Thoraxdrainage

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter bestimmten Umständen sammeln sich Flüssigkeiten oder Gase im Körper an, welche die Gesundheit gefährden können. Bei diesen handelt es sich zum Beispiel um Blut oder Luft, die durch Unfälle, Operationen oder aufgrund einer Erkrankung Ansammlungen bilden. Eine Thoraxdrainage leitet die Substanzen nach außen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Thoraxdrainage?

Thoraxdrainage
Eine Drainage stellt einen Schlauch dar, der eine Verbindung zwischen der Flüssigkeitsansammlung und einem Auffangbehälter herstellt. Die Thoraxdrainage kommt nur bei Beschwerden im Bereich des Brustkorbs zum Einsatz.

Eine Drainage stellt einen Schlauch dar, der eine Verbindung zwischen der Flüssigkeitsansammlung und einem Auffangbehälter herstellt. Während Drainagen prinzipiell beinahe im gesamten Körper gelegt werden können, kommt die Thoraxdrainage nur bei Beschwerden im Bereich des Brustkorbs zum Einsatz. Generell umfasst der Begriff eine größere Anzahl an Maßnahmen zur Ableitung von Flüssigkeiten.

Häufiger bezeichnet das Wort Thoraxdrainage jedoch ausschließlich die Pleuradrainage. Hier wird ein Schlauch zwischen Lungenfell und Rippenfell platziert. Bei genauerer Betrachtung befindet sich das medizinische Material im Pleuraspalt, woher auch sein Name rührt. Unter bestimmten Umständen ist die Ableitung von Flüssigkeiten ebenfalls im Raum zwischen den Lungenflügeln notwendig.

In diesem Bereich befinden sich wichtige Organe wie zum Beispiel Herz, Luft- und Speiseröhre. Die Region zwischen den Lungenflügeln wird als Mediastinum bezeichnet, der medizinische Name des Herzbeutels lautet Perikard. Abhängig von ihrer Lage kann die Thoraxdrainage somit verschiedene Begriffe annehmen: Mediastinaldrainage, Perikarddrainage oder Pleuradrainage.

Für die Pleuradrainage sind zwei Zugangswege gebräuchlich. Bei der Bülau-Drainage wird der Schlauch seitlich im vierten oder fünften Zwischenrippenraum zwischen vorderer und mittlerer Achsellinie eingelegt; sie eignet sich für Luft ebenso wie für Flüssigkeit und ist heute der Regelzugang. Die Monaldi-Drainage verläuft vorn im zweiten oder dritten Zwischenrippenraum in Höhe der Schlüsselbeinmitte und dient vor allem der Ableitung von Luft. In beiden Fällen wird der Schlauch am Oberrand der unteren Rippe eingeführt.

Verständlich wird das Verfahren erst über den Zustand, den es wiederherstellt. Zwischen Lungenfell und Rippenfell liegt im gesunden Zustand kein Hohlraum, sondern nur ein feiner Flüssigkeitsfilm, der die beiden Blätter aneinander haften und zugleich gegeneinander gleiten lässt. In diesem Spalt herrscht ein Unterdruck; er ist der Grund dafür, dass die Lunge der Bewegung des Brustkorbs folgt, statt sich auf ihre eigene Größe zusammenzuziehen. Gelangen Luft oder Flüssigkeit in den Spalt, geht der Unterdruck verloren, und die Lunge fällt ganz oder teilweise in sich zusammen. Die Thoraxdrainage stellt den Unterdruck wieder her, indem sie das Eingedrungene nach außen ableitet.

Damit das gelingt, darf über den Schlauch keine Luft von außen zurückströmen. Dafür sorgt ein Ventilmechanismus, klassisch das sogenannte Wasserschloss: Das Schlauchende taucht im Auffangsystem in eine Flüssigkeit ein, so dass Luft aus dem Brustkorb entweichen, aber keine zurückgesaugt werden kann. Herkömmliche Systeme bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Kammern – einer für das Sekret, einer für das Wasserschloss und einer für die Einstellung des Sogs. Neuere Systeme messen und regeln den Sog elektronisch und zeigen den Luftfluss als Zahlenwert an, was die Entscheidung erleichtert, wann die Drainage entfernt werden kann. Ob überhaupt ein Sog angelegt wird oder ob die Ableitung allein über Schwerkraft und Atmung erfolgt, hängt vom Befund ab.

