Allergologie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter der Allergologie versteht der Mediziner eine Fachrichtung, die sich mit der Entstehung, Diagnostizierung und Behandlung von Allergien befasst. Die Diagnostik findet entweder in vitro oder in vivo statt. In-vivo-Testverfahren am Patienten selbst sind für den Allergiker teilweise mit dem Risiko eines allergischen Schocks verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Allergologie?

Allergologie
Unter der Allergologie versteht der Mediziner eine Fachrichtung, die sich mit der Entstehung, Diagnostizierung und Behandlung von Allergien befasst.

Die Allergologie ist eine medizinische Fachrichtung. Im Mittelpunkt des medizinischen Teilgebiets steht die Diagnostik und Behandlung von Allergien. Im Forschungsbereich ist die Allergologie außerdem mit den einzelnen Ausprägungen und Entstehungsmechanismen von Allergien befasst.

Deutsche Allergologen sind in der Regel Internisten, Pneumologen, Dermatologen oder Allgemeinärzte. Um den Titel des Allergologen tragen zu dürfen, müssen sie die Zusatz-Weiterbildung Allergologie absolviert haben; ein eigenständiges Facharztgebiet ist die Allergologie in Deutschland nicht. Die deutschen Regelungen hierzu unterscheiden sich von denen im Ausland.

In der Schweiz zum Beispiel ist die Allergologie ein eigener Facharzttitel, der wie in Deutschland erst nach dem Studium in einer mehrjährigen Weiterbildung erworben wird. Häufig wird auch der Begriff der Immunologie mit Allergologen in Verbindung gesetzt. Eine Allergie ist eine immunologische Überreaktion. Daher untersucht die Allergologie im weitesten Sinne immunologische Störungen, die mit einem bestimmten Allergen in Zusammenhang stehen.

Behandlungen & Therapien

Die Allergiediagnostik ist einer der wichtigsten Teilbereiche der Allergologie. Dieser Bereich umfasst alle Untersuchungsverfahren, die bei der Suche nach einem allergieauslösenden Stoff und bei der Aufklärung der Entstehungsursachen behilflich sind. Die Teilbereiche der Allergiediagnostik sind die In-vivo- und die In-vitro-Diagnostik.

Die In-vivo-Diagnostik findet am Patienten selbst statt. Bei der In-vitro-Diagnostik entnimmt der Arzt dem Patienten dagegen Körperflüssigkeiten, die im Labor untersucht werden. Anhand dieser Proben findet beispielsweise eine Bestimmung des Gesamt-IgE mit Radio-Immuno-Sorbens-Test statt. Allergiereaktionen sind vom Immunglobulin E abhängig. Das Immunsystem erkennt ein bestimmtes Allergen als fremd und will es daher mit den Antikörpern aus dem Körper treiben. Die Gesamtmenge der Antikörper im Blut spielt daher eine Rolle für die Beurteilung allergologischer Erkrankungen. Ein erhöhter Antikörperspiegel kann ein Hinweis auf eine allergische Erkrankung sein; er beweist eine Allergie aber nicht, und ein normaler Wert schließt sie umgekehrt nicht aus.

Allerdings lässt sich über diesen Test kein spezifisches Allergen ausmachen, da er nur die Gesamtmenge der Antikörper erfasst und nicht, gegen welchen Stoff sie gerichtet sind. Ein zweites Testverfahren der Allergologie ist daher die Bestimmung spezifischer IgE, die früher über den Radio-Allergo-Sorbens-Test erfolgte. Dieses Verfahren kann den Verdacht auf ein bestimmtes Allergen bestätigen. Beide Bestimmungen – die des Gesamt-IgE und die der spezifischen IgE – arbeiteten ursprünglich mit radioaktiv markierten Substanzen; heute kommen dafür fast nur noch Verfahren ohne Radioaktivität zum Einsatz, während sich die alten Namen gehalten haben. Neben den beiden genannten Diagnostikmethoden umgreift die In-vitro-Allergiediagnostik auch die Bestimmung des allergenspezifischen IgG, zelluläre Allergenstimulationstests und Histamin-Freisetzungstests. Der IgG-Test wird zum Beispiel zur Abklärung von Nahrungsmittelallergien angeboten.

