Ösophagusperforation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einer Ösophagusperforation entsteht durch eine Verletzung ein Loch in der Speiseröhre. Häufig ist dies die Folge einer Verletzung bei einer Spiegelung oder eines verschluckten Fremdkörpers. Die Perforation der Speiseröhre kann zu einer Entzündung des Mediastinums führen.
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Was ist eine Ösophagusperforation?
Sie sorgt über Muskelkontraktionen für den Weitertransport der Nahrung vom Mund zum Magen. Bei einer Ösophagusperforation werden alle Wandschichten der Speiseröhre so verletzt, dass ein Durchbruch entsteht. Die Erkrankung ist insgesamt eher selten. Die Sterblichkeitsrate liegt allerdings bei 10 bis 30 Prozent.
Ursachen
Die Perforation kann zudem durch einen Ösophagusfremdkörper verursacht werden. Ein Ösophagusfremdkörper ist ein verschluckter Gegenstand, der aufgrund seiner Größe nicht bis in den Magen transportiert werden kann, sondern in der Speiseröhre stecken bleibt. Zu den häufigsten verschluckten Fremdkörpern, die eine Perforation verursachen, gehören Fischgräten, Zahnersatz und Pfirsichkerne. Kinder verschlucken zudem häufig kleine Spielzeuge oder auch Münzen.
Die Mehrzahl der Gegenstände bleibt in der ersten Ösophagusenge stecken. Diese befindet sich direkt hinter dem Ringknorpel auf Höhe des Kehlkopfes. Hier weist die Speiseröhre nur einen Innendurchmesser von etwa 15 Millimetern auf. Neben Ösophagusfremdkörpern können auch schwere Refluxerkrankungen zu einer Perforation der Speiseröhre führen. Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit kommt es zu einem Rücklauf von Magensäure in die Speiseröhre. Im Volksmund wird die Refluxkrankheit auch als Sodbrennen bezeichnet.
Durch die Magensäure wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt. Es kommt zu chronischen Entzündungen und im schlimmsten Fall auch zu einer Perforation. Die spontane Perforation der Speiseröhre wird auch als Boerhaave-Syndrom bezeichnet. Hier entsteht ein spontaner Riss durch alle Wandschichten des Ösophagus. Meist entsteht das Syndrom infolge eines starken Druckanstiegs innerhalb der Speiseröhre. Dieser ist hauptsächlich die Folge von starkem Erbrechen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Ösophagusperforation äußert sich sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen kommt es zu Schmerzen. Meist tritt der Schmerz sehr plötzlich und in hoher Intensität auf. Zudem kann es zu Bluterbrechen (Hämatemesis) kommen. Wird das Blut direkt erbrochen, so ist es hell. Hatte das Blut hingegen schon Kontakt mit der Magensäure, erscheint es bräunlich. Man spricht in diesem Fall auch von Kaffeesatzerbrechen. Aufgrund der Schwere der Erkrankung reagiert auch der Kreislauf mit.
Der Puls beschleunigt sich und durch den Blutverlust kommt es zu einem Blutdruckabfall. Je nach Blutungsmenge kann ein hypovolämischer Schock entstehen. Insbesondere bei Rupturen im Halsbereich kann sich ein Hautemphysem zeigen. Ein Hautemphysem ist eine Gasansammlung in der Unterhaut. Sie entsteht meist nach der Eröffnung lufthaltiger Organe.
Bei Rupturen im unteren Drittel der Speiseröhre kann es zu einem Serothorax oder zu einem Pneumothorax kommen. Von einem Serothorax spricht man bei einer Ansammlung von seröser Flüssigkeit im Brustraum. Bei einem Pneumothorax befindet sich Luft im Pleuraspalt. Dadurch wird eine Ausdehnung des betroffenen Lungenflügels verhindert. Es kommt zu Atemstörungen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Großteil der Ösophagusperforationen kann mit einer Röntgenaufnahme des Thorax diagnostiziert werden. Es zeigt sich Luft im Mittelfellraum (Mediastinum) und eine Verbreiterung des Mittelfellraums. Auch das Hautemphysem und Flüssigkeitsspiegel im Bereich des Mediastinums weisen auf eine Perforation hin. Lange Zeit war die Röntgenaufnahme das entscheidende Verfahren. Nach heutigem Kenntnisstand ist bei begründetem Verdacht die Computertomografie mit Kontrastmittel die Untersuchung der Wahl, weil ein unauffälliges Röntgenbild eine Perforation nicht ausschließt.
Zur weiteren Diagnostik können Kontrastmittelaufnahmen oder eine CT-Untersuchung zum Einsatz kommen. Auch endoskopische Untersuchungen können bei der Diagnosestellung hilfreich sein. Unter Umständen kann aber durch Blutüberlagerungen die Perforationsstelle bei der Endoskopie übersehen werden.
Komplikationen
Die Ösophagusperforation stellt einen äußerst lebensbedrohlichen medizinischen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss. Es handelt sich um einen Durchbruch der Speiseröhre. Oft werden die Verletzungen des Ösophagus durch Verschlucken von spitzen Gegenständen hervorgerufen.
