Reisekrankheit

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Viele Menschen haben im Leben bereits Situationen erlebt, in denen sie als Reaktion auf ungewohnte Bewegung Unwohlsein und Schwindel empfunden haben. Diesen sogenannten Bewegungsschwindel oder die Reisekrankheit bezeichnet man auch als Kinetose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Reisekrankheit?

Reisekrankheit
Besonders intensiv sind die Anzeichen aufgrund einer Seereise feststellbar. Im Vorstadium einer Reise empfinden Betroffene eine beginnende Nervosität, gelegentliches Unwohlsein und einen leichten Druck in der Magengegend.
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Die Reisekrankheit ist weit verbreitet und findet sich in unterschiedlich ausgeprägter Form oft im Verlauf von An- und Abreise mit ungewohnten Fahrzeugen. Im Folgenden soll ein Überblick über Begriffsbestimmung, Symptome, Diagnose, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung der Kinetose geboten werden.

Als Kinetose oder Reisekrankheit bezeichnet man also im Allgemeinen körperliche Beschwerden, die bei ungewohnter Bewegung auf oder in einem Fahrzeug, bei Schwingungen in oberen Stockwerken hoher Gebäude oder simulierten Bewegungen durch interaktive Bilder auftreten können.

Die bekannteste Form der Kinetose ist die Seekrankheit, die bei starkem Seegang durch die wellenförmige Bewegung eines Schiffs ausgelöst werden kann. Dabei kann es auch vorkommen, dass Menschen, die jahrelang keine Probleme mit Seekrankheit gehabt haben, auch später eine Kinetose erfahren, während andere ihr Leben lang gegen die Reisekrankheit immun bleiben.

In schwereren Fällen kann eine Kinetose allerdings auch zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen, die mit Vorsicht zu behandeln sind. Hält die Kinetose über Tage an, etwa auf einer Seereise, kann anhaltendes Erbrechen zu einer schweren Austrocknung und zu Störungen des Elektrolythaushalts führen; das ist vor allem für Kinder, ältere und herzkranke Menschen gefährlich.

Ursachen

Eine Reisekrankheit kann auftreten, wenn ein Konflikt im Gehirn daraus entsteht, dass aufgenommene Sinneseindrücke nicht mehr in Zusammenhang gebracht werden können. Augen und Gleichgewichtssinn senden unterschiedliche Wahrnehmungen und sorgen für Übelkeit.

Während beispielsweise auf einem Passagierschiff die Bewegung wahrgenommen wird, aber nicht visualisiert, wird beim Auto Geschwindigkeit nur gesehen, nicht jedoch aktiv wahrgenommen. Diese Form der passiven Bewegung, die sich auch in Wolkenkratzern oder im Aufzug erfühlen lässt, kann eine Kinetose verursachen.

Ängstliche und unsichere Menschen klagen häufiger über eine Reisekrankheit, Flugangst und eine negative Erwartungshaltung wirken sich auf die Anfälligkeit für die Reisekrankheit ebenso aus. Auch wer häufig von Migräne betroffen ist, gilt als anfälliger für die Kinetose.

Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen dem zweiten und dem zwölften Lebensjahr. Bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren tritt die Reisekrankheit dagegen kaum auf, und mit dem Erwachsenenalter nimmt die Anfälligkeit meist wieder ab.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Reisekrankheit kann in unterschiedlichen Schweregraden ausgeprägt sein. Die Symptome können sich vor und während einer Reisebewegung einstellen. Besonders intensiv sind die Anzeichen aufgrund einer Seereise feststellbar. Im Vorstadium einer Reise empfinden Betroffene eine beginnende Nervosität, gelegentliches Unwohlsein und einen leichten Druck in der Magengegend.

Außerdem kann es zu einer kalten Schweißbildung sowie zum Frösteln kommen. Durch die ungewohnte Fortbewegung mit einem Verkehrsmittel kann sich eine Reisekrankheit (Kinetose) durch eine blasse Gesichtsfarbe und Schwindelgefühle äußern. Diese können sich bis zu ernst zu nehmenden Kreislaufstörungen entwickeln.

