Histrionische Persönlichkeitsstörung


Betroffene einer histrionischen Persönlichkeitsstörung, kurz HPS, zeigen ein ausgeprägtes theatralisches und egozentrisches Verhalten. Eine Therapie kann erst erfolgen, wenn Betroffene Einsicht zeigen und sich selbst Hilfe suchen, und besteht in einer langjährigen Psychotherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung?

Wie alle Persönlichkeitsstörungen zeigt sich die HPS in einem als anormal beschriebenen Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster. Dieses beeinflusst die gesamte Persönlichkeit in ihrem Denken, Fühlen und Beziehungsverhalten und wirkt sich negativ auf das gesamte Berufs- und Alltagsleben der Betroffenen aus.

Betroffene der histrionischen Persönlichkeitsstörung zeigen eine von Anderen als übertrieben empfundene Emotionalität und neigen zur Dramatisierung ihres Erlebens. Diese gezeigten Gefühle wirken auf Andere jedoch oberflächlich und aufgesetzt, weil Betroffene tiefe, echte Gefühle nicht zulassen können und wollen und kein echtes Identitätsgefühl haben. Betroffene sind daher leicht beeinflussbar und ändern ihre Meinung sehr schnell.

Ein weiteres Symptom ist die beständige Suche nach Aufmerksamkeit und neuen Erlebnissen. Histrioniker reagieren sensibel darauf, nicht im Mittelpunkt zu stehen, und versuchen mit allen Mitteln, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Menschen, die unter HPS leiden, zeigen ein unstetes und schnelllebiges Beziehungsverhalten. Ihre Sozialkontakte gehen selten tief und beruhen auf sexueller Anziehungskraft, so dass insbesondere gleichgeschlechtliche Freundschaften schwierig sind.

Ursachen

Die Ursachen der histrionischen Persönlichkeitsstörung sind bis heute nicht ausreichend erforscht, um hierzu ausführliche Angaben machen zu können.

Die Ursache scheint, wie bei allen Persönlichkeitsstörungen, in der Kindheit zu liegen. Konnten Kinder keine eigene Identität entwickeln, wurde ihnen ein falsches Gefühl von Liebe und Aufmerksamkeit vermittelt oder fehlte es an stabilen, stützenden Beziehungen und ausreichender Aufmerksamkeit der Außenwelt für Gefühle, so entsteht eine Persönlichkeitsstörung. Die psychologische Forschung vermutet zudem eine genetische Vorbelastung der Betroffenen.

Die Ursachen der Persönlichkeitsstörung liegen offenbar in Traumata der frühen Kindheit oder sogar Schwangerschaft. Wie sich jedoch entscheidet, welche Art Persönlichkeitsstörung die Betroffenen entwickeln, ist nicht geklärt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Anzeichen für eine histrionische Persönlichkeitsstörung ergeben sich selten allein aus einer Beobachtung oder einer singulären Charaktereigenschaft. Symptomatisch für die histrionische Persönlichkeitsstörung ist jedoch, dass eine Person in der Gesamtschau oftmals einen unnatürlichen Drang zur Selbstdarstellung zeigt. Dabei drehen sich die für Dritte meist sehr übersteigert wirkenden Emotionen meist darum, Anerkennung zu finden, gelobt zu werden und Aufmerksamkeit für die persönliche Lebenssituation zu gewinnen.

Eine besondere Theatralik der Gefühle, die andauert, ist dabei typisch für diese Form der Persönlichkeitsstörung. Gemein ist vielen Betroffenen, dass diese zunächst auf ihre Mitmenschen durchaus interessant, lustig und unterhaltsam wirken. Der Drang jedoch, in sozialen Situationen stets im Mittelpunkt stehen zu wollen und eigene Empfindungen sehr übersteigert auszuleben, sorgt nicht selten für eine zunehmende soziale Isolation der Betroffenen.

