Brown-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Brown-Syndrom tritt nur sehr selten auf. Betroffen ist davon das Auge. Durch das Brown-Syndrom lässt sich das betroffene Auge nicht mehr heben, wenn es zur Nase hin gedreht ist, weshalb die betroffenen Personen häufig an Lebensqualität einbüßen. Die Sehschärfe selbst ist dabei normal; im Vordergrund stehen Doppelbilder beim Blick nach oben-innen und eine ausgleichende Kopfzwangshaltung.

Trotz des ähnlichen Namens hat das Brown-Syndrom nichts mit dem Brown-Séquard-Syndrom (halbseitige Rückenmarksschädigung) oder dem Brown-Vialetto-Van-Laere-Syndrom (Erbkrankheit mit Taubheit) zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Brown-Syndrom?

Brown Syndrom
Anders als bei einem gesunden Auge (wie auf diesem Bild), kann durch die charakteristische Verdickung der Sehne des oberen schrägen Augenmuskels die betroffene Person das Auge nicht mehr gänzlich kontrollieren.
© Alexandr Mitiuc – stock.adobe.com

Das Brown-Syndrom ist nach dem gleichnamigen Augenarzt Harold Whaley Brown benannt, der dieses Syndrom entdeckte. Es ist auch unter der Bezeichnung Obliquus-Superior-Sehnenscheiden-Syndrom bekannt. Bei dem Brown-Syndrom liegt eine Anomalie in Form einer krankhaften Verdickung der Sehne des oberen schrägen Augenmuskels (Musculus obliquus superior) beziehungsweise ihrer Sehnenscheide vor, die die Bewegungen des Auges einschränkt.

Als Folge ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage, das Auge zu heben, während es zur Nase hin gedreht ist. Dabei entsteht eine Art Schielen. Somit gehört das Brown-Syndrom zu dem Bereich des Strabismus. Das Brown-Syndrom kann in verschiedensten Altersgruppen auftreten.

Häufig stellen Eltern die Symptome bereits bei Kleinkindern fest, in vielen Fällen wird das Brown-Syndrom aufgrund seiner Seltenheit allerdings nicht erkannt, was die Behandlung erheblich erschwert. Umso wichtiger ist es daher für behandelnde Augenärzte, die Ursachen und Symptome genau zu kennen.

Ursachen

Durch die charakteristische Verdickung der Sehne des oberen schrägen Augenmuskels kann die betroffene Person das Auge nicht mehr gänzlich kontrollieren. Durch die Verdickung kann die Sehne nicht mehr problemlos durch die knorpelige Umlenkrolle (Trochlea) in der Augenhöhle gleiten. Dies löst die Symptome aus und führt zu dem typischen Schielen.

Grundsätzlich werden die Ursachen für das Brown-Syndrom in zwei Kategorien unterschieden: angeboren und erworben. Nach heutigem Kenntnisstand ist die angeborene Form die häufigere; sie beruht auf einer anlagebedingten Enge der Sehnenscheide und betrifft meist nur ein Auge. Ein familiär gehäuftes Auftreten ist die Ausnahme.

Erworbene Formen sind seltener. In einigen Fällen wird das Brown-Syndrom durch entzündliche Reaktionen hervorgerufen, aber auch rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis können zu der Verdickung der betroffenen Sehne führen. Auch Stürze und Unfälle sind mögliche Ursachen. Darüber hinaus können spezielle Operationen am Auge sowie Entzündungen das Syndrom auslösen, auch diese Ursache ist allerdings wenig verbreitet.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome und Beschwerden unterscheiden sich beim Brown-Syndrom enorm in ihrer Ausprägung. Während manche Personen in ihrem Alltag und der Lebensqualität kaum eingeschränkt werden, leiden andere wiederum stark unter den Symptomen. In einigen Fällen ist es den betroffenen Personen zum Beispiel nicht einmal möglich, den Führerschein zu machen.

Grundsätzlich entsteht durch die Verdickung der Sehne und der damit einhergehenden Bewegungseinschränkung des Auges das Schielen, das im Fachjargon als Strabismus bezeichnet wird. Betroffene Personen sehen Doppelbilder, wobei sich diese meistens im mittleren und oberen Bereich des Blickfeldes befinden, im unteren Sichtfeld kommt dies seltener vor. Im Geradeausblick bestehen dagegen meist keine Doppelbilder.

Viele betroffene Menschen halten den Kopf dann schief – so werden die Doppelbilder vermieden, allerdings entstehen so langfristig auch Haltungsschäden. Das Schielen und die beeinträchtigte Sicht gehen häufig mit einer gewissen Orientierungslosigkeit einher.

In manchen Fällen ist das Brown-Syndrom auch mit Schmerzen verbunden, wenn das Auge bewegt wird. Erste Anzeichen können bei jüngeren Kindern vor allem beim Lesen auffallen, wenn das Kind nicht mehr richtig lesen kann oder den Kopf dabei schief hält. Die Sehschärfe selbst ist beim Brown-Syndrom nicht herabgesetzt.

