Wunddrainage

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Wunddrainagen finden ihren Einsatz meist in der postoperativen Wundversorgung. Auch als zusätzliche Hilfe bei der Pflege chronischer Wunden sind sie hilfreich. Eine Wunddrainage lässt Blut und Wundsekret abfließen; Saugdrainagen ziehen dabei zusätzlich die Wundflächen zusammen. So kann der Heilungsprozess wesentlich unterstützt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Wunddrainage?

Wunddrainage
Eine Wunddrainage lässt Blut und Wundsekret abfließen; Saugdrainagen ziehen dabei zusätzlich die Wundflächen zusammen. So kann der Heilungsprozess wesentlich unterstützt werden.

Der Begriff Drainage kommt vom englischen to drain, was direkt übersetzt "ableiten" bedeutet und indirekt mit "trockenlegen" umschrieben werden kann. Bei der Wundversorgung und beim Wundheilungsprozess erklärt sich damit die Wirkungsweise dieser Behandlungsart fast schon von selbst.

Per se bedeutet dies: Für den Organismus Abträgliches wird abgeleitet, damit dem Heilungsprozess Zuträgliches zur Wirkung kommen kann. Infektionen und Hämatombildungen sollen vermieden werden, die Wundheilung kann überwacht und Komplikationen können früh erkannt werden.

Der Grund für eine Drainage liegt in einem Nebeneffekt jeder größeren Verletzung und jeder Operation: Zwischen den durchtrennten Gewebeschichten bleibt ein Hohlraum zurück, in den Blut und Wundflüssigkeit austreten. Solange diese Flüssigkeit die Wundflächen auseinanderdrückt, können sie nicht aneinander anwachsen; zugleich ist ein abgeschlossener Flüssigkeitsverhalt ein günstiger Nährboden für Keime. Eine Drainage schafft für diese Flüssigkeit einen Weg nach außen, bevor sie sich in nennenswerter Menge sammelt.

Sprachlich wird zwischen der Drainage als Verfahren und dem Drain als Gegenstand unterschieden, auch wenn beide Wörter im Alltag oft gleichbedeutend gebraucht werden. Der Drain ist der Schlauch, das Röhrchen oder der Streifen, der in der Wunde liegt; die Drainage ist die Ableitung insgesamt, einschließlich Auffanggefäß, Fixierung und Überwachung. Die Auskunft, ein Patient habe „eine Drainage“, meint in der Regel das gesamte System.

Nicht jede Wunde erhält eine Drainage. Ob eine gelegt wird, entscheidet sich danach, wie groß der zu erwartende Hohlraum ist, wie viel Sekret zu erwarten ist, wie gut das Gebiet durchblutet ist und welche Folgen ein unbemerkter Verhalt an dieser Stelle hätte. Bei einem ausgedehnten Weichteileingriff mit großem Wundhohlraum liegt der Nutzen näher als bei einem kleinen, oberflächlichen Schnitt, dessen Ränder ohnehin unmittelbar aufeinanderliegen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Es gibt mehrere Arten von Wunddrainagen, sie unterscheiden sich im Wesentlichen darin, ob es sich um aktive oder passive Drainagen handelt. Unterschieden wird außerdem zwischen offenen Systemen, bei denen das Sekret frei in einen Verband abläuft, und geschlossenen Systemen, die über einen Schlauch in ein abgedichtetes Auffanggefäß führen und das Risiko einer Keimbesiedlung senken. Ihr Einsatz ist abhängig von der Art der Wunde und vom Ziel des eigentlichen Wundmanagements. Gerade bei der postoperativen Wundversorgung oder Organdrainagen wie der Thoraxdrainage kommt meist ein Schlauchsystem zum Einsatz, dieses besteht aus hygienischem Kunststoff.

Bei der postoperativen Versorgung ist der Verbleib des Drains in der Wunde nur kurzfristig; die Drainage wird zeitnah wieder entfernt. Soll eine chronische Wunde behandelt werden, wird oft mit Adhäsionsdrainagen gearbeitet. Hier sei zum Beispiel das Druckgeschwür (Dekubitus) genannt, ein Problem gerade in der Altenpflege oder bei bettlägerigen Patienten. Erklärtes Ziel hierbei ist es, dem Heilungsverlauf genügend Zeit zur Schließung vom Zentrum der Wunde nach außen hin zu geben. Dabei soll überschüssiges Sekret abgeleitet werden, damit sich keine Keimherde bilden. Diese Art der Drainage muss unter Beachtung absoluter hygienischer Standards regelmäßig gewechselt werden und bedarf meist eines längeren Einsatzes. Bei chronischen Wunden gilt heute allerdings die feuchte Wundbehandlung als Standard; trockene Gazetamponaden werden nur noch zurückhaltend eingesetzt.