Auch die Schläuche selbst unterscheiden sich. Für Luft und dünnflüssige Ergüsse reichen dünne Katheter aus, die über eine Punktionsnadel und einen Führungsdraht eingebracht werden. Zähes Sekret, Eiter und geronnenes Blut verlangen dagegen weitlumigere Schläuche, die durch einen kleinen Hautschnitt eingelegt werden, weil dünne Katheter dabei verstopfen. Die Wahl richtet sich also nicht nach dem geringstmöglichen Eingriff, sondern danach, was abgeleitet werden soll.

Funktion, Wirkung & Ziele

Sobald sich bestimmte Substanzen wie Blut, Luft oder Eiter im Pleuraspalt ansammeln, wird eine Thoraxdrainage notwendig. Ansonsten kann sich die Lunge nicht mehr ausreichend entfalten, woraus zum Beispiel schwere Luftnot resultieren kann. Bei einer größeren Menge an Flüssigkeiten können zudem die Arterien und Venen im Brustkorb zusammengedrückt werden. Eine schlechte Blutversorgung hat weitere medizinische Konsequenzen, weil die roten Blutkörperchen Träger des Sauerstoffs sind, den sämtliche Strukturen im menschlichen Organismus zum Arbeiten benötigen.

Durch die Ansammlung von Flüssigkeiten erhöht sich der Druck. Eine solche Situation ist lebensgefährlich, lässt sich durch eine Thoraxdrainage jedoch vermeiden. Die Ziele einer solchen Behandlung sind es somit, sämtliche Substanzen aus dem Brustkorb zu leiten, welche die Gesundheit gefährden. Weiterhin soll auf diese Weise der entstehende Druck gesenkt oder in geplanten Situationen wie einer Operation von vornherein verhindert werden. Dabei gibt es bestimmte Krankheiten, in denen eine Thoraxdrainage notwendig ist. Zu diesen gehören beispielsweise Pneumothorax und Spannungspneumothorax. Aufgrund einer Rippenverletzung oder im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs, der einen geöffneten Brustkorb verlangt, kann Luft in den Pleuraraum eindringen. Ausgangspunkt ist meist eine Verletzung der Lunge oder der Brustwand. Ein Pneumothorax kann aber auch ohne äußere Verletzung auftreten, etwa wenn bei jüngeren, schlanken Menschen kleine Blasen an der Lungenoberfläche platzen (Spontanpneumothorax). Der Zustand macht sich durch Luftnot, Schmerzen und Herzrasen bemerkbar.

Sobald während des Einatmens Luft in den Pleuraraum gelangt, diese bei dem Ausatmen jedoch nicht nach außen entweichen kann, entwickelt sich unter Umständen eine lebensbedrohliche Situation. So wird der Ausgleich zum Beispiel durch Gewebe behindert, welches sich vor die Verletzung verlagert hat. Der Druck kann auf diese Weise uneingeschränkt ansteigen, so dass das Herz seine Funktion nicht mehr wahrnimmt. Beim Spannungspneumothorax zählt daher jede Minute: Der Überdruck wird sofort entlastet, im Notfall durch das Einstechen einer großlumigen Kanüle in den Brustkorb, und zwar noch bevor ein Röntgenbild angefertigt wird. Die eigentliche Thoraxdrainage folgt unmittelbar danach. Beim Hämatothorax handelt es sich bei der Flüssigkeitsansammlung um Blut. Dieses dringt durch Verletzungen der Blutgefäße in den Pleuraspalt. So können Unfälle oder Lungenkrebs das Einreißen der Adern verursachen.

Es kommt nicht nur zu Schmerzen und Luftnot, wenn der Zustand länger anhält, steigt zudem der Blutverlust. Die schnelle Anwendung einer Thoraxdrainage kann das Leben des Patienten retten. In sehr schwerwiegenden Fällen kann jedoch zusätzlich eine Operation notwendig werden. Im Rahmen eines Pleuraempyems findet der Arzt Eiter im Pleuraspalt vor. Dieser gelangt unter anderem über Infektionen in den Brustkorb, welche sich nach einer Operation oder Lungenentzündung entwickelt haben. Hier wird eine Thoraxdrainage zum einen zur Ableitung der Flüssigkeit genutzt. Zum anderen hilft das Ausspülen des Brustkorbs mit einer Kochsalzlösung über die Drainage dabei, die Entzündung unter Kontrolle zu bringen.

