gliedmaße. Zu unterscheiden ist die Verschlussplethysmografie auch von der Darstellung der Venen mit der Ultraschallsonde. Die Ultraschalluntersuchung bildet ein Gerinnsel unmittelbar ab und zeigt, an welcher Stelle es liegt. Die Verschlussplethysmografie beantwortet dagegen eine Funktionsfrage: Wie stark ist der Abfluss aus dem Bein behindert, und wie weit hat sich der Kreislauf nach einer durchgemachten Thrombose wieder erholt? Die beiden Verfahren stehen deshalb nicht in Konkurrenz zueinander, sondern beantworten verschiedene Fragen. Ähnlich verhält es sich mit der Röntgendarstellung der Venen mit Kontrastmittel: Sie bildet den Verlauf der Gefäße ab, sagt über die Leistungsfähigkeit des Abflusses aber ebenfalls nichts aus. Wer wissen will, wie sich eine Abflussstörung im Alltag des Beines auswirkt, braucht ein Verfahren, das die Funktion misst – und dafür ist die Verschlussplethysmografie gemacht.
Funktion, Wirkung & Ziele
Der arterielle Blutfluss bleibt bestehen. Dieser Abflussstau des venösen Blutes lässt den Unterschenkel anschwellen. Die Quecksilberdehnungsmessstreifen registrieren die Volumenänderungen während dieser Zeit. Sie entsprechen der arteriellen Durchblutung und werden als Ruhedurchblutungsmessungen bezeichnet. Nach ca. drei Minuten wird die Staumanschette am Oberschenkel gelöst. Das venöse Blut kann wieder abfließen. Das Volumen an den Messstellen des Unterschenkels nimmt wieder ab. Aus diesen Volumenänderungen wird der venöse Ausstrom bestimmt. Die Werte der Ruhedurchblutungsmessungen und des venösen Ausstroms lassen arterielle Verschlussstörungen und venöse Abflussstörung unterscheiden. Die reaktive Hyperämie erfasst das Verfahren dagegen in einem gesonderten Messgang: Dabei wird die Manschette für einige Minuten auf einen Druck oberhalb des systolischen Blutdrucks aufgepumpt, sodass die Durchblutung nach dem Öffnen vorübergehend über den Ruhewert ansteigt.
Der venöse Ausstrom kennzeichnet die Durchgängigkeit des Gefäßsystems. Dabei lassen sich auch Rückschlüsse auf den Schweregrad der Durchblutungsstörung ziehen. Je schlechter die Durchblutung ist, desto geringer fällt der maximale Spitzenfluss aus und desto später tritt er auf. Mit anderen Messanordnungen kann der Blutdruck an jedem beliebigen Gliedmaßenabschnitt bestimmt werden. Dabei wird die Staumanschette oberhalb der Messstelle auf übersystolischen Druck aufgebläht und danach der Druck langsam abgelassen. Die erste registrierte Volumenzunahme entspricht dem arteriellen systolischen Blutdruck an der Messstelle. Bei der Verschlussplethysmografie legt sich der Patient hin.
Zunächst werden die Beine drei Minuten vor der Untersuchung höher gelagert. Dann erfolgt das Anlegen der Staumanschette um den Oberschenkel. Für mehrere Minuten staut sich das Blut auf. Nach Öffnung der Manschette misst der Dehnungsmessstreifen die Änderung des Volumens an den Messstellen des Unterschenkels. Über ein Computerprogramm werden die Daten grafisch dargestellt. Anhand der Daten kann der Arzt die Durchblutungssituation beurteilen. Dabei sind die venöse Kapazität und der venöse Ausstrom wichtige Parameter für die Beurteilung des Venensystems. Die venöse Kapazität kennzeichnet das aufstaubare Venenvolumen und den venösen Ausstrom den maximalen passiven venösen Ausstrom pro Zeiteinheit.
Gleichzeitig wird auch noch die arterielle Ruhedurchblutung bestimmt, denn von ihr ist die venöse Kapazität abhängig. Die Messung ist sehr aussagekräftig im Hinblick auf die gute Reproduzierbarkeit der quantitativen Beurteilung einer venösen Abflussstörung. Daher kann das Verfahren zur Therapiekontrolle eingesetzt werden. Mittels dieser Parameter können Thrombosen, postthrombotische Zustände und ausgeprägte Varikosen bestimmt und beurteilt werden. Das Verfahren der Verschlussplethysmografie wird nach streng standardisierten Gesichtspunkten durchgeführt. Das ist notwendig, weil sich während der Messdurchführung zahlreiche Fehlermöglichkeiten ergeben können.
