Coombs-Test
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der Coombs-Test weist Antikörper gegen rote Blutkörperchen nach – je nach Testform solche, die bereits an den roten Blutkörperchen des Patienten haften, oder solche, die frei im Serum zirkulieren – und kommt zum Beispiel standardisiert im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge und der Blutgruppenbestimmung zum Einsatz. Das Testverfahren arbeitet mit Kaninchenserum und existiert in einer direkten und einer indirekten Form, die für verschiedene Fragestellungen Anwendung finden.
Was ist der Coombs-Test?
Zum Nachweis für Antikörper gegen Erythrozyten findet der sogenannte Coombs-Test Einsatz. Der Test weist Antikörper der Klasse IgG nach. Diese Antikörper gelten als "inkomplette" Antikörper und können für sich selbst keine Verklebung der Blutkörperchen bewirken. Allerdings können IgM-Antikörper wegen der Pentamer-Struktur eine solche Verklebung herbeiführen und heißen aus diesem Grund "komplette" Antikörper.
Beim Coombs-Tests findet zum Nachweis von Antikörpern sogenanntes Coombs-Serum Anwendung, das auch als Antihumanglobulin bezeichnet wird. Coombs-Serum besteht aus dem Blutserum von Kaninchen, die gegen humane Antikörper aus der IgG-Klasse eine Immunisierung durchlaufen haben. Der Test findet entweder im Reagenzröhrchen oder im Rahmen einer Mikrosäulen-Agglutination statt. Der Coombs-Test geht auf den Cambridger Immunologen Robin Coombs zurück und wird innerhalb der Hämatologie vor allem zur Diagnostik hämolytischer Anämien eingesetzt. Diese Anämien können zum Beispiel Neugeborene mit Rhesus-Inkompatibilität betreffen.
In der Transfusionsmedizin findet der Test außerdem Einsatz zur serologischen Verträglichkeitsuntersuchung. Der Ausdruck Coombs-Test bezieht sich im Grunde lediglich auf die Untersuchungstechnik und damit die Verwendung von Antihumanglobulin. Beim Testverfahren wird eine direkte von einer indirekten Form unterschieden.
Funktion, Wirkung & Ziele
Falls das Blut Antikörper gegen Erythrozyten trägt und diese Antikörper erythrozytengebunden vorliegen, bindet das Coombs-Serum mit seinen Antikörpern an das humane IgG der Testprobe. Unter dem Zusatz eines Reaktionsverstärkers kommt es zur Agglutination und der Test wird als positiv gewertet. Der indirekte Coombs-Test verläuft auf etwas andere Weise. Dieser Test besteht aus zwei Schritten und weist Antikörper gegen fremde Erythrozyten nach. Diese Antikörper zirkulieren in der Blutprobe frei und sind nicht erythrozytengebunden. Der erste Schritt des indirekten Testverfahrens entspricht einer Inkubation der Blutplasmaprobe mit Testerythrozyten.
Wenn im Test-Serum Antikörper vorliegen, binden sie sich an die Erythrozyten, wenngleich keine Verklebung entsteht. Im zweiten Schritt wird das Coombs-Serum mit den Testerythrozyten vermischt und es kommt zur Verklebung. Mit einem positiven indirekten Coombs-Test lässt sich zum Beispiel eine Sensibilisierung der Mutter im Rahmen einer Rhesus-Inkompatibilität erkennen, indem inkomplette Antikörper im Blut der Mutter dokumentiert werden.
Der direkte Coombs-Test existiert ausschließlich in der oben beschriebenen Variante und hat damit immer den Nachweis oder Ausschluss der Antikörperbeladung auf Patientenerythrozyten zum Ziel.
Der indirekte Coombs-Test ist mit verschiedenen Einsatzformen assoziiert, die in der Regel einem Antikörpersuchtest oder einer serologischen Verträglichkeitsprobe entsprechen. Der indirekte Test kann allerdings auch im Rahmen von weiterführenden Untersuchungen zum Einsatz kommen und dient dann zum Beispiel der Feststellung verschiedener Antikörperspezifitäten. Die Testmethode des indirekten Tests bleibt zwar gleich, aber seine Benennung kann im Einzelfall mit der Fragestellung der Testung variieren. Aus diesem Grund lässt sich vom Labor kein indirekter Coombs-Test anfordern, sondern der anfordernde Arzt muss den Einsatzzweck oder das Ziel der Testung spezifizieren.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Einige Menschen reagieren auf die Entnahme von Blut mit Abgeschlagenheit, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Auch diese Symptome halten in der Regel aber nicht länger vor, sondern remittieren noch am selben Tag. Ohnehin wird dem Patienten für die Testung relativ wenig Blut entnommen, sodass sich nur in äußerst seltenen Fällen überhaupt Nebenwirkungen einstellen. Der Coombs-Test erfordert keine stationäre Betreuung, sondern kann ambulant durchgeführt werden. Wie lange das Labor zur Durchführung benötigt, hängt von der Art des Testverfahrens und der jeweiligen Zielsetzung des Tests ab.