Meist empfinden Menschen, die an dieser Störung leiden, das eigene Auftreten gar nicht als auffällig im Vergleich zu dem ihrer Mitmenschen. Wie bei vielen psychischen Erkrankungen fehlt zu Beginn einer Diagnosenstellung die Krankheitseinsicht. Betroffenen fällt auf, dass sie soziale Kontakte nicht lange halten können, sie erleben sich als sozial ausgegrenzt, führen dies jedoch oftmals nicht auf die eigene Außenwirkung zurück.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose erfolgt in der diagnostischen Abteilung einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Klinik.

Zunächst muss das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mittels standardisierter Testmethoden nachgewiesen werden. Im Anschluss muss anhand der Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen, DSM-IV, die genaue Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden.

Differenzialdiagnosen sind zu beachten und eindeutig auszuschließen. Liegen mindestens fünf der folgenden Symptome vor, so ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung nachgewiesen:

1. Gefühl des Unwohlseins, wenn der Betroffene nicht im Mittelpunkt steht

2. Der Patient versucht, mit seiner körperlichen Erscheinung Aufmerksamkeit zu erregen

3. Zwischenmenschliche Kontakte der Betroffenen charakterisieren sich durch ein übertriebenes sexuell-anziehendes Verhalten

4. Der Gefühlszustand des Betroffenen wechselt rasch und wirkt oberflächlich

5. Ist dabei aber theatralisch und übertrieben und der Betroffene tendiert zur Selbstdramatisierung

6. Schilderungen des Betroffenen sind wenig detailliert

7. Der Patient ist leicht beeinflussbar

8. Das Beziehungsverhältnis ist gestört, Beziehungen werden als enger aufgefasst als sie sind.

Die histrionische Störung wird in der Kindheit angelegt und tritt im frühen Erwachsenenleben erstmals als solche in Erscheinung. Inwieweit die Betroffenen zu einem als normal angesehenen Leben befähigt werden können, hängt vom Schweregrad der Störung und der rechtzeitigen therapeutischen Intervention vor. Grundsätzlich gelten Persönlichkeitsstörungen jedoch als nicht vollständig heilbar.

Komplikationen

Da die histrionische Persönlichkeitsstörung geprägt ist von Egozentrik, der beständigen Suche nach Aufmerksamkeit, theatralischem Verhalten, übertriebener Emotionalität, starken Gefühlsschwankunen und manipulativem Verhalten in Kombination mit einer niedrigen Frustrationstoleranz und mangelndem Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse anderer, ergeben sich daraus eine Reihe von Komplikationen im zwischenmenschlichen Umgang.

Betroffene können nur schwer stabile, gesunde Beziehungen aufbauen. Die Umwelt reagiert zumeist befremdlich auf ihr Verhalten. Dies gilt besonders dann, wenn Bagatellereignisse (was sie für die Patienten nicht sind) übermäßig aufgebauscht werden. Auch die ständige Suche nach Aufmerksamkeit und das Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen, lässt Mitmenschen häufig auf Distanz gehen.

Dies ist auch dann der Fall, wenn die Manipulationstechniken, mit denen Histrioniker versuchen, ihre Bedürfnisse durchzusetzen, erkannt und abgelehnt werden. Diese früh angelernten Strategien, die histrionischen Persönlichkeiten zueigen sind, führen immer wieder zu zwischenmenschlichen Konflikten. Doch auch wenn Histrioniker sich in adäquater Behandlung befinden, sind die tief verankerten Verhaltensmustern nur schwer zu korrigieren, das sie meist bereits in der Kindheit erlernt wurden.

Im Umgang mit solchen Patienten ist eine konsequente Verhaltenstherapie angezeigt, wobei klare Regeln und Grenzen formuliert werden müssen. Zudem neigen histrionische Charakter verstärkt zu Depressionen und Angststörungen, so dass häufig eine Komorbidität vorliegt. Depressionen und Angstzustände können medikamentös behandelt werden. Insgesamt ergibt sich damit aber ein sehr komplexer Behandlungsbedarf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Auffälliges Verhalten, das von Mitmenschen als ab der Norm beschrieben wird, ist grundsätzlich ärztlich untersuchen zu lassen. Nehmen die Menschen der näheren Umgebung eine Änderung des gewohnten Auftretens wahr, ist es ratsam, sich medizinisch beraten zu lassen. Bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung gehört es zum Krankheitsbild, dass es keine Krankheitseinsicht des Betroffenen gibt. Daher sind die erkrankten Menschen auf die Unterstützung und das Urteil von Angehörigen oder Personen des sozialen Umfeldes angewiesen. Sie sind in der erhöhten Verantwortung, einen Arzt zu kontaktieren und um Hilfe zu bitten. Ratsam ist es, das Vertrauen des Betroffenen zu gewinnen, um einen Arztbesuch gemeinsam mit ihm einleiten zu können.