Typische Anzeichen für eine Kinetose sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, die besonders häufig bei einer unruhigen Seereise Probleme bereiten. Die Magen- und Darmfunktion wird dabei eingeschränkt. Es kann zu Sodbrennen kommen. Die Atmungsschnelligkeit kann ansteigen, Schweißausbrüche können häufiger auftreten.

In dieser Verfassung ist ein beschleunigter Herzschlag feststellbar. Gleichzeitig fällt der Blutdruck ab. In Einzelfällen fühlen sich Erkrankte besonders schlapp und fast apathisch. Es besteht eine allgemeine Müdigkeit und Lustlosigkeit. Als Symptome für eine Reisekrankheit gelten außerdem übermäßiges Gähnen, ein flaues Gefühl im Magen sowie ein vermehrtes, nahezu zwanghaftes Schlucken.

Die Betroffenen sprechen weniger, reagieren langsamer und wirken desinteressiert. Es stellt sich Antriebsarmut ein. Ein weiteres Anzeichen für eine Reisekrankheit ist Appetitlosigkeit. Als Symptom für eine Reisekrankheit gilt außerdem in schweren Fällen Herzrasen. Neben einer blassen Gesichtsfarbe kann es in Einzelfällen auch zu deutlichen Rötungen im Gesicht kommen.

Diagnose & Verlauf

Eine Reisekrankheit kann immer dann diagnostiziert werden, wenn die oben beschriebenen Symptome als Reaktion auf eine ungewohnte Bewegung plötzlich und ohne körperliche Ursachen auftreten. Wer selten Bahn fährt, fliegt oder mit der Fähre reist, ist dabei möglicherweise jedes Mal erneut von der Reisekrankheit betroffen.

Im Normalfall legt sich die Kinetose nach ein paar Tagen bei Fernreisen auf einem Schiff bzw. mit der Gewöhnung bei einer ungewohnten Wohnsituation, regelmäßigen Flügen oder langen Autofahrten. Die Reisekrankheit äußert sich in Symptomen wie Übelkeit, Schwindel, Erbrechen oder Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Blässe.

Komplikationen

Die Reisekrankheit kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Zunächst führt die Erkrankung zu Magen-Darm-Beschwerden – es kann zu Dehydration und Mangelerscheinungen kommen. Bei älteren Menschen, Kindern und Erkrankten kann ein übermäßiger Flüssigkeitsverlust lebensbedrohlich sein. Des Weiteren kann die Reisekrankheit zu Hyperventilation und Atemnot führen.

Begleitend dazu fällt meist auch der Blutdruck ab und der Herzschlag beschleunigt sich. In seltenen Fällen führt die Erkrankung zu einem Kreislaufkollaps. Ganz allgemein kommt es zu einer starken Abnahme des Wohlbefindens – ein Symptom, das bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen zu Problemen führen kann. Auch bei der Behandlung kann es zu unerwünschten Ereignissen kommen.

Das typischerweise verordnete Medikament Scopolamin ruft häufig vorübergehende Mundtrockenheit, Herzrasen und Sehstörungen hervor. Gelegentlich kommt es nach der Einnahme zu Schläfrigkeit, Blutdrucksenkung und Reizungen des Augenlids. Selten können Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Halluzinationen und Gleichgewichtsstörungen auftreten, vereinzelt auch vorübergehende Psychosen und akute Glaukom-Anfälle.

Ähnliche Neben- und Wechselwirkungen sind nach der Einnahme von Dimenhydrinat und anderen Antihistaminika denkbar. Muss der Betroffene intravenös mit Flüssigkeit versorgt werden, können gelegentlich Infektionen, Ödeme und andere Beschwerden auftreten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Reisekrankheit muss im Normalfall nicht ärztlich behandelt werden. Die Beschwerden entstehen durch den Widerspruch zwischen dem, was das Gleichgewichtsorgan meldet, und dem, was das Auge sieht; Anspannung und Angst vor der Reise können sie verstärken. In den meisten Fällen sind die Unstimmigkeiten vorübergehend und es kommt zu einer Spontanheilung. Bei regelmäßig auftretenden Symptomen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Reise stehen, sollte bereits im Vorfeld rechtzeitig ein Arzt oder Therapeut konsultiert werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die vor einem Reiseantritt genutzt werden können. Zusätzlich können Maßnahmen der Selbsthilfe Anwendung finden, um eine Verbesserung der Gesundheit zu bewirken.