Aktive und passive Drainagen unterscheiden sich in der Kraft, die das Sekret nach außen befördert. Passive Drainagen kommen ohne Sog aus und nutzen entweder das Gefälle oder die Saugfähigkeit des Materials; sie belasten das Gewebe kaum, arbeiten aber langsam und nur so lange, wie das Sekret von selbst nachfließt. Aktive Drainagen erzeugen einen Unterdruck und ziehen die Flüssigkeit auch dann heraus, wenn sie sonst liegen bliebe; sie leeren den Wundhohlraum zuverlässiger, üben dafür aber einen dauerhaften Zug auf das umliegende Gewebe aus, der an empfindlichen Stellen unerwünscht ist. In der freien Bauchhöhle wird deshalb auf stark saugende Systeme verzichtet, weil sie Darmwand oder Bauchnetz ansaugen können.

Bei der Lage im Körper ist zwischen der Wunddrainage im engeren Sinn und den Organdrainagen zu unterscheiden. Die Wunddrainage liegt in dem Hohlraum, den der Eingriff hinterlassen hat. Organdrainagen leiten dagegen aus einer vorgegebenen Körperhöhle oder einem Hohlorgan ab: die Thoraxdrainage aus dem Spalt zwischen Lunge und Brustkorbwand, andere Formen aus dem Gallengang oder dem Nierenbecken. Ihre Handhabung folgt eigenen Regeln, und der Begriff Wunddrainage wird für sie nur ungenau gebraucht.

Kommt ein Drainageschlauch zum Einsatz, wird das eine Ende eines sogenannten Drain (Schlauch, Röhrchen) direkt in die Wunde eingelegt, um einen konstanten Kontakt mit der Sekretbildung zu garantieren. Das andere Ende wird einige Zentimeter von der Wunde entfernt über eine eigene kleine Hautinzision nach außen geleitet, was während des Setzens der Naht zeitgleich durchgeführt wird. Diese Art der Wundversorgung ist verbunden mit einem am Körper fixierten Beutel oder einem vom Körper entfernten, festen Behältnis. Eine weitere Möglichkeit ist das Einlegen eines saugfähigen Materials, wie zum Beispiel einer Tamponade aus Gaze. Diese Methode folgt jedoch einem anderen Prinzip. Erklärtes Ziel ist bei allen Arten der Wunddrainage, das Wundsekret oder Blut effizient von der Wunde abzuleiten. So sollen Kontaminationen mit Keimen und in der Folge gefährliche Wundinfektionen vermieden werden.

Beim Wundmanagement kommen also unterschiedliche Methoden der Wunddrainage zum Einsatz. Sie basieren jeweils auf verschiedenen physikalischen Wirkungsweisen. So kann zum Beispiel mittels Schwerkraft das Wundsekret, welches sich am tiefsten Punkt der Wunde sammelt, in ein entsprechend noch tiefer angebrachtes Behältnis geleitet werden. Diese Art kommt meist bei großen Wunden mit entsprechend großer Naht zum Einsatz. Eine weitere Möglichkeit der Ableitung findet sich in der Adhäsionskraft (Anziehungskraft); hier wird die Körperflüssigkeit von Gaze oder anderen Stoffen an- und aufgesogen und kann danach mit der Drainage entfernt werden. Inzwischen kommen bei dieser Art der Drainage entsprechend ausgelegte Schaumstoffe zum Einsatz. Sie bestehen meist aus Polyurethan.

Dieses Material entspricht dem heutigen Hygiene-Standard weitaus mehr, da der Nährboden für schädliche Keime weniger gegeben ist. Eine weitere physikalische Kraft wird bei der Saugdrainage genutzt. Dabei handelt es sich um eine geschlossene Drainage. Hier wird der Drainageschlauch mit einem Beutel oder Auffanggefäß verbunden, welches unter Unterdruck steht. Es wird ein konstanter Sog erzeugt; so können Blut und Wundsekret abgesaugt werden. Die klassische Form ist die Redon-Drainage mit einer Vakuumflasche; bei großen, infizierten oder schlecht heilenden Wunden wird heute die Unterdruck-Wundtherapie (Vakuumversiegelung) mit einer elektrischen Pumpe eingesetzt. Ein kontinuierlich extern erzeugter Unterdruck wird hier meist gegenüber sogenannten Vakuumflaschen bevorzugt; denn je nach Füllgrad der Behältnisse kann hier der Sog an Intensität verlieren.

