McCune-Albright-Syndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das McCune-Albright-Syndrom ist ein neurokutanes Syndrom, das sich durch Café-au-lait-Flecken und Störungen im Knochenstoffwechsel manifestiert. Die Ursache der Erkrankung ist eine genetische Mutation im GNAS1-Gen, das für einen Regulator von cAMP codiert. Die Behandlung konzentriert sich auf die Gabe von Bisphosphonaten.
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Was ist das McCune-Albright-Syndrom?
Die neurokutanen Syndrome sind hereditäre Erkrankungen, deren Leitsymptome neuroektodermal mesenchymale Dysplasien sind. Zur Krankheitsgruppe zählen die klassischen Phakomatosen. Von diesen Erkrankungen abgesehen, zählen eine Reihe von Syndromen zu der Gruppe, die dermal und gleichzeitig im zentralen Nervensystem zur Manifestation gelangen. Auch das McCune-Albright-Syndrom ist ein neurokutanes Syndrom. Vererbt wird es allerdings nicht, denn die zugrunde liegende Mutation entsteht erst nach der Befruchtung in einem Teil der Körperzellen.
Diese extrem seltene Krankheit ist symptomatisch von Café-au-lait-Flecken geprägt, die mit Störungen im Knochenstoffwechsel vergesellschaftet sind. Klassisch wird das Syndrom durch die Trias aus polyostotischer fibröser Dysplasie des Knochens, Café-au-lait-Flecken mit unregelmäßig gezacktem Rand und einer Überfunktion endokriner Drüsen definiert, die sich meist als vorzeitige Pubertät bei Mädchen äußert. Nicht bei allen Betroffenen sind alle drei Merkmale vorhanden. Der US-amerikanische Pädiater Donovan James McCune und der Endokrinologe Fuller Albright haben die Erkrankung im 20. Jahrhundert erstmals beschrieben. Im weitesten Sinne zählt auch der österreichische Pathologe Carl Sternberg zu den Erstbeschreibern der Erkrankung.
Aus diesem Grund ist bei dem Symptomkomplex zuweilen auch vom McCune-Albright-Sternberg-Syndrom die Rede. Weitere Synonyme sind die Bezeichnungen Osteitis fibrosa cystica, Leontiasis ossea, Weil-Albright-Syndrom und Osteodystrophia fibrosa.
Ursachen
Bei der Hälfte aller Patienten wurde eine Mutation des GNAS1-Gens festgestellt. Heute wird dieses Gen als GNAS bezeichnet; untersucht man betroffenes Gewebe, lässt sich die Mutation bei nahezu allen Patienten nachweisen, während sie im Blut häufig nicht zu finden ist. Dieses Gen codiert in der DNA für bestimmte Polypeptide und liegt auf Chromosom 20 im Gen-Locus 20q13.2. Das Gen codiert unter anderem für das Protein Gs-alpha, das als cAMP-regulierendes Protein gilt. Die genetische Veränderung hat eine dauerhafte Aktivierung des Proteins zur Folge und resultiert damit in eine fehlende Regulierung.
Die Veränderung ist eine postzygotische Mutation und aus diesem Grund nur in Form eines Mosaiks zu finden. Die spontane Mutation des Gens schaltet die Adenylylcyclase an und erhöht damit konsekutiv den cAMP-Spiegel der Patienten. Diese Vorgänge aktivieren steuerungsunabhängig Mechanismen der Signaltransduktion. Ein autonomer Regelkreis entsteht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Patienten des MAS zeigen isolierte Symptome oder Symptome an mehreren Bereichen des Skeletts. Oft stellt sich ein Hinken ein, das von Schmerzen begleitet wird. Zuweilen manifestiert sich die Erkrankung auch in Form von pathologischen Frakturen. In vielen Fällen leiden die Patienten an einer fortschreitenden Skoliose.
