Zenker-Divertikel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter einem Zenker-Divertikel wird eine Aussackung am Schlund verstanden. Es kann Schluckbeschwerden hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Zenker-Divertikel?

Zenker Divertikel
Schläft der Patient, kann ein Rückfluss der Speisereste eintreten. Gefahr besteht, wenn diese bis ins Atemsystem vordringen, weil sie mitunter eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen.
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Das Zenker-Divertikel wird zu den Ösophagusdivertikeln gerechnet, obwohl es am Schlund (Hypopharynx) und nicht direkt in der Speiseröhre (Ösophagus) angesiedelt ist. Außerdem gilt das Zenker-Divertikel als Pseudodivertikel (falsches Divertikel). Aufgrund seiner Lage wird es auch zu den Grenzdivertikeln gezählt.

Die erste Beschreibung des Zenker-Divertikels fand im Jahr 1764 durch Abraham Ludlow statt. Als Namensgeber der Aussackung fungierte der deutsche Mediziner Friedrich Albert von Zenker (1825-1898). Besonders betroffen von einem Zenker-Divertikel sind ältere Männer.

Ursachen

Verursacht wird das Zenker-Divertikel durch eine Funktionsstörung am oberen Schließmuskel des Ösophagus. Erfolgt eine korrekte Öffnung und Schließung des Muskels, kann der Speisebrei problemlos vom Rachen aus in die Speiseröhre gelangen. Liegt jedoch ein Zenker-Divertikel vor, kommt es zu einem vorzeitigen Verschluss des Muskels beim Schluckvorgang, was einen Druckstau im unteren Rachenbereich hervorrufen kann, wenn es sich um größere Nahrungsstücke handelt.

Außerdem liegt an der Rachenmuskulatur beim Übergang zur Muskulatur der Speiseröhre eine natürliche Schwachstelle vor. Grund dafür ist der unterschiedliche Verlauf der Muskelfasern. So entsteht durch diese ein muskelschwaches Dreieck, das von Medizinern als Kilian-Muskellücke bezeichnet wird. Entsteht beim Schluckvorgang größerer Druck, wird die Schleimhaut durch diese Lücke gepresst, was eine Ausstülpung in die äußere Richtung nach sich zieht.

Weil das Zenker-Divertikel sich im weiteren Verlauf vergrößert, wird die Speiseröhre in die vordere Richtung gedrückt, wodurch wiederum das benachbarte Gewebe unter Druck gerät. In den meisten Fällen ist das Zenker-Divertikel von Dauer. Bei manchen Betroffenen bilden sich zudem weitere Divertikel innerhalb der Speiseröhre.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Medizin unterteilt das Zenker-Divertikel in vier unterschiedliche Schweregrade von Stadium 1 bis 4.

  • In Stadium 1 bildet sich eine kleine, dornenförmige Nische. Nicht immer lässt sie sich erkennen.
  • In Stadium 2 ist daraus eine deutlich sichtbare Aussackung geworden.
  • In Stadium 3 hängt die Aussackung als Sack nach unten, ohne dass sie die Speiseröhre verdrängt.
  • Von Stadium 4 ist die Rede, wenn die Aussackung so groß geworden ist, dass sie die Speiseröhre zur Seite drängt und zusammendrückt. Dadurch leidet die betroffene Person unter Beschwerden.

Welcher Art die Symptome sind, richtet sich nach dem Ausmaß des Zenker-Divertikels. So bestehen bei kleinen Aussackungen normalerweise keine Schmerzen, wenngleich durchaus Schluckbeschwerden auftreten können. Bei größeren Aussackungen ist das Absetzen von Speiseresten möglich. Beginnen diese zu faulen, zieht dies unangenehmen Mundgeruch nach sich.

Schläft der Patient, kann ein Rückfluss der Speisereste eintreten. Gefahr besteht, wenn diese bis ins Atemsystem vordringen, weil sie mitunter eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen. Bei manchen Betroffenen bildet sich eine Fistel, also eine krankhafte Verbindung zwischen dem Divertikel und der Luftröhre. Ebenso ist die Entstehung eines Loches in der Wand des Zenker-Divertikels im Bereich des Möglichen. Ein solcher Durchbruch ist ein lebensbedrohlicher Notfall: Bei plötzlich einsetzendem starkem Schmerz hinter dem Brustbein, Fieber und Luftnot ist über den Notruf 112 sofort Hilfe zu holen beziehungsweise eine Notaufnahme aufzusuchen.

Die Symptome bei einem Zenker-Divertikel beginnen schleichend und nehmen im Laufe der Zeit zu. Zunächst klagen die Patienten über einen rauen Hals, müssen sich häufig räuspern und verspüren ein Fremdkörpergefühl. Im weiteren Verlauf kommt es zu Schluckbeschwerden. Beim Trinken lässt sich zudem häufig ein gurgelndes Geräusch wahrnehmen. In manchen Fällen kann das Zenker-Divertikel auf der linken Seite des Halses ertastet werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf ein Zenker-Divertikel, befasst sich der Arzt zunächst mit der Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten. So können Beschwerden und Lebensalter dem Mediziner erste Hinweise auf die Ursache geben. Um ein Zenker-Divertikel eindeutig zu diagnostizieren, ist jedoch eine spezielle Röntgen-Breischluck-Untersuchung nötig.

