Markschwammniere

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter der Markschwammniere versteht die Nephrologie eine zystisch medulläre Nierenerkrankung, die das Nierenmark betrifft. Obwohl die Erkrankung von Geburt an vorliegt, bleibt sie teils zeitlebens symptomlos. Mögliche Symptome sind Harnsteine und Nierensteine in Form von Calciumablagerungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Markschwammniere?

Markschwammniere
Angeborenerweise liegen bei der Markschwammniere in einer oder in beiden Nieren zystische Erweiterungen vor. Nicht das gesamte Nierenmark muss von den Zysten betroffen sein.
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Die Markschwammniere ist eine zystische Nierenerkrankung. Von Geburt an weisen beide oder seltener nur eine der Nieren zystische Veränderungen der Markpyramiden und Papillen im Nierenmark auf, die mit den Sammelrohren der Nieren verbunden sind. Das Nierenmark und seine Pyramiden sind durch die zystischen Erweiterungen in der Konzentrationsfähigkeit des Urins beeinträchtigt. Die Fehlbildung selbst ist in aller Regel harmlos und wird häufig zufällig entdeckt. Behandlungsbedürftig sind vor allem ihre beiden praktisch bedeutsamen Folgen: die Bildung von Nierensteinen und wiederkehrende Harnwegsinfekte.

So scheiden die Nieren der Betroffenen oft zu wenig Säuren oder zu viel Calcium aus und bilden Nierensteine. Auch Harnsteine können sich entwickeln. In Extremfällen entsteht eine renal tubuläre Azidose. Obwohl die Markschwammniere angeboren ist, wird sie nicht als erbliche Nierenerkrankung bezeichnet. Von der Erkrankung zu unterscheiden sind damit:

  • die zystisch medullären Nierenerkrankungen Typ I und II
  • die Nephronophthise, die weitestgehend genetisch bedingt ist.

Für die symptomatische Markschwammniere wird eine Prävalenz von 1:5000 bis 1:20000 angegeben. Für asymptomatische Markschwammnieren liegt die Prävalenz bei 1:200.

Ursachen

Die Erkrankung der Markschwammniere tritt in aller Regel spontan auf. Die ursprüngliche Ursache für die zystischen Veränderungen ist bislang unbekannt. Mit der Erkrankung werden bisher keine spezifischen Gen- oder chromosomalen Mutationen in Verbindung gebracht. Die Weitergabe der Erkrankung scheint nicht vorhersehbar zu sein. Wissenschaftler gehen auf Grund der Unvorhersehbarkeit davon aus, dass statt einer genetischen Basis eine Komplikation in der Schwangerschaft die wahrscheinlichere Ursache für die Erkrankung ist. Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich um eine Entwicklungsstörung der Sammelrohre, die bereits während der Anlage der Nieren in der Embryonalzeit entsteht. In einzelnen Familien wurden zudem Häufungen und Genvarianten beschrieben, ohne dass sich daraus bislang ein klarer Erbgang ableiten ließe.

Auch eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren wird in Betracht gezogen. Falls eine solche Kombination vorliegt, wird für die genetischen Faktoren ein autosomal dominanter Erbgang vermutet. Auch wenn die Anfälligkeit im Sinne einer genetischen Disposition erblich ist, bricht die Erkrankung in diesem Fall ausschließlich dann aus, wenn die Betroffenen mit den Umweltfaktoren in Kontakt geraten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Angeborenerweise liegen bei der Markschwammniere in einer oder in beiden Nieren zystische Erweiterungen vor. Nicht das gesamte Nierenmark muss von den Zysten betroffen sein. Auch lokal begrenzte Veränderungen kommen vor. Zu einer zystischen Erweiterung kommt es vor allem in den terminalen Sammelrohren des Nierenmarks. Oft bilden sich die Zysten auch in den Papillenspitzen. Die Zysten enthalten Calciumoxalatkonkremente.

