West-Nil-Fieber

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das West-Nil-Fieber ist eine meist harmlos verlaufende Infektionserkrankung. Medizinische Maßnahmen dienen in der Regel lediglich der Symptombekämpfung. Bei älteren und immungeschwächten Menschen kann das Virus jedoch das Gehirn befallen; dann verläuft die Erkrankung schwer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das West-Nil-Fieber?

West Nil Fieber
Das West-Nil-Fieber tritt vor allem in wärmeren Regionen auf, etwa in Teilen Afrikas, Südostasiens und Indiens; inzwischen kommt es auch in Süd- und Mitteleuropa einschließlich Deutschland vor. Vor Reisen in betroffene Gebiete sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit anzuraten.
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Beim West-Nil-Fieber handelt es sich um eine durch Viren hervorgerufene Infektionskrankheit. Das West-Nil-Fieber verdankt seine Bezeichnung dem West-Nil-Bezirk, der im afrikanischen Uganda liegt. Im Jahr 1937 wurde hier erstmals der Nachweis einer Infektion mit dem auslösenden Virus des West-Nil-Fiebers erbracht. Mit dem West-Syndrom hat das West-Nil-Fieber trotz des ähnlichen Namens nichts zu tun; dabei handelt es sich um eine Form der Epilepsie im Säuglingsalter.

Da beim West-Nil-Fieber in vielen Fällen Symptome ausbleiben, ist eine Angabe zur weltweiten Häufigkeit des West-Nil-Fiebers kaum möglich. Allerdings tritt das West-Nil-Fieber vornehmlich in warmen Klimazonen auf wie etwa in Teilen Afrikas, Indiens oder Südostasiens. Darüber hinaus kam es während der Sommermonate des Jahres 2002 auch in Nordamerika zu einer Epidemie durch das West-Nil-Fieber. Lange Zeit galt das West-Nil-Fieber deshalb als eine Erkrankung, die man sich nur auf Reisen zuzieht. Inzwischen hat sich das Virus weit über diese Regionen hinaus ausgebreitet: In Südeuropa treten jeden Sommer Erkrankungen auf, und in Deutschland wurde das Virus seit 2018 bei Vögeln und Pferden nachgewiesen, seit 2019 stecken sich auch Menschen über Mückenstiche im Land selbst an. Betroffen war zunächst vor allem der Osten Deutschlands; inzwischen wird das Virus auch in westlichen und südlichen Bundesländern nachgewiesen. Erkrankungen treten vor allem in den Sommer- und Herbstmonaten auf. Wer keine Fernreise unternommen hat, kann sich also ebenfalls anstecken.

Der Nachweis des West-Nil-Virus beim Menschen ist in Deutschland nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes namentlich meldepflichtig; das untersuchende Labor meldet den Befund an das Gesundheitsamt. Diese Meldepflicht besteht seit Mai 2016. Sind Tiere mit dem Virus befallen, das das West-Nil-Fieber hervorruft, liegt zusätzlich eine Tierseuche vor, die anzeigepflichtig ist.

Ursachen

Die Ursache für das West-Nil-Fieber ist eine Infektion mit dem sogenannten West-Nil-Virus (WNV). Überträger des Virus, das für das West-Nil-Fieber verantwortlich ist, sind unter anderem Insekten und im Besonderen Stechmücken.

Da das West-Nil-Fieber von Tieren auf den Menschen übertragen wird, trägt die Virusinfektion die Bezeichnung Zoonose: Häufig sind zunächst wilde Vögel vom West-Nil-Fieber betroffen; Stechmücken, die Kontakt mit am West-Nil-Fieber erkrankten Tieren hatten, können das Virus dann auf den Menschen übertragen.

Verursacht werden kann das West-Nil-Fieber des Weiteren durch eine Infektion, die von Mensch zu Mensch erfolgt: Geschehen kann eine solche Übertragung beispielsweise bei der Transplantation von Organen oder Bluttransfusionen. Möglicherweise kann außerdem eine Übertragung des für das West-Nil-Fieber verantwortliche Virus von stillenden Müttern auf deren Säuglinge stattfinden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Das West-Nil-Fieber kann kaum aufgrund vorliegender Symptome diagnostiziert werden. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass mögliche Symptome unspezifisch sind und das West-Nil-Fieber häufig auch gänzlich symptomfrei verläuft.

Eine gesicherte Diagnose ist beim West-Nil-Fieber daher vor allem mithilfe von Blutproben möglich: Bei Betroffenen, die mit dem West-Nil-Fieber infiziert sind, ist der Erreger meist im Blut nachweisbar. Auch Antikörper, die sich bei vorliegendem West-Nil-Fieber in Blut oder Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit bilden, ermöglichen eine Diagnose.

Die Inkubationszeit beträgt beim West-Nil-Fieber in der Regel einige Tage. Geht das West-Nil-Fieber mit Symptomen einher, so ähneln diese meist den Symptomen einer leichten Grippeerkrankung. Überwiegend verläuft das West-Nil-Fieber dann selbstlimitierend; das bedeutet, dass sich die Symptome innerhalb einiger Tage selbstständig zurückbilden.

