Gesäßmuskulatur


Medizinische Qualitätssicherung am 1. Juli 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Gesäßmuskulatur umfasst eine Vielzahl von Muskeln mit unterschiedlichen Aufgaben. Sie ermöglicht es dem Menschen, bestimmte Bewegungen auszuüben. Bereits im Alltag spielen die Muskeln eine wichtige Rolle. Gleichzeitig können bestimmte Erkrankungen der Gesäßmuskulatur für Beschwerden verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gesäßmuskeln?

Die Gesäßmuskulatur besteht vor allem aus dem großen, mittleren und kleinen Gesäßmuskel. Funktionell ist sie Teil der Hüftmuskulatur. Die unterschiedlichen Muskeln weisen differenzierte Aufgaben und Funktionen auf. Für die einwandfreie Funktion ist insbesondere die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Muskeln wichtig.

Gleichzeitig handelt es sich bei dem großen Gesäßmuskel um den größten Muskel im menschlichen Körper. Darüber hinaus gehört er zu den kräftigsten und verdeckt den mittleren sowie kleinen Gesäßmuskel. Der große Gesäßmuskel ist Teil der Skelettmuskulatur. Diese zeichnet sich durch unterschiedliche Faktoren aus. Besonders wichtig ist dabei die Tatsache, dass es sich um einen willkürlichen Muskel handelt.

Willkürliche Muskeln werden dadurch charakterisiert, dass sie bewusst bewegt werden können und ihre Bewegungsprozesse nicht unbewussten Mechanismen unterliegen, wie es beispielsweise bei dem Herzmuskel der Fall ist. Die Gesäßmuskulatur übernimmt im Alltag nicht nur permanent wichtige Aufgaben. Sie lässt sich durch bestimmte Übungen auch trainieren. Dabei müssen die einzelnen Muskeln auf verschiedene Arten während des Sports angesprochen werden.

Anatomie & Aufbau

Der große Gesäßmuskel beansprucht beinahe die gesamte Fläche des Gesäßes. Die Muskelstruktur besteht aus Einheiten, die immer kleiner werden. Zunächst wird der Muskel von einer Membran umgeben. Dabei bündelt sich eine Vielzahl von Muskelfasern zu dem eigentlichen Muskel. Die Muskelfasern differenzieren sich in phasische und tonische Subytpen.

Sie werden durch Muskelfibrille gebildet, welche wiederum aus Sarkomeren bestehen. In diesen lagern Proteine, welche der Körper benötigt, um den Muskel bewegen zu können. Dabei existieren vier unterschiedliche Proteine: Actin, Myosin, Tropomyosin und Troponin. Die Muskulatur ist in einer bestimmten Struktur aufgebaut. Sobald sie mithilfe bestimmter Instrumente untersucht wird, ergibt sich ein Muster, das an Querstreifen erinnert. Deswegen wird die Muskulatur auch quergestreift genannt.

Der Aufbau der Gesäßmuskeln folgt somit dem Enkapsis-Prinzip:

Der große Gesäßmuskel (Musculus gluteus maximus) besteht aus einem oberflächlichen und tiefen Teil. Während der tiefe Teil der Darmbeinschaufel entspringt, ist der obere breit gefächert. Dieser stammt vom Kreuzbein, Steißbein, Lendenbereich und Darmbeinstachel. Der mittlere Gesäßmuskel (Musculus gluteus medius) wird beinahe vollständig von dem großen Gesäßmuskel überdeckt. Er sitzt am Darmbein und verläuft in Richtung des Oberschenkelknochens. Der kleine Gesäßmuskel (Musculus gluteus minimus) wiederum befindet sich unter dem mittleren und wird von diesem verdeckt. Er bildet die hintere Schicht der hinteren Hüftmuskulatur. Auch hier liegt der Ursprung des Muskels am Darmbein. Er verläuft quer und neigt ebenfalls zum Oberschenkelknochen.

Funktion & Aufgaben

Die unterschiedlichen Gesäßmuskeln weisen ebenfalls differenzierte Aufgaben auf. In ihrem Zusammenspiel entstehen darüber hinaus weitere Funktionen. Nur durch die Existenz der Gesäßmuskulatur ist es Menschen beispielsweise möglich, zu sitzen. Darüber hinaus ermöglichen die einzelnen Elemente Bewegungsabläufe wie das Aufstehen, Hinlegen oder Treppensteigen.

Diese können nur dann stattfinden, wenn die Teile fachgemäß zusammenarbeiten. Sobald die Funktion von einer der drei Muskeln gestört ist, kann sich dies ebenfalls auf die anderen auswirken. Dabei hängen die eintretenden Beschwerden in einem hohen Umfang von dem direkt betroffenen Muskel ab. Der große Gesäßmuskel ist für die Stabilisierung des Beckens verantwortlich. Zudem spielt er bei dem aufrechten Gang eine wichtige Rolle.

Hier ist vor allem die Streckung im Hüftgelenk ausschlaggebend. Darüber hinaus ermöglicht es der große Gesäßmuskel, dass Menschen dazu in der Lage sind, ihre Beine zum Körper heranzuziehen oder zu spreizen. Das Abkippen des Beckens wird vermieden, was sich beispielsweise beim Treppensteigen als nützlich erweist.

Der mittlere Gesäßmuskel ist für die Stabilisierung des Beckens während des Laufens verantwortlich. Dabei wirkt er mit dem kleinen Gesäßmuskel zusammen. Zudem kann durch den mittleren Gesäßmuskel die Innen- und Außenrotation der Oberschenkel stattfinden. Wie auch der kleine Gesäßmuskel hilft der mittlere bei der Beugung und Streckung in bestimmten Positionen. Die Funktion von dem kleinen und mittleren Gesäßmuskel ähnelt sich dabei sehr. Alle drei Muskeln spielen im Alltag bei sämtlichen Bewegungen eine wichtige Rolle.

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Krankheiten & Beschwerden

Es existieren unterschiedliche Erkrankungen, welche die Gesäßmuskeln betreffen können. Zu diesen gehören beispielsweise Lähmungen. Sobald es zu der Lähmung von einen der drei Muskeln kommt, ist die Bewegung stark eingeschränkt. Den Betroffenen ist es oftmals nicht mehr möglich, ihre Oberschenkel adäquat zu beugen und zu strecken. Es resultieren Beschwerden beim Sitzen, Aufstehen, Gehen, Stehen und Treppensteigen.

Sind der mittlere und kleine Gesäßmuskel gleichzeitig gelähmt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Becken zur Spielbeinseite kippt, es entsteht der so genannte Watschelgang. Darüber hinaus können weitere Erkrankungen auf die Muskeln einwirken. So existieren unterschiedliche Formen von Entzündungen. Diese werden meistens durch Bakterien ausgelöst, aber auch Viren und andere Erreger kommen potenziell in Frage.

Meistens gelangen die Erreger durch einen anderen Infekt im Körper in den Muskel und lösen dort eine weitere Entzündung aus. Diese kann unter Umständen chronisch verlaufen. Bei einer konstanten Anspannung der Muskulatur sind ebenfalls Verhärtungen möglich.

Sobald der Muskel permanent angespannt wird, aber keine Entspannung stattfindet, werden die Blutgefäße abgeklemmt, welche für die Blutversorgung des Muskels verantwortlich sind. Daraus resultieren Entzündungen, auf welche der Körper wiederum mit einer vermehrten Verspannung reagiert. Die Verhärtungen lassen sich in vielen Fällen ertasten und lösen starke Schmerzen aus.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Lüttjen-Drecoll, Rohen, J.W.: Innenansichten des menschlichen Körpers. Schattauer, Stuttgart 2010
  • Silbernagl, S. et al.: Taschenatlas Physiologie. Thieme, Stuttgart 2007


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Maykäfer kommentierte am 20.11.2016

Wer starke Schmerzen im Po hat, die bis in die Wade strahlen und am Treppensteigen hindern, sollte sich über den Piriformis Muskel informieren, den "Birnenförmigen". Die Ärzte denken oft nicht daran und behandeln auf Ischias mit starken Medikamenten, die aber nicht nötig sind. Es gibt gute Übungen im Internet, die helfen.

Nicole1970 kommentierte am 30.01.2017

Vor ca einem Jahr bekam ich durch den behandelnden Neurologen die Diagnose "komplette Lähmung des Musculus gluteus maximus" am linken Bein. Das Treppensteigen fällt mir immer schwerer und ist mir zeitweise fast unmöglich, trotz Zuhilfenahme einer Unterarmgehstütze. Um von einem Stuhl aufstehen zu können, der frei steht und keine Armlehnen besitzt, benötige ich die Unterstützung meines Lebenspartners. Vor 14 Jahren hatte ich meinen ersten Bandscheibenvorfall L3/4 li., der letztendlich operiert wurde. Zurück blieb mir jedoch eine Peronaeusparese. Zur Unterstützung trage ich seither eine Peronaeusschiene am linken Fuß mit Klettbefestigung am Unterschenkel, bzw. Wade. Einige Jahre später erlitt ich einen weiteren Vorfall, der operiert werden musste. Dieses Mal war es L4/5 li. Zwei Jahre darauf musste die als erstes operierte Bandscheibe L3/4 li. erneut unters Messer. Seit der letzten Operation vor sechs Jahren bin ich nicht mehr arbeitsfähig. Seit fast neun Jahren gehe ich wöchentlich, zum Teil zweimal, zur Schmerztherapie. Aufgrund meiner extremen Schmerzen werde ich mit Fentanyl 150μg Pflaster behandelt. Zudem nehme ich Novalgin Tropfen, Carbamazepin Tabletten und im Notfall, wenn nichts mehr geht Morphium Tropfen. Nachts habe ich extreme Schmerzen im linken Bein und kann nicht auf der linken Seite liegen. Was für Hilfsmittel gibt es noch, die für mich in Frage kommen? Ist es möglich sich einen Rollstuhl verordnen zu lassen, damit ich auch an ganz schlechten Tagen die Möglichkeit habe aus dem Haus zu kommen?