Sobald das Auftreten eines Menschen stark emotional verletzend ist oder aufgestellte Regeln im Alltag nicht eingehalten werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Verhalten sich die Betroffenen rücksichtslos, verletzen sie die Intimsphäre ihrer Mitmenschen oder sind die pietätlos, ist eine Ursachenforschung sinnvoll. Kann das Verhalten von mehreren Personen des sozialen Umfeldes trotz aller Versuche nicht mehr toleriert werden, ist ein Arztbesuch anzuraten. In besonders schwierigen Situationen kann eine Zwangseinweisung erfolgen. Hierfür muss ein Amtsarzt gerufen werden, der eine Einschätzung der Situation abgibt.

Behandlung & Therapie

Die histrionische Persönlichkeitsstörung erfordert eine langwierige, für Patient, Angehörige und auch den Psychotherapeuten anstrengende, Behandlung.

Möglich ist eine Therapie erst, wenn der Betroffenen selbst Handlungs- und Therapiebedarf sieht, da seine Mitarbeit eine wichtige Voraussetzung des Therapieerfolges ist. Im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen scheinen Betroffene der HPS schneller Hilfe zu suchen und eine größere Einsicht mitzubringen.

Die besten Aussichten bietet eine Verhaltenstherapie. Ursachenforschung kann betrieben werden und hilfreich sein, wichtiger ist es jedoch, den Betroffenen neue Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeigen und diese einzuüben. Psychopharmaka können Therapie begleitend eingesetzt werden, wenn die Betroffenen unter Depressionen leiden, sind jedoch bei reiner HPS nicht hilfreich.

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Aussicht & Prognose

Die Therapie der histrionischen Persönlichkeitsstörung ist schwierig und langwierig. Den Betroffenen fehlt jegliche Einsicht in die Art ihrer Erkrankung. Daher ist die Prognose im Allgemeinen nicht besonders gut. Rückschläge und Therapieabbrüche sind bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung zu erwarten.

Das Problem liegt in der mangelnden Anerkennung und Akzeptanz der Betroffenen dieser Diagnose gegenüber. Die meisten Menschen mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung meinen, körperlich erkrankt zu sein oder eine andere psychische Erkrankung zu haben. Selbst wenn durch eine sorgfältige Differentialdiagnose nachgewiesen werden konnte, dass dem nicht so ist, beharren sie auf ihrer Annahme. Der Patient verweigert sich daher oft einer Therapie. Oftmals bestehen aufgrund der dramatischen Persönlichkeitsstruktur suizidale Tendenzen. Der uneinsichtige Patient will mit allen Mitteln erreichen, dass die Therapie abgebrochen oder ausgesetzt wird.

Verbessert wird die Prognose nur, wenn der Betroffene bereit ist, die Realität seiner Erkrankung an einer histrionischen Persönlichkeitsstörung anzuerkennen. Ohne eine dauerhafte Therapie ist die histrionische Persönlichkeitsstörung bisher nicht behandelbar. Medikamente gegen solche Störungen gibt es derzeit nicht. Insofern ist die Aussicht auf Besserung bei einem Großteil der Betroffenen schlecht.

Lediglich mit einer langfristig durchgeführten kognitiven Verhaltenstherapie sind überhaupt Erfolge zu erzielen. Die Verhaltensauffälligkeiten und irrationalen Handlungen bleiben jedoch bestehen, wenn der Patient nicht mit alternativen Handlungsoptionen konfrontiert wird.