Dabei muss der Patient ein wasserlösliches Kontrastmittel schlucken, das sich auf der Röntgenaufnahme durch eine weiße Färbung vom Nachbargewebe abgrenzt. Besteht ein Divertikel, wird dieses mit dem Kontrastmittel aufgefüllt, was der Arzt auf dem Röntgenbild als weiße Ausbuchtung erkennen kann. Zur Diagnose von Bewegungsstörungen dient eine dynamische Videofluoroskopie.

In deren Verlauf wird der Schluckvorgang videotechnisch aufgezeichnet. Sinnvoll kann zudem eine Druckmessung der Speiseröhre (Manometrie) sein, die mit einem Katheter erfolgt. Während der Arzt den Schlauch langsam zurückzieht und der Patient nach Aufforderung schluckt, führt er die Messung durch. Wird das Zenker-Divertikel entsprechend behandelt, nimmt es in der Regel einen positiven Verlauf. So lässt es sich durch einen chirurgischen Eingriff meist komplett beseitigen. Die Erfolgsrate beträgt 95 Prozent. Ein Zenker-Divertikel kann später aber erneut entstehen.

Komplikationen

Bei dieser Erkrankung leiden die Betroffenen in erster Linie an sehr starken Schluckbeschwerden. Es kommt zu Schwierigkeiten bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten, sodass die Patienten auch an Mangelerscheinungen oder an einer Dehydration leiden können. Da vor allem ältere Menschen betroffen sind, wiegt eine verminderte Nahrungsaufnahme besonders schwer: Gewichtsverlust, Abbau der Muskulatur und zunehmende Gebrechlichkeit können die Folge sein.

Auch ein unangenehmer Mundgeruch kann sich bei dieser Erkrankung einstellen und sich damit sehr negativ auf soziale Kontakte auswirken. Manche Betroffene erkranken wiederholt an einer Lungenentzündung, weil im Liegen Speisereste aus der Aussackung zurückfließen und in die Atemwege geraten. Es kommt ebenfalls zu einem rauen Hals.

In der Regel lässt sich die Erkrankung operativ gut behandeln, und der Eingriff verläuft meist ohne besondere Komplikationen. Nach der Behandlung sind die Betroffenen zunächst auf eine schonende und vor allem leichte Ernährung angewiesen; darüber hinaus bleiben im Alltag meist keine Einschränkungen zurück. Bleibt ein großes Divertikel dagegen unbehandelt, kann der Verlauf ernst werden: Wiederkehrende Lungenentzündungen und eine zunehmende Mangelernährung können gerade bei älteren und geschwächten Menschen lebensbedrohlich sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Verändert sich der Schluckakt, insbesondere im höheren Lebensalter, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Halten die Beschwerden unvermindert über mehrere Tage und Wochen an oder zeigen sie eine zunehmende Intensität, besteht Handlungsbedarf. Ein Arztbesuch ist notwendig, da es sich um ungewöhnliche Anzeichen handelt, die untersucht werden müssen. Kann die Nahrungsaufnahme nicht mehr beschwerdefrei stattfinden oder zeigen sich Störungen beim Trinken, ist eine Abklärung der Beschwerden anzuraten.

Appetitlosigkeit, Veränderungen des Gewichts oder Störungen des Essverhaltens sind weitere Anzeichen, denen nachgegangen werden sollte. Verändert sich die Stimmgebung, kommt es zu einer rauen Stimme oder hat der Betroffene ein Kratzen im Hals, sollte ein Arzt konsultiert werden. Unregelmäßigkeiten der Atmung sowie wiederholte Lungenentzündungen können auf das Vorliegen eines Zenker-Divertikels hindeuten. Die Beobachtungen sollten mit einem Arzt besprochen werden, damit weitere medizinische Tests durchgeführt werden können.

Zeigen sich aufgrund der Beeinträchtigungen der Lebensmittelzufuhr Mangelerscheinungen, eine Abnahme der Leistungsfähigkeit, eine Mattigkeit oder Abgeschlagenheit, benötigt der Betroffene medizinische Hilfe. Ein Arztbesuch ist anzuraten, damit ein Behandlungsplan erstellt werden kann und Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden eingeleitet werden. Bei anhaltendem Durst, trockenem Mund, dunklem Urin oder deutlich verminderter Urinmenge ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Es droht eine Dehydration und damit eine lebensbedrohliche Entwicklung.

Behandlung & Therapie

Verursacht das Zenker-Divertikel Beschwerden, ist ein Eingriff erforderlich, der die Aussackung beseitigt oder sie so umgestaltet, dass sich darin keine Speisereste mehr sammeln können. Kleine, beschwerdefreie Divertikel werden dagegen zunächst nur beobachtet. Häufig kommt die minimal-invasive transorale Divertikulotomie zur Anwendung. Bei dieser Spiegelung wird mit einem schlauchförmigen Endoskop die Schwelle zwischen Divertikel und Speiseröhre durchtrennt, sodass beide zu einem gemeinsamen Hohlraum werden und sich die Aussackung nicht mehr füllt.

