Vorhofseptumdefekt
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Vorhofseptumdefekt (auch ASD genannt) bezeichnet der Mediziner ein Loch in der Scheidewand, welches zwischen den Herzvorhöfen auftritt. Das Loch stellt vor der Geburt keine Auffälligkeit dar, kann jedoch, wenn es nicht zusammenwächst, mitunter für Beschwerden sorgen.
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Was ist ein Vorhofseptumdefekt?
Vor der Geburt verbindet eine natürliche Öffnung in der Scheidewand die beiden Herzvorhöfe; der Mediziner bezeichnet sie als „Foramen ovale“. Sie verschließt sich nach der Geburt in aller Regel von selbst.
Bleibt diese Klappenöffnung offen, spricht man von einem offenen Foramen ovale. Es findet sich bei etwa einem Viertel aller Erwachsenen, ist meist ein harmloser Zufallsbefund und ist ausdrücklich kein Vorhofseptumdefekt. Von einem Vorhofseptumdefekt spricht der Mediziner erst, wenn in der Vorhofscheidewand tatsächlich Gewebe fehlt. Streng genommen handelt es sich um eine kongenitale Fehlbildung.
Etwa zehn Prozent aller Herzfehler sind Vorhofseptumdefekte.
Der Vorhofseptumdefekt zählt zu den Shuntvitien und verursacht im Regelfall – bis zum 50. oder 60. Lebensjahr – keine Beschwerden. Das gilt vor allem für kleine Defekte; große Defekte können sich schon im Kindesalter bemerkbar machen und werden dann früh verschlossen.
Ursachen
Auf Grund des Vorhofseptumdefekts besteht jedoch eine Volumenbelastung, sodass sich die rechte Hauptkammer sowie der rechte Vorhof vergrößern. Die Lunge wird in weiterer Folge überflutet. Anders als beim Ventrikelseptumdefekt entsteht eine pulmonale Hypertension (Lungenhochdruck) dabei nur langsam. Bei einem großen, über Jahrzehnte unbehandelten Vorhofseptumdefekt entwickelt sie sich jedoch sehr wohl und kann im Endstadium zu einer Eisenmenger-Reaktion führen, bei der sich die Flussrichtung des Blutes umkehrt. Verschlossen werden bedeutsame Defekte vor allem deshalb, weil sie die rechte Herzhälfte dauerhaft überlasten; damit wird zugleich der Entwicklung eines Lungenhochdrucks vorgebeugt.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Personen, die von einem Vorhofseptumdefekt betroffen sind, sofern zwischen den beiden Vorhöfen nur eine sehr kleine Verbindung besteht, haben – vor dem 50. Lebensjahr – keine Beschwerden. Jedoch sind es die im Alter zunehmenden Leistungseinbußen, die mitunter Beschwerden verursachen. Große Öffnungen können aber bereits im Säuglingsalter Probleme bereiten. So sind die Patienten schneller müde und weisen auch eine enorme Leistungsminderung auf.
Die Atemnot, vor allem in Verbindung mit körperlicher Anstrengung, ist ein weiteres Anzeichen eines Vorhofseptumdefekts. Auf Grund der veränderten Blutströmungs- und Druckverhältnisse kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Aus diesem Grund besteht des Weiteren die Gefahr, dass sich die Thromben direkt durch den Vorhofseptumdefekt verlagern und vom rechten in den linken Vorhof gelangen und sodann direkt in den Körperkreislauf weitertransportiert werden. Möglich wird dieser Weg, wenn sich die Druckverhältnisse kurzzeitig umkehren, etwa beim Husten oder beim Pressen.
Mögliche Folgen sind verstopfte Hirngefäße, die in weiterer Folge einen Hirnschlag (Schlaganfall) verursachen. Vor allem sind Betroffene anfälliger für etwaige Infektionskrankheiten, die vorwiegend im Bereich der Atemwege auftreten. Die Prognosen sind gut. Der Krankheitsverlauf kann mittels Therapie derart positiv gestaltet werden, dass der Vorhofseptumdefekt zur Gänze behoben wird und somit die Gefahren etwaiger Thrombosen gar nicht mehr gegeben sind.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Mediziner kann relativ schnell den Verdacht äußern, dass es sich um einen Vorhofseptumdefekt handelt. Vor allem die Herzgeräusche (beim Abhören) oder auch die typischen Merkmale, die der Patient beschreibt, lassen den Schluss zu, dass mitunter ein Vorhofseptumdefekt vorliegt. Klagt der Patient über keine Beschwerden, kann dennoch die Diagnose – jedoch rein zufällig, im Rahmen einer Routine-Untersuchung des Herzens – gestellt werden.
Damit der Mediziner den Beweis erbringen kann, dass ein Vorhofseptumdefekt vorliegt, ist eine Ultraschalluntersuchung notwendig. Mittels Ultraschalluntersuchung beziehungsweise Echokardiographie ist es möglich, dass die Blutströmung durch die Öffnung nachgewiesen werden kann. Auf Grund der Mehrbelastung ist der Vorhofseptumdefekt auch am Röntgenbild zu erkennen.
