Wirbelsäulenverletzung (Spinaltrauma)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Wirbelsäulenverletzungen werden in der medizinischen Fachsprache auch als Spinaltrauma bezeichnet. Bänder, Nerven, Rückenmark, Bandscheiben und Muskeln können davon betroffen sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wirbelsäulenverletzung?

Spinaltrauma
Bei einem Spinaltrauma treten in erster Linie Rückenschmerzen auf. Diese entstehen meist sehr plötzlich unmittelbar nach dem Unfall.
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Unterschieden werden bei einer Verletzung der Wirbelsäule die Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Die häufigste Form des Spinaltraumas ist eine Distorsion, also eine Verdrehung der Wirbelsäule, bei welcher weder Knochen noch Rückenmark betroffen sind.

Das Spinaltrauma entsteht meist in Folge eines Unfalls und kann zu Stauchungen, Prellungen oder gar Brüchen von Wirbelknochen führen. Normalerweise sind diese Wirbelknochen recht stabil - bei Verkehrsunfällen jedoch, wo ein großer Druck ausgeübt wird, können diese leicht verletzt werden.

Besonders gefährdet sind auch Menschen mit Osteoporose, denn bei ihnen sind die Knochen bereits instabil.

Ein Spinaltrauma verläuft in den meisten Fällen gut, lediglich in 15 bis 20 Prozent der Fälle kommt es zu einer Verletzung des Rückenmarks. Dies wiederum kann schlimmstenfalls zu Lähmungen führen.

Ursachen

Die Hauptursache für ein Spinaltrauma sind Verletzungen beim Sport oder Autounfälle. Bei beiden wirkt ein großer Druck auf die Wirbelsäule, der zu einem Spinaltrauma führen kann.

Meist handelt es sich bei Autounfällen um ein sogenanntes Schleudertrauma der Halswirbelsäule, welches erst Stunden nach dem Unfall Schmerzen verursacht. Auch eine plötzliche Überdehnung oder Anspannung der Wirbelsäule kann zu einem Spinaltrauma führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer bestehenden Wirbelsäulenverletzung treten in der Regel eindeutige Symptome und Anzeichen auf, die darauf hindeuten können. Die Schmerzen stehen bei einer solchen Verletzung klar im Vordergrund. Die betroffene Person wird unmittelbar nach der Verletzung einen starken Schmerz verspüren, der selbst im Ruhezustand bestehen bleiben kann.

Weitere Symptome hängen vom Schweregrad der bestehenden Wirbelsäulenverletzung ab. Sind Rückenmark oder Nervenwurzeln beteiligt, kommen neurologische Zeichen hinzu: Taubheitsgefühle, ein Kribbeln, Kraftverlust oder Lähmungen an Armen und Beinen sowie Störungen der Blasen- und Darmentleerung. Solche Anzeichen sind ein Notfall; hier ist sofort über die 112 der Rettungsdienst zu alarmieren und der Verletzte bis zu dessen Eintreffen nicht zu bewegen. Auch ohne solche Ausfälle darf eine Wirbelsäulenverletzung nicht unbeobachtet bleiben: Unbehandelt können die Schmerzen zunehmen und dauerhafte Folgeschäden entstehen.

Besteht eine Fraktur der Wirbelsäule, sind häufig zusätzlich Schwellungen über dem betroffenen Abschnitt zu erkennen. In so einem Fall sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, um auftretende Symptome zu beseitigen. Sämtliche Verletzungen der Wirbelsäule sollten stets von einem Arzt begutachtet werden. Bei einer bestehenden Verletzung dieser Art ist der gesamte Bewegungsablauf stark eingeschränkt, sodass zwingend eine entsprechende Behandlung erfolgen muss. Andernfalls werden sich die Schmerzen verschlimmern und es können dauerhafte Folgeschäden entstehen, die im Nachhinein nicht mehr effektiv behandelt werden können.

Diagnose & Verlauf

Bei einem Spinaltrauma treten in erster Linie Rückenschmerzen auf. Diese entstehen meist sehr plötzlich unmittelbar nach dem Unfall. Nun muss eine entsprechende Diagnose gestellt und festgestellt werden, ob es sich lediglich um eine Verdrehung der Wirbelsäule oder aber um einen Wirbelbruch handelt. Ertasten lässt sich ein Wirbelbruch dabei nicht zuverlässig, und ein Abtasten kann bei entsprechendem Verdacht sogar schaden; die Unterscheidung gelingt allein mit bildgebenden Verfahren.