Was diese Werte im Einzelnen aussagen, erschließt sich am ehesten über die Frage, wovon sie abhängen. Wie viel Blut sich überhaupt aufstauen lässt, wird maßgeblich von der Dehnbarkeit der Venenwände bestimmt; ein Bein mit starrem, narbig verändertem Venensystem nimmt weniger auf. Wie rasch das angestaute Blut wieder abfließt, hängt dagegen daran, ob die Abflusswege frei sind: Ein verschlossenes oder durch alte Gerinnselreste verengtes Gefäß bremst den Abfluss, und die Kurve fällt entsprechend flacher ab. Damit Messungen an unterschiedlich kräftigen Beinen vergleichbar bleiben, werden die Werte nicht als absolute Volumina angegeben, sondern auf das durchströmte Gewebe bezogen. Üblich ist außerdem, beide Beine zu messen und die Kurven miteinander zu vergleichen: Ist nur ein Bein betroffen, liefert das andere den Maßstab, und Eigenheiten des Kreislaufs, die für den Untersuchten insgesamt gelten, fallen aus der Beurteilung heraus.
Für den Untersuchten selbst ist der Ablauf wenig aufwendig. Die Untersuchung kommt ohne Röntgenstrahlen, ohne Kontrastmittel und ohne einen Einstich aus; außer dem Druck der Manschette, der dem einer Blutdruckmessung ähnelt, ist nichts zu spüren. Sie kann ambulant erfolgen und erfordert danach keine Erholungszeit. Nötig ist allerdings Ruhe. Der Untersuchte liegt entspannt, und während der Aufzeichnung verändern Bewegungen, Sprechen oder ein Anspannen der Wadenmuskulatur das Volumen und damit die Kurve. Aus demselben Grund wird das Bein sorgfältig gelagert, denn schon eine veränderte Höhe gegenüber dem Herzen verschiebt die Füllung der Venen. Weil mehrere Durchgänge nacheinander aufgezeichnet werden und zwischen ihnen jeweils Zeit vergehen muss, bis sich die Ausgangslage wieder eingestellt hat, nimmt die Untersuchung mehr Zeit in Anspruch, als das einfache Messprinzip vermuten lässt.
Die Aussagekraft des Verfahrens hat zugleich eine klare Grenze. Es zeigt, ob und wie stark der Abfluss aus einem Bein behindert ist, aber nicht, an welcher Stelle des Venensystems das Hindernis liegt. Ein flacher Ausstrom kann von einem frischen Gerinnsel in einer der großen Beinvenen stammen, von narbigen Veränderungen nach einer alten Thrombose oder von einem Druck auf die Vene von außen; unterscheiden lassen sich diese Ursachen nur mit einem bildgebenden Verfahren. Umgekehrt kann ein Gerinnsel, das den Abfluss nur wenig behindert, der Messung entgehen, weil das Blut über Umgehungswege abfließt. Gerade weil die Werte gut reproduzierbar sind, verleiten sie dazu, ihnen mehr zu entnehmen, als sie hergeben. Die Verschlussplethysmografie steht deshalb neben der Erhebung der Beschwerden, der Untersuchung des Beines und der Bildgebung, nicht an deren Stelle.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Das Bild dieser Thromboseform ist eindrücklich: Das betroffene Bein schwillt innerhalb kurzer Zeit stark an, verfärbt sich bläulich und schmerzt heftig; die Pulse sind nicht mehr tastbar, und die Haut fühlt sich kühl an. Der Name beschreibt genau das, denn er bedeutet dem Wortsinn nach schmerzhafte blaue Entzündung. Anders als bei einer gewöhnlichen Beinvenenthrombose bleibt es dabei nicht bei einem behinderten Abfluss. Weil auch die kleinen Verbindungen zwischen den Venen betroffen sind, findet das Blut keinen Umweg mehr, und die Schwellung nimmt weiter zu, solange der Verschluss besteht.
Alle Venen eines Abschnitts sind verschlossen, sodass die Abflussstörung den Gewebedruck so stark ansteigen lässt, dass auch die arterielle Versorgung zum Erliegen kommt. Diese Erkrankung stellt eine Notfallsituation dar, die sofort behandelt werden muss. Es muss sofort eine Thrombektomie durchgeführt werden, um das Leben des Patienten zu retten. Neben der offenen Thrombektomie kommen dabei heute auch kathetergestützte Verfahren wie die örtliche Auflösung des Gerinnsels durch Medikamente zum Einsatz. In dieser Situation kann natürlich keine Verschlussplethysmografie durchgeführt werden. Sie wäre sogar kontraproduktiv. Ansonsten ist das Verfahren risikofrei. Allerdings ist eine streng standardisierte Durchführung des Verfahrens notwendig, um Fehler auszuschließen.