Eine chirurgische Öffnung der Speiseröhre ist dazu nicht notwendig, weil sich das Endoskop über den Mund bis zur betreffenden Stelle vorschieben lässt. Bei der klassischen offenen Operation über einen Schnitt am Hals ist dagegen ein größerer Aufwand erforderlich. Dabei wird das Divertikel entweder abgetragen (Divertikulektomie) oder hochgenäht (Divertikulopexie). Die Durchtrennung des oberen Speiseröhren-Schließmuskels, die Myotomie, gehört zu beiden Wegen dazu, denn sie beseitigt die eigentliche Ursache des Divertikels. Beseitigen lässt sich die Aussackung allein durch konservative Maßnahmen dagegen nicht.

Ist eine Operation aufgrund des Allgemeinzustands des Patienten nicht durchführbar, kann eine Besserung der Beschwerden durch eine Veränderung der Ernährung erreicht werden. So wird das Essen von Brei und leichter Vollkost empfohlen. Außerdem ist es ratsam, keine sauren Speisen oder Getränke zu sich zu nehmen.


Vorbeugung

Einem Zenker-Divertikel vorzubeugen, ist nicht möglich. Wer bereits eines hat, entlastet die Speiseröhre durch kleine Portionen, gut zerkaute und weiche Kost und den Verzicht auf faserige oder krümelige Speisen, die sich in der Aussackung sammeln.

Nachsorge

Die Nachsorge betrifft vor allem die Zeit nach der Operation. Der Kostaufbau erfolgt schrittweise: zunächst Flüssiges, dann Breiiges und später wieder feste Kost. Wie rasch die einzelnen Schritte aufeinander folgen, legt die behandelnde Klinik fest.

Auch danach sind Kontrolltermine sinnvoll, denn ein Zenker-Divertikel kann erneut entstehen. Kehren Schluckbeschwerden, Mundgeruch oder das Hochwürgen von Speiseresten zurück, sollte dies zeitnah abgeklärt werden. Fieber, Schmerzen am Hals oder hinter dem Brustbein sowie Atembeschwerden in den Tagen nach dem Eingriff gehören sofort abgeklärt; bei starken Schmerzen hinter dem Brustbein, Fieber oder Luftnot ist der Notruf 112 zu wählen.

Wird ein Divertikel nicht operiert, sind regelmäßige Kontrollen ebenfalls ratsam. In einem über viele Jahre bestehenden Divertikel kann sich in sehr seltenen Fällen ein Tumor entwickeln.

Das können Sie selbst tun

Bei der Aufnahme von Lebensmitteln ist darauf zu achten, dass diese nicht zu groß sind. Die Nahrung sollte bereits vor der Zuführung in den Mund ausreichend in kleine Stücke zerkleinert werden. Im Mund ist sie dann weiter bestmöglich mit den Zähnen zu zermahlen, bevor sie dann weiter in den Schlund befördert wird. Bei größeren Nahrungsstücken kommt es zu Problemen beim Schluckakt. Diese können erheblich zu einer Verschlechterung der Gesamtsituation beitragen.

Die Muskeln in Mund und Rachen können auch außerhalb der Nahrungszufuhr regelmäßig und gezielt mehrmals täglich trainiert werden. Dadurch wird ihre Funktionstätigkeit unterstützt und das allgemeine Wohlbefinden kann verbessert werden. Die Nahrungsaufnahme sollte niemals in einem liegenden Zustand erfolgen. Eine aufrechte oder gerade Sitzhaltung hilft bei dem natürlichen Mechanismus des Schluckens und kann die Auftretenswahrscheinlichkeit von Komplikationen reduzieren. Eine Körperhaltung, die nach vorn gebeugt ist, kann ebenfalls zu Hemmnissen und Störungen führen.

In der Aussackung sammeln sich Speisereste, die im Liegen zurückfließen und in die Atemwege geraten können; daraus entsteht die gefürchtete Lungenentzündung. Deshalb sollte die letzte Mahlzeit nicht kurz vor dem Schlafengehen eingenommen werden, und nach dem Essen ist es sinnvoll, noch eine Weile aufrecht zu bleiben.

Sobald während der Nahrungszufuhr Unregelmäßigkeiten auftreten, ist der Vorgang zu unterbrechen oder zu verlangsamen. Es sollte sich bei der Nahrungsaufnahme Zeit genommen werden und keine Zufuhr von Lebensmitteln in einem hektischen Zustand stattfinden. Bei Unruhe oder einer Aufgeregtheit nehmen die Beschwerden zu. Trotz aller Widrigkeiten ist täglich zu prüfen, ob eine ausreichende Lebensmittel- und Getränkeaufnahme erfolgt ist.

Quellen

  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Guntinas-Lichius, O., Klußmann, J. P., Lang, S.: Referenz HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783132422421

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