Heuschnupfen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Heuschnupfen oder Pollenallergie ist eine Allergie durch Pollen und Blütenstaub. Vor allem im Frühling kommt der Heuschnupfen besonders häufig vor. Typische Symptome sind tränende Augen, brennende Augen, Niesen und Schnupfen. Fachlich wird der Heuschnupfen als saisonale allergische Rhinitis bezeichnet. Im Unterschied dazu treten die Beschwerden bei einer Hausstauballergie, einer Tierhaarallergie oder einer Allergie gegen Schimmelpilze das ganze Jahr über auf.
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Ursachen für Heuschnupfen
Die Ursache für Heuschnupfen bzw. Pollenallergie findet sich in einer allergischen Reaktion, die durch Pollen und Blütenstaub ausgelöst wird. Kommt es zum Kontakt mit den Pollen an den Schleimhäuten, wie Augen und Nase, so wird eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst. Vor allem die daraufhin gebildeten Abwehrstoffe bzw. Antikörper vom Typ IgE veranlassen dann die Mastzellen der Schleimhaut, sehr schnell Entzündungsbotenstoffe wie Histamin freizusetzen.
In der Regel folgt nun eine Erweiterung der Blutgefäße und eine Verengung der Atemwege, vor allem der Bronchien. Daraufhin werden durch das Histamin andere Abwehrzellen herbeigelockt, die dann an den Augen für Augenentzündungen, Augentränen, Augenbrennen, Augenjucken oder eine Bindehautentzündung des Auges sorgen können.
Ebenso wird oftmals ein Niesreiz, Niesanfälle, Nasenjucken, Fließschnupfen, verstopfte Nase oder trockene Nasenschleimhaut durch die Überreaktion des Immunsystems ausgelöst.
Am meisten sorgen folgende Pollen oder Blütenpflanzen für den Heuschnupfen: Roggen, Birke, Erle, Haselnusssträucher und verschiedene Kräuter wie Beifuß. Aber auch diverse Lebensmittel können bei einem Pollenallergiker zusätzlich Beschwerden auslösen, weil ihre Eiweiße denen der Pollen ähneln und vom Immunsystem verwechselt werden (Kreuzallergie): Haselnüsse, Äpfel, Walnuss, Kartoffel, Dill, Sellerie, Möhren, Erdnüsse, Kiwi und teilweise auch Kirschen.
Typisch sind dabei die Kombinationen aus Birkenpollen mit Apfel, Haselnuss und Steinobst sowie aus Beifußpollen mit Sellerie und Gewürzen. Die Beschwerden beschränken sich meist auf Jucken, Brennen und Schwellungsgefühl im Mund und im Rachen und treten unmittelbar beim Essen auf.
Die Pollensaison hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar verändert. Infolge der Klimaerwärmung beginnt sie früher und dauert länger, so dass Haselpollen vielerorts bereits im Dezember oder Januar fliegen. Hinzugekommen ist das eingeschleppte Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia), dessen besonders stark allergene Pollen noch bis in den Oktober hinein fliegen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Heuschnupfen äußert sich anhand von Juckreiz und brennenden oder tränenden Augen. Die Augen schwellen bereits kurz nach dem Kontakt mit dem Allergen an und reagieren empfindlich auf Berührung und andere Reize. Häufig stellt sich außerdem eine Bindehautentzündung ein. Daneben ruft Heuschnupfen einen Juckreiz in der Nase oder im Nasenrachenraum hervor.
Die Nase ist verstopft beziehungsweise wund und es kommt zu dem charakteristischen Fließschnupfen und häufigen Niesattacken. Oft fühlen sich die Erkrankten darüber hinaus müde und abgeschlagen. Der typische „schwere Kopf“ wird von einem schlechten Wohlbefinden begleitet; Fieber gehört im Gegensatz zu einer Erkältung jedoch nicht zum Heuschnupfen und spricht für einen Infekt. Die Symptome nehmen im Verlauf der Erkrankung zu, bevor sie nach einigen Tagen bis Wochen wieder abklingen.
Bei Kindern äußert sich Heuschnupfen durch ähnliche Symptome. Betroffene Kinder schniefen ständig, klagen über einen Juckreiz in der Nase und atmen auffällig häufig durch den Mund. In der Nacht kommt es zu übermäßig lautem Schnarchen. Die Sprache ist infolge der verstopften Nase näselnd und undeutlich. Betroffene Kinder klagen zudem über starken Durst am Morgen. Typischerweise sind die Augen gerötet und die Nase verstopft. Eltern, die entsprechende Symptome bemerken, sollten ihr Kind umgehend zum Kinderarzt bringen.
Krankheitsverlauf
Der Verlauf von Heuschnupfen bzw. Pollenallergie beginnt bereits oftmals in frühen Lebensjahren. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden statistisch häufiger an Heuschnupfen als Erwachsene.
Weiterhin kann der Heuschnupfen ein ganzes Leben lang immer wieder auftreten bzw. anhalten. Dennoch kann man den Heuschnupfen mit seinen auftretenden Symptomen durch eine Hyposensibilisierung lindern und eindämmen.
Wird der Heuschnupfen nicht behandelt, können die allergischen Reaktionen massive Symptome hervorrufen. Es kann dann zu einer Bindehautentzündung oder zu Asthma kommen, die mit einer Behandlung gar nicht erst aufgetreten wären. Diesen Übergang der Allergie von der Nase in die Bronchien bezeichnet man als Etagenwechsel. Er ist der wichtigste Grund, einen Heuschnupfen nicht als harmlose Bagatelle abzutun, sondern frühzeitig behandeln zu lassen.
Je älter der Betroffene wird, desto stabiler wird sein Heuschnupfen und die Symptome bleiben in ihrer Intensität geringer.
Komplikationen
Ohne jegliche Behandlung müssen Betroffene dementsprechend mit einer erheblichen Verschlimmerung der einzelnen Symptome rechnen. Somit gilt: Ein Heuschnupfen kann mit den richtigen Medikamenten schnell gelindert werden. Eine dauerhafte Beseitigung der auftretenden Symptome ist durch Medikamente allerdings nicht möglich. Eine Ausnahme bildet die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), die als einzige Behandlung an der Ursache ansetzt und die Allergie dauerhaft abschwächen kann. Dennoch sollte bei einem Heuschnupfen ein entsprechender Arzt aufgesucht werden.
Nur so können mögliche Komplikationen vermieden beziehungsweise frühzeitig erkannt und behandelt werden. Wird darauf verzichtet, kann es in besonders schlimmen Fällen sogar zu erheblichen Schlafstörungen kommen. Die Nase setzt sich mit Schleim zu, sodass die Lebensqualität der betroffenen Person immens eingeschränkt wird.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Arzt sollte konsultiert werden, sobald der Betroffene häufig niest oder sich plötzlichen Niesattacken ausgesetzt sieht. Bei anhaltendem Schnupfen, einer laufenden Nase oder einem permanenten Kribbeln in der Nase empfiehlt sich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt. Abgeklärt sollte ebenfalls ein auffälliger Husten, Kratzen im Hals oder eine andauernde Müdigkeit trotz ausreichendem Nachtschlaf werden. Tränen, jucken oder brennen die Augen, sollte ein Arzt zurate gezogen werden. Bei Rötungen oder offenen Wunden an den Augenlidern muss ein Arzt aufgesucht werden. Es besteht das Risiko weiterer Erkrankungen.
Entwickelt sich eine Bindehautentzündung, sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Hautrötungen, Schwellungen oder ein Ausschlag auf der Haut sind untersuchen sowie behandeln zu lassen. Bei einem Gefühl der Abgeschlagenheit, einem Verlust des allgemeinen Leistungsniveaus sowie einer Schwäche ist ein Arztbesuch notwendig. Leidet der Betroffene unter Schlafstörungen, einer Konzentrationsschwäche oder Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, ist eine medizinische Untersuchung notwendig. Wird ein Verlust der Geruchs- oder Geschmackswahrnehmung bemerkt, sind die Beobachtungen mit einem Arzt zu besprechen. Störungen der Atmung, Heiserkeit oder ein Druck im Brustkorb müssen einem Arzt vorgestellt werden. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, nehmen sie an Intensität zu oder treten sie wiederholt auf, ist ein Arztbesuch nötig.
Behandlung & Therapie
Bei Verdacht auf Heuschnupfen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Vor allem die lästigen Begleitsymptome können medizinisch gelindert bzw. reduziert werden. Dabei wird der Arzt einen Allergietest machen und feststellen, auf welche Pollen, Nahrungsmittel oder Pflanzen der Betroffene allergische Reaktionen zeigt.
Nun sollte in der Therapie versucht werden den Kontakt mit den auslösenden Pollen zu minimieren oder ganz einzustellen. Dies ist jedoch nicht immer möglich. Dennoch empfiehlt sich hier ärztliche Aufklärung, was diesbezüglich getan werden kann.
Zur Linderung der Beschwerden stehen daneben Medikamente zur Verfügung. Gebräuchlich sind Antihistaminika der zweiten Generation als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen; sie machen im Gegensatz zu den älteren Präparaten kaum müde, weshalb die alten, stark sedierenden Antihistaminika heute als überholt gelten. Das wirksamste Einzelmittel gegen die Nasenbeschwerden sind Kortisonhaltige Nasensprays, die die Entzündung der Schleimhaut selbst dämpfen und regelmäßig über die Pollensaison angewendet werden. Abschwellende Nasensprays dürfen dagegen nur wenige Tage hintereinander verwendet werden, weil sich die Schleimhaut sonst an das Mittel gewöhnt und dauerhaft Schaden nimmt.
Es ist weiterhin möglich eine Desensibilisierung bzw. Hyposensibilisierung mit Hilfe einer spezifischen Immuntherapie durchzuführen. Sie kann zugleich dem Etagenwechsel in ein Asthma bronchiale vorbeugen. Bei dieser Immuntherapie werden vom Arzt Allergene unter die Haut gespritzt. Ziel ist es das Immunsystem an diese Stoffe und Reize anzupassen, sodass es nicht mehr zu starken allergischen Reizen kommt. Diese Therapie dauert im Allgemeinen etwa drei Jahre.
Alternativ kann diese Methode auch in Form von Tropfen oder Tabletten mit Pollenextrakt verabreicht werden. Dabei werden die Allergene unter die Zunge gegeben, wo sie über die Mundschleimhaut aufgenommen werden; die Tabletten nimmt der Patient täglich zu Hause ein. Es kann bei beiden Methoden aber zu meist harmlosen Nebenwirkungen, wie Schwellungen, Juckreizen und Hautrötungen kommen. Da nach einer Spritze in seltenen Fällen auch schwere allergische Reaktionen auftreten können, muss der Patient anschließend mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben.
Nachsorge
Ein bestehender Heuschnupfen wird in der Regel durch eine Allergie hervorgerufen, sodass eine Nachsorge nicht unbedingt notwendig ist. Häufig leiden betroffene Personen bereits seit der Kindheit unter einem bestehenden Heuschnupfen. Durch die Einnahme von frei erhältlichen Medikamenten kann der Heuschnupfen beziehungsweise dessen Symptome effektiv eingedämmt werden.
Die Nase hört auf zu laufen und die Augen fangen erst gar nicht an anzuschwellen. Anders gestaltet sich der Verlauf, wenn sich die betroffene Person gänzlich gegen die Einnahme solcher Medikamente entscheidet. Die Symptome eines üblichen Heuschnupfens werden sich in einem solchen Fall erheblich verstärken.
Besonders im Frühjahr ist mit einer starken Verschlimmerung der auftretenden Symptome zu rechnen. Wiesen und Felder sollten vor allem im Frühling gemieden werden. Andernfalls treten die typischen Symptome eines Heuschnupfens auf. Der Besuch beim Arzt ist allerdings immer ratsam, denn mit einer entsprechenden Nachsorge können die auftretenden Symptome erheblich gelindert werden.
Nasenspülungen sind beispielsweise eine sinnvolle und effektive Maßnahme, die die betroffene Person als Nachsorge selbst ergreifen kann. Eine Heilung durch die einmalige Einnahme eines bestimmten Medikaments gibt es nach derzeitigem Stand leider nicht.
Aussicht & Prognose
Patienten mit Heuschnupfen unterliegen einer chronischen Erkrankung. Es kommt zu einer lebenslangen Beeinträchtigung und dauerhaften Behandlung, damit die Beschwerden gelindert werden. Bei einer frühzeitigen Behandlung können die meisten Komplikationen vermieden werden.
Das Risiko für die Entstehung weiterer Allergien ist bei den Betroffenen deutlich erhöht. In vielen Fällen kommt es zu einer allergischen Reaktion auf weitere Substanzen wie Pollen oder Nahrungsmittel. Die Vulnerabilität für die Entwicklung eines allergischen Asthmas ist bei Heuschnupfen gegeben. Schätzungen zufolge kommt es bei 30-40% der Patienten im weiteren Krankheitsverlauf zu einem allergischen Asthma.
Bei einer medizinischen Versorgung können die Beschwerden des Heuschnupfens gut behandelt und eingedämmt werden. Die Atemwege werden ausreichend geschützt und können einer weiteren Erkrankung entgegentreten. Zusätzlich zu den schulmedizinischen Möglichkeiten können die Betroffenen durch die Nutzung von Naturheilverfahren eine Verbesserung ihrer Beschwerden erreichen. Zu einer optimalen Prognose trägt die Umstrukturierung der allgemeinen Lebensführung in großem Maße bei. Die Atemwege sollten nicht zusätzlich belastet werden und Stress oder schlechte Umgebungseinflüsse sind zu vermeiden.
Wird keine Behandlung in Anspruch genommen, kommt es im Normalfall zu einer steten Zunahme der Beschwerden. Die Intensität der vorhandenen Symptome steigt an und es kann Atemnot hinzukommen. Unter der Beachtung der Pollenvorhersage kann der Patient starken Belastungssituationen rechtzeitig ausweichen.
Das können Sie selbst tun
Eine der wichtigsten Selbsthilfemöglichkeiten ist die konsequente Allergenkarenz. Das bedeutet, dass der Allergiker, während die Flugzeit der Pollen stattfindet, längere Aufenthalte im Freien so weit wie möglich vermeidet. Eine Ausnahme bildet der Zeitraum nach einem Regenguss. So ist die Luft in dieser Zeitspanne weitgehend frei von Pollen, weil der Regen sie ausgewaschen hat. Nach einem Gewitter ist dagegen besondere Vorsicht geboten: Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt Pollenkörner aufplatzen und feinste Allergenteilchen freisetzen, die tief in die Bronchien gelangen und schwere Beschwerden bis hin zu Asthmaanfällen auslösen können. Auch beim Autofahren empfiehlt sich das Schließen der Fenster. Als hilfreich gilt zudem die Anschaffung eines Pollenfilters, weil die Lüftungsanlage einen Großteil der Pollen zurückhält.
Zu empfehlen ist das richtige Lüften der heimischen Wohnung. Dabei sind die Hauptflugzeiten der Pollen zu beachten. So fliegen die Pollen auf dem Land schon zwischen fünf und sechs Uhr morgens und in der Stadt am Vormittag. Als beste Zeit zum Lüften gelten deshalb auf dem Land 19 bis null Uhr und in der Stadt die Zeit zwischen sechs und acht Uhr. Möchte sich der Pollenallergiker im Freien sportlich betätigen, sollte er dies ebenfalls zu diesen Uhrzeiten tun.
Damit möglichst wenige Pollen ins Schlafzimmer gelangen, ist es ratsam, kurz vor dem Zubettgehen die Haare zu waschen. Die am Tage getragene Kleidung sollte außerhalb des Schlafraums abgelegt werden. Schnittblumen und Pflanzen in der Wohnung sind für Allergiker tabu.
Eine weitere sinnvolle Selbsthilfemethode ist das Anwenden von Nasenspülungen mit Salzlösungen wie Emser Salz. Dabei ist es wichtig, die Salzlösung auf die Nasenschleimhautbeschaffenheit abzustimmen.
Quellen
- Biedermann, T., Heppt, W., Renz, H., Röcken, M. (Hrsg.): Allergologie.
ISBN: 9783642372025
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131190338
- Zink, A. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783437238376
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
