Musculus digastricus

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Anatomie Musculus digastricus

Der Musculus digastricus als Teil des Kopfes, speziell der oberen Zungenmuskulatur, ist für die Mund- und Kiefergelenksbeweglichkeit verantwortlich. Darüber hinaus nimmt er Einfluss auf das Schlucken, Sprechen sowie das Gähnen und die Stimmgestaltung. Ist der Musculus digastricus verspannt, können leichte bis auch schwerwiegende Beschwerden über den Körper verteilt auftreten, die ihm nicht immer direkt zugeordnet werden. Dadurch können den Betroffenen massive gesundheitliche Probleme wegen fehlender Diagnose für eine gezielte Behandlung entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Musculus digastricus?

Zu den wichtigsten Aufgaben des Muskulus digastricus gehört sein Anteil am Schluckvorgang. Er hebt das Zungenbein bzw. fixiert dieses.
© MadiGraphics – stock.adobe.com