Bei Mädchen kommen vaginale Blutungen vor. Die Brustdrüsen entwickeln sich ungewöhnlich früh. Bei Jungen liegen teils Hodenvergrößerungen oder Penisvergrößerungen vor, die früh eine sexuelle Aktivität zur Folge haben. Diese vorzeitige Pubertätsentwicklung beginnt oft schon im Kleinkindalter und betrifft Mädchen deutlich häufiger als Jungen. Diese Symptome entsprechen einer Endokrinopathie mit Überfunktionen. Endokrinopathien können sich ebenso als Hyperthyreosen manifestieren und mit der vermehrten Ausschüttung von Wachstumshormonen einhergehen.
Neben Symptomen des Cushing-Syndroms tritt oft ein Phosphatverlust über die Nieren ein. Das Syndrom manifestiert sich in Form von Café-au-lait-Flecken meist schon im Neugeborenenalter. Der Schädel der Patienten ist oft von Anomalien betroffen. Dasselbe kann für das gesamte Skelett gelten. So liegt besonders oft eine Pseudopubertas praecox inklusive Akromegalie oder Minderwuchs vor. Teilweise leiden die Betroffenen an einer fortschreitenden Visusverschlechterung und entwickeln im Verlauf außerdem Malignome.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Das jeweilige Ausmaß des McCune-Albright-Syndroms hängt von der Proliferation, der Migration und der Überlebensfähigkeit der mutierten Zellen ab. Die Diagnose wird vom Arzt auf Basis des klinischen Erscheinungsbilds gestellt. Röntgenbilder sind oft genug für eine Diagnostik. Im Zweifelsfall können Biopsien stattfinden, um die Diagnose zu sichern. Bei der Untersuchung und Diagnostik der Patienten berücksichtigen spezifische Tests jedes Organ, das beim MAS beteiligt sein könnte.
Lange Zeit stand zur Diagnosesicherung keine molekulare Analyse zum Nachweis der GNAS-Mutation zur Verfügung. Heute lässt sich die Mutation mit hochempfindlichen Verfahren wie der digitalen PCR im betroffenen Gewebe nachweisen; wegen des Mosaiks schließt ein negativer Befund die Erkrankung allerdings nicht aus. Trotzdem wird eine genetische Beratung empfohlen. Bei der Diagnostik müssen Neurofibromatosen, osteofibröse Dysplasien und nicht-verknöchernde Fibrome ausgeschlossen werden. Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind außerdem die idiopathische zentrale Pubertas praecox und die Ovar-Neoplasie. Die Behandlung und Prognose hängen von den betroffenen Geweben und dem Schweregrad der Beteiligung ab.
Komplikationen
Nicht selten kommt es dabei auch zu Stimmungsschwankungen und damit zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität des Patienten. Die Haut der Betroffenen weist braune Flecken auf, die sich sehr negativ auf die Ästhetik des Patienten auswirken. Somit kommt es zu einem verringerten Selbstwertgefühl und oft zu einem Schamgefühl. Ebenso können Kinder aufgrund der Beschwerden des McCune-Albright-Syndroms gehänselt oder gemobbt werden.
Weiterhin tritt ein Minderwuchs ein und die Betroffenen leiden an Sehbeschwerden, die den Alltag zusätzlich einschränken können. Die einzelnen Beschwerden des McCune-Albright-Syndroms können durch verschiedene Therapien gelindert werden. Eine vollständige Heilung tritt dabei allerdings nicht ein. Weiterhin ist der Betroffene auch auf einen hohen Sonnenschutz angewiesen, um die Haut zu schützen. Die Lebenserwartung wird durch die Erkrankung in der Regel nicht beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Auffälligkeiten des Skelettsystems oder Störungen der Mobilität sind einem Arzt vorzustellen. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten der Bewegungsabläufe, Einschränkungen der Gelenktätigkeit oder einer Unstimmigkeit bei der Fortbewegung, wird ein Arzt benötigt. Eine Fehl- oder Schiefhaltung, Schmerzen bei der Bewegung oder eine gekrümmte Haltung des Körpers sind Anzeichen einer bestehenden gesundheitlichen Störung. Eine Untersuchung ist notwendig, damit eine Diagnosestellung und Behandlung erfolgen kann.