Kommt es zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wird ein Arzt benötigt. Schwindel, Erbrechen, ein blasses Erscheinungsbild sowie Durchfall sollten beobachtet werden. Nehmen die Beschwerden zu oder halten sie über einen längeren Zeitraum an, sind sie einem Arzt vorzustellen. Lustlosigkeit, Müdigkeit sowie Veränderungen des Verhaltens sind ebenfalls Anzeichen einer Reisekrankheit. In schweren Fällen wird ein Arzt benötigt.

Störungen des Bewusstseins, Schweißausbrüche sowie Unregelmäßigkeiten der Gedächtnistätigkeit gelten als besorgniserregend. Ein Arzt wird benötigt, wenn sich keine Besserung einstellt oder zusätzlich Störungen des Herz-Kreislaufs einstellen. Muss die Reise aufgrund der Beschwerden abgesagt oder unterbrochen werden, ist dies ein Hinweis, dem nachgegangen werden sollte. Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit und Apathie sollten mit einem Arzt besprochen werden.

Bei anhaltendem Erbrechen mit Zeichen der Austrocknung, bei Bewusstseinsstörungen oder bei einem Kreislaufkollaps ist sofort über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren.

Behandlung & Therapie

Bei akuten Beschwerden durch eine Reisekrankheit wird dem Patienten in erster Linie geraten, die aus dem Gleichgewicht geratenen Eindrücke von Gleichgewichtsorganen und Sehkraft wieder in Einklang zu bringen und sich die Bewegung bildhaft zu verdeutlichen.

Im Auto hilft somit konkret der Blick hinaus auf die Straße oder einen festen Punkt am Horizont, wer anfällig ist für Kinetose beim Auto-, Bahn- oder Busfahren sollte zudem weitmöglichst vorn sitzen, wo das Gefährt am wenigsten schwankt und die Bewegung am geringsten ausfällt. Das Risiko, reisekrank zu werden, ist zudem höher auf Sitzplätzen entgegen der Fahrtrichtung.

Auch geschlossene Schiffskabinen sollten bei Kinetose gemieden werden. Am besten ist die Sicht durch ein Fenster oder auf das Deck auf die umgebende Wellenbewegung, die der Übelkeit zugrunde liegt.

In manchen Fällen kann auch bewusste Entspannung und Meditation der Kinetose entgegenwirken. Wenn keine Besserung erzielt werden kann, sollte sich der Patient mit leicht erhöhtem Oberkörper und abgestütztem Kopf hinlegen; optimal zur Linderung der Krankheit ist zudem Schlaf, während dessen der Gleichgewichtssinn nicht stimuliert wird. Flach auf dem Rücken sollte er bei drohendem Erbrechen nicht liegen, da Erbrochenes in die Atemwege gelangen kann. Ist der Betroffene benommen oder bewusstlos, gehört er in die stabile Seitenlage.

Wer weiß, dass er zur Reisekrankheit neigt, kann zusätzlich Medikamente einsetzen: Mit Dimenhydrinat und Scopolamin stehen zwei wirksame und seit Langem etablierte Wirkstoffe zur Verfügung, die alternativ zueinander angewendet werden. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt der Anwendung: Beide wirken vorbeugend am besten und deutlich schlechter, wenn Übelkeit und Erbrechen bereits eingetreten sind. Dimenhydrinat wird üblicherweise etwa eine halbe bis eine Stunde vor Reiseantritt eingenommen, das verschreibungspflichtige Scopolamin-Pflaster mehrere Stunden vorher hinter das Ohr geklebt. Beide Wirkstoffe machen müde und dürfen nicht mit Alkohol kombiniert werden; wer selbst ein Fahrzeug führt, sollte auf sie verzichten. Hierbei sollte gegebenenfalls ein Arzt mit der Behandlung der Kinetose betraut werden.