Dahinter steht die Annahme, diese Form der Unverträglichkeit sei vom Immunglobulin E unabhängig und erfordere daher die Messung anderer Parameter. Die allergologischen Fachgesellschaften halten die Bestimmung von IgG gegen Nahrungsmittel allerdings für ungeeignet, weil solche Antikörper auch bei Beschwerdefreien vorkommen. Der Allergiestimulanztest soll dagegen der qualitativen Bestimmung einer Nahrungsmittelallergie dienen. Das Verfahren wird auch Leukozytenaktivierungstest genannt und basiert auf der Annahme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten würden entzündliche Reaktionen gegen bestimmte Nahrungsbestandteile verursachen. Diese Reaktionen werden im Blut des Patienten anhand der entzündungsauslösenden Leukozyten gemessen. Die Messung erfolgt in Zusammenhang mit der Gabe verschiedener Lebensmittelextrakte. Der Histamin-Freisetzungstest sowie der Basophilen-Aktivierungstest sind wiederum zelluläre Allergiestimulanztests. Sie basieren auf der Beobachtung, dass Allergien mit der Freisetzung von Histamin und der Aktivierung von Basophilen einhergehen.

Zu den wichtigsten In-vivo-Testverfahren der Allergologie zählen der Prick-Test, der Reib-Test und der Intrakutantest. Beim Prick-Test tropft der Allergologe die Testsubstanzen auf die Haut des Patienten. Danach "prickt" er diese Hautbereiche, um eine allergische Reaktion auszulösen. Der Reib-Test kommt vor allem in Zusammenhang mit Lebensmittelallergien zum Einsatz. Das Lebensmittel wird dabei auf die Haut gerieben und die Reaktionen des Patienten werden dokumentiert.

Der Intrakutantest ist relativ unspezifisch. Bei diesem Verfahren spritzt der Arzt eine Lösung der zu testenden Allergene in die Haut an der Beugeseite des Unterarms und wartet allergische Reaktionen ab. Wenn die Allergie mitsamt ihrem Ausmaß und ihrem Allergen bestimmt ist, therapiert der Allergologe die Übersensibilität. Dazu stehen ihm mehr als 70 verschiedene Verfahren zur Verfügung. Welche er davon auswählt, hängt stark von dem Allergen und der Intensität der Allergie ab.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Allergologische In-vitro-Testverfahren sind für den Patienten mit wenigen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. In-vivo-Tests am Patienten selbst gehen dafür mit nicht zu unterschätzenden Risiken einher.

Zu diesen Risiken gehört vor allem die Gefahr eines allergischen Schocks, denn alle In-vivo-Tests wollen am Patienten eine allergische Reaktion provozieren. Aus diesem Grund finden In-vivo-Testverfahren ausschließlich unter Beaufsichtigung statt. Der Allergologe verfügt in seiner Praxis über Gegenmittel und Arzneimittel, die die Risiken für den Patienten reduzieren. Daher gilt ein Allergietest an und für sich als sicher. Medikamentenallergien und Nahrungsmittelallergien werden allerdings meist stationär getestet.

Bei Nahrungsmittelallergien stellt sich die allergische Reaktion oft erst mit starker Verzögerung ein. Es gilt dann, einen Kollaps des Patienten zu vermeiden. Die stationäre Aufnahme für diese Art des Allergietests ist also eine Absicherung für den Patienten. Bei Medikamentenallergien treten oft kaum voraussehbare Nebenwirkungen auf oder es kommt zum Kreislaufkollaps. Daher ist die stationäre Aufnahme auch in diesem Fall sicherer. Testverfahren wie der Prick-Test stehen außerdem in dem Ruf, Allergien erst hervorzurufen. Ein solcher Effekt ließ sich bislang aber nicht nachweisen.