Röntgenaufnahmen und Computertomographie geben Aufschluss darüber, um welche Art der Verletzung es sich handelt und wie diese am besten behandelt werden kann. Besteht der Verdacht auf eine Beteiligung des Rückenmarks, der Nervenwurzeln oder der Bänder, ist die Magnetresonanztomographie (MRT) das entscheidende Verfahren, weil sie diese Strukturen im Gegensatz zum Röntgenbild unmittelbar darstellt.

Wurde das Rückenmark nicht in Mitleidenschaft gezogen, können sich die Patienten meist bereits nach einigen Tagen wieder schmerzfrei bewegen. Wurde das Rückenmark allerdings beschädigt, nimmt das Ausheilen Wochen oder gar Monate in Anspruch. Ein geringer Teil der Patienten kann sich gar nicht mehr bewegen und bleibt querschnittsgelähmt.

Komplikationen

Eine Wirbelsäulenverletzung kann eine Reihe von Symptomen und Komplikationen hervorrufen – abhängig vom Ausmaß der Verletzung. Es kann zu harmlosen Verletzungen der Muskulatur kommen, doch auch ernste Wirbelkörperbrüche können auftreten. Tritt eine Fraktur der Wirbelkörper auf, können sich Bruchstücke der Knochen verschieben und Verletzungen an Nervenwurzeln und Rückenmark hervorrufen.

Schwere Wirbelsäulenverletzungen rufen in der Regel auch Bewegungsstörungen und andere neurologische Symptome hervor. So kann es zu Gefühlsstörungen wie Taubheit, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen im Bereich der Arme und Beine kommen. Ist das Rückenmark durchtrennt, kann eine Wirbelsäulenverletzung Kreislaufversagen, einen Kontrollverlust über Blase und Stuhlgang und andere Komplikationen nach sich ziehen. Unmittelbar nach einer schweren Rückenmarksverletzung kommt es dabei häufig zu einem spinalen Schock, bei dem alle Rückenmarksfunktionen unterhalb der Verletzung vorübergehend ausfallen; erst nach seinem Abklingen lässt sich das endgültige Ausmaß der Schädigung beurteilen.

Wird der Verletzte unsachgemäß transportiert, kann es zu einer Verschlimmerung der Verletzung kommen. Bei der operativen Behandlung besteht die Gefahr, dass das Rückenmark oder Nervenstränge im Bereich des Rückens verletzt werden. Zudem können Entzündungen auftreten.

Eine schlechte Wundheilung kann die Entstehung auffälliger Narben begünstigen. Werden bei dem Eingriff Nerven geschädigt, können bleibende Sensibilitätsstörungen zurückbleiben. Es besteht außerdem das Risiko, dass sich das eingebrachte Material lockert oder der versorgte Wirbelkörper erneut zusammensinkt und ein weiterer operativer Eingriff nötig wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Stellen sich nach einem Unfall, einem Sturz oder einer Gewalteinwirkung Schmerzen oder gesundheitliche Unregelmäßigkeiten im Bereich der Wirbelsäule ein, sollte ein Arzt alarmiert werden. In besonders akuten Fällen ist über den Notruf 112 ein Rettungsdienst zu kontaktieren. Bis zu dessen Ankunft sollten anwesende Personen Erste-Hilfe-Maßnahmen leisten, um den Gesundheitszustand des Betroffenen zu stabilisieren. Dabei gilt bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung die wichtigste Regel: Den Verletzten nicht bewegen. Er darf nicht aufgesetzt werden, nicht aufstehen und nicht zum Auto geführt werden, und ein Motorradhelm bleibt auf dem Kopf. Er wird flach und ruhig liegen gelassen, der Kopf möglichst nicht bewegt, der Verletzte zugedeckt und ansprechbar gehalten. Nur bei unmittelbarer Lebensgefahr, etwa durch Feuer, Wasser oder fehlende Atmung, wird er bewegt, und dann mit dem Rettungsgriff. Atmet der Verletzte nicht oder nicht normal, hat die Wiederbelebung Vorrang vor jeder Rücksicht auf die Wirbelsäule: Bei Erwachsenen wird 30-mal kräftig in der Mitte des Brustkorbs gedrückt und zweimal beatmet, im Wechsel bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes; bei Kindern beginnt man mit fünf Beatmungen. Die Leitstelle leitet dabei am Telefon an. Ist der Verletzte bewusstlos, atmet aber normal, wird er möglichst zu zweit und unter Erhalt der Körperachse in die stabile Seitenlage gebracht. Bei Lähmungen, Einschränkungen der Mobilität sowie einer Druckempfindlichkeit besteht Handlungsbedarf.