Vorbeugung

Einer Reisekrankheit bei Kindern vorbeugen kann man unter Umständen, wenn man die Reise auf die Nacht verlegt und der Schlaf somit mögliche Symptome unterbindet. Wer selbst betroffen ist, sollte am Vortag auf Genussmittel wie Kaffee oder Alkohol, sowie auf schwer im Magen liegende Speisen verzichten. Vielen Menschen hilft das Kauen von Kaugummi oder die gleichmäßige Einnahme von Zwieback oder Salzgebäck auf den gereizten Magen gegen die Kinetose. Für Kinder gibt es Dimenhydrinat unter anderem als Zäpfchen, Sirup und Kaugummi-Dragees; da sich die Dosierung nach Alter und Körpergewicht richtet, sollte die Anwendung vorher mit dem Kinderarzt oder in der Apotheke besprochen werden.

Nachsorge

Da die Symptome meist kurz nach dem Wegbleiben der auslösenden Reize von selbst zurückgehen, ist eine umfassende Nachsorge nicht erforderlich. Bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind, sollten sich Betroffene jedoch schonen und sich körperlich nicht zu stark beanspruchen. Eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffversorgung trägt im Allgemeinen zur schnellen Genesung bei und kann damit die natürliche Regenerationsfähigkeit des Körpers unterstützen.

Zu empfehlen sind hier neben Wasser leichte Speisen mit ebenfalls hohem Wasseranteil, die den Magen nicht zusätzlich belasten. Abzuraten ist hingegen von fetthaltiger Kost, Kaffee und Alkohol. Wurde die Reisekrankheit medikamentös oder anderweitig behandelt, sind zudem eventuelle Nachwirkungen der eingenommenen Substanzen zu beachten. So beeinträchtigen einige gängige Präparate das Konzentrationsvermögen und lösen Müdigkeit aus.

Stellen Patienten diese Nebenwirkungen fest oder sind der Packungsbeilage entsprechende Hinweise zu entnehmen, sollte bis zum vollständigen Abklingen der Beeinträchtigungen auf das selbstständige Autofahren verzichtet werden. Hielt die Reisekrankheit infolge einer längeren Belastung über mehrere Stunden oder Tage an, ist bei der Beurteilung des Allgemeinzustands besondere Umsicht nötig.

Insbesondere große Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen müssen schrittweise ausgeglichen werden, um Kreislaufproblemen vorzubeugen. Umfassendere Nachsorgemaßnahmen sind gegebenenfalls auch bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nötig, deren Gesundheitswerte durch die Krankheit beeinträchtigt sein könnten. In diesem Fall ist eine Kontrolle der Blutdruck- oder der Blutzuckerwerte zu empfehlen.

Das können Sie selbst tun

Die Reisekrankheit ist ein lästiges Übel, das nicht selten in Erscheinung tritt. Die Selbsthilfe ist bei dieser Erkrankung jedoch gut möglich, vor allem dann, wenn die Disposition dazu im Vorfeld bereits bekannt ist. Vorbeugung und Hilfe im Akutfall sind der Selbsthilfe zugänglich.

Wer weiß, dass er unter der Reisekrankheit leidet, kann sich auf Fahrten mit dem Auto oder Schiff sowie Flüge gezielt vorbereiten. Homöopathische Mittel sind zwar freiverkäuflich in Drogerien oder Apotheken erhältlich, eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung gegen die Reisekrankheit ist für sie jedoch nicht belegt. Auch auf die Ernährung sollte geachtet werden. Speisen sollten nicht schwer im Magen liegen, aber ein komplett nüchterner Zustand ist ebenfalls zu vermeiden. Wer nach draußen schaut, sollte dies immer durch ein Frontfenster tun. Das Vorbeigleiten von Gegenständen an seitlichen Fenstern kann die Reisekrankheit verstärken.

Ist die Reisekrankheit ausgebrochen, ist eine Pause an der frischen Luft oft hilfreich. Am besten wird sie mit leichter Bewegung verbunden. Ist dies zum Beispiel im Flugzeug nicht möglich, kann Übelkeit durch pflanzliche Mittel gelindert werden. Bei Erbrechen ist verlorene Flüssigkeit rasch zu ersetzen, falls Trinken möglich ist. Das Schließen der Augen kann die Symptome, die häufig durch den Blick nach außen entstehen, verringern. Oft hat auch die Stewardess in Flugzeugen die Möglichkeit, von Reisekrankheit Betroffenen einen ruhigen Platz anzubieten.

Quellen

  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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