Weiterbildung und Qualifikation

Wer die Bezeichnung Allergologe führen möchte, muss zunächst eine vollständige Facharztweiterbildung abgeschlossen haben. Erst darauf setzt die Zusatz-Weiterbildung Allergologie auf. Sie steht Fachärztinnen und Fachärzten mehrerer Gebiete offen, vor allem der Inneren Medizin, der Kinder- und Jugendmedizin, der Dermatologie, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Allgemeinmedizin. Das erklärt, warum Allergiepatienten je nach Beschwerdebild bei ganz unterschiedlichen Ärzten landen können und dennoch überall auf dieselbe Zusatzqualifikation treffen.

Die Weiterbildung vermittelt die immunologischen Grundlagen der Überempfindlichkeitsreaktionen, die Auswahl und Durchführung der Testverfahren, die Bewertung von Laborbefunden sowie die Behandlung allergischer Erkrankungen einschließlich der Versorgung schwerer allergischer Zwischenfälle. Am Ende steht eine Prüfung vor der zuständigen Landesärztekammer. Weil das ärztliche Weiterbildungsrecht in Deutschland Sache der einzelnen Landesärztekammern ist, können die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland geringfügig voneinander abweichen; die Kammern orientieren sich dabei an einer gemeinsamen Musterweiterbildungsordnung.

Neben der ärztlichen Weiterbildung gibt es ein Netz wissenschaftlicher Fachgesellschaften, das die Allergieforschung und die Fortbildung trägt. In Deutschland ist dies vor allem die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie; auf europäischer Ebene besteht eine entsprechende Dachgesellschaft. Diese Gesellschaften geben Leitlinien heraus, an denen sich die Diagnostik und die Behandlung ausrichten, und sie äußern sich zu Verfahren, deren Nutzen umstritten ist.

Wo Allergologen arbeiten und wie Patienten zu ihnen gelangen

Allergologisch tätige Ärzte arbeiten überwiegend in eigener Praxis, meist als Haut-, Lungen-, Hals-Nasen-Ohren- oder Kinderärzte mit allergologischem Schwerpunkt. Daneben gibt es Allergieambulanzen an Kliniken und an Universitätskliniken, die zugleich Forschungsaufgaben wahrnehmen. Größere Häuser bündeln die Fachrichtungen in Allergiezentren, damit Patienten mit Beschwerden an mehreren Organen nicht von Abteilung zu Abteilung geschickt werden müssen.

Der Weg dorthin führt in aller Regel über den Hausarzt oder – bei Kindern – über den Kinderarzt. Sie stellen den Verdacht, schließen andere Ursachen aus und überweisen zur weiteren Abklärung. Am Anfang der allergologischen Sprechstunde steht dann eine ausführliche Anamnese. Der Arzt fragt danach, wann und wo die Beschwerden auftreten, ob sie an bestimmte Jahreszeiten, an Räume, an Tiere, an Lebensmittel oder an den Arbeitsplatz gebunden sind, und ob in der Familie ähnliche Erkrankungen vorkommen. Häufig wird gebeten, die Beschwerden über einen gewissen Zeitraum aufzuschreiben, weil sich Zusammenhänge oft erst im Rückblick zeigen.

Ein eigener Zugangsweg führt über den Betrieb: Allergien gegen Mehlstaub, Latex, Isocyanate, Friseurstoffe oder Kühlschmierstoffe zählen zu den anerkannten berufsbedingten Erkrankungen. Hier arbeitet die Allergologie eng mit der Arbeitsmedizin zusammen, weil neben der Behandlung auch die Frage steht, ob der Betroffene seine Tätigkeit weiter ausüben kann.

Abgrenzung zu benachbarten Fachgebieten

Die Allergologie ist ein Querschnittsfach. Sie ist nicht über ein Organ definiert wie die Kardiologie oder die Nephrologie, sondern über einen Krankheitsmechanismus, der sich an sehr verschiedenen Organen zeigen kann. Deshalb überschneidet sie sich mit mehreren Gebieten: mit der Dermatologie bei Neurodermitis, Kontaktekzem und Nesselsucht, mit der Pneumologie bei Asthma, mit der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Augenheilkunde beim Heuschnupfen mit begleitender Bindehautentzündung, mit der Kinderheilkunde bei den früh beginnenden Formen und mit der Gastroenterologie bei Beschwerden nach dem Essen.