Diagnose & Verlauf

In vielen Fällen dauert es sehr lange, bis bei einem vorliegenden Brown-Syndrom die richtige Diagnose gestellt wird. Vor allem bei Kindern ist es schwierig, das Brown-Syndrom vom klassischen Schielen zu unterscheiden. Auch Erwachsene können lange Zeit unter den Symptomen leiden, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.

Die Diagnostik des Brown-Syndroms wird durch die Tatsache erschwert, dass die Symptome nicht selten scheinbar willkürlich auftreten, für einige Zeit – bis zu einigen Monaten – abklingen und dann scheinbar aus dem Nichts wieder auftreten. Grundsätzlich sollten Erwachsene einen Arzt aufsuchen, wenn sie Doppelbilder sehen oder ein Auge nicht mehr richtig bewegen können. Dann kann geklärt werden, ob das Brown-Syndrom vorliegt und wo die Ursachen liegen.

Wegweisend ist der sogenannte Traktionstest (Zwangsduktionstest): Dabei versucht der Augenarzt, das betäubte Auge mit einer Pinzette passiv nach oben-innen zu führen. Gelingt auch das nicht, spricht dies für eine mechanische Behinderung der Sehne und damit für ein Brown-Syndrom und gegen eine Lähmung des gegenspielenden Augenmuskels. Bei Kindern gehört zur Untersuchung außerdem die Prüfung auf eine Amblyopie, also eine Sehschwäche des weniger genutzten Auges.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Brown-Syndrom ist in den meisten Fällen angeboren; erworbene Formen kommen seltener vor. Wie bei jedem Unfall, der besonders empfindliche Körperpartien wie das Auge mit einschließt, sollte eine gründliche Kontrolle durch den Arzt erfolgen. Aber auch chronische Erkrankungen begünstigen die Entstehung. Darunter fallen auch entzündliche Reaktionen wie beim Rheuma oder starken Allergien. Vorsicht ist geboten, sofern diese körperliche Vorbelastung bereits besteht und in Kombination mit den Symptomen des Brown-Syndroms auftreten.

Zwar kündigt sich eine Veränderung in vielen Fällen über längere Zeit an, aber auch kurze Krankheitsphasen können auf eine Verdickung der Sehne am Auge hinweisen. Häufig werden aufgrund der willkürlich erscheinenden Natur der Erkrankung Symptome missinterpretiert und führen zunächst zu Fehldiagnosen. Verwechslungsgefahr besteht zudem durch das klassische Schielen vor allem im Kindesalter. Kinder und Erwachsene versuchen unbewusst die im oberen Blickfeld angesiedelten Doppelbilder durch eine Schieflage des Kopfes zu kompensieren.

Angewöhnte Fehlhaltungen, Kopfschmerzen und Probleme bei der Orientierung sollten stets durch einen Arztbesuch abgeklärt werden. Das zusätzlich auftretende Schmerzempfinden durch die Verdickung der Sehne bei Augenbewegung in der Augenhöhle gilt eher als untypisch für gewöhnliches Schielen. Einen akuten Notfall stellt diese Erkrankung nicht dar und die Maßnahmen zur Therapie fallen entsprechend der Ausprägung der Symptomatik aus.

Behandlung & Therapie

Auch die richtige Behandlung des Brown-Syndroms richtet sich nach dessen Schwere. Sind die Symptome für die betroffene Person kaum merkbar und tritt keine Einschränkung im Alltag ein, wird häufig auf eine Therapie verzichtet. Gerade die angeborenen Formen bleiben über Jahre stabil und kommen ohne Operation aus. Bei leichteren Erkrankungen wird häufig Cortison eingespritzt. In vielen Fällen hat sich zudem Ibuprofen als Wirkstoff bewährt.

Nur in sehr schweren Fällen, in denen der normale Alltag kaum bewältigt werden kann, sollte ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden: Dabei wird die verdickte Sehne des Augenmuskels verlängert, indem sie mit einem eingesetzten Silikonband gestreckt wird. Auch Kortikosteroiden finden oft Anwendung. Diese werden direkt in den Bereich der Trochlea gespritzt.

Aussicht & Prognose

Wie stark das Brown-Syndrom das Leben und den Alltag des Betroffenen einschränkt, ist von Fall zu Fall sehr verschieden. Es kann nicht vollständig behandelt werden, wobei allerdings auch die Lebenserwartung des Betroffenen durch diese Erkrankung nicht negativ eingeschränkt wird.

Die Symptome und Beschwerden können bei diesem Syndrom sehr unterschiedlich ausfallen. Bei einigen Patienten treten fast keine Beschwerden auf, sodass die Augenbeweglichkeit nur sehr wenig durch das Brown-Syndrom eingeschränkt wird. Hierbei ist in der Regel keine besondere Behandlung notwendig. In schwerwiegenden Fällen können die Beschwerden mit Kortison gelindert werden. Ebenfalls kann hierbei ein operativer Eingriff stattfinden, der die Lebensqualität des Betroffenen erhöhen soll. Eine vollständige Linderung der Beschwerden tritt dadurch jedoch nicht ein.

