Hohlkreuz (Hyperlordose)

Letzte Aktualisierung am 20. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Als Hohlkreuz oder Hyperlordose wird die übermäßig starke Vorwölbung der Wirbelsäule nach vorne bezeichnet. Dadurch entsteht eine ausgeprägte Bauchlinie, während der Rücken zugleich nach innen gewölbt ist. Die Fehlhaltung verursacht Schmerzen und Schädigungen der durch das Hohlkreuz veränderten Wirbelsäule.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hohlkreuz?

Bei einem Hohlkreuz wölbt sich die Wirbelsäule im Bauchbereich weit nach vorne. Die Hyperlordose ist in der Regel nicht angeboren. Sie entsteht durch dauerhafte Fehlhaltungen, die auch als Folge anderer Erkrankungen auftreten können.

Eine gesunde Wirbelsäule hat in der Seitenansicht das Aussehen eines lang gezogenen "S". Beim Hohlkreuz ist der untere Auswärtsbogen hingegen weit nach vorne geschoben. Personen, die an einem Hohlkreuz leiden, erwecken den Anschein, als hätten sie besonders schwer an ihrem eigenen Bauch zu tragen.

Die Belastung der Wirbel ist bei einem Hohlkreuz ungleichmäßig und fördert den vorzeitigen Verschleiß der Bandscheiben. Die Dornfortsätze an der Rückseite der Wirbel können sich bei einem starken Hohlkreuz berühren.

Ursachen

Zu den Krankheiten, bei denen ein Hohlkreuz auftritt, gehört Morbus Pomarino. Dabei erfolgt das Gehen nur über den Vorderfuß. Die Betroffenen entwickeln aufgrund des atypischen Gangbilds ein Hohlkreuz.

In vielen Fällen sind Fehlhaltungen der Grund für eine Hyperlordose. Sitzende Tätigkeiten verändern auf ergonomisch mangelhaften Sitzgelegenheiten die Haltung. Hinzutretender Bewegungsmangel lässt die Muskulatur erschlaffen und begünstigt die Entwicklung des Hohlkreuzes.

In dieser Kombination fehlt dem Bewegungsapparat die notwendige Kraft, der veränderten Form der Wirbelsäule standzuhalten. Es kommt zur dauerhaften Fehlhaltung. Die Belastung der Wirbel verändert sich nachteilig bei einem Hohlkreuz. Gewöhnlich ist sie durch die besondere Form der Wirbelsäule gleichmäßig auf die einzelnen Abschnitte verteilt. Beim Hohlkreuz entfällt der gleichmäßige Belastungsausgleich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Hohlkreuz lässt sich in der Regel schon äußerlich an der Körperhaltung der Betroffenen erkennen. Bei Menschen mit einem Hohlkreuz schiebt sich beim Stehen das Becken nach vorn, dadurch wölbt sich der Bauch nach außen und der Oberkörper verlagert sich nach hinten. Zu Beginn macht ein Hohlkreuz meistens noch keine Beschwerden, aber wenn die Fehlhaltung länger andauert, wird die Bauch- und Rückenmuskulatur geschwächt und das Hohlkreuz macht sich mehr und mehr durch Rückenschmerzen bemerkbar.

Weil die Bänder und Sehnen durch die Fehlhaltung verkürzt werden, wird auch die Beweglichkeit eingeschränkt. Es fällt Betroffenen zunehmend schwerer, sich nach vorn zu beugen und einen Gegenstand anzuheben. Darüber hinaus belastet ein Hohlkreuz die Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule stark, wodurch Bandscheibenvorfälle begünstigt werden können.

Die länger andauernde Fehlbelastung kann zu einer Verengung des Spinalkanals führen, in dem sich wichtige Nerven befinden. Bei einer Verengung des Spinalkanals durch die Fehlhaltung können Nerven beeinträchtigt oder gequetscht werden, dadurch spüren die Betroffenen Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich, die bis in die Beine ausstrahlen. Wenn es durch das Hohlkreuz auch zu einer Atlasfehlstellung kommt, können auch Kopfschmerzen und Schwindel auftreten.

Diagnose & Verlauf

Ein Hohlkreuz lässt sich bereits bei einer einfachen Sichtuntersuchung erkennen. Die typisch vorgeschobene Haltung mit dem nach vorne gekippten Becken ist in der Seitenansicht unverkennbar.

Zur näheren Bestimmung der Ausprägung und eingetretenen Schäden wird das Hohlkreuz durch bildgebende Verfahren dargestellt. Im Anfangsstadium verändern sich bei einem Hohlkreuz zunächst die Muskeln. Die Bauchmuskulatur wird schwächer. Im Rückenbereich verkürzt sich die untere Rückenpartie, während die hinteren Oberschenkelmuskeln gedehnt werden.