Von der Immunologie unterscheidet sich die Allergologie durch den Ausschnitt: Die Immunologie befasst sich mit der Abwehr insgesamt, also auch mit Abwehrschwächen, mit Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, und mit den Abstoßungsreaktionen nach Verpflanzungen. Die Allergologie greift daraus den Fall heraus, in dem sich die Abwehr gegen einen an sich harmlosen Umweltstoff richtet.

Wichtig ist auch die Abgrenzung nach unten, also gegenüber Beschwerden, die zwar nach einer Allergie aussehen, aber keine sind. Bei der Laktoseintoleranz fehlt ein Verdauungsenzym; das Immunsystem ist daran nicht beteiligt. Bei der Histaminintoleranz wird ein gestörter Abbau eines körpereigenen Botenstoffs angenommen, wobei die Abgrenzung fachlich umstritten ist. Auch Unverträglichkeiten gegenüber Zusatzstoffen oder Schmerzmitteln können allergieähnliche Beschwerden hervorrufen, ohne dass sich Antikörper nachweisen lassen; die Allergologie spricht dann von pseudoallergischen Reaktionen. Für den Patienten ist der Unterschied deshalb bedeutsam, weil die Behandlungswege auseinandergehen.

Geschichte der Allergologie

Beschreibungen dessen, was heute Heuschnupfen heißt, finden sich in der medizinischen Literatur des frühen 19. Jahrhunderts. Dass Blütenstaub der Auslöser ist, wies im weiteren Verlauf des Jahrhunderts ein englischer Arzt in Selbstversuchen nach. Um die Jahrhundertwende beobachteten zwei französische Forscher, dass eine wiederholte Gabe eines an sich verträglichen Eiweißes bei Versuchstieren eine schwere, mitunter tödliche Reaktion auslösen konnte, und nannten dieses Phänomen Anaphylaxie; einer von ihnen, Charles Richet, erhielt dafür 1913 den Nobelpreis für Medizin.

Den Begriff Allergie prägte 1906 der Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet. Er wollte damit eine veränderte Reaktionsfähigkeit des Organismus auf einen bereits bekannten Stoff bezeichnen. 1911 veröffentlichte der Londoner Arzt Leonard Noon eine Behandlung, bei der Heuschnupfenkranken Pollenauszüge in ansteigender Stärke gespritzt wurden – der Vorläufer der heutigen Hyposensibilisierung.

Den entscheidenden Schritt zur Labordiagnostik brachte Ende der 1960er Jahre die Entdeckung des Immunglobulins E, an der zwei Arbeitsgruppen unabhängig voneinander beteiligt waren. Erst damit ließ sich der Mechanismus messbar machen, der den Soforttyp-Allergien zugrunde liegt. In den Jahrzehnten danach traten Verfahren hinzu, die nicht mehr nur Auszüge aus Pollen oder Nahrungsmitteln verwenden, sondern einzelne Eiweißbausteine daraus. Diese sogenannte molekulare Allergiediagnostik soll klären helfen, ob ein Patient tatsächlich gegen einen Stoff empfindlich ist oder ob sein Befund auf einer Ähnlichkeit der Eiweiße beruht – so erklären sich etwa Beschwerden beim Apfelessen bei bestehender Birkenpollenallergie.

Dass allergische Erkrankungen in den Industrieländern seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufiger geworden sind, gilt als gut dokumentiert. Die Gründe dafür sind es nicht. Diskutiert werden unter anderem veränderte Lebens- und Wohnverhältnisse, eine geringere Auseinandersetzung des kindlichen Immunsystems mit Keimen, Ernährungsumstellungen und Luftschadstoffe. Eine abschließend gesicherte Erklärung liegt bislang nicht vor.

Therapieverfahren der Allergologie

Die Behandlung allergischer Erkrankungen setzt an drei Stellen an. Der erste Ansatz ist die Vermeidung des auslösenden Stoffes. Das reicht vom Verzicht auf ein bestimmtes Lebensmittel über besondere Bezüge für Matratzen und Bettzeug bei Hausstaubmilbenallergie bis hin zum Wechsel des Arbeitsplatzes bei berufsbedingten Formen. Vollständig gelingt die Vermeidung selten, bei Pollen aus naheliegenden Gründen fast nie.