Besondere, klinische Relevanz hat der Test bei autoimmunhämolytischer Anämie, bei der körpereigen produzierte Antikörper des Immunsystems eine Hämolyse der Erythrozyten bewirken und so eine Blutarmut entstehen lassen. Der direkte Coombs-Test ist bei solchen Erkrankungen in aller Regel positiv. Ein positiver Test stützt den Verdacht damit deutlich; die Diagnose stellt der Arzt aber erst zusammen mit den übrigen Befunden. Anders verhält es sich dann, wenn der Test negativ ausfällt. Ein negativ direkter Coombs-Test entspricht nicht zwingend einem Ausschluss der Erkrankung. Von der autoimmunhämolytischen Anämie existiert auch eine Coombs-negative Variante. Damit muss ein Patient mit einem negativen Test in diesem Fall weitere Diagnoseverfahren über sich ergehen lassen.
Bei der beschriebenen Erkrankung zählt zum Beispiel die Bestimmung der Autoantikörper oder die Umfeld-Diagnostik zu den weiterführenden Diagnostika nach einem negativen Test. Im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen kann ein negativer Coombs-Test durchaus als Ausschluss bewertet werden. Unter Umständen schließen sich bei bestimmten Fragestellungen auch an einen positiven Coombs-Test weitere Untersuchungen an, die eine genauere Einordnung des vorliegenden Phänomens zulassen oder die positiven Ergebnisse des Tests zusätzlich absichern. Indikationen für den Coombs-Test sind unter anderem die Blutgruppenbestimmung, Bluttransfusionen, Mutterschaftsvorsorge oder der Verdacht auf Rhesus-Inkompatibilität.
Geschichte des Verfahrens
Das Verfahren wurde Mitte der 1940er Jahre in Cambridge entwickelt und im Jahr 1945 beschrieben. Neben Robin Coombs waren Arthur Mourant und Robert Race an der Arbeit beteiligt, weshalb der Test gelegentlich auch als Coombs-Mourant-Race-Test bezeichnet wird. Fachlich korrekt heißt er Antihumanglobulintest; die Bezeichnung Coombs-Test hat sich im klinischen Sprachgebrauch jedoch gehalten.
Der Test löste ein Problem, an dem die Blutgruppenserologie bis dahin gescheitert war. Man wusste, dass es Antikörper gegen Erythrozyten geben musste, die schwere Reaktionen auslösen, ohne dass sich die Blutkörperchen im Reagenzglas sichtbar zusammenlagerten. Solche Antikörper blieben schlicht unbemerkt. Das Antihumanglobulin machte sie sichtbar, indem es die bereits beladenen Blutkörperchen untereinander verbrückt. Damit wurde erstmals verstehbar, weshalb es bei rhesusnegativen Müttern zur schweren Erkrankung des Neugeborenen kam, und die gezielte Vorsorge in der Schwangerschaft wurde überhaupt erst möglich. Auch die Verträglichkeitsprüfung vor einer Bluttransfusion beruht bis heute auf diesem Prinzip.
Ablauf und Probenmaterial
Für den Patienten besteht der Coombs-Test lediglich aus einer Blutentnahme aus einer Armvene; alles Weitere geschieht im Labor. Welches Röhrchen verwendet wird, hängt von der Fragestellung ab: Für den Nachweis von Antikörpern, die den Erythrozyten bereits anhaften, werden die Blutkörperchen selbst benötigt, für den Nachweis frei zirkulierender Antikörper dagegen der flüssige Anteil des Blutes. Es ist deshalb üblich, dass das Labor für unterschiedliche Fragestellungen unterschiedliche Röhrchen anfordert.