Es kommt zu schweren Blutungen und im ungünstigsten Fall zu einer Mittelfellentzündung (Mediastinitis), die auch bei einer umfassenden Therapie eine hohe Sterblichkeit aufweist. Die starke Blutung führt zu Bluterbrechen und in einigen Fällen zu Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufschock, der unter Umständen ebenfalls tödlich endet. Als gefährlichste Komplikation einer Ösophagusperforation droht aber die Mediastinitis.
Diese wird durch den aus der Speiseröhre in den Mediastinalraum (Mittelfell) gelangenden Speisebrei ausgelöst. Dadurch kann sich das Mittelfell mit Bakterien infizieren. Es kommt zu eitrigen Entzündungen, die zu Thoraxschmerz, starker Atemnot und im Extremfall zu einer Sepsis führen können. Die Sepsis stellt wiederum die schwerste Komplikation der Mediastinitis und damit der Ösophagusperforation dar.
Die Letalität bei einer Ösophagusperforation liegt zwischen 10 und 30 Prozent. Diese hohe Sterblichkeit wird im Besonderen von einer Mittelfellentzündung hervorgerufen. Entscheidend für die Aussichten ist, wie rasch der Durchbruch erkannt und versorgt wird: Wird die Perforation innerhalb der ersten 24 Stunden behandelt, überleben deutlich mehr Betroffene als bei späterer Behandlung. Weitere Komplikationen bei einer Ösophagusperforation sind Hautemphyseme sowie der Pneumothorax. Beim Hautemphysem gelangt freie Luft unter die Haut. Der Pneumothorax ist durch den Eintritt von Luft in den Pleuraspalt gekennzeichnet. Auch der Pneumothorax ist potenziell lebensbedrohlich, wenn er sich zum sogenannten Spannungspneumothorax entwickelt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wird ein Fremdkörper versehentlich verschluckt, ist im Anschluss zu überprüfen, ob weitere Unregelmäßigkeiten vorhanden sind. Insbesondere bei Kindern sollte kontrolliert werden, ob eine Beschwerdefreiheit vorliegt. Kommt es innerhalb einiger Minuten oder Stunden zu einer vollständigen Genesung, wird meist kein weiterer Kontrollbesuch bei einem Arzt benötigt. Das gilt jedoch nur für harmlose Gegenstände. Wurden Knopfzellen (Knopfbatterien), Magnete oder spitze und scharfkantige Gegenstände wie Nadeln, Fischgräten oder Zahnersatz verschluckt, muss auch bei völliger Beschwerdefreiheit sofort ärztliche Hilfe gesucht werden, denn diese Gegenstände können die Speiseröhre innerhalb weniger Stunden durchbrechen. Bei vorhandenen Beeinträchtigungen ist ohnehin unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Treten Schmerzen auf, wird Blut erbrochen oder zeigen sich Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus, besteht Handlungsbedarf. Veränderung der Sprachgebung, Probleme beim Schluckakt oder eine Appetitlosigkeit sind Anzeichen einer gesundheitlichen Störung. Ein Arzt ist aufzusuchen, damit eine umfassende medizinische Untersuchung eingeleitet werden kann.
Ein blutiger Geschmack im Mund, Störungen der Atemtätigkeit oder eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme sollten als Alarmsignal gedeutet werden. Eine medizinische Versorgung ist notwendig, damit weitere Komplikationen vermieden werden können. Bei einem blassen Erscheinungsbild, einer raschen Abnahme der körperlichen Belastbarkeit oder einer inneren Schwäche benötigt der Betroffene Hilfe. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, da es zu inneren Blutungen kommen kann. Können die Lungen nicht mehr ohne Beeinträchtigungen voll gefüllt werden, ist die Beobachtung mit einem Arzt zu besprechen. Bei einer Zunahme der Beschwerden ist zu prüfen, ob ein Rettungsdienst alarmiert werden sollte. Eine Atemnot oder Atemgeräusche müssen ärztlich überwacht werden.
Die Ösophagusperforation selbst ist ein Notfall, bei dem jede Stunde zählt. Bei plötzlich einsetzenden heftigen Schmerzen hinter dem Brustbein, im Rücken oder im Oberbauch, bei Bluterbrechen, bei starker Atemnot, bei einer knisternden Schwellung an Hals oder Brustkorb oder bei Kreislaufschwäche ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bis der Rettungsdienst eintrifft, darf der Betroffene nichts mehr essen und nichts mehr trinken, weil Speisen und Getränke durch das Loch in den Brustraum gelangen und dort eine lebensgefährliche Entzündung auslösen können.
Behandlung & Therapie
Bei einer Ösophagusperforation ist in der Regel ein rascher Verschluss des Durchbruchs erforderlich. Um eine Hypovolämie zu verhindern, werden Infusionen verabreicht. Ebenso erfolgt eine prophylaktische Antibiotikagabe zum Schutz vor bakteriellen Infektionen. Bei sehr schweren Entzündungen der Speiseröhre, bei Tumoren, Verätzungen oder beim sogenannten Megaösophagus werden die betroffenen Speiseröhrenabschnitte chirurgisch entfernt.