Frauen erleiden bei dem McCune-Albright-Syndrom oftmals unwillkürliche vaginale Blutungen. Sie sollten sich in ärztliche Behandlung begeben. Da das Syndrom nicht vererbt wird, besteht für die Kinder betroffener Frauen kein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Betroffene Jungen und Männer zeigen bei einer Erkrankung vergrößerte äußere Geschlechtsmerkmale. Ein Arztbesuch ist anzuraten, damit es zu einer Klärung der Ursache kommt und sich keine sexuellen Funktionsstörungen entwickeln. Treten aufgrund der optischen Veränderungen von Hoden und Penis seelische Probleme auf, wird ebenfalls ein Arzt benötigt.
Bei Wachstumsstörungen, einem Minderwuchs oder einem anderen optischen Makel ist ein Arzt aufzusuchen. Charakteristisch für das McCune-Albright-Syndrom ist eine Veränderung der Kopfform. Treten Veränderungen oder Auffälligkeiten des allgemeinen Hautbildes auf, benötigt der Betroffene einen Arzt. Eine Fleckenbildung oder andere Verfärbungen der Haut sind einem Arzt vorzustellen, da sie ein Hinweis für eine vorliegende Erkrankung sind.
Behandlung & Therapie
Für Patienten des McCune-Albright-Syndroms steht bislang keine kausale Therapie zur Verfügung. Damit gilt das Syndrom bis heute als unheilbare Erkrankung. Eine kausale Therapie wird erst dann zur Verfügung stehen, wenn gentherapeutische Ansätze die klinische Phase erreichen. Die Behandlung erfolgt vorwiegend symptomatisch und beinhaltet zudem regelmäßig supportive Kontrollen. Eine konsequente Vermeidung von UV-Exposition wird empfohlen, weil sich die Café-au-lait-Flecken unter Sonneneinstrahlung stärker abzeichnen.
Dasselbe gilt für die konsequente Verwendung von Lichtschutzmitteln. Neben diesen vorbeugenden Schritten erhalten die Patienten teilweise eine kosmetische Versorgung ihrer Hyperpigmentierungen. Die Therapie ihrer fibrösen Dysplasie hat eine Stabilisierung zum Ziel. Eine konservativ medikamentöse Therapie bietet sich zu diesem Zweck an. Häufig werden zum Beispiel Bisphosphonate eingesetzt.
Die MAS-assoziierten Endokrinopathien bedürfen gegebenenfalls eines chirurgischen Eingriffs. Dasselbe gilt auch für Malignome. Meist werden den Patienten zusätzlich Kraftübungen empfohlen, die die Muskulatur in unmittelbarer Nachbarschaft der Knochen stärken und damit das allgemeine Risiko für Frakturen senken. Die Kraftübungen finden meist in physiotherapeutischer Betreuung statt. Abhängig von der jeweiligen Organbeteiligung können die genannten Behandlungsschritte um organspezifische Behandlungsmaßnahmen ergänzt werden.
Aussicht & Prognose
Das McCune-Albright-Syndrom hat eine ungünstige Prognose. Der Erkrankung liegt eine genetische Veränderung zugrunde. Bisher gibt es keine Therapiemöglichkeit, die eine Heilung der gesundheitlichen Störung vorsieht. Eingriffe in die menschliche Keimbahn sind zwar gesetzlich verboten, die somatische Gentherapie ist dagegen erlaubt und für einzelne Erkrankungen bereits zugelassen. Für das McCune-Albright-Syndrom steht ein solcher Ansatz jedoch nicht zur Verfügung, weil die Mutation als Mosaik in ganz unterschiedlichen Geweben vorliegt. Ärzte konzentrieren sich in der Behandlung deshalb auf die Linderung der vorhandenen Beschwerden.