Die Muskulatur zeigt aber eine erhöhte Spannung durch die atypische Dauerbelastung. Ohne Haltungsänderung und Behandlung treten im späteren Verlauf Veränderungen der Wirbelsäule hinzu. So werden die Bandscheiben einseitig zusammengedrückt und die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls steigt.

Der Wirbelkanal, durch den das Rückenmark führt, kann sich bei einem ausgeprägten Hohlkreuz verengen. Die Dornfortsätze an den Rückseiten der Wirbel treffen bei einem Hohlkreuz schmerzhaft aufeinander.

Komplikationen

Ein Hohlkreuz verursacht zu Beginn meist keine größeren Beschwerden. Bleibt die Fehlhaltung aber bestehen, können sich schwere Wirbelschädigungen entwickeln. Ein chronisches Hohlkreuz belastet vorwiegend die Bandscheiben und führt im Extremfall zu einem Bandscheibenvorfall. Ebenso kann ein unbehandeltes Hohlkreuz zur Verengung des Wirbelkanals führen.

Langfristig kann dies zu einer Schädigung der Nervenbahnen und in der Folge zu Nervenentzündungen und Sensibilitätsstörungen führen. Selten kann eine Beeinträchtigung der Nerven zu Blasenproblemen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane (Reizblase, Inkontinenz) führen. Begleitend dazu verursacht ein Hohlkreuz Verspannungen und Schmerzen, die im Verlauf an Intensität und Dauer zunehmen.

Hinzu kommen meist Bewegungseinschränkungen und Lähmungserscheinungen. Bleibt das Hohlkreuz unbehandelt, strahlen die Schmerzen schließlich bis in die Beine aus und führen mitunter auch zu Missempfindungen und Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich. Betroffen sind vor allem die hinteren Oberschenkelmuskeln, welche sich bei einem Hohlkreuz dehnen sowie die untere Rückenpartie, welche sich verkürzt.

Diese Fehlstellungen gehen meist mit weiteren körperlichen Beschwerden einher und stellen langfristig auch eine erhebliche psychische Belastung dar. Wird das Hohlkreuz frühzeitig erkannt und behandelt, sind Komplikationen unwahrscheinlich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Man sollte immer zum Arzt gehen, am besten zum Orthopäden, wenn man regelmäßig unter starken Rückenschmerzen leidet, die zu Bewegungseinschränkungen führen. Besonders wenn man selbst im Spiegel Anzeichen einer Fehlhaltung erkennen kann, die sich durch normale gymnastische Übungen und eine bewusste Haltungskorrektur nicht abstellen lassen. Wenn die Ursache in einer schwachen Bauchmuskulatur liegt, kann man zunächst versuchen, sie durch gezielte Übungen zu kräftigen, um dem Hohlkreuz entgegenzuwirken, und durch bewusstes Aufrechtgehen die Fehlhaltung korrigieren.

Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, sollte man einen Orthopäden zu Rate ziehen, denn wenn ein starkes Hohlkreuz über einen längeren Zeitraum unbehandelt bleibt, kann ein Bandscheibenvorfall drohen.

Bei Symptomen wie Lähnmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder Nervenentzündungen ist es erforderlich, sofort einen Arzt aufzusuchen, vor allem, wenn begleitend Blasen- und Inkontinenzprobleme auftreten. Auch anhaltende Muskelverspannungen trotz ausreichender Bewegung können ein Hinweis auf eine Fehlstellung sein, die durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen korrigiert werden muss. Ebenso sollte eine sichtbare Fehlhaltung, die häufig Rückenbeschwerden verursacht, in jedem Fall ärztlich untersucht und behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung beim Hohlkreuz ist abhängig vom Stadium der eingetretenen Beeinträchtigungen. Im Anfangsstadium reicht es aus, das Hohlkreuz durch einfache Maßnahmen zur Rückenschule zu behandeln. Der Patient erlernt eine korrekte Haltung und einfache Übungen, dem Hohlkreuz entgegenzuwirken.

Bei sitzender Tätigkeit ist darauf zu achten, dass die Sitzgelegenheit den Anforderungen an ein ergonomisches Design entspricht. Je länger der Patient bereits an einem Hohlkreuz leidet, desto behutsamer ist vorzugehen. Die Therapie ist darauf gerichtet, die verkürzten Muskeln wieder zu dehnen. Nur so ist eine korrekte Haltung wieder möglich.

Begleitend wird eine Schmerztherapie durchgeführt, um überhaupt die notwendigen Bewegungen zu ermöglichen und dem Patienten Erleichterung zu verschaffen. Sind durch das Hohlkreuz die Veränderungen so weit fortgeschritten, dass eine Bewegungstherapie keine Verbesserung mehr bewirkt, können einige der Symptome operativ behandelt werden.

