Überaktive Blase (Reizblase)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Problem mit der Blase kennen Millionen Deutsche. Doch was führt zu einer überaktiven Blase, auch Reizblase genannt? Kann man vorbeugend etwas tun? Ein intimes, aber ein wichtiges Thema. Schließlich sind auch immer mehr junge Menschen davon betroffen.
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Was ist eine Reizblase
Man spricht von einer überaktiven Blase (Reizblase), wenn die Funktion der Blase gestört ist. Nicht immer müssen sich dafür körperliche Ursachen finden lassen.
Die Betroffenen haben überdurchschnittlich häufig das Gefühl, ihre Blase sei voll. Dem ist jedoch rein biologisch nicht so. Oft ist trotz stärkstem Harndrang nur wenig Urin in der Blase enthalten. Bei einer Reizblase tritt der Harndrang sehr plötzlich und drängend auf. Mehr als acht Mal innerhalb von 24 Stunden hat man das Gefühl, unbedingt auf die Toilette gehen zu müssen.
Sogar mitten in der Nacht werden die Patienten von ihrer scheinbar gefüllten Blase geweckt. Äußerst unangenehm - aber zum Glück nicht immer gegeben - ist das (nächtliche) Einnässen. Frauen sind häufiger als Männer von einer Reizblase betroffen.
Ursachen
Es ist bekannt, dass Frauen aufgrund verkürzter Harnwege sehr leicht eine Blasenentzündung bekommen. Als Folge dieser Entzündung kann sich dann auch eine Reizblase einstellen. Sind die Beschwerden sehr stark, sollte bei der Suche nach der Ursache auch an einen Tumor oder an einen Fremdkörper gedacht werden.
Die überaktive Blase ist deshalb eine Ausschlussdiagnose: Bevor sie festgestellt wird, müssen ein Harnwegsinfekt, Blasensteine und ein Blasentumor ausgeschlossen sein. Dazu gehören eine Urinuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung der Blase und der Nieren sowie das Führen eines Blasentagebuchs über einige Tage.
Bestimmte Medikamente können ebenfalls eine Reizblase auslösen. Doch die Ursachen sind nicht immer körperlicher Natur. Stress im Beruf oder im Privatleben kann bei entsprechend veranlagten Menschen ebenfalls zu einer Reizblase führen. Was bei dem einen zum gereizten Magen führt, schlägt dem anderen auf die Blase.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein typisches Anzeichen für eine Reizblase ist ein geradezu überfallartiger Drang zum Wasserlassen, auch wenn die Blase oft nur zum Teil gefüllt ist. Betroffene spüren dann ohne Vorwarnung ganz plötzlich das Bedürfnis, schnell die nächste Toilette aufsuchen zu müssen. Manche können diesen Drang kaum zurückhalten und es kann Urin abgehen, bevor die Toilette erreicht ist, bei manchen ein paar Tropfen, aber bei manchen auch größere Mengen Urin.
Die meisten Betroffenen müssen auch nachts mehrmals eine Toilette aufsuchen, was die Schlafqualität stören kann. Mediziner sprechen von einer Reizblase oder überaktiven Blase, wenn die Blase mehr als acht Mal innerhalb von 24 Stunden entleert werden muss; nächtliches Wasserlassen kommt häufig hinzu, zwingend für die Diagnose ist es aber nicht. Entscheidend ist ohnehin der plötzliche, kaum beherrschbare Harndrang.
Geht Urin dagegen beim Niesen oder bei körperlichen Anstrengungen wie Heben und Tragen ab, handelt es sich um eine andere Form, die Ärzte als Belastungsinkontinenz bezeichnen und die nicht zur überaktiven Blase gehört. Beide Formen können jedoch nebeneinander bestehen; man spricht dann von einer Mischinkontinenz. Die Symptome einer Reizblase schränken Betroffene stark ein, weil sie immer das Gefühl haben, sich in der Nähe einer Toilette aufhalten zu müssen. Die Angst vor einem unfreiwilligen Urinverlust kann durch die ständige Anspannung die Symptome noch verstärken und die Lebensqualität insgesamt stark beeinträchtigen.
Krankheitsverlauf
Der Verlauf einer Reizblase lässt sich ohne äußeres Einwirken selten verbessern. Der Schweregrad ist unterschiedlich. Viele Patienten kennen jedoch dieselben Begleiterscheinungen:
Bauchschmerzen und ein ständiges Druckgefühl im Unterbauch sind keine Seltenheit. Ein brennender Schmerz beim Wasserlassen gehört dagegen nicht zur überaktiven Blase, sondern weist auf eine Entzündung der Harnwege hin und muss ärztlich abgeklärt werden. Trotz dieser Zeichen bleiben viele Betroffene mit ihrer Krankheit allein.