Eine rein abwartende Behandlung ohne jeden Eingriff ist nur in absoluten Ausnahmefällen bei sehr kleinen und unkomplizierten Einrissen möglich. Lange Zeit wurde nahezu jede Ösophagusperforation offen operiert. Heute werden früh erkannte und begrenzte Durchbrüche häufig über eine Spiegelung versorgt, etwa durch das Einsetzen eines überbrückenden Röhrchens (Stent), durch Clips oder durch eine Unterdruckbehandlung des Defekts. Die offene Operation bleibt großen Rissen, ausgedehnten Entzündungen und spät erkannten Fällen vorbehalten. Nach dem operativen Verschluss des Durchbruchs müssen regelmäßig Kontrollen auf narbige Zusammenziehungen erfolgen. Auch Refluxerkrankungen und Karzinome müssen in regelmäßigen Abständen vom Arzt ausgeschlossen werden.
Vorbeugung
Um einer Ösophagusperforation vorzubeugen, sollte bei Sodbrennen immer ein Arzt aufgesucht werden. Insbesondere Menschen, die gerne große Mengen und vor allem fette Speisen essen, sind von Sodbrennen betroffen. Die Magenentleerung erfolgt in dem Fall verzögert. Durch den längeren Aufenthalt im Magen wird der Rückfluss in die Speiseröhre begünstigt. Säurebildner wie Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee sollten bei einer Neigung zu Sodbrennen gemieden werden. Sie sorgen unter anderem auch dafür, dass der Speiseröhrenmuskel schlaffer wird.
Dies führt ebenfalls zu einem vermehrten Rückfluss von Magensäure. Auch zu enge Kleidung kann den Rückfluss fördern. Dasselbe gilt für seelische Anspannung und Stress. Bei einem verschluckten Fremdkörper sollte ebenfalls so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Der häufigsten Ursache, der Verletzung bei einer Spiegelung, kann der Betroffene selbst nicht vorbeugen; sie ist ein seltenes, aber bekanntes Risiko des Eingriffs. Wer nach heftigem, wiederholtem Erbrechen plötzlich starke Schmerzen hinter dem Brustbein bekommt, sollte sofort den Notruf 112 wählen, weil dahinter ein Boerhaave-Syndrom stecken kann. Dieser kann den Ösophagusfremdkörper entfernen und so einer Perforation der Speiseröhre vorbeugen.
Das können Sie selbst tun
Im Alltag sollten insbesondere Kinder immer wieder ermahnt werden, keine Fremdkörper in den Mund zu nehmen oder zu verschlucken. Eine Kontrolle durch die Erziehungsberechtigten oder Aufsichtspersonen ist unerlässlich. Erwachsene Menschen, die immer wieder Gegenstände in den Mund nehmen, darauf rumlutschen oder kauen, sollten versuchen, dieses Verhalten selbstständig abzulegen. Benötigen sie bei der Veränderung des Verhaltens Unterstützung oder Hilfestellungen, ist eine therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Da das Verschlucken von Fremdkörpern zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann, sollte bei auftretenden Unregelmäßigkeiten unverzüglich eine Erste-Hilfe stattfinden. Menschen aus der unmittelbaren Umgebung müssen sofort den Notruf 112 wählen. Steckt der Gegenstand in der Speiseröhre, darf nicht versucht werden, ihn mit Schlägen zwischen die Schulterblätter oder mit dem Heimlich-Handgriff herauszubefördern; diese Maßnahmen gelten nur der verlegten Luftröhre, also einem Betroffenen, der nicht mehr sprechen, husten oder atmen kann. Bis der Rettungsdienst eintrifft, darf der Betroffene nichts essen und nichts trinken. Die Sterblichkeitsrate der Ösophagusperforation ist mit 10 bis 30 Prozent ungewöhnlich hoch. Aus diesem Grund ist ein schnellstmögliches Handeln lebensrettend.
Die Zufuhr der Lebensmittel ist im Alltag zu überprüfen. Bei dem Verzehr von Fisch sollte darauf geachtet werden, dass dieser grätenfrei ist. Obst, das Kerne enthält, ist im Vorfeld von diesen zu befreien. Insbesondere Kinder und heranwachsende Jugendliche sind immer wieder auf die Gefahren bei der Nahrungsmittelzufuhr hinzuweisen. Erinnerungen sind notwendig, da häufig vermittelte Tipps und Hinweise in Vergessenheit geraten. Zudem kommt es immer wieder vor, dass in verarbeiteten Produkten wie Kuchen ungewollt Kerne oder Steine auftauchen.
Quellen
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- Siewert, J.R., Stein, H.J. (Hrsg.): Chirurgie.
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- Kretz, F.-J., Schäffer, J., Terboven, T. (Hrsg.): Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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