Bei einer deutlichen Mehrheit der Betroffenen verläuft das West-Nil-Fieber ohne Komplikationen. Risikofaktoren für das Auftreten von Komplikationen beim West-Nil-Fieber sind beispielsweise andere körperliche Erkrankungen oder ein hohes Lebensalter.

Komplikationen

In den meisten Fällen verläuft das West-Nil-Fieber unproblematisch und klingt nach etwa sieben Tagen wieder ab. Für den Verlauf der Erkrankung spielen gewisse Faktoren eine Rolle wie das Alter der Patienten, das Immunsystem sowie körperliche Erkrankungen und psychische Faktoren. Komplikationen sind eher selten und wenn, dann sind meistens hauptsächlich ältere oder immungeschwächte Menschen betroffen.

Bei diesen Menschen kann es zu einer Herzmuskelentzündung, Hirnhautentzündung oder zu Lähmungen kommen. Bei einem schweren Verlauf ist es sinnvoll, dass die Patienten stationär behandelt werden, damit der Verlauf besser überwacht werden kann. Das betrifft besonders ältere Menschen oder Menschen mit einer Immunschwäche, weil bei ihnen die Krankheit lebensbedrohlich sein kann.

Zu Todesfällen kommt es eher selten, aber manche Patienten behalten nach überstandener Krankheit noch eine längere Zeit Spätfolgen zurück, besonders wenn das Gehirn auch betroffen war. Aber selbst Menschen mit einem unproblematischen Verlauf können noch Monate nach dem West-Nil-Fieber unter Gliederschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und Müdigkeit leiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wird ein Aufenthalt im Ausland geplant, empfiehlt sich grundsätzlich eine ausreichende Informationseinholung über die dortigen Gegebenheiten. Der Betroffene sollte sich Kenntnisse über die gesundheitlichen Risiken aufbauen und gegebenenfalls Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten. Die Zustände der Hygiene sind rechtzeitig in Erfahrung zu bringen und die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erkrankungen sollte erfragt werden. In einigen Fällen werden Schutzimpfungen empfohlen, damit der Organismus sich ausreichend gegenüber den Krankheitserregern zur Wehr setzen kann. Gegen das West-Nil-Fieber selbst gibt es für den Menschen jedoch keine Impfung; hier hilft allein der Schutz vor Mückenstichen.

Das West-Nil-Fieber tritt vor allem in wärmeren Regionen auf, etwa in Teilen Afrikas, Südostasiens und Indiens; inzwischen kommt es auch in Süd- und Mitteleuropa einschließlich Deutschland vor. Vor Reisen in betroffene Gebiete sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit anzuraten. Bei gesunden jüngeren Menschen verläuft die Infektionserkrankung nur selten schwer. Bei älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist das Risiko eines schweren Verlaufs dagegen erhöht. In jedem Fall sollte ein Arzt konsultiert werden, sobald sich gesundheitliche Beeinträchtigungen zeigen. Bei Fieber, Kopfschmerzen, Störungen des Verdauungstraktes oder Schwellungen der Lymphe ist ein Arztbesuch anzuraten.

Ein Krankheitsgefühl, allgemeines Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen deuten auf eine gesundheitliche Störung hin, die diagnostiziert und behandelt werden sollte. Veränderungen des Hautbildes, Unregelmäßigkeiten der Fortbewegung sowie eine Zunahme vorhandener Beschwerden sind mit einem Arzt zu besprechen. Kommt es zu Verwirrtheit, einer Eintrübung des Bewusstseins, einem Krampfanfall oder plötzlichen Lähmungen, wählen Angehörige sofort den Notruf 112: Dann ist das Gehirn beteiligt, und die Erkrankung kann lebensbedrohlich verlaufen. Eine medizinische Behandlung ist notwendig, damit sich schnellstmöglich Linderung der Beschwerden einstellen können. Juckreiz und Schwellungen der Haut sollten ebenfalls ärztlich begutachtet werden.

Behandlung & Therapie

In der Mehrzahl der Fälle bedarf das West-Nil-Fieber keiner medizinischen Behandlung. Eine Heilung erfolgt in der Regel innerhalb weniger Tage. Geht das West-Nil-Fieber mit starken Beschwerden einher, so kann eine sinnvolle Maßnahme unter anderem das Einhalten von Bettruhe durch den Betroffenen sein.

Begleitend hierzu kann bei starkem West-Nil-Fieber in Absprache mit dem behandelnden Arzt eine Linderung auftretender Symptome erfolgen; entsprechende Maßnahmen können etwa eine Fiebersenkung und/oder eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit umfassen.

Nur in sehr seltenen Fällen wird beim West-Nil-Fieber eine fachärztliche Betreuung im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes notwendig; sinnvoll kann ein solcher Schritt beispielsweise sein, wenn im Zusammenhang mit dem West-Nil-Fieber ein stark erhöhtes Komplikationsrisiko vorliegt (wie etwa das Risiko, Entzündungen an Gehirn oder Herz zu erleiden).