Vorbeugung

Der histrionischen Persönlichkeitsstörung können nur Eltern im frühen Kindheitsalter vorbeugen, indem sie ihren Nachwuchs zu starken Persönlichkeiten erziehen. Betroffene selbst haben keine Präventionsmöglichkeiten.

Nachsorge

Nach erfolgter stationärer oder teilstationärer Therapie sollte zur weiteren Behandlung der histrionischen Persönlichkeitsstörung eine ambulante Betreuung erfolgen. Im Mittelpunkt dieser Nachsorge steht häufig die Rehabilitation des Patienten sowie die Reintegration in das berufliche und private Umfeld. Aus verhaltenstherapeutischer Sicht dauert die Behandlung von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen mehrere Jahre.

Die in der Therapie erlernten Bewältigungsmethoden müssen stabilisiert werden, was nur durch eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet werden kann. Während dieser Zeit hat der Patient die Gelegenheit neue Arten des Verhaltens und des Erlebens zu erproben, die in einer weiteren ambulanten Therapie verfestigt werden können. Wichtige Maßnahmen in der Nachsorge stellen daher die Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten oder die Gemeinschaft in einer Gruppentherapie dar.

Bei besonderer Schwere und anhaltender Problematik kann nach einigen Jahren eine erneute psychotherapeutische Behandlung - im Sinne einer Intervallbehandlung - notwendig sein. Mittels Fragebögen, Interviews oder Gutachten lässt sich der Behandlungserfolg in den verschiedenen Stadien der Rehabilitation und nach abgeschlossener Behandlung evaluieren.

Sind die Beschwerden abgeklungen und konnte der Patient erfolgreich reintegriert werden, gilt dieser als rehabilitiert. Jedoch sollte dem Patienten auch weiterhin die Option gegeben werden psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, beziehungsweise dauerhafte Ansprechpartner zur Seite gestellt werden.

Das können Sie selbst tun

Aufgrund der Ego-Synthonie des Störungsbildes lassen sich Betroffene mit Histrionischer Persönlichkeitsstörung selten wegen des Störungsbildes als solches behandeln. Sie suchen eher wegen psychischer Sekundärkrankheiten wie Angststörungen oder Depressionen ärztliche Hilfe auf.

Bis heute konnten gegen dieses Störungsbild noch keine Medikamente entwickelt werden. Im Rahmen von Psychotherapien kann den Betroffenen aber durchaus geholfen werden. Als besonders erfolgversprechend gilt dabei die Kognitive Verhaltenstherapie, in welcher der Psychotherapeut in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen versucht, dessen dysfunktionale Denkstrukturen aufzubrechen. Dabei ist es wichtig, dass die hinter der Störung liegenden Persönlichkeitsmerkmale nicht aufgegeben werden. Wie bei jeder Persönlichkeitsstörung sind sie Teil des eigenen Charakters. Im Rahmen der Therapie lernt der Betroffene aber, die Ausprägungen seiner persönlichen Eigenschaften auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen, damit aus einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung ein Histrionischer Persönlichkeitsstil werden kann.

Schafft der Betroffene es, den Weg zurück zu (echter) Anerkennung und Glück zu finden, dann werden die Bedingungen abgebaut, die eine Intervention rechtfertigen, nämlich Leidensdruck und Beeinträchtigung. Dabei können die Angehörigen mit Empathie und viel Geduld dem Betroffenen helfen. Sie benötigen dafür Aufklärung über das Krankheitsbild, damit sie das Verhalten des Betroffenen richtig deuten können.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Lisa kommentierte am 10.07.2013

Ich gehe gerade durch eine Zeit, in der ich merke, dass meine beste Freundin sich immer mehr verändert. Sie dramatisiert alles, bei jeder Kleinigkeit atmet sie hektisch und sie schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Ich kann langsam ihre seltsamen Verhaltensweisen nicht mehr aushalten. Sie provoziert mich permanent, obwohl ich überhaupt nichts getan habe. Sie denkt immer, dass es alle auf sie abgesehen haben. Das nervt mich. Gleichzeitig macht mich das traurig, weil sie sich immer weiter verändert. Ich würde gerne mit einem Psychologen darüber sprechen.