Die Fehlermöglichkeiten sind vielfältig. Bereits eine zu hohe oder zu niedrige Raumtemperatur beeinflusst das Ergebnis. Einengende Kleidung sollte vermieden werden. Lagerungsfehler verfälschen das Ergebnis. Bei ausgeprägten Ödemen kann die Volumenänderung nicht mehr richtig festgestellt werden. Gewebsveränderungen können das Ergebnis beeinflussen. Bei einer fortgeschrittenen arteriellen Verschlusserkrankung oder bei arteriovenösen Fisteln wird die venöse Kapazität nicht mehr optimal dargestellt. Beides sollte mit in die Beurteilung von venösen Abflussstörungen einbezogen werden. Eine Fehlermöglichkeit ist auch ein zu hoher Andruck des Messfühlers gegen das Gewebe.
Das Gleiche gilt für die falsche Anlage des Messfühlers. Des Weiteren darf die Staumanschette nicht zu schmal sein, da sich dadurch der Druck auf eine kleine Fläche konzentriert. Eine weitere Fehlerquelle stellt auch die verzögerte Deflation zum Ende der Anstauzeit dar. Bei der Dokumentation der Ergebnisse sollten Abweichungen von den geltenden standardisierten Untersuchungsbedingungen unbedingt auf der Kurve angegeben werden. Trotz gewisser einschränkender Einflussfaktoren ist die Verschlussplethysmografie ein gutes Messverfahren zur Feststellung von Durchblutungsstörungen.
Die meisten dieser Fehlerquellen wirken über denselben Weg: Sie verändern entweder das Ausgangsvolumen des Beines oder die Weite der kleinen Gefäße, ohne dass sich am Venensystem etwas geändert hätte. Kälte stellt die Hautgefäße eng und senkt die Durchblutung, Wärme weitet sie; beides verschiebt die Ruhewerte. Ein zu fest angelegter Messfühler drückt das Gewebe zusammen und verhindert, dass sich die Volumenzunahme ungehindert auf den Streifen überträgt. Eine zu schmale Manschette verteilt ihre Kraft auf eine kleine Fläche, sodass der angezeigte Druck nicht dem Druck entspricht, der tatsächlich auf die Vene wirkt. Und wenn die Manschette am Ende der Stauzeit nur langsam Luft verliert, beginnt der Abfluss verzögert, und der gemessene Ausstrom fällt zu niedrig aus. Aus diesem Grund wird nicht nur der Messwert festgehalten, sondern auch, unter welchen Bedingungen er zustande gekommen ist.
Aus derselben Empfindlichkeit, die das Verfahren fehleranfällig macht, folgt zugleich seine Stärke. Weil sich die Störgrößen benennen und beherrschen lassen, sind Wiederholungsmessungen unter gleichen Bedingungen gut miteinander vergleichbar. Deshalb eignet sich die Verschlussplethysmografie besonders dort, wo es auf die Veränderung über die Zeit ankommt: bei der Frage, ob sich der Abfluss nach einer überstandenen Thrombose gebessert hat, bei der Beurteilung, wie stark ein postthrombotisches Syndrom das Bein noch belastet, und bei der Einschätzung, ob eine begonnene Behandlung den erhofften Effekt zeigt. Sie ergänzt damit die Befunde, die am Bein selbst erhoben werden, und die Beschwerden, die der Betroffene schildert – etwa Schweregefühl, abendliche Schwellung oder Spannungsschmerz, die sich in Zahlen sonst schwer fassen lassen.
Angeboten wird die Untersuchung vor allem in gefäßmedizinisch ausgerichteten Praxen und Ambulanzen, also dort, wo auch die übrige Venendiagnostik stattfindet. Sie setzt neben dem Gerät vor allem Erfahrung voraus, denn ein großer Teil der Beurteilung besteht darin, die aufgezeichnete Kurve im Zusammenhang mit dem Befund am Bein und mit den Beschwerden zu lesen. Ein einzelner Zahlenwert ohne diesen Zusammenhang sagt wenig aus.
Was ein auffälliges Ergebnis für den Betroffenen bedeutet, hängt davon ab, in welchem Zusammenhang gemessen wurde. Bestätigt sich eine Abflussstörung im Verlauf nach einer Thrombose, richtet sich das weitere Vorgehen nach dem Ausmaß der Beschwerden und nach dem übrigen Befund; darüber entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Ein unauffälliges Ergebnis wiederum schließt nicht jede Venenerkrankung aus, sondern besagt zunächst nur, dass der Abfluss aus dem gemessenen Abschnitt zum Zeitpunkt der Messung nicht wesentlich behindert war.
Quellen
- Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
ISBN: 9783132455634
- Rabe, E.: Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie.
ISBN: 9783934371682
- Mendoza, E.: Duplexsonographie der oberflächlichen Beinvenen.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
ISBN: 9783132443471