Der Mediziner erkennt eine deutliche Vergrößerung der rechten Herzseite. Des Weiteren sind am Röntgenbild auch erweiterte Lungenarterien zu sehen. Im Regelfall bleibt der Mediziner jedoch bei der Ultraschalluntersuchung, da er hier genau den Defekt erkennen kann. Mitunter besteht auch die Möglichkeit, dass die Auswirkungen bereits erkannt werden beziehungsweise wie stark vergrößert die rechte Herzseite ist und wie groß die Öffnung tatsächlich ist, welche schlussendlich das Problem darstellt.
Komplikationen
In den meisten Fällen kommt es bei dieser Erkrankung erst im relativ hohen Alter zu Beschwerden oder zu Komplikationen. Aus diesem Grund wird die Krankheit auch erst sehr spät erkannt und behandelt. Die Betroffenen leiden dabei an einer starken Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit.
Die Leistung sinkt deutlich ab und die Patienten können gewöhnliche Tätigkeiten des Alltages nicht mehr ohne Weiteres ausführen. Auch die Durchführung von sportlichen Betätigungen ist dabei nicht mehr möglich. Weiterhin kann es zu einem Infarkt im Hirn oder im Herzen kommen und die Betroffenen erkranken häufig an Infekten oder an Entzündungen. Vor allem die Atemwege können davon betroffen sein, sodass es häufig zu Atembeschwerden kommen kann.
Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Krankheit erheblich verringert und eingeschränkt. Die Behandlung erfolgt hierbei in den meisten Fällen durch einen Eingriff am Herzen. Je früher die Erkrankung dabei diagnostiziert wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes. Eventuell wird allerdings die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Krankheit verringert. Die Betroffenen sind auch weiterhin auf regelmäßige Untersuchungen bei Ärzten angewiesen, um Komplikationen zu vermeiden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einem Vorhofseptumdefekt ist der Betroffene in der Regel immer auf eine medizinische Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt angewiesen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommt. Je früher ein Arzt kontaktiert wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf bei dieser Erkrankung. Der Betroffene sollte daher schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen einen Arzt aufsuchen. Im schlimmsten Fall kann es durch die Krankheit zum Tod des Betroffenen kommen, wenn sie nicht behandelt wird.
Ein Arzt ist beim Vorhofseptumdefekt dann aufzusuchen, wenn der Betroffene häufig an einer Atemnot leidet. Vor allem unter Belastungen oder bei starken körperlichen Anstrengungen können diese Beschwerden auftreten. Ebenso erhöht sich die Anfälligkeit für Infektionen. Sollte der Patient daher sehr häufig erkranken, so kann dies ebenso auf einen Vorhofseptumdefekt hindeuten. Bei diesen Symptomen kann ein Allgemeinarzt, ein Internist oder ein Kardiologe aufgesucht werden. Die Behandlung der Erkrankung erfolgt in den meisten Fällen durch einen Eingriff am Herzen.
Treten plötzlich Anzeichen eines Schlaganfalls auf – eine halbseitige Lähmung, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen –, wählen Angehörige oder Anwesende sofort den Notruf 112. Für Beschwerden ohne Notfallcharakter ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zuständig.
Behandlung & Therapie
Liegt auf Grund des Vorhofseptumdefekts eine Missbildung – etwa in Form einer Vergrößerung der rechten Herzseite – vor, muss die Verbindung geschlossen werden. Auch dann, wenn keine Veränderung des Herzens sichtbar ist, der Patient jedoch über die typischen Beschwerden klagt. Der Verschluss des Defekts ist auf zwei Arten möglich.
Seit Jahren wird die Verbindung im Rahmen eines kleinen Eingriffs verschlossen. Dabei führt der Mediziner einen dünnen Draht durch die Leistenvene ein, welcher bis zum rechten Vorhof geschoben wird. An der Drahtspitze befestigt der Mediziner im Vorfeld zwei geschlossene Schirmchen. Jene werden bis zur Öffnung vorgeschoben, bis sie dort zu liegen kommen. Danach öffnet der Mediziner die Schirmchen, spannt sie sozusagen auf und kann somit die Öffnung verschließen. Jene Operation ist ein sehr einfacher und schonender Eingriff.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Öffnung zu vernähen oder mittels eines „Kunststoff-Flickens“ zu verschließen. Jene Technik ist nur in Verbindung mit einer großen Herzoperation möglich; im Rahmen des Eingriffs muss der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Nach jenem Eingriff ist vor allem die lange Erholungszeit wichtig. Jener Eingriff stellt eine größere Operation dar und wird vor allem dann durchgeführt, wenn es sich um eine relativ große Öffnung handelt beziehungsweise bereits enorme Beschwerden bekanntgegeben wurden.