Doch Scham sollte nicht dazu führen, den Gang zum Arzt zu scheuen. Im Verlaufe der Krankheit trinken viele Patienten immer weniger. Doch dies führt zu einer immer schwächeren Blase. Am Ende verschlimmert sich nur noch das Krankheitsbild Reizblase.
Komplikationen
Als Reaktion auf diese Beschwerden reduzieren die Patienten ihre Flüssigkeitszufuhr oftmals drastisch, was die Grunderkrankung aber nur verschlimmert und zu Kreislaufproblemen und einer Reihe von Folgeerkrankungen führen kann. Wird die Störung nicht unverzüglich professionell behandelt, steigt darüber hinaus das Risiko, dass die Störung chronisch wird. Bei einem chronischen Verlauf stellt sich oftmals auch eine Harninkontinenz ein. Außerdem steigt das Risiko, eine funktionelle Schrumpfblase zu entwickeln.
Neben körperlichen Symptomen ist gerade bei einer chronischen Reizblase mit Komplikationen zu rechnen, die psychischer oder sozialer Natur sind. Da die Betroffenen die Kontrolle über ihre Blase verloren haben, vermeiden sie Situationen, in denen sie nicht jederzeit eine Toilette aufsuchen können. Die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, die Teilnahme an Betriebs- oder Vereinsausflügen sowie der Besuch eines Theaters oder eines Kinos werden von den Betroffenen dann als Stresssituation wahrgenommen, die sie lieber vermeiden. Dauerhaft kann dies zur sozialen Isolation führen, die wiederum ernsthafte psychische Erkrankungen, insbesondere eine Depression, bedingen kann.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Veränderungen und Auffälligkeiten des Toilettenganges sollten grundsätzlich weiter beobachtet werden. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder zeigt sich eine zunehmende Intensität, ist die Abklärung der Symptome von einem Arzt anzuraten. Wird die Toilette ungewöhnlich häufig aufgesucht und kommt es zu einer inneren Unruhe oder Gereiztheit, besteht Handlungsbedarf. Häufiges Wasserlassen kann als Warnsignal des Organismus gedeutet werden. Entsteht ein Druckgefühl in der Blase bereits bei der Aufnahme von geringen Mengen an Flüssigkeit, sind die Beobachtungen mit einem Arzt zu besprechen.
Entwickelt sich bereits kurz nach einem Toilettengang das erneute Bedürfnis zu urinieren, gilt dies als besorgniserregend. Für eine Diagnosestellung ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei anhaltendem Stress, einer Phase der emotionalen Belastung sowie einem allgemeinen Unwohlsein sollte die Rücksprache mit einem Arzt gesucht werden. Kommt es zu Schlafstörungen, einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit oder können die alltäglichen Verpflichtungen aufgrund der Störungen nicht ausreichend wahrgenommen werden, wird ein Arzt benötigt. Bei einer Inkontinenz, Gefühlen der Scham oder emotionalen Unregelmäßigkeiten ist die Konsultation eines Arztes anzuraten. Entwickeln sich soziale Probleme oder können freizeitliche Aktivitäten durch die Beschwerden nicht wahrgenommen werden, ist ein Arzt aufzusuchen.
Blut im Urin ist niemals Ausdruck einer Reizblase und muss immer umgehend ärztlich abgeklärt werden. Das Gleiche gilt für Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, für Fieber mit Schmerzen in der Flanke und für einen ungewollten Gewichtsverlust.
Kann trotz starkem Harndrang kein Urin mehr gelassen werden (Harnverhalt), ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich; außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
An erster Stelle der Behandlung der überaktiven Blase stehen ein Blasentraining, ein gezieltes Beckenbodentraining und das Führen eines Trink- und Toilettenprotokolls. Erst wenn diese Maßnahmen nach einigen Wochen nicht ausreichen, kommen Medikamente hinzu.
Pflanzliche Präparate werden häufig ergänzend eingesetzt. Sie enthalten nicht selten Bestandteile von Brennnessel oder Kürbis und sind auch für empfindliche Menschen sehr gut verträglich; ein sicherer Wirksamkeitsnachweis für die überaktive Blase steht für sie allerdings aus.
Als verschreibungspflichtige Medikamente werden vor allem Anticholinergika eingesetzt, die die Blasenmuskulatur entspannen. Sie können Mundtrockenheit, Verstopfung, Sehstörungen und einen erhöhten Augeninnendruck hervorrufen. Bei älteren Menschen werden sie zurückhaltend eingesetzt, weil sie im Gehirn zu Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen und Stürzen führen können. Als Alternative mit anderem Angriffspunkt steht der Beta-3-Agonist Mirabegron zur Verfügung, der einmal täglich eingenommen wird; unter dieser Behandlung ist der Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren.