Obwohl die Nieren der Betroffenen ihre physiologische Form behalten, weisen sie ein schwammiges Aussehen auf. In den meisten Fällen sind sie außerdem vergrößert. Durch die Zysten entstehen Obstruktionen, die das Parenchym verändern. Zu einer Niereninsuffizienz kommt es in aller Regel nicht. Die Markschwammniere bleibt meist lange symptomlos. Gut die Hälfte der Betroffenen bleibt sogar ein Leben lang ohne Symptome. Wenn überhaupt Symptome auftreten, so handelt es sich meist um Harn- und Nierensteine, um rezidivierende Nierenkoliken, Harnwegsinfektionen oder Hämaturie.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Markschwammniere wird über die Röntgenbildgebung diagnostiziert. Auch eine Pyelographhie kann diagnosesichernd zum Einsatz kommen. Bei diesem Verfahren füllen sich nicht die Nierenkelche, sondern die Papillenhohlräume der Nieren zuerst. Obwohl die Veränderungen angeboren sind, erfolgt die Diagnostik in aller Regel spät. In den meisten Fällen ist eine Diagnose erst ab dem jungen Erwachsenenalter zu erwarten und entspricht dann meist einem Zufallsbefund.

In vielen Fällen erfolgt die Diagnosestellung auch erst im fünften Lebensjahrzehnt oder sogar nach dem Tod. Die Prognose ist relativ günstig. Eine verringerte Lebenserwartung gilt für die Markschwammniere zum Beispiel nicht. Nieren- und Harnsteine aus Calcium können zwar starke Schmerzen verursachen und damit die Lebensqualität einschränken, sie können aber ebenso gut stumm bleiben. Wie groß der Leidensdruck im Rahmen der Markschwammniere ist, hängt also vom Einzelfall ab.

Komplikationen

Durch die Markschwammniere kommt es zur Ausbildung von Zysten in den Nieren. Diese vergrößern sich dadurch und es kommt nicht zu einer Selbstheilung. In seltenen Fällen kann es nach wiederholten Infektionen oder ausgeprägtem Steinleiden auch zu einer Niereninsuffizienz kommen, die ohne Behandlung zum Tode des Patienten führen kann. Dabei ist der Betroffene dann auf eine Spenderniere oder auf die Dialyse angewiesen, um weiterhin zu überleben.

Allerdings muss die Markschwammniere nicht in jedem Fall zu Komplikationen oder Beschwerden führen, sodass viele Patienten ihr gesamtes Leben lang auch mit der Markschwammniere ohne Einschränkungen und Beschwerden leben. Weiterhin kann es allerdings verstärkt zur Ausbildung von Nierensteinen oder Harnsteinen kommen. Auch weitere Infekte der Nieren oder der Harnwege sind dabei möglich.

Durch die erhöhte Zufuhr an Flüssigkeit und durch verschiedene Therapien können die Beschwerden der Markschwammniere relativ gut eingeschränkt werden. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Allerdings sind die Patienten nicht selten auch auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten in der Regel nicht verringert. Erneute Nierensteine und Harnwegsinfekte treten allerdings häufig auf und machen lebenslange Kontrollen nötig.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Markschwammniere kommt es bei den meisten Patienten zu keinen Symptomen oder Unregelmäßigkeiten. Dies führt dazu, dass in einigen Fällen im Verlauf des Lebens keine Diagnosestellung stattfindet. Jeder Mensch sollte auch bei einer Beschwerdefreiheit an den regelmäßig angebotenen Kontroll- und Routineuntersuchungen teilnehmen. Diese finden in den ersten Lebensjahren statt und werden für Erwachsene ab einem Alter von 35 Jahren angeboten. Die Notwendigkeit der Konsultation eines Arztes ergibt sich darüber hinaus, sobald der Betroffene Unregelmäßigkeiten oder Beschwerden im Bereich der Nieren wahrnimmt. Bei einer veränderten Nierentätigkeit oder einem diffusen Gefühl sollte ein Arzt konsultiert werden.