Können die gewohnten Bewegungsabläufe nicht mehr beschwerdefrei ausgeführt werden oder werden alle Bewegungen verzögert ausgeführt, müssen ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden. Schmerzen, Veränderungen des Hautbildes und eine plötzliche Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sind besorgniserregend. Ein Arzt wird benötigt, damit eine Klärung der ursächlichen Störung stattfinden kann. Insbesondere bei Beschwerden der Wirbelsäule ist schnellstmöglich ein Arztbesuch notwendig, damit Langzeitschäden oder Folgeerkrankungen möglichst vermieden werden.

Häufig können erlangte Schäden in dem Bereich langfristig nicht mehr vollständig korrigiert werden. Daher sollte auch bei leichten Unregelmäßigkeiten im Bereich des Rückens ein Arztbesuch für eine Kontrolle erfolgen. Auf diesem Weg werden mögliche Risiken begutachtet und eingeschätzt werden. Kann der Betroffene Bereiche seines Körpers gar nicht mehr bewegen und kommt es zu einer plötzlichen Inkontinenz, liegt eine Notfallsituation vor. In diesen Fällen muss unverzüglich gehandelt werden und ein Notarzt ist zu informieren.

Behandlung & Therapie

Da eine Wirbelsäulenverletzung meist durch einen Unfall hervorgerufen wird, ist eine entsprechende Erstbehandlung am Unfallort notwendig. Vor allem wenn der Patient Gefühlsstörungen oder gar Lähmungserscheinungen hat, sollte man ihn keinesfalls aufstehen lassen. In diesem Fall könnte das Rückenmark verletzt sein - eine falsche Bewegung kann eine vollständige Durchtrennung des Rückenmarks auslösen.

Auch der geeignete Transport ist entscheidend über den Verlauf der Krankheit beziehungsweise für die weiteren Heilungschancen. Über die anschließende Behandlung beziehungsweise Therapie entscheidet dann natürlich die Art des Spinaltraumas. In leichten Fällen, das heißt wenn keine Wirbel oder kein Rückenmark verletzt ist, genügt meist die sogenannte konservative Therapie.

Diese besteht in der Regel aus dem Ruhigstellen der Wirbelsäule und aus Kälteanwendungen in den ersten Tagen; Wärme ist erst nach Abklingen der akuten Phase angezeigt. Ist ein Wirbelknochen gebrochen, wird dieser operativ wieder gerichtet. Geschieht dies nicht, könnten einzelne Wirbelstücke in das Rückenmark gelangen und dieses durchtrennen. Um die Wirbel bestmöglich zu fixieren und zu stabilisieren, werden medizinische Nägel und Schrauben eingesetzt. Wurde das Rückenmark bereits bei dem Unfall vollständig durchtrennt, kann meist jedoch auch eine Operation nicht helfen und der Patient bleibt querschnittsgelähmt.

Im Anschluss an die Therapie eines Spinaltraumas erfolgt meist eine umfangreiche Rehabilitation. Diese zielt darauf ab, den Rücken und seine Muskulatur zu entspannen. Massagen und Rückenschule sind hier die optimalen Therapiemaßnahmen.


Vorbeugung

Vorbeugen kann man einem Spinaltrauma kaum, da dies meist die Folge eines Unfalls ist. Daher sollte man bei entsprechenden Sportarten Vorsicht walten lassen. Klettern oder Paragliding sind Sportarten, bei welchen eine Verletzung der Wirbelsäule besonders häufig vorkommt. Ein klassischer Unfallmechanismus für schwere Halswirbelverletzungen bei jungen Menschen ist zudem der Kopfsprung in flaches oder unbekanntes Gewässer. Im Handel erhältlich sind zudem sogenannte Wirbelsäulenprotektoren, die beispielsweise Motorradfahrer bei einem Unfall schützen sollen.

Die Wirbelsäule ist von ihrem Aufbau her sehr komplex beschaffen und somit eine besonders empfindsame Partie des Skeletts. Eine Verletzung der Wirbel kann zu bleibenden Schäden führen, die Beweglichkeit der betroffenen Knochen wird dabei eingeschränkt. Es besteht die Gefahr einer Wirbelversteifung. Ist das Rückenmark ebenfalls verletzt, führt dies zu Lähmungserscheinungen oder neurologischen Ausfällen.

Nachsorge

Die Verletzungen reichen von vergleichsweise glimpflich bis hin zu irreversibel. Die Nachsorge richtet sich nach dem Schweregrad des Spinaltraumas. Gerade nach einer Operation an der Wirbelsäule muss ein Arzt den Zustand des Patienten konsequent über einen längeren Zeitraum hinweg überwachen. Wirbelsäulenverletzungen erfordern in den meisten Fällen einen mehrwöchigen Aufenthalt in der Reha.

Eine Nachsorge bei einem Spinaltrauma ist unerlässlich, um einer dauerhaften Schädigung vorzubeugen oder die Schäden so gering wie möglich zu halten. Wie vollständig ein Spinaltrauma ausheilt, hängt vom Schweregrad ab: Die häufige Distorsion heilt in aller Regel folgenlos aus, während nach schweren Verletzungen mit Beteiligung von Wirbelkörpern oder Rückenmark bleibende Einschränkungen zurückbleiben können. Wurden verletzte Wirbel operativ versteift, lernt der Erkrankte bei der nachsorgenden Betreuung den Umgang mit der neuen Situation im alltäglichen Geschehen. Die Folgen einer Wirbelsäulenverletzung belasten den Betroffenen insbesondere am Anfang seiner Krankheitsgeschichte. Eine gleichzeitige psychologische Betreuung kann sich positiv auf seinen seelischen Zustand auswirken.

Das können Sie selbst tun

Eine Wirbelsäulenverletzung sollte zunächst von einem Arzt abgeklärt werden. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme ist Schonung. Ein Spinaltrauma deutet auf eine ernste Verletzung hin, die durch Sport nicht weiter verstärkt werden darf. Betroffene Personen sollten die sportliche Aktivität reduzieren, bis die Ursache für das Trauma ermittelt wurde. Im Zweifelsfall kann der Arzt eine geeignete Behandlung empfehlen.

Solange nicht geklärt ist, ob die Wirbelsäule stabil ist, gilt: keine eigenmächtigen Lockerungs- oder Dehnübungen, keine Massagen und keine manuellen Behandlungen am Rücken. Solche Maßnahmen können eine noch nicht erkannte instabile Verletzung verschlimmern. Wie ein Spinaltrauma im Detail behandelt werden muss, entscheidet der behandelnde Arzt. Gegebenenfalls müssen weitere Fachleute wie ein Physiotherapeut oder ein Sportmediziner hinzugezogen werden. Bewegungsübungen, Physiotherapie und entspannende Anwendungen beginnen erst nach der Diagnose und nach ärztlicher Anweisung.

Zur Linderung der Schmerzen kann in den ersten Tagen vorsichtig gekühlt werden, etwa mit einem Kühlakku, der stets in ein Tuch gewickelt wird und nie direkt auf die Haut kommt. Welche Schmerzmittel infrage kommen, wird mit dem Arzt besprochen. Die Ernährung muss bei einer Wirbelsäulenverletzung nicht unbedingt umgestellt werden. Allerdings sollte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden, damit der Körper schnell genesen kann.

Quellen

  • Reinhold, M., Eicker, S. O., Schleicher, P. (Hrsg.): Checkliste Wirbelsäule.
    ISBN: 9783132444287
  • Börm, W., Meyer, F., Bullmann, V., Knop, C. (Hrsg.): Wirbelsäule interdisziplinär.
    ISBN: 9783794530922
  • Moskopp, D., Wassmann, H. (Hrsg.): Neurochirurgie.
    ISBN: 9783132435797
  • Weigel, B., Nerlich, M. (Hrsg.): Praxisbuch Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783642107894
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
    ISBN: 9783662703977

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