Im Labor werden die Erythrozyten zunächst mehrfach gewaschen. Dieser Schritt ist nicht nebensächlich: Bleiben freie Immunglobuline aus dem Plasma an der Probe haften, fangen sie das zugesetzte Antihumanglobulin ab, bevor es die beladenen Blutkörperchen erreicht. Das Ergebnis fiele dann fälschlich negativ aus. Anschließend wird das Coombs-Serum zugegeben und der Ansatz beurteilt. Bei der klassischen Durchführung im Röhrchen wird zentrifugiert und das Zellsediment vorsichtig aufgeschüttelt; eine bestehende Verklebung zeigt sich als Flockung. Bei der heute verbreiteten Mikrosäulen-Technik wandern die Blutkörperchen beim Zentrifugieren durch ein Gel: Verklumpte Zellen bleiben oben hängen, freie sammeln sich am Boden. Diese Variante lässt sich leichter standardisieren, dokumentieren und maschinell auswerten.
Das verwendete Coombs-Serum gibt es in zwei Ausführungen. Das breit gerichtete Serum erkennt sowohl gebundene Antikörper als auch angelagerte Bestandteile des Komplementsystems und wird für den ersten Durchgang genutzt. Fällt dieser positiv aus, kann mit eng gerichteten Seren nachgeprüft werden, ob Antikörper, Komplement oder beides auf den Blutkörperchen sitzt. Diese Unterscheidung ist für die Einordnung des Befundes wichtig, weil unterschiedliche Krankheitsbilder unterschiedliche Muster erzeugen.
Anwendung in der Schwangerschaftsvorsorge
In der Mutterschaftsvorsorge gehört der indirekte Test als Antikörpersuchtest zum Standardprogramm. Er wird zu Beginn der Schwangerschaft durchgeführt und im letzten Schwangerschaftsdrittel wiederholt. Gesucht wird nach Antikörpern der Mutter, die sich gegen Merkmale der kindlichen Blutkörperchen richten könnten.
Der wichtigste, aber nicht der einzige Anlass ist der Rhesusfaktor. Trägt eine rhesusnegative Frau ein rhesuspositives Kind, kann sie bei Kontakt mit kindlichem Blut Antikörper bilden. Für diese Schwangerschaft bleibt das meist folgenlos; in einer späteren Schwangerschaft können die Antikörper jedoch auf das Kind übergehen und dessen rote Blutkörperchen zerstören. Um das zu verhindern, wird rhesusnegativen Schwangeren vorbeugend Anti-D-Immunglobulin gegeben – im letzten Schwangerschaftsdrittel, nach der Geburt eines rhesuspositiven Kindes sowie nach Ereignissen, bei denen kindliches Blut in den mütterlichen Kreislauf gelangen kann, etwa nach einer Fruchtwasseruntersuchung oder einer Chorionzottenbiopsie. Eine Besonderheit für die Befundung: Nach einer solchen Gabe fällt der Antikörpersuchtest zeitweise positiv aus, ohne dass die Frau selbst Antikörper gebildet hat. Das Labor muss deshalb wissen, ob und wann eine Prophylaxe erfolgt ist.
Beim Neugeborenen wird umgekehrt der direkte Test eingesetzt, wenn der Verdacht besteht, dass mütterliche Antikörper die kindlichen Blutkörperchen angreifen. Zusammen mit dem Bilirubin-Wert und dem Blutbild hilft er, eine Neugeborenengelbsucht einzuordnen, die auf einem solchen Antikörperangriff beruht.
Anwendung in der Transfusionsmedizin
Vor der Übertragung von Blut wird geprüft, ob das Empfängerserum mit den Blutkörperchen der Konserve verträglich ist. Diese Kreuzprobe schließt einen Schritt mit Antihumanglobulin ein, damit auch solche Antikörper erfasst werden, die für sich genommen keine sichtbare Verklebung erzeugen. Sie ergänzt den vorausgehenden Antikörpersuchtest, der allgemein nach unerwarteten Antikörpern im Empfängerblut fahndet.
Wichtig ist die Abgrenzung zu dem Test, der unmittelbar vor der Transfusion am Krankenbett durchgeführt wird. Dieser prüft ausschließlich die AB0-Blutgruppe und ersetzt die Verträglichkeitsprobe im Labor nicht. Wird nach einer Transfusion ein Zerfall roter Blutkörperchen vermutet, gehört der direkte Test zur Abklärung: Er kann zeigen, ob übertragene Blutkörperchen mit Antikörpern des Empfängers beladen wurden.
Was hinter einem positiven direkten Test stecken kann
Ein positiver direkter Coombs-Test besagt zunächst nur, dass den roten Blutkörperchen Antikörper oder Komplementbestandteile anhaften. Die Ursachen sind vielfältig, und erst der klinische Zusammenhang macht daraus einen Befund.
Am bekanntesten ist die autoimmunhämolytische Anämie, bei der sich das Immunsystem gegen die eigenen Blutkörperchen richtet. Unterschieden werden Formen, deren Antikörper bei Körpertemperatur wirken, und Formen mit Kälteantikörpern, die bei niedrigeren Temperaturen aktiv werden; die Muster im Test unterscheiden sich, weshalb die genauere Bestimmung mit eng gerichteten Seren erfolgt. Eine solche hämolytische Anämie kann für sich allein auftreten oder Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sein, etwa einer chronischen lymphatischen Leukämie, eines Lymphoms oder eines Lupus erythematodes.
Auch Medikamente kommen als Auslöser in Betracht. Einige Wirkstoffe können dazu führen, dass Antikörper an den Blutkörperchen haften – teils, indem sich der Wirkstoff selbst an die Zelloberfläche anlagert, teils über andere Mechanismen. Unter den älteren Beschreibungen finden sich etwa hochdosiertes Penicillin sowie bestimmte Blutdruckmittel. Ein solcher Befund bildet sich nach Absetzen des auslösenden Mittels in der Regel zurück; die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.
Infektionen sind eine weitere Gruppe. Nach einer Infektion mit Mykoplasmen oder mit dem Epstein-Barr-Virus, dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, können vorübergehend Antikörper auftreten, die im Test nachweisbar sind. Schließlich kann der Test nach der Gabe hochdosierter Immunglobuline oder nach Transplantationen positiv ausfallen.
Zu bedenken ist außerdem, dass ein schwach positiver direkter Test auch bei Menschen vorkommt, deren Blutkörperchen nicht vermehrt zerfallen und die keinerlei Beschwerden haben. Ein positiver Test allein ist deshalb keine Krankheit.
Grenzen und Fehlerquellen
Die Aussagekraft des Verfahrens hat Grenzen, die sowohl im Labor als auch in der Deutung liegen.
Auf der Laborseite steht an erster Stelle das unzureichende Waschen der Blutkörperchen, das ein falsch negatives Ergebnis erzeugen kann. Sitzen umgekehrt nur sehr wenige Antikörper auf den Zellen, kann die Verklebung zu schwach ausfallen, um erkannt zu werden. Kälteantikörper stellen besondere Anforderungen an Transport und Lagerung, weil sie sich bei Abkühlung der Probe an die Blutkörperchen anlagern und ein Bild erzeugen können, das so im Körper nicht besteht. Bei Nabelschnurblut kann anhaftende Gallertsubstanz der Nabelschnur eine Verklumpung vortäuschen. Auch eine bereits im Körper laufende starke Zerstörung der Blutkörperchen kann das Ergebnis verzerren, weil gerade die beladenen Zellen zuerst abgebaut werden.
Auf der Deutungsseite gilt der bereits genannte Grundsatz in beide Richtungen: Ein positiver Test belegt keine Erkrankung, und ein negativer schließt keine aus. Für die Einordnung braucht der Arzt weitere Befunde – etwa das Blutbild, Anzeichen eines gesteigerten Blutabbaus im Labor und den Verlauf der Beschwerden. Aus diesem Grund wird der Test in der Regel nicht isoliert angefordert, sondern als Teil einer abgestimmten Untersuchungsfolge, und aus demselben Grund braucht das Labor Angaben zur Fragestellung, zu Vorerkrankungen, zu Transfusionen und zu eingenommenen Medikamenten. Fehlen diese Angaben, kann ein an sich richtiges Laborergebnis in die falsche Richtung gedeutet werden.
Quellen
- Kiefel, V., Sachs, U. J. (Hrsg.): Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.
ISBN: 9783662718247
- Dörner, K., Kohse, K. P. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie.
ISBN: 9783132402812
- Schmetzer, O.: Basics klinische Chemie und Labormedizin.
ISBN: 9783437422591
- Murphy, K. M., Weaver, C.: Janeway Immunologie.
ISBN: 9783662560037
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