Dazu gehört die Erweiterung eines verengten Wirbelkanals oder auch Bandscheibenvorfälle. In jedem Fall sind beim Hohlkreuz und den Folgeerscheinungen zunächst die konservativen Behandlungsmethoden auszuschöpfen.

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Aussicht & Prognose

Bei einem Hohlkreuz ist die Prognose ohne eine Behandlung und gezielte Trainings ungünstig. Die Beschwerden nehmen allmählich an Intensität zu und die Schäden entwickeln sich zu irreparablen Beeinträchtigungen. Mit einer frühzeitigen und umfassenden Behandlung können deutliche Verbesserungen der aufgetretenen Beschwerden erzielt werden. Mit krankengymnastischen Übungen wird eine Stärkung des Rückens erreicht. Der Aufbau der Muskeln sowie Korrekturen der Körperhaltung führen im Laufe der Zeit zu einer optischen Veränderung des Skelettsystems. Durch regelmäßige Kontrollen der Körperhaltung im Sitzen, beim Laufen oder im Stehen kann sich eine Linderung der Beschwerden einstellen.

In einigen Fällen wird eine vollständige Beschwerdefreiheit erzielt. Dies ist insbesondere bei Patienten möglich, die sich im Anfangsstadium befinden. Das Hohlkreuz minimiert sich und die Schmerzen verringern sich. Hierfür ist die Mitarbeit des Patienten notwendig. Zudem muss eine erhöhte Wachsamkeit entwickelt werden, damit im Alltag mehrfach die Haltung der Wirbelsäule kontrolliert und korrigiert wird.

Je später eine Therapie beginnt, desto schlechter werden die Heilungschancen. In schweren Fällen muss ein operativer Eingriff erfolgen oder eine dauerhafte Stabilisierungsmaßnahme für den Rücken getragen werden. Obgleich sich auch bei diesen Behandlungsmöglichkeiten eine Schmerzlinderung einstellt, ist bei diesen Methoden keine vollständige Genesung zu erwarten. Der Behandlungsplan hat das Ziel, eine weitere Zunahme der Beschwerden zu verhindern.

Vorbeugung

In den überwiegenden Fällen lässt sich ein Hohlkreuz mit wenig Aufwand verhindern. Bereits bei Kindern sollte Wert auf eine gute Körperhaltung, ergonomisch geformte Sitzplätze und Ausgleichssport gelegt werden. Erwachsene, die durch ihre berufliche Tätigkeit viel Zeit im Sitzen verbringen, finden Ausgleichssportarten nach ihrem persönlichen Geschmack. Vielfach bieten die Gesetzlichen Krankenkassen für ihre Mitglieder vorbeugend Rückenschulen an, damit ein Hohlkreuz gar nicht erst entstehen kann.

Das können Sie selbst tun

Ein Hohlkreuz ist fast immer die Folge einer dauerhaften Fehlhaltung. Anfänglich verursacht die Störung kaum Beschwerden, mittelfristig ist aber mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität zu rechnen. Insbesondere dann, wenn sich schwere Wirbelschädigungen bilden. So belastet ein chronisches Hohlkreuz besonders die Bandscheiben und bedingt im Extremfall einen Bandscheibenvorfall. Weiterhin droht eine Verengung des Wirbelkanals, falls das Hohlkreuz nicht professionell therapiert wird. Betroffene sollten deshalb bereits bei den ersten Anzeichen eines Hohlkreuzes einen Facharzt, am besten einen Orthopäden, aufsuchen.

Im Frühstadium wird ein Hohlkreuz konservativ behandelt. Dem Patienten wird in der Regel eine Physiotherapie verordnet und eine Reihe von Verhaltensanpassungen empfohlen. Die regelmäßige Teilnahme an der Physiotherapie und die Umsetzung der notwendigen Verhaltensanpassungen stellen die wichtigsten Selbsthilfemaßnahmen dar. Meist müssen die Patienten bestimmte gymnastische Übungen regelmäßig, anfangs oftmals täglich, absolvieren. Wer nicht diszipliniert genug ist, regelmäßig selbständig zu üben, sollte sich in einem Fitnessstudio anmelden und sich dort anleiten lassen.

Darüber hinaus sind meist Veränderungen am Arbeitsplatz erforderlich. Wer im Sitzen arbeitet, sollte den Schreibtisch auf die individuell richtige Höhe einstellen lassen und auf einen hochwertigen Stuhl mit guter Lehne achten, die den Rücken stützt und entlastet. Wer zuhause Holz- oder Korkdielen hat, kann sich zum Schlafen auch gelegentlich auf den Boden legen. Am besten mit einer dicken Yogamatte als Unterlage.

Quellen

  • Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010
  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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