Neben diesen Notfallsituationen wird eine Thoraxdrainage auch planbar eingesetzt. Nach Operationen am Brustkorb gehört sie zum Regelvorgehen, weil dort mit Wundsekret und mit Luft aus dem Lungengewebe zu rechnen ist. Bei einem wiederkehrenden Erguss, wie er im Rahmen von Tumorerkrankungen auftreten kann, dient sie zunächst der Entlastung; anschließend lässt sich über denselben Schlauch ein Mittel einbringen, das die beiden Pleurablätter miteinander verklebt, so dass sich kein neuer Erguss mehr bilden kann. Ein Sonderfall ist der Chylothorax, bei dem Lymphflüssigkeit aus dem Brustlymphgang in den Pleuraspalt gelangt.

Wie eine Drainage gelegt wird, hängt davon ab, wie viel Zeit bleibt. Im geplanten Fall wird der Patient aufgeklärt, die Gerinnungswerte werden geprüft, die Lage der Flüssigkeit wird mit Ultraschall oder Röntgenbild bestimmt und die Einstichstelle markiert. Der Patient liegt auf dem Rücken, der Arm der betroffenen Seite wird über oder hinter den Kopf gelegt, damit sich die Zwischenrippenräume weiten. Nach Desinfektion und sterilem Abdecken wird örtlich betäubt, dabei auch die besonders schmerzempfindliche Rippenhaut. Es folgt ein kleiner Hautschnitt; das darunterliegende Gewebe wird mit einer Klemme und mit dem Finger stumpf bis zum Pleuraspalt gebahnt, statt mit einem spitzen Instrument durchstoßen zu werden. Erst dann wird der Schlauch eingelegt, mit einer Naht an der Haut befestigt, verbunden und an das Auffangsystem angeschlossen. Eine Röntgenaufnahme im Anschluss zeigt, ob er richtig liegt und ob sich die Lunge entfaltet hat.

Danach beginnt die Überwachung. Dass die Drainage durchgängig ist, lässt sich daran erkennen, dass die Flüssigkeitssäule im Schlauch mit der Atmung schwingt; Luftblasen im Wasserschloss zeigen an, dass weiterhin Luft aus dem Brustkorb entweicht. Menge und Aussehen des abgeleiteten Sekrets werden festgehalten, weil eine plötzliche Zunahme oder eine Farbänderung auf eine neue Blutung oder eine Infektion hinweisen kann. Trotz der Drainage wird der Patient zum Aufstehen und zur Atemgymnastik angehalten, weil eine flache Schonatmung die Entfaltung der Lunge behindert. Entfernt wird der Schlauch, wenn keine Luft mehr entweicht, die Sekretmenge gering ist und die Lunge auf dem Röntgenbild anliegt; gezogen wird er in einem Atemmanöver, bei dem der Druck im Brustkorb erhöht ist, damit keine Luft nachströmt, und die Öffnung wird sofort verschlossen.

Für den Patienten ist das Legen einer Drainage im wachen Zustand vor allem eine Frage der Betäubung. Der Hautschnitt selbst ist unter örtlicher Betäubung nicht schmerzhaft; als unangenehm wird meist der Moment beschrieben, in dem das Gewebe zwischen den Rippen gebahnt wird, weil sich das Betäubungsmittel dort nicht vollständig verteilt. Ein Druck- oder Ziehgefühl in der Brust bleibt oft bestehen, solange der Schlauch liegt. Wird die Drainage im Rahmen einer Operation eingelegt, bekommt der Patient davon nichts mit; sie ist dann bereits vorhanden, wenn er aus der Narkose erwacht.

Wie lange eine Drainage liegt, hängt vom Befund ab und reicht von einem Tag bis zu mehreren Wochen. In dieser Zeit ist Bewegung möglich und erwünscht; das Auffangsystem wird dabei unterhalb der Einstichstelle mitgeführt, damit nichts zurückläuft. Nach dem Ziehen bleibt eine kleine Narbe zurück. Ob und wann körperliche Belastung, Sport oder Flugreisen wieder möglich sind, richtet sich dann nicht mehr nach der Drainage, sondern nach der Erkrankung, die zu ihr geführt hat.