Gezielte medikamentöse Präparate zur Bekämpfung des West-Nil-Fiebers liegen der Medizin derzeit nicht vor. Eine ursächliche Behandlung gibt es also nicht; alle Maßnahmen richten sich gegen die Beschwerden.


Vorbeugung

Dem West-Nil-Fieber kann nur begrenzt vorgebeugt werden, da bisher noch keine Impfstoffe existieren, die beim Menschen gegen das West-Nil-Fieber eingesetzt werden können. Maßnahmen, die der individuellen Prophylaxe gegen das West-Nil-Fieber dienen können, zielen auf die Vermeidung von Mückenstichen in Gebieten, die vom West-Nil-Fieber betroffen sind: Sinnvoll kann hierzu etwa das Auftragen von Anti-Mücken-Sprays sein. Und auch das Tragen langer Kleidung kann dazu beitragen, Mückenstiche und somit das West-Nil-Fieber zu vermeiden. Für Pferde stehen dagegen Impfstoffe zur Verfügung; Pferdehalter in betroffenen Gebieten besprechen die Impfung mit dem Tierarzt.

Nachsorge

Die Nachsorge beim West-Nil-Fieber orientiert sich an den Symptomen, die der Patient zeigt und dem Verlauf der Erkrankung. Bei einem positiven Verlauf klingen die Beschwerden innerhalb von drei bis vierzehn Tagen ab. Der Patient muss anschließend noch einmal den Arzt aufsuchen, der eine Routineuntersuchung durchführen wird.

Zudem ist eine Abklärung der Symptome notwendig. Antibiotika kommen dabei nicht zum Einsatz, da sie gegen Viren nicht wirken; sie sind nur dann nötig, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion aufgetreten ist. Im Rahmen der Nachsorge findet außerdem eine Anamnese statt. Des weiteren müssen Maßnahmen ergriffen werden, um eine erneute Infektion zu vermeiden. Treten die Symptome nach einer Auslandsreise auf, sollten sich etwaige Mitreisende ebenfalls untersuchen lassen.

Selbiges gilt für Familienmitglieder, die sich zur selben Zeit im selben Gebiet aufgehalten haben. Von Mensch zu Mensch wird das Virus im Alltag nicht übertragen; Angehörige müssen sich also nicht vor einer Ansteckung durch den Erkrankten fürchten. Die Therapie selbst ist nach sieben Tagen beendet. Sie beschränkt sich darauf, die Symptome mittels Ruhe und ausreichend Schlaf zu lindern. Bei einem schweren Verlauf sollten Behandlung und Nachsorge stationär in einem Krankenhaus stattfinden, damit bei Komplikationen rasch reagiert werden kann. In den übrigen Fällen genügt die ambulante Betreuung.

Die Nachsorge erfolgt durch den zuständigen Internisten oder den Hausarzt. Bei einem schweren Verlauf müssen weitere Fachärzte hinzugezogen werden. Wenn bleibende Schäden zu erwarten sind, ist oft auch eine psychologische Betreuung für den Patienten notwendig.

Das können Sie selbst tun

Die grippeähnlichen Symptome des West-Nil-Fiebers klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb einer Woche ab. Damit der Körper die Infektion erfolgreich bekämpfen kann, benötigt er viel Ruhe: Erkrankte sollten sich in dieser Zeit schonen und auf Sport und schwere körperliche Arbeit verzichten. Leichte, vitaminreiche Kost unterstützt das Immunsystem, bei Übelkeit und Erbrechen helfen magenschonende Nahrungsmittel wie Zwieback, Haferschleim oder ein Gemüsebrei aus gekochten Möhren und Kartoffeln. In der Pflanzenheilkunde wird Ingwer als Gewürz, Tee oder in Form von Kapseln aus der Apotheke erfolgreich gegen Übelkeit eingesetzt. Fieber lässt sich durch einfache Hausmittel wie etwa Wadenwickel senken, bei Schüttelfrost sollte darauf aber verzichtet werden.

Durch starkes Schwitzen geht viel Flüssigkeit verloren: Um Kreislaufstörungen vorzubeugen, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr äußerst wichtig. Am besten eignen sich dazu ungesüßte Kräutertees oder eine leicht gesalzene Hühnerbrühe. Lindenblüten- und Holunderblütentee sind bekannt für ihre schweißtreibende und entzündungshemmende Wirkung, Weidenrinden-Tee kann Schmerzen lindern.

Bessern sich die Beschwerden innerhalb einer Woche nicht oder kommen Symptome einer beginnenden Hirnhautentzündung hinzu (starke Kopfschmerzen, Lichtscheuheit, Nackensteifigkeit), sollte auf eine weitere Selbstbehandlung verzichtet und umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Prophylaktisch empfiehlt sich konsequenter Schutz vor Mückenstichen in gefährdeten Regionen durch Insektenschutzmittel und entsprechende Kleidung.

Quellen

  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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  • Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
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  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Bauerfeind, R., Kimmig, P., Schiefer, H.G., Schwarz, T., Slenczka, W., Zahner, H.: Zoonosen.
    ISBN: 9783769138337

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