Kommt es zu Problemen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Auffälligkeiten bei der Flüssigkeitsaufnahme oder können Verhärtungen in der Nierengegend ertastet werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Schwellungen oder ein Druckgefühl im Oberkörper sind Hinweise auf bestehende Zysten, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Ein fortdauernder Harndrang unmittelbar nach dem Toilettengang, wiederkehrende Infektionen der Harnwege oder die Entstehung von Harn- und Nierensteinen weisen auf das Vorhandensein einer Markschwammniere hin. Treten Koliken ein, muss schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Da ein aufgestauter Harn zusammen mit einer Infektion rasch lebensbedrohlich werden kann, sollte bei starken Nierenschmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost unverzüglich über den Notruf 112 der Rettungsdienst alarmiert werden.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Behandlung steht für die Markschwammniere bislang nicht zur Verfügung. Die Therapie erfolgt also ausschließlich symptomatisch. Sowohl medikamentöse Therapien, als auch Eingriffe können als symptomatische Behandlung stattfinden. Vor allem bei Steinleiden in den Harnwegen oder den Nieren wird eine Steinzertrümmerung durchgeführt. Bei kleineren Steinen erfolgt die Zertrümmerung über Stoßwellen.

Ohne jegliche Operation oder Narkose werden von Stoßwellengeräten Stöße auf das Gewebswasser übertragen, die die Konkremente aus Calcium zerschmettern. Die zertrümmerten Steine scheidet der Patient mit dem Urin aus. Größere Konkremente lassen sich auf diese Weise nicht entfernen. Auch bei einer großen Anzahl von Steinen ist die operative Entfernung die Therapie der Wahl. Dabei kommen heute in aller Regel endoskopische Verfahren zum Einsatz – die Harnleiterspiegelung mit Laserzertrümmerung oder der perkutane Zugang durch die Flanke; offene Operationen sind selten geworden. Um Steinbildung zu vermeiden oder das Rezidivrisiko nach erfolgter Zertrümmerung zu senken, sollten die Patienten mit einer Markschwammniere möglichst viel Wasser zu sich nehmen.

Eine Trinkmenge von 2,5 Litern pro Tag gilt als Minimum. Die Steinbildung kann allerdings auch durch medikamentöse Behandlungen verhindert werden. Gegen die Hyperkalziurie und als Prophylaxe der Nephrolithiasis erhalten die Betroffenen zum Beispiel Thiazide, die zugleich das Risiko für Harn- und Nierensteine senken. Harnwegsinfekten wird meist mit einer antibiotischen Therapie begegnet.


Aussicht & Prognose

Die Prognose der Markschwammniere orientiert sich an der individuellen Ausprägung der Erkrankung. Dennoch ist keine Spontanheilung zu erwarten. Die zystischen Erweiterungen im Nierenmark bleiben lebenslang bestehen, verursachen aber bei gut der Hälfte der Betroffenen zeitlebens keine Beschwerden. Medizinisch versorgt werden müssen in erster Linie die Folgen der Fehlbildung, also Nierensteine und Harnwegsinfekte.

Nur bei einem sehr ungünstigen Krankheitsverlauf mit wiederholten Infektionen und fortschreitendem Nierenschaden kann es auch zum vorzeitigen Ableben des Betroffenen kommen. Die Konzentrationsfähigkeit der Niere ist aufgrund der zystischen Erweiterungen eingeschränkt. Findet keine rechtzeitige medizinische Behandlung statt, kann es zu irreversiblen Schäden des Organs kommen. Darüber hinaus ist ein Ausfall der Organtätigkeit möglich. In diesen Fällen liegt eine lebensbedrohliche Störung vor. Dem Betroffenen droht das vorzeitige Ableben.

Wird bereits bei den ersten Beschwerden eine ärztliche Versorgung eingeleitet, können häufig die Symptome vollständig geheilt werden. Eine Zertrümmerung der Steine wird eingeleitet. Im Anschluss werden die Bruchstücke über den Organismus abtransportiert und ausgeschieden. Darüber hinaus können operative Eingriffe vorgenommen werden, die ebenfalls die Entfernung der Steine zum Ziel haben. Bei dieser Behandlungsmethode ist das Risiko für Komplikationen erhöht. Dennoch stellt sie oftmals die einzige Aussicht auf eine Genesung dar. Im weiteren Verlauf des Lebens kann es jederzeit zu einer erneuten Steinbildung kommen.