Lilly kommentierte am 23.07.2014

Hat jemand Erfahrung mit einem Elternteil, das die Diagnose einer "histrionischen Persönlichkeitsstörung" hat?

Tom kommentierte am 21.09.2014

Ich habe vor einigen Wochen von meiner Mutter erfahren, dass sie die histrionische Persönlichkeitsstörung haben soll. Sie machte sich über ihren Arzt lustig und erzählte mir von dem Gespräch mit ihm und wie unfähig er wäre.
Da ich mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung bislang nicht viel anfangen konnte und mich aufgrund des Gesprächs mit meiner Mutter schlau gemacht habe, war ich total erschrocken. Meine Mutter ist schon immer äußerst anstrengend gewesen und als ich das Krankheitsbild gelesen hatte, war ich erleichtert. Erleichtert darüber, dass ich nun weiß warum sie so ist, wie sie ist. Ich bin froh, so egoistisch es auch klingen mag, dass ihr Verhalten nicht nur ein Reflexion meines Verhaltens ihr gegenüber ist. Sie ist sehr intelligent, stark übergewichtig und definiert sich sehr stark über ihr Äußeres. Sie ist nun 65 und kommt nicht mit Falten & Co klar. Was mir bisher immer das Gefühl gab, ein "schlechter Sohn" zu sein, da ich genervt von ihr war. Schon als ich Kind war "vertraute" sie mir ihre Selbstmordgedanken ständig an und tut dies heute noch, sie nervt mich so damit, dass ich schon dachte: "dann mach es doch endlich, dann habe ich es auch endlich hinter mir!". Hinterher fühlte ich mich wie der allerletzte Mensch.
Ich bin 30 und lebe und arbeite in Österreich, meine Mustter ist in Deutschland. Immer wenn ich in der Heimat bin, darf ich mich nicht mit Freunden treffen. Sie unterdrückt mich, stiehlt mir meine Freiheit und gibt mir dabei noch das Gefühl, ich sei ein schlechtes Kind. Die Liebe zu meiner Mutter und das schlechte Gewissen, das ich dadurch regelmäßig hatte, brachten mich dazu ihr hörig zu sein. Die Angst davor, sie würde ihre Suizid-Gedanken in die Tat umsetzen, tat ihr übriges.
Über meine Erlebnisse mit meiner Mutter könnte ich ganze Bücher füllen. Ihr Verhalten mir gegenüber schwankte immer zwischen Rauheiten wie anspucken, schlagen, schimpfen und der übertriebenen Angst, mir könne etwas zustoßen. Die
Spitze des Eisbergs war das Nichterscheinen auf meiner Hochzeit mit meiner polnischen Frau in Österreich. Sie meinte, mein Hang zu Frauen mit psychopatischen Zügen sei ihr zuviel und sie gebe mir niemals ihren Segen. Bis heute bin ich skeptisch ob mit meiner Frau etwas nicht stimmt, nur weil meine Mutter das gesagt hat. Nun hoffe ich, es liegt an ihrer histrionischen Persönlichkeitsstörung und das mit meiner Frau alles okay ist.
Hat noch jemand Erfahrung damit? Würde mich freuen etwas von euch zu lesen, was mir hilft damit umzugehen.

au64 kommentierte am 27.10.2014

Lieber Tom,
du bist nicht schuld am Verhalten deiner Mutter. Ich weiß, wovon ich rede. Lass dir von einer Beratungsstelle den Rücken stärken und nicht herabziehen wegen dem Krankheitsbild deiner Mutter.