Eine Langzeittherapie ist notwendig, da mit einer Beendigung der eingeleiteten Maßnahmen ein Rückfall der Beschwerden verbunden ist. Es kommt zu einer Gabe von Arzneien, damit dem Organismus genügend Bisphosphonate zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird der Bewegungsapparat des Betroffenen mit physiotherapeutischen Maßnahmen unterstützt.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, um Veränderungen des Hautbildes frühzeitig zu dokumentieren. Sobald sich Auffälligkeiten zeigen, werden weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig. Anders als die Café-au-lait-Flecken, die nicht entarten, können die Knochenherde in seltenen Fällen bösartig werden und in ein Osteosarkom übergehen; dann verschlechtert sich die Prognose erheblich.
Die weitere Entwicklung verbessert sich, wenn der Betroffene Maßnahmen der Vorsorge ergreift. Ein ausreichender Schutz vor Lichteinflüssen ist ebenso erforderlich, wie eine eigenverantwortliche Ausführung der physiotherapeutischen Übungseinheiten.
Aufgrund der optischen Auffälligkeiten der Erkrankung sowie den Beeinträchtigungen der Bewegungsabläufe ist bei dieser Störung mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen zu rechnen. Emotionale Belastung im Alltag ist für einige Betroffene so stark, dass sich psychische Folgestörungen ausbilden können.
Vorbeugung
Dem McCune-Albright-Syndrom lässt sich bislang nicht erfolgversprechend vorbeugen, da es sich um eine spontane Mutation handelt. Allenfalls eine genetische Beratung kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein; sie kann vor allem klären, dass die Erkrankung nicht an die Nachkommen weitergegeben wird.
Nachsorge
Da die Behandlung des McCune-Albright-Syndroms relativ komplex und langwierig ist, konzentriert sich die Nachsorge auf einen sicheren Umgang mit der Erkrankung. Betroffene sollten versuchen, sich trotz der Widrigkeiten auf einen positiven Heilungsprozess zu konzentrieren. Um die entsprechende Haltung aufzubauen, können Entspannungsübungen und Meditation helfen, den durch die Strapazen der Erkrankungen gereizten Geist zu beruhigen und zu fokussieren. Meditative Übungen können sich positiv auf die starken Stimmungsschwankungen auswirken. Sofern sich bei dem betroffenen Patienten oder dem familiären Umfeld Depressionen oder andere psychische Verstimmungen entwickelt haben, sollte dies mit einem Psychologen besprochen werden. Eine Therapie kann helfen, das mentale Gleichgewicht wieder herzustellen und eine positivere Haltung aufzubauen, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtert. Auf diese Weise kann die Lebensqualität trotz der Umstände gesteigert werden.
Das können Sie selbst tun
Die einzelnen Symptome des McCune-Albright-Syndroms können von den Betroffenen oft selbst gelindert werden. Zunächst muss das Syndrom allerdings ärztlich abgeklärt und behandelt werden, um einen schweren Verlauf und ernste Komplikationen auszuschließen.
Nach der Diagnose ist eine strikte Körperhygiene wichtig, um Entzündungen im Bereich der Blutungen zu vermeiden. Frauen, die unter vaginalen Blutungen leiden, sollten mit ihrem Gynäkologen sprechen. Kommt es zu Wachstumsstörungen, sollten der Betroffene oder dessen Eltern therapeutische Hilfe hinzuziehen. Wichtig ist auch die Vermeidung von UV-Strahlung, denn diese kann einzelne Symptome verstärken und unter Umständen auch Langzeitschäden hervorrufen. Lichtschutzmittel und ähnliche Produkte sollten dagegen konsequent verwendet werden. Begleitend dazu empfiehlt sich ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, viel Bewegung und der Vermeidung von Stress. Dadurch und durch vorbeugende Maßnahmen können schwerwiegende Folgen in vielen Fällen vermieden werden.
Sollten die genannten Selbsthilfe-Maßnahmen keine Wirkung zeigen oder neue Symptome hinzukommen, muss auf jeden Fall der Arzt konsultiert werden. Womöglich liegt neben dem McCune-Albright-Syndrom noch eine andere Erkrankung vor, die abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden muss.
Quellen
- Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
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- Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik.
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- Schaaf, C. P., Zschocke, J.: Basiswissen Humangenetik.
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- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
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