Vorbeugung

Der Markschwammniere lässt sich bislang nicht vorbeugen, da die Ursachen der Erkrankung nicht abschließend geklärt sind. Nichtsdestotrotz lässt sich das Risiko für Beschwerden verringern, indem die Betroffenen zum Beispiel ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Nachsorge

Da die Erkrankung als auch die Behandlung der Markschwammniere relativ komplex sind, gilt die Nachsorge dem Versuch, einen guten Umgang mit der Situation zu finden. Dies kann zu psychischen Verstimmungen führen, die mitunter von einem Psychologen abgeklärt werden sollten. Eine Therapie oder der Kontakt zu anderen Betroffenen kann helfen, die Krankheit besser anzunehmen. Dies kann das Wohlbefinden steigern, ungeachtet der Tatsache, dass die Behandlung weiter erfolgt.

Eine Markschwammniere kann beim Patienten zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden führen, wenn sie nicht behandelt wird. Betroffene sollten regelmäßig bei ihrem behandelnden Arzt vorstellig werden und die Anweisungen aus eigenem Interesse strikt einhalten. Dazu zählt auch die Diät, die die Nieren während der Regenerierung entlasten soll. Insofern zielt die Nachsorge darauf ab, sich auf die ungewohnte Situation einzustellen und einen gesunden Lebenswandel zu fördern. Der weitere Verlauf hängt dabei sehr stark von der Ausprägung dieser Krankheit ab, sodass eine allgemeine Voraussage meistens nicht möglich ist. Dabei ist in einigen Fällen auch die Lebenserwartung des Patienten eingeschränkt.

Das können Sie selbst tun

Wenn Symptome einer Nierenerkrankung auftreten, sollte zunächst ein Arzt konsultiert werden. Die Markschwammniere kann von den Betroffenen symptomatisch behandelt werden, bedarf hierfür jedoch einer umfassenden Abklärung durch einen Arzt.

Begleitend zur medikamentösen Therapie, die der Reduzierung der Schmerzen dient, sollte die Ernährung angepasst werden. Es sollte viel Flüssigkeit aufgenommen werden (mindestens 2,5 Liter täglich), insbesondere vor dem Schlafengehen und nach den Mahlzeiten. Die tägliche Ernährung sollte hauptsächlich aus Schonkost bestehen. Je nachdem, wie schwer die Markschwammniere ausfällt, empfehlen sich Lebensmittel wie Gemüse, Früchte und salzarme Speisen. Auf Fleisch und Wurst ist weitestgehend zu verzichten. Da die Steine bei der Markschwammniere meist aus Calciumoxalat bestehen, sollten stark oxalathaltige Lebensmittel wie Spinat, Rhabarber, Rote Bete, Nüsse und schwarzer Tee nur zurückhaltend verwendet werden. Auf Calcium in der Nahrung sollte dagegen nicht verzichtet werden, denn eine calciumarme Ernährung erhöht das Steinrisiko sogar. Auch Kaffee und Alkohol sollten gemieden werden, da sie eine zusätzliche Belastung für die Nieren darstellen. Für Kaffee gilt das nach heutigem Kenntnisstand allerdings nicht: Ein maßvoller Kaffeekonsum belastet die Nieren nicht und geht in Untersuchungen sogar eher mit einem niedrigeren Risiko für Nierensteine einher.

Generell muss auf eine intakte Darmflora geachtet werden. Von einer Entschlackung oder einer Fastenkur ist dagegen abzuraten: Die „Schlacken“, die dabei ausgeschieden werden sollen, gibt es im Körper nicht, und bei einer Neigung zu Nierensteinen ist Fasten sogar ungeeignet, weil dabei meist weniger getrunken wird und der Urin sich stärker konzentriert. Die mit Abstand wichtigste Maßnahme bleibt eine hohe Trinkmenge, gleichmäßig über den Tag verteilt. Allgemeine Maßnahmen wie Sport und die Vermeidung von Stress wirken sich positiv auf den gesamten Körper und damit auch auf die erkrankte Niere aus. Sollten die Beschwerden trotz aller Maßnahmen zunehmen, wird am besten noch einmal mit dem zuständigen Arzt gesprochen.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Hoyer, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Keller, C. K., Geberth, S. K.: Praxis der Nephrologie.
    ISBN: 9783642102127
  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662634011
  • Schwenger, V. (Hrsg.): Klinikleitfaden Nephrologie.
    ISBN: 9783437210358
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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