Peggy kommentierte am 23.03.2015

Ich habe eine achtjährige Tochter die an HPS leidet. Tatsächlich leiden hauptsächlich wir unter ihren diversen Phasen. Sie ist extrem anstrengend und will immer und überall im Mittelpunkt stehen. Sie zieht dann alle Register die sie kennt und mit denen sie Erfolg hatte (Schreien, Jammern und Wehklagen, 100X hintereinander Mama, die Eltern im Bus durch eine Bemerkung lautstark Bloßstellen). Sie kleidet sich besonders auffällig, als sei Karneval oder im Sommer besteht sie auf Winterboots, starrköpfig und uneinsichtig. Die extrem niedrige Frustrationstoleranz macht die Schule (Schularbeiten) zur täglichen Tortur. Durch ihr Verhalten findet sie keine Freunde und das Spiel geht von vorne los. Sie bindet sich auch extrem an mich (Mutter) und lässt mir keinen Raum mehr, kommt sogar mit auf das WC. Wenn ich telefoniere, macht sie Terror, sie schläft nicht wenn noch jemand da ist, der mit mir/uns reden will. Es gibt nach ihrer Sicht nur sie. Und alle Augen müssen auf sie gerichtet sein. Ein tägliches riesiges Spektakel in allen Facetten des Lebens. Von Himmel hoch jauchzend zu Tode betrübt. Dieses Kind raubt mir meine ganze Kraft.

Martin kommentierte am 03.09.2015

Ich habe mich unlängst unglücklich in eine Frau mit einer HPS verliebt. Nicht zuletzt aufgrund des geschilderten Symptoms, der sexuell verführerischen Provokation, habe ich mich auf sie eingelassen, da ich sie als attraktiv empfunden habe. Darauf angesprochen, wußte sie nicht was ich meinte, obwohl ihre Körpersprache eindeutig war. Mitlerweile reagiert sie aggressiv auf mich. Unser unbeschwertes Verhältnis vor unserer Aussprache scheint kaputt zu sein. Zudem bin ich extrem irritiert von ihrer emotionalen Oberflächlichkeit und meinem Irrtum eine Beziehung mit ihr aufbauen zu können. Der zuvor geschilderte Anbahnungsprozeß verlief über gut zwei Jahre, so dass ich mir nach reiflicher Überlegung im Klaren darüber war, welches Risiko ich eingehe. Ihr mache ich letztendlich keinen Vorwurf, da ich durch Seiten wie diese erfahren habe, dass ihr Verhalten Bestandteil des Krankheitsbildes ist. Abgesehen von meinem emotionalen Ausnahmezustand, der mitlerweile gut vier Monate anhält und zu einer Gewichtsabnahme geführt hat, mache ich mir im Wesentlichen Sorgen um sie. Nicht nur für Familienmitglieder und unmittelbare Freunde kann eine Histrionische Persönlichkeitsstörung ein emotionaler Höllentrip sein.

Lena kommentierte am 15.11.2015

Nachdem ich ein Gespärch mit engen Freunden hatte und mich auch hier informiert habe, bin ich mir recht sicher, dass auch ich an einer HPS leide. Ich möchte das wirklich ändern, da es mich selbst inzwischen stört. Gibt es irgendwelche Tipps, wie ich versuchen kann mich zu ändern? Eigentlich würde ich gerne auf eine psychotherapeutische Behandlung verzichten, da ich mitten im Abi stecke und sowieso immer beschäftigt bin. Aber mir ist das sehr wichtig, ich sehe selbst, wie sehr mich diese Störung in Ketten hält. Deshalb bin ich wirklich bereit zu tun, was nötig ist. Ich würde mich über eine hilfreiche Antwort sehr freuen.