Gezieltes Training der Muskeln im Beckenboden kann die Blase kräftigen. Auf keinen Fall sollte man den Fehler begehen und weniger trinken. Das ist ein Irrtum. Denn die Reizblase zeigt sich bereits bei sehr geringen Urinmengen. Und ohne genügend Flüssigkeit besteht die Gefahr, dass weitere Funktionen ausfallen. Im schlimmsten Fall kann der Körper austrocknen.
Lassen sich keine körperlichen Ursachen für die Reizblase finden, hilft es nur, im Leben kürzer zu treten und den Stressauslöser zu finden. Bei größeren Problemen kann der Gang zum Psychologen hilfreich sein. Manchmal helfen schon wenige Gespräche. Tabu sollten bei einer Reizblase nach Möglichkeit sein: Kaffee, Alkohol und Zigaretten.
Vorbeugung
Viele Menschen fragen sich aus Angst vor einer Reizblase: Was kann ich vorbeugend tun? Noch immer gilt der Rat unserer Großmütter: Nicht auf kalte Böden setzen! Blasenentzündungen und später die Reizblase lassen sich so möglicherweise vermeiden. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings nicht: Eine Blasenentzündung wird durch Bakterien verursacht, eine Unterkühlung kann sie allenfalls begünstigen.
Gegen hormonelle Störungen aufgrund von Schwangerschaft und Wechseljahren ist natürlich nichts zu machen. Aber gerade in unserer schnelllebigen Zeit gilt: Lieber einmal mehr durchatmen und sich nicht von (scheinbaren) Problemen stressen lassen! Der eigene Körper (die Blase) wird es danken. Beschwerden durch eine Reizblase können sich dadurch bessern; eine Gewähr dafür, dass sie ausbleiben, gibt es allerdings nicht.
Das können Sie selbst tun
Möglichkeiten zur Selbsthilfe bei einer überaktiven Blase gibt es mehrere. Es ist allerdings anzumerken, dass nicht alle Maßnahmen bei allen Menschen gleich gut wirken. Dies ist damit zu begründen, dass die Ursachen für die Reizblase so divers sein können.
So können Betroffene vor allem ein Blasen- und Kontinenztraining durchführen. Dabei geht es darum, die Blase wieder an größere Füllmengen zu gewöhnen. Die übliche Trinkmenge von etwa eineinhalb bis zwei Litern am Tag sollte dafür beibehalten und keinesfalls eingeschränkt werden, denn ein stark konzentrierter Urin reizt die Blasenwand zusätzlich und verstärkt den Harndrang. Hilfreich ist außerdem ein Blasentagebuch, in dem Trinkmengen, Toilettengänge und Urinmengen über einige Tage festgehalten werden. Zusätzlich sollten Betroffene die Zeiten zwischen den Toilettengängen willentlich verlängern und so das Halten von Urin trainieren. Wichtig ist, dass der Harn solange gehalten wird, bis der Betroffene wirklich sehr dringend auf die Toilette muss. Entsprechend sollte das Kontinenztraining in Reichweite einer Toilette durchgeführt werden.
Harntreibende Nahrungsmittel und Getränke sollten gemieden werden. Darunter fallen insbesondere Kaffee, schwarzer Tee, alkoholische Getränke und harntreibende Teezubereitungen etwa aus Brennnesseln. Davon zu unterscheiden sind pflanzliche Fertigarzneimittel mit Brennnesselwurzel, die anders zusammengesetzt sind und nicht der Durchspülung dienen. Das Rauchen zu reduzieren oder aufzugeben, kann eine gereizte Blase beruhigen.
Ist der Drang zu urinieren vor allem psychisch induziert, können Betroffene im Alltag Ablenkungsstrategien entwickeln. Tritt eine Situation auf, die zu einem plötzlichen Harndrang führt, kann beispielsweise innerlich gezählt oder ein Gedicht rezitiert werden. Die Fokussierung auf einen Gedanken kann den Stress reduzieren und die Blase entspannen. Bei Krämpfen im Unterbauch helfen warme Wickel, wärmende Einreibungen und warme Bäder.
Quellen
- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T. (Hrsg.): Facharztwissen Urologie.
ISBN: 9783662744864
- Gschwend, J.E., Hautmann, R. (Hrsg.): Urologie.
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- Gasser, T.C., Eberli, D., Thomas, C.: Basiswissen Urologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Füeßl, H.S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