Seltener als die Pleuradrainage sind die beiden anderen eingangs genannten Formen. Eine Mediastinaldrainage wird fast ausschließlich im Anschluss an Operationen im Raum zwischen den Lungenflügeln eingelegt. Eine Perikarddrainage kommt dann in Betracht, wenn sich Flüssigkeit im Herzbeutel ansammelt und die Füllung des Herzens behindert; sie wird meist unter Ultraschallsicht punktiert und leitet die Flüssigkeit aus dem Beutel ab, in dem das Herz liegt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Vorteile der Thoraxdrainage sind nicht zu übersehen. In bestimmten Situationen ist das Verfahren durchaus dazu in der Lage, das Leben des Patienten zu retten. Dennoch ist eine Thoraxdrainage nicht ganz risikofrei. Damit der Schlauch richtig positioniert werden kann, müssen Rippenmuskulatur und Pleura geöffnet werden. Der untere Rand einer jeden Rippe wird durch den Verlauf einer Arterie, Vene sowie eines Nervs begleitet. Die Strukturen können durch eine Thoraxdrainage verletzt werden, insbesondere wenn diese unter Zeitdruck gelegt werden muss.

Aus einer Verletzung resultieren zum Beispiel Blutungen und in schwerwiegenderen Fällen Missempfindungen, die in Taubheit resultieren, sobald ein Nerv in seiner Funktion eingeschränkt wird. Weiterhin lässt sich nicht ausschließen, dass der Schlauch während des Einführens umliegende Strukturen des Körpers verletzt. Weil es sich bei diesen um wichtige Organe wie Herz, Hauptschlagader und Luftröhre handelt, können die Konsequenzen schwerwiegend sein. Werden beim Legen der Drainage innere Organe verletzt, kann eine notfallmäßige Operation erforderlich werden. Ein weiteres Risiko ist die Wunde, welche aufgrund der Thoraxdrainage zustande kommt. Hier können sich Bakterien oder andere Erreger ansammeln und zu Infektionen führen.

Sobald sich Rötungen oder Schwellungen im Bereich der Einstichstelle bemerkbar machen, sollte ein Arzt auf die Veränderung aufmerksam gemacht werden. Dasselbe gilt für eine plötzlich größere Absonderung von Flüssigkeiten. Diese können auf eine weitere Blutung hinweisen und sollten durch einen Arzt kontrolliert werden. Somit handelt es sich bei einer Thoraxdrainage nicht ausschließlich um ein nutzbringendes Verfahren. Dennoch überwiegen die Vorteile in einer lebensbedrohlichen Situation normalerweise die möglichen Nachteile.

Ein Teil der Risiken hängt unmittelbar an der Wahl der Einstichstelle. Zu weit unten gesetzt, kann der Zugang unterhalb des Zwerchfells enden und Leber oder Milz verletzen; das ist der Grund, weshalb die Drainage in einem klar umgrenzten Bereich der seitlichen Brustwand angelegt wird, in dem die Rippen gut zu tasten sind und weder große Gefäße noch Bauchorgane in der Nähe liegen. Zu weit hinten oder zu tief geführt, kann der Schlauch in einen Lungenspalt geraten oder in das Lungengewebe selbst. Auch eine Lage im Unterhautfettgewebe kommt vor: Der Schlauch fördert dann nichts, und das eigentliche Problem bleibt unbehandelt, obwohl die Drainage scheinbar liegt.

Weitere Schwierigkeiten entstehen erst im Verlauf. Der Schlauch kann abknicken, sich mit Blutgerinnseln oder zähem Eiter zusetzen oder unbeabsichtigt herausrutschen; das Auffangsystem kann sich lösen oder umkippen. Je länger eine Drainage liegt, desto größer wird zudem die Gefahr, dass Keime entlang des Schlauchs in den Pleuraspalt einwandern. Wird ein sehr großer Erguss in kurzer Zeit abgelassen, kann sich die zuvor zusammengedrückte Lunge zu schnell wieder entfalten und Flüssigkeit in das Lungengewebe einlagern – ein seltener, aber gefährlicher Zustand, der sich mit Husten und zunehmender Luftnot ankündigt. Bei großen Ergüssen wird deshalb schrittweise abgelassen und der Patient dabei beobachtet.

Nicht zu unterschätzen ist schließlich der Schmerz. Die Drainage liegt zwischen den Rippen und bewegt sich mit jedem Atemzug; das ist auch bei richtiger Lage unangenehm und führt dazu, dass Betroffene flacher atmen und weniger husten – gerade das aber begünstigt, dass sich Sekret in der Lunge staut und sich eine Lungenentzündung entwickelt. Eine ausreichende Schmerzbehandlung ist deshalb nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, sondern Teil der Behandlung selbst.

Quellen

  • Hoffmann, H., Ludwig, C., Passlick, B. (Hrsg.): Thoraxchirurgie.
    ISBN: 9783662591451
  • Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662686997
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
    ISBN: 9783662703977
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Michels, G., Kochanek, M. (Hrsg.): Repetitorium Internistische Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662531815

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