Der zweite Ansatz ist die medikamentöse Dämpfung der Beschwerden. Dazu zählen Antihistaminika, die die Wirkung des freigesetzten Histamins abschwächen sollen, örtlich angewandte Glukokortikoide als Nasenspray, Inhalat, Augentropfen oder Salbe, Mastzellstabilisatoren sowie bei Asthma zusätzlich atemwegserweiternde Mittel. Welche Wirkstoffgruppe der Arzt auswählt, richtet sich nach dem betroffenen Organ und nach der Schwere der Beschwerden. Für Menschen mit schweren, anders nicht beherrschbaren Verläufen stehen seit einigen Jahren gentechnisch hergestellte Antikörperpräparate zur Verfügung, die gezielt in die allergische Reaktionskette eingreifen sollen.

Der dritte Ansatz ist die spezifische Immuntherapie, meist Hyposensibilisierung genannt. Dem Patienten wird der auslösende Stoff über einen langen Zeitraum in ansteigender Menge zugeführt, entweder als Spritze unter die Haut oder als Tropfen oder Tablette unter die Zunge. Das Immunsystem soll sich dadurch an das Allergen gewöhnen. In der Allergologie gilt dieses Verfahren als das einzige, das nicht nur die Beschwerden dämpft, sondern an der Überempfindlichkeit selbst ansetzt; die Behandlung wird ärztlich durchgeführt und überwacht, weil sie selbst eine allergische Reaktion auslösen kann.

Einen Sonderfall bilden Patienten mit schweren Allgemeinreaktionen, etwa nach Insektenstichen. Ihnen verordnet der Arzt ein Notfallset, zu dem üblicherweise ein Fertigspritzensystem mit Adrenalin gehört, und weist sie in dessen Gebrauch ein. Ergänzend werden Schulungen angeboten und ein Allergiepass ausgestellt, in dem die nachgewiesenen Auslöser eingetragen sind.

Weitere Testverfahren und ihre Reihenfolge

Neben den Testverfahren des Soforttyps kennt die Allergologie den Epikutantest, auch Pflastertest genannt. Er dient dem Nachweis von Kontaktallergien, bei denen sich die Hautreaktion erst mit Verzögerung einstellt. Dabei werden Testsubstanzen in Pflasterkammern auf den Rücken geklebt und mehrfach abgelesen, weil Reaktionen dieses Typs nicht sofort sichtbar werden. Der Test gehört vor allem zum Bestand der Dermatologie und der Arbeitsmedizin, etwa bei Ekzemen an den Händen.

Bleibt nach Hauttests und Laborwerten offen, ob ein Stoff die Beschwerden tatsächlich verursacht, folgen Provokationstests. Dabei wird das verdächtigte Allergen unter ärztlicher Aufsicht gezielt an das betroffene Organ gebracht – in die Nase, an das Auge, in die Atemwege oder als Nahrungsmittel. Als aussagekräftigste Form gilt in der Allergologie die Provokation, bei der weder Patient noch Untersucher wissen, ob gerade der verdächtigte Stoff oder ein Scheinpräparat gegeben wird.

Für die Beurteilung ist die Reihenfolge wesentlich. Anamnese, Hauttest, Laborbefund und Provokation bauen aufeinander auf, und keiner dieser Schritte entscheidet für sich allein. Ein positiver Hauttest oder ein erhöhter Antikörperwert belegt zunächst nur, dass sich das Immunsystem mit dem Stoff auseinandergesetzt hat. Ob daraus eine Erkrankung folgt, ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel mit den geschilderten Beschwerden. Diese Unterscheidung zwischen bloßer Empfindlichkeit und behandlungsbedürftiger Allergie zählt zu den Kernaufgaben des Fachs.

Quellen

  • Biedermann, T., Heppt, W., Renz, H., Röcken, M. (Hrsg.): Allergologie.
    ISBN: 9783642372025
  • Trautmann, A., Kleine-Tebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis.
    ISBN: 9783132438804
  • Saloga, J., Klimek, L., Buhl, R., Knop, J. (Hrsg.): Allergologie-Handbuch.
    ISBN: 9783794527298
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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