Sollte beim Brown-Syndrom keine Behandlung stattfinden, so tritt auch keine Besserung ein. Jedoch verschlechtern sich die Beschwerden meistens auch nicht weiter. Eine frühzeitige Behandlung wirkt sich bei diesem Syndrom sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und kann verschiedene Komplikationen vermeiden. Häufig führt das Brown-Syndrom auch zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen, sodass der Betroffene auch auf eine psychologische Behandlung angewiesen ist.


Vorbeugung

Leider gibt es kaum eine Möglichkeit, dem Brown-Syndrom vorzubeugen; die meist angeborene Form lässt sich nicht verhindern. Eine bestehende rheumatische Erkrankung sollte konsequent behandelt werden, um einer erworbenen Form vorzubeugen. Prinzipiell empfiehlt es sich jedoch, bei auftretenden Problemen schnellstmöglich einen Augenarzt aufzusuchen, der die Augen untersuchen und eine Diagnose stellen kann.

Nachsorge

Das Brown-Syndrom ist eine Erkrankung des Auges, die operativ oder durch bloße Schonung behandelt werden kann. Die Nachsorge erfolgt langfristig und konzentriert sich auf Verlaufskontrollen sowie regelmäßige Augenübungen, durch welche die Beweglichkeit des Auges gefördert werden kann. Bei Kindern dient die augenärztliche Kontrolle vor allem dazu, eine Amblyopie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Kontrolluntersuchungen sollten zu Beginn ein bis zweimal pro Monat stattfinden.

Der Turnus hängt davon ab, wie gut die Wunde nach einer Operation verheilt. Wenn die Beweglichkeit des Auges durch den Eingriff signifikant verbessert wurde, spricht dies bereits für einen positiven Verlauf. Sollten keine Komplikationen auftreten, genügen einige wenige Verlaufskontrollen im Abstand von einem Monat. Später genügen halbjährige Untersuchungen.

Falls Komplikationen oder Spätfolgen auftreten, kann dies im Rahmen der Nachsorge festgestellt werden. Anschließend können die notwendigen Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Unabhängig davon, ob Komplikationen auftreten, müssen im Rahmen der Nachsorge Augenübungen durchgeführt werden. Der Patient sollte das Sehtraining unter Aufsicht eines Experten beginnen und kann es später selbstständig weiterführen.

Durch gezieltes Training des betroffenen Augenmuskels kann die Belastbarkeit des Auges erhöht werden. Bei den vorübergehenden entzündlichen Formen ist in der Regel keine Nachsorge notwendig. Nach der medikamentösen Behandlung erholt sich das Auge innerhalb einiger Tage von selbst wieder.

Das können Sie selbst tun

Abhängig von seiner Ausprägung, kommen beim Brown-Syndrom eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen in Frage. Die konservative Therapie kann durch eine Reihe von Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden.

Zunächst empfehlen sich allgemeine Dinge wie ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßigem Sport und dem Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Co. Ein aktives und gesundes Leben kann die Sehkraft zwar nicht direkt verbessern, allerdings kann dadurch die oft herabgesetzte Lebensqualität wieder gesteigert werden. Zudem hilft die Vermeidung schädlicher Einflüsse bei der Bewahrung der Sehkraft. Sportliche Betätigung wie Kraftsport, Yoga oder Pilates wirkt auch der Orientierungslosigkeit entgegen, die beim Brown-Syndrom auftreten kann.

Ergänzend dazu helfen verschiedene Mittel aus der Natur dabei, die Sehkraft zu festigen. Augentrost etwa wird bei müden und überreizten Augen eine lindernde Wirkung nachgesagt. Schöllkraut wurde früher bei verschiedenen Augenproblemen eingesetzt; wegen möglicher Leberschäden wird davon heute abgeraten. Der Heilpflanze Kalmus wird eine beruhigende Wirkung auf die Lidränder zugeschrieben. Auf die Beweglichkeit des Auges haben diese Mittel keinen Einfluss.

Sollten die Auswirkungen des Brown-Syndroms (z.B. Schielen, auffällige Sehhilfen) zu psychischen Beschwerden führen, kann auch eine begleitende Therapie in Betracht gezogen werden. Verschiedene Ärzte und Spezialkliniken können weitere Informationen zur Bewältigung der Erkrankung geben.

Quellen

  • Steffen, H., Kaufmann, H. (Hrsg.): Strabismus.
    ISBN: 9783132413306
  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Grehn, F.: Augenheilkunde.
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  • Kampik, A., Grehn, F., Messmer, E. (Hrsg.): Facharztprüfung Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132438002
  • Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
    ISBN: 9783437234859

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