Wird er hingegen durch manuell oder elektrisch betriebene Pumpen erzeugt, zum Beispiel durch einen Faltenbalg, ist ein konstanter Sog gewährleistet. Es wird zwischen kontrollierten und unkontrollierten Saugleistungen unterschieden. Bei einigen Wunden, speziell solchen, welche schon von Infektionen befallen sind, wird ein erweitertes Schlauchsystem verwendet. Dabei wird durch den ersten Drain eine Spülflüssigkeit in die Wunde eingebracht und durch den anderen Schlauch wieder ausgeleitet. An den Schläuchen befinden sich Perforationen, bei der Spülflüssigkeit handelt es sich meist um sogenannte Ringerlösung.

Für alle Schlauchdrainagen gilt: Das Material des Drains bestimmt mit, wie gut er vertragen wird. Verwendet werden weiche Kunststoffe, die sich der Form des Wundgebiets anpassen und wenig Gewebereaktion auslösen; steifere Materialien halten ihr Lumen besser offen, reizen dafür stärker. Der Durchmesser wird wie bei anderen medizinischen Schläuchen in Charrière angegeben und richtet sich danach, wie viel Sekret erwartet wird und wie zähflüssig es voraussichtlich ist – ein zu enger Schlauch verstopft, ein zu weiter verletzt das Gewebe unnötig und hinterlässt eine größere Austrittsstelle. Am inneren Ende trägt der Schlauch mehrere Öffnungen, damit er auch dann noch ableitet, wenn ein Teil von ihnen am Gewebe anliegt oder verlegt ist.

An der Durchtrittsstelle durch die Haut wird die Drainage mit einer Naht oder einem Halteplättchen fixiert. Diese Fixierung ist kein Nebendetail: Rutscht der Schlauch nach innen, lässt er sich nicht mehr steril zurückziehen; rutscht er nach außen, liegen die Öffnungen unter der Haut statt im Wundhohlraum, und die Ableitung endet unbemerkt. Zusammen mit dem Verband hält die Fixierung außerdem den Zug vom Schlauch fern, den jede Bewegung des Patienten sonst auf ihn ausüben würde.

Unabhängig vom Verfahren gehört zur Drainage die laufende Beobachtung. Festgehalten werden Menge, Farbe und Beschaffenheit des abgeleiteten Sekrets, weil sich daraus der Heilungsverlauf ablesen lässt. Unmittelbar nach dem Eingriff ist das Sekret meist blutig, hellt sich über eine blutig-seröse Phase zu einer klaren, gelblichen Flüssigkeit auf und wird zugleich weniger. Weicht der Verlauf davon ab, ist das ein Warnzeichen: Eine plötzlich stark ansteigende, hellrote Fördermenge spricht für eine Nachblutung, ein trübes oder übel riechendes Sekret für eine Infektion, und eine Menge, die abrupt auf null fällt, eher für eine verstopfte oder verrutschte Drainage als für eine trockene Wunde.

Der Zeitpunkt der Entfernung richtet sich deshalb vor allem nach dieser Fördermenge und nicht nach einer festen Liegedauer. Weil das Infektionsrisiko mit jedem Tag steigt, an dem der Schlauch eine Verbindung zwischen Wundhöhle und Außenwelt bildet, wird eine Drainage im Zweifel eher früher als später gezogen. Für den Patienten ist das Ziehen ein kurzer Vorgang, der als unangenehmes Ziehen empfunden wird; wo damit zu rechnen ist, kann vorher ein Schmerzmittel gegeben werden. Die Austrittsstelle wird anschließend steril verbunden und heilt in der Regel als kleine Narbe neben der eigentlichen Wunde ab.