Vorbeugung
Da es sich um einen angeborenen Herzfehler handelt, können keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden. Wurde der Vorhofseptumdefekt diagnostiziert, muss jedoch mit dem Mediziner über die Behandlung gesprochen werden. Bleibt der Defekt unbehandelt und verursacht Beschwerden, können durchaus andere Erkrankungen (Hirnschlag) auftreten, welche jedoch hätten verhindert werden können.
Nachsorge
Eine Nachsorge ist nach jedem Verschluss des Vorhofseptumdefekts erforderlich. Im Anschluss an eine Operation wird der Patient auf die Intensivstation des Krankenhauses verlegt und dort beobachtet und behandelt. Zur Hemmung der Blutgerinnung erhält der Patient in der Regel Medikamente. Dabei handelt es sich zumeist um Heparin oder Marcumar.
Das Heparin wird 24 Stunden lang intravenös verabreicht. Ein gefährliches Blutgerinnsel, das einen Schlaganfall verursachen kann, lässt sich auf diese Weise verhindern. Rund sechs Monate muss der Patient zudem jeden Tag Acetylsalicylsäure (ASS) wie Aspirin zu sich nehmen. Für die Marcumarbehandlung erhält er einen speziellen Ausweis.
Außerdem kontrollieren die Ärzte in regelmäßigen Abständen die Gerinnungswerte. Lange Zeit wurde Patienten unter Marcumar geraten, Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie Salat zu meiden. Heute wird stattdessen eine möglichst gleichmäßige Zufuhr empfohlen, weil starke Schwankungen die Einstellung der Gerinnung erschweren.
Weil Infektionen wie zum Beispiel auch gewöhnliche Zahn- oder Halsentzündungen beziehungsweise Hauterkrankungen eine Schädigung der Herzklappen nach sich ziehen können, ist bei Bedarf die Gabe von Antibiotika notwendig. Vor Zahnbehandlungen wurde lange Zeit eine vorbeugende Antibiotikagabe gegen eine Endokarditis bei allen angeborenen Herzfehlern empfohlen. Heute gilt sie nur noch für bestimmte Hochrisikogruppen – nach dem Verschluss eines Vorhofseptumdefekts mit einem Schirmchen etwa für die ersten sechs Monate. Ob sie im Einzelfall nötig ist, entscheidet der behandelnde Kardiologe. Um den Heilungsprozess zu fördern, gelten leichte sportliche Aktivitäten als sinnvoll. Der Patient darf es damit jedoch nicht übertreiben. Außerdem ist das Einverständnis des Arztes erforderlich. Ebenfalls hilfreich für die Nachsorge kann eine Rehabilitation sein. Außerdem werden regelmäßig Kontrolluntersuchungen wie das Messen des Blutdrucks oder ein EKG durchgeführt.
Das können Sie selbst tun
Ein bedeutsamer Vorhofseptumdefekt muss verschlossen werden – meist mit einem Schirmchen über einen Herzkatheter, seltener in einer Operation. Kleine Defekte, die das rechte Herz nicht belasten, werden dagegen nur beobachtet. Die wichtigste Eigenmaßnahme besteht in einer Überwachung des Gesundheitszustandes des Kindes. Eltern von betroffenen Kindern müssen auf ungewöhnliche Symptome und Beschwerden achten. Sollte es zu einer Leistungsminderung oder gar Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen, muss umgehend der Arzt konsultiert werden. Gemeinsam mit dem Mediziner können weitere Maßnahmen diskutiert werden, durch welche sich der Vorhofseptumdefekt verschließen und dem Kind ein normales Leben ermöglicht werden kann.
Da der Eingriff möglichst frühzeitig erfolgen soll, um die Prognose zu verbessern, sollte bei einem Verdacht zügig eine Untersuchung stattfinden. Wenn das Kind älter ist, kann es über die Erkrankung informiert werden. Hierfür eignen sich kindgerechte Medizinbücher oder ein gemeinsames Gespräch mit einem Kardiologen. Das Kind sollte dazu angehalten werden, selbstständig auf ungewöhnliche Symptome zu achten.
Wird der Vorhofseptumdefekt im Erwachsenenalter festgestellt, ist eine rasche Behandlung angezeigt. Ab dem 20. bis 25. Lebensjahr steigt die Sterblichkeit bei einem unbehandelten bedeutsamen Defekt an. Zudem können bereits entstandene Entwicklungsstörungen oder Schäden am Herzen nicht mehr korrigiert werden. Die Betroffenen müssen Strategien entwickeln, um trotz Erkrankung ein erfülltes und aktives Leben zu führen.
Quellen
- Haas, N. A., Kleideiter, U.: Kinderkardiologie.
ISBN: 9783132443600
- Kleideiter, U., Dalla Pozza, R., Haas, N. A.: Referenz Kinderkardiologie.
ISBN: 9783132446151
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
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- Ziemer, G., Haverich, A. (Hrsg.): Herzchirurgie.
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- Meyer, S. (Hrsg.): Duale Reihe Pädiatrie.
ISBN: 9783132446212

