Granuloma anulare

Letzte Aktualisierung am 8. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein Granuloma anulare ist eine granulomatöse Hauterkrankung, die mit einer ringförmigen Papelbildung einhergeht und von welcher insbesondere Kinder, Jugendliche sowie Frauen betroffen sind. Die Hauterkrankung ist harmlos und bildet sich in vielen Fällen ohne Therapie wieder zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Granuloma anulare?

Als Granuloma anulare werden benigne, knötchenförmige Papeln (Hautknötchen bzw. -bläschen) bezeichnet, die vorwiegend an Händen und Füßen auftreten und von welchen in erster Linie Kinder und Jugendliche betroffen sind.

Charakteristisch für ein Granuloma anulare ist die Ringbildung, die sich zu Beginn anhand weißer bzw. hautfarbener Papeln manifestiert, die sich im weiteren Verlauf bei gleichzeitiger Ausbreitung in die Peripherie zentral zurückbilden, so dass ein Ring entsteht. Hierbei ist die Haut des Ringes leicht erhaben und besteht aus mehreren, aneinander gereihten Papeln und Knoten.

Ein Granuloma anulare kann in einzelnen oder multiplen Herden (insbesondere bei jüngeren Kindern) auftreten. Darüber hinaus wird bei einem Granuloma anulare allgemein zwischen der disseminierten Form, bei welcher aggregierte Knötchen und Papeln am gesamten Körper verteilt sind, und der subkutanen Knotenform, die vor allem mit Knoten in der Subkutis (insbesondere an Kopf, Gesäß und Beinen) einhergeht, differenziert.

Ursachen

Die Ursachen für die Manifestierung eines Granuloma anulare konnten bislang nicht geklärt werden. In früheren Studien wurde die Erkrankung oftmals mit einem latenten Diabetes mellitus assoziiert, allerdings konnte durch die neuere Forschung keine statistisch signifikante Korrelation nachgewiesen werden.

Aktuelle Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang mit einem gestörten Fettstoffwechsel, wobei unklar ist, ob die Stoffwechselstörung die Folge oder den Auslöser eines Granuloma anulare darstellt.

Ebenso werden zellvermittelte oder humorale Überreaktionen des Immunsystems auf noch nicht bekannte Agenzien und in einzelnen Fällen auch Traumata, übermäßige Sonneneinstrahlung sowie Insektenstiche als mögliche auslösende Faktoren diskutiert. Die disseminierte Form eines Granuloma anulare wird darüber hinaus mit einer zugrundeliegenden HIV-Infektion assoziiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Granuloma anulare ist eine harmlose Erkrankung, die sich durch eine Anhäufung von kleinen Knoten an bestimmten Hautstellen auszeichnet. Die Knötchen verursachen keinen Juckreiz und auch keine Schmerzen. Besonders weibliche Kinder und Jugendliche können von Granuloma anulare betroffen sein. Typisch ist die ringförmige Ausbreitung der Knötchen.

Innerhalb weniger Wochen bilden sich immer größer werdende Ringe von Papeln, während in der Mitte des Rings bereits die Rückbildung der älteren Knoten beginnt. Allerdings bleiben die anular (ringförmig) angeordneten Knötchen ohne Behandlung noch einige Zeit (Monate oder gar Jahre) bestehen. Sie verursachen aber keine Beschwerden. Besonders Hand- und Fußrücken sowie die Streckseiten von Zehen, Fingern, Füßen und Händen sind betroffen.

Auch an Unterarmen und Unterschenkeln werden zuweilen ringförmige Knötchengruppen beobachtet. Seltener treten die Papeln auch an den Ellenbögen, dem Körperstamm, dem Gesäß oder dem Gesicht auf. Es gibt Patienten mit einzelnen Ringen. Bei anderen Betroffenen sind jedoch auch mehrere Ringe vorhanden. Des Weiteren sind noch einige Sonderformen von Granuloma anulare bekannt.

So treten zuweilen bei Erwachsenen verstreute Knötchen an verschiedenen Körperteilen wie Extremitäten und gesamtem Oberkörper auf. In einigen Fällen konnte ein Zusammenhang von HIV-Infektion und dieser disseminierten Sonderform von Granuloma anulare festgestellt werden. Am Kopf, am Gesäß und an den Beinen wird manchmal auch eine subkutane Knotenform gefunden, bei welcher sich die Knötchen unter der unveränderten Haut befinden.

Diagnose & Verlauf

Ein Granuloma anulare lässt sich in aller Regel anhand der klinischen Symptome, insbesondere der charakteristischen Ringbildung durch die für die Hauterkrankung typischen Papeln, diagnostizieren. In unklaren bzw. asymptomatischen Fällen wird die Diagnose anhand einer Biopsie mit anschließender histologischer Untersuchung abgesichert.

So zeigt sich unter dem Mikroskop histopathologisch eine kaum veränderte Epidermis mit nekrobiotischen Arealen, die im Corium (auch Dermis, Lederhaut) unterschiedlich degenerierte Kollagenfasern aufweisen. Ebenso lassen sich in der Dermis Mucopolysaccharide, eine stark erhöhte Konzentration an Glykogen, epitheloidzellige Granulome sowie Lymphozyteninfiltrate feststellen.

Differentialdiagnostisch sollte ein Granuloma anulare von rheumatischen Knoten, Necrobiosis lipoidica sowie einer anulären Sarkoidose abgegrenzt werden. Verlauf und Prognose sind bei einem Granuloma anulare in aller Regel gut und bei mehr als der Hälfte der Betroffenen sind innerhalb von 2 Jahren spontane Rückbildungen zu beobachten.

Komplikationen

In den meisten Fällen führt das Granuloma anulare nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden. Auch ohne Behandlung verschwinden die Beschwerden in der Regel wieder von selbst und die Krankheit heilt dabei von alleine wieder ab. Die Betroffenen leiden dabei an Papeln, die am gesamten Körper verteilt sein können. Die Haut ist in den betroffenen Regionen ebenso rot gefärbt und kann jucken.

In den meisten Fällen kommt das Granuloma anulare an den Fingern, Händen und Füßen vor und kann dabei zu Einschränkungen und Beschwerden im Alltag führen. Nicht selten treten dadurch Schmerzen beim Gehen auf, die zu Bewegungseinschränkungen führen. Sollten die Schmerzen auch in Form von Ruheschmerzen nachts auftreten, so können diese Schmerzen zu Schlafbeschwerden und damit zu weiteren psychischen Verstimmungen führen. Im Allgemeinen wirkt sich das Granuloma anulare negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus.

In den meisten Fällen muss das Granuloma anulare nicht behandelt werden und verschwindet wieder von alleine. Nur in schwerwiegenden Fällen werden Cremes und Salben eingesetzt, um die Beschwerden zu lindern. Es kommt dabei in der Regel nicht zu einer Narbenbildung und die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Krankheit nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Konsultation eines Arztes ist notwendig, sobald sich Hautveränderungen an den Händen und Füßen zeigen. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sind mögliche Auffälligkeiten zu beobachten und einem Arzt schnellstmöglich vorzustellen. Kommt es zu Juckreiz oder innerer Unruhe, muss dies beobachtet werden. Werden die betroffenen Stellen aufgekratzt, muss eine sterile Wundversorgung erfolgen. Kann diese nicht in einem ausreichendem Maß mit eigenen Hilfsmitteln gewährleistet werden, sollte die Unterstützung eines Arztes oder einer Arzthelferin in Anspruch genommen werden.

Bilden sich kreisrunde Pappeln, Geschwüre, Wucherungen oder Knötchen auf der Haut, sind diese Auffälligkeiten untersuchen und abklären zu lassen. Bewirken die Beschwerden im Alltag Beeinträchtigungen verschiedenster Art, wird ein Arzt benötigt. Kann die Fortbewegung nicht wie gewohnt erfolgen, setzt eine einseitige körperliche Belastung ein oder kommt es zu einer Schiefhaltung, muss ein Arzt konsultiert werden. Es drohen dauerhafte Fehlfunktionen des Skelettsystems.

Treten durch die Beschwerden an den Händen oder Fingern Beeinträchtigung bei täglichen Aktivitäten wie Schreiben, Zähne putzen oder beim Festhalten von Gegenständen auf, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Klagt der Betroffene neben den körperlichen Symptomen über Schlafstörungen, Unwohlsein oder tritt er durch ein auffälliges Verhalten in Erscheinung, ist es ratsam, einen Arzt zu kontaktieren.

Behandlung & Therapie

Da ein Granuloma anulare in aller Regel harmlos ist, keine Beschwerden verursacht und sich in vielen Fällen von selbst spontan zurückbildet, muss dieses aus rein ärztlicher Sicht nicht therapiert werden.

Insbesondere bei erwachsenen Betroffenen, bei welchen eine Rückbildung des Granuloma anulare ohne Therapie seltener zu beobachten ist, kommen aus kosmetischen Gründen dennoch oftmals therapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Standardmäßig kommt hierzu eine Therapie mit Glukokortikoiden bzw. -steroiden, die mit Hilfe von Salben oder Cremes appliziert werden, infrage. Bewährt haben sich diesbezüglich wirkverstärkende Folienverbände (sogenannte Okklusionstherapie), direkte intraläsionale Injektionen der Kortikoidpräparate in die betroffenen Hautareale sowie eine Vereisung mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie).

Wenngleich topische Kortikosteroide bei Okklusionsbedingungen schnell eine Rückbildung des Granuloma anulare bewirken, sollten angesichts der hohen Rate für Spontanrückbildungen mögliche Nebenwirkungen wie Hautatrophien bei der Wahl der Therapie berücksichtigt werden. Liegt die disseminierte Form eines Granuloma anulare vor, kann eine systemische Therapie mit Dapson bzw. Isoniazid (Isonicotinsäurehydrazid) oder eine PUVA-Therapie angezeigt sein.

Im Rahmen der PUVA-Therapie werden die betroffenen Hautbereiche mit UVA-Licht in einer speziellen Phototherapie-Kabine bestrahlt. Die Therapie wird für einen Zeitraum von mehreren Monaten drei- bis viermal wöchentlich durchgeführt und bewirkt in aller Regel ein dauerhaftes Verschwinden des Granuloma anulare. In nicht wenigen Fällen können kleinere Eingriffe wie Probeexzisionen bzw. Kochsalzinjektionen zu einer vollständigen Rückbildung des Granuloma anulare führen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Granuloma anulare ist sehr günstig. Die Erkrankung gilt unter Medizinern und Wissenschaftlern als potentiell harmlos und führt unter normalen Bedingungen zu keinerlei starken Beeinträchtigungen, die eine Schwächung der Gesundheit zur Folge haben. Mit Komplikationen oder Erkrankungen im weiteren Verlauf des Lebens ist ebenfalls nicht zu rechnen.

Im Normalfall bilden sich die Unregelmäßigkeiten des Hautbildes innerhalb weniger Wochen selbständig und ohne Fremdeinwirkungen oder die Gabe von Arzneien zurück. Eine medizinische Versorgung wird bei dieser Erkrankung bei den meisten Patienten nicht benötigt. Die Veränderungen des Hautbildes können beim Betroffenen zu Irritationen und emotionalen Beschwerden aufgrund des optischen Makels führen. Auf der körperlichen Ebene löst die Erkrankung aus medizinischer Sicht keine Besorgnis oder einen Handlungsbedarf aus. Sie wird als eine vorübergehende Erscheinung angesehen, die allenfalls begutachtet werden muss. Bei einem Arztbesuch steht das Ausschließen anderer Hauterkrankungen im Mittelpunkt. Es muss abgeklärt werden, dass die Hautveränderungen der Granuloma anulare zugeordnet werden können und keine schwerwiegenden Störungen vorliegen.

Entwickeln sich aufgrund der optischen Unregelmäßigkeiten psychische Probleme, sollte zur Verbesserung der Gesundheit mit einem Therapeuten gearbeitet werden. Es liegen andere Themen bei dem Betroffenen vor, die zur Verschlechterung des Wohlbefindens beitragen und behandelt werden sollten. Deren Prognose ist individuell zu betrachten.

Vorbeugung

Da die Ursachen für ein Granuloma anulare bislang nicht geklärt werden konnten, kann der Hauterkrankung nicht vorgebeugt werden.

Nachsorge

Bei der Krankheit Granuloma anulare stehen dem Betroffenen in der Regel keine Möglichkeiten der Nachsorge zur Verfügung. Diese sind allerdings auch nicht notwendig, da es sich bei dieser Krankheit um eine relativ leichte und harmlose Erkrankung handelt, die in vielen Fällen auch wieder von alleine verschwindet. Eine medizinische Behandlung ist dabei meist erst dann notwendig, wenn eine Selbstheilung der Granuloma anulare nicht eintritt.

Im Allgemeinen sollte der Betroffene bei Granuloma anulare einen hohen Standard an Hygiene beachten, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet. Sollte die Krankheit nicht selbst wieder von alleine verschwinden, so können auch Cremes oder Salben verwendet werden, um die Beschwerden zu lindern. Dabei ist auf eine regelmäßige Anwendung zu achten.

Auch nach dem Verschwinden der Symptome sollten die Cremes weiterhin einige Tage lang verwendet werden, um die Beschwerden vollständig einzuschränken. In schwerwiegenden Fällen sind allerdings Behandlungen durch einen Arzt notwendig. Die Krankheit wirkt sich nicht negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus.

Sollte die Granuloma anulare häufig auftreten, muss der Grund für das Auftreten erkannt werden, um die Krankheit zu vermeiden. Bei einem Juckreiz sollte der Betroffene die Haut nicht kratzen, um die Entstehung von Narben zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

In vielen Fällen muss die Granuloma anulare nicht behandelt werden. Falls sie nicht mit starken Beschwerden oder Komplikationen eingeht, kann eine Behandlung unterlassen werden, wobei die Beschwerden häufig auch wieder von alleine verschwinden. In der Regel stehen dem Patienten verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung, um die Beschwerden der Erkrankung einzuschränken.

Der Gebrauch von Cremes und Salben wirkt sich dabei sehr positiv auf die Beschwerden der Erkrankung aus und kann diese erheblich einschränken. Vor allem der Juckreiz kann mit stillenden Cremes beseitigt werden, welche die Haut häufig auch kühlen und damit beruhigen. Vor allem bei Kindern muss darauf hingewiesen werden, dass ein ständiges Kratzen die Beschwerden nur verschlimmert und zur Ausbildung von Narben führen kann. Da Kratzen sollte daher in jedem Fall vermieden werden.

Bei Minderwertigkeitskomplexen oder einem verringerten Selbstwertgefühl helfen häufig Gespräche mit anderen Betroffenen oder mit einem Psychologen. In der Regel wirkt sich dabei auch ein Gespräch mit dem eigenen Partner sehr positiv auf die Erkrankung aus. Die Granuloma anulare wirkt sich nicht negativ auf die Lebenserwartung des Patienten aus.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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