Für den Alltag im Krankenhaus bedeutet eine liegende Drainage vor allem, dass Schlauch und Auffanggefäß bei jeder Bewegung mitgeführt werden müssen. Das Gefäß darf nicht über das Niveau der Wunde angehoben werden, wenn es ohne Rückschlagventil arbeitet, und der Schlauch darf weder abknicken noch unter Zug geraten. Die frühe Mobilisierung nach einer Operation ist mit einer Drainage möglich, wird durch sie aber erschwert – einer der Gründe, warum Konzepte zur beschleunigten Erholung nach Operationen möglichst auf Drainagen verzichten.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Wunddrainagen und deren Einsatz können jedoch auch Risiken bergen. Die Meinungen über das Für- und Wider ihres Einsatzes gehen inzwischen auseinander. Wurde früher bei fast jeder Operation das Legen einer Drainage propagiert, werden heute inzwischen die Risiken gegenüber den Vorteilen diskutiert. Einige Studien sollen inzwischen belegen, dass eine Förderung der Wundheilung nicht direkt bewiesen werden kann. Nach heutigem Kenntnisstand wird die routinemäßige Drainage nach vielen Operationen daher nicht mehr empfohlen; sie wird gezielt nur noch bei entsprechender Indikation gelegt. Auch für unerwünschte Komplikationen können Drainagen verantwortlich sein.

Wunddrainagen sind zwar Pforten zur Ableitung krankhafter Körperflüssigkeiten, können jedoch auf gleichem Wege Zugang von infektiösen Keimen hin zur Wunde fördern. Dies wiederum führt im schlimmsten Falle zu gefährlichen Wundinfektionen. Auch kann der Körper auf das Drainagesystem mit Abwehr reagieren, da es als Fremdkörper erkannt wird. Verbleiben Drainagen über einen längeren Zeitraum im Körper, kann es zudem zu Verwachsungen kommen. Blutungen können entstehen, Druckprobleme durch die Lage des Schlauches oder Komplikationen durch ein Abknicken durch den Patienten selbst können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Wie belastbar der Nutzen ist, hat sich für einzelne Eingriffe gut untersuchen lassen. Für orthopädische Operationen fasste ein Cochrane-Review 2007 sechsunddreißig randomisierte Studien mit 5464 Patienten und 5697 Wunden zusammen, darunter Hüft- und Kniegelenkersatz, Schulter- und Wirbelsäuleneingriffe sowie die Versorgung von Brüchen. Zwischen den Gruppen mit und ohne Saugdrainage fand sich kein Unterschied bei Wundinfektionen, bei Blutansammlungen im Wundgebiet, beim Auseinanderweichen der Wunde oder bei der Zahl der Zweiteingriffe. Wer eine Drainage erhalten hatte, benötigte häufiger eine Bluttransfusion; ohne Drainage mussten Verbände häufiger verstärkt werden und es traten häufiger sichtbare Blutergüsse auf. Die Autoren sahen die routinemäßige Anwendung damit als nicht belegt an.

Ein ähnliches Bild ergab sich für Eingriffe an der Schilddrüse. Ein Cochrane-Review desselben Jahres wertete dreizehn Studien mit 1646 Patienten aus und fand keinen Unterschied bei Zweiteingriffen, bei Atemnot oder bei Wundinfektionen; der Krankenhausaufenthalt war mit Drainage sogar rund einen Tag länger. Das ist bemerkenswert, weil die Sorge vor einer Nachblutung gerade an dieser Stelle naheliegt und lange als Begründung für die Drainage galt.

Aus solchen Ergebnissen folgt nicht, dass Drainagen entbehrlich wären; sie erklären aber, warum die Entscheidung heute für jeden Eingriff einzeln getroffen wird. Wo eine Drainage gelegt wird, entscheidet über den Nutzen weniger das Vorhandensein des Schlauchs als die Sorgfalt bei Pflege, Überwachung und rechtzeitiger Entfernung.

Ein eigenes Problem entsteht nach dem Ziehen. Bildet sich in dem verbliebenen Hohlraum erneut Flüssigkeit, kann ein Serom entstehen, das punktiert werden muss. Die Drainage verschiebt diese Möglichkeit also nach hinten, sie schließt sie nicht aus – einer der Gründe, warum sich das Problem nicht dadurch lösen lässt, dass man den Schlauch länger liegen lässt.

Quellen

  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
    ISBN: 9783437278877
  • Dissemond, J., Kröger, K. (Hrsg.): Chronische Wunden.
    ISBN: 9783437256424
  • Pommer, A., Zirngibl, H., Hasenberg, T. (Hrsg.): Klinikleitfaden Allgemeinchirurgie Viszeralchirurgie.
    ISBN: 9783437211492
  • Kramer, A., Assadian, O., Exner, M. (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene.
    ISBN: 9783437223136

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