Muton kommentierte am 07.02.2017

Ich bin die seit langem erwachsene Tochter einer histrionischen Mutter. Jetzt nach 55 Jahren weiß ich endlich wie und warum mein Leben so nachaltig negativ beeinflusst wurde, dass ich bis heute kein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen konnte. Ich habe die Fehler nur bei mir gesehen. Ich habe lange, schmerzhafte Therapiesitzungen hinter mir, die mir ununterbrochen aufgezeigt haben, wie schlecht ich mit mir selber umgehe. Dann lese ich durch Zufall die Auflistung der Sympthome von Histrioniken und alles ist auf einmal klar. Alles was passiert war, ist erklärt und logisch. Nicht das jetzt alles einfacher ist. Ich weiß jetzt, dass es ihre Krankheit ist und sie nichts dafür kann. Aber damit schwindet auch das letzte Quäntchen Hoffnung auf Einsicht oder sogar Entschuldigung. Auf reden und verstehen. Ich wollte es so oft tun, versprach, keine Vorwürfe zu machen, aber sie bügelte mich immer brutal ab. Ich bekam Herzprobleme. Ich habe zwei Geschwister. Sie haben sowenig wie möglich Kontakt mit ihr. Sie spüren ihr Defizit, wissen aber nicht was es ist. Ich werde ihnen solange meine Mutter lebt nichts davon sagen, denn ich befürchte, sie würden sie damit konfrontieren und das wäre nicht schön. Keiner von uns liebt sie mehr. Ich wünschte nur, es gäbe mehr Informationen, wie man als Kind einer solchen Mutter im Leben besser klar kommt. Wir Kinder sind die, die Hilfe brauchen. Erfahrungsgemäß sind Menschen mit dieser Erkrankung nicht therapiefähig. Aber die Kinder schon.

Blue65 kommentierte am 27.01.2019

Viele Symptome deuten darauf hin, dass meine Schwester daran leidet, denn seit Jahrzehnten tyrannisiert sie vor allem meine Eltern und seit dem Tod unseres Vaters vor gut einem Jahr, unsere Mutti. Dieses Gieren nach Aufmerksamkeit und das überbordende emotionale Reagieren auf nichtige Anlässe haben unsere Familie inzwischen zerstört. Sie findet auch kein Ende, und da wir seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr haben (auf ihr Betreiben), arbeitet sie sich an ihrer 15-jährigen Tochter und unserer Mutti ab. Beide sind emotional am Ende, wenigstens der Mutti kann ich durch Zuhören und Dasein zur Seite stehen, meiner Nichte darf sich aus meiner Familie niemand mehr nähern. Eine Ursache in ihrer Kindheit kann ich ausschließen, meine Schwester war ein lange ersehntes Wunschkind und wurde sehr verwöhnt; sie konnte sich auf meine Eltern immer mehr als verlassen. Die beiden haben per se meine Nichte aufgezogen. Meine Schwester selbst, hat sich in der elterlichen Hängematte bis fast zum 40. Lebensjahr ausgeruht. Die familiäre Situation belastet mich sehr. Auch wenn wir beide als Schwestern nie ein besonders herzliches Verhältnis hatten, waren wir uns nach dem Tod des Vatis wichtig und anfangs auch gefühlsmäßig nah.

Der totale Kontaktabbruch kurz vor Weihnachten 2018 war nach den vorangegangenen emotional hoch aufgeladenen Tagen eine richtige Erleichterung. Ihr Verhalten, das wiederkehrende Anschreien meiner Mutti, die Vorwürfe, diese hätte ihr ganzes Lebens verdorben, das Anschreien ihrer Tochter, die Aussagen, sie würde sie hassen und den Tag ihrer Geburt hassen, war nicht zu ertragen. Ich sollte froh sein, aus der Schusslinie zu sein. Aber wir wohnen in einer kleinen Stadt. Es ist unvermeidbar, sich über den Weg zu laufen. Das macht mir Angst. Und das Lügen, das Verdrehen von Tatsachen, das Zurechtbiegen von Vorkommnissen, um selber im guten Licht dazustehen, das ist belastend.

Es ist sehr schlimm, jemanden in der näheren Familie zu haben, der solche Verhaltensmerkmale zeigt. Ich wünschte, ich könnte Erfahrungen mit anderen Betroffenen austauschen, um wieder ein normales Leben führen zu können.
Mit freundlichen Grüßen.

Schwesterhps kommentierte am 26.02.2019

Zum Kommentar Schwester HPS: Das Geschriebene kann ich nur bestätigen, genauso geht es unserer Familie auch. Meine Mutter ist im Dezember verstorben und meine Schwester tyrannisiert meinen Vater, der sowieso unter dem Verlust leidet. Es ist trotzdem meine Schwester und ich will sie nicht verlieren, aber so wie sie agiert, kann man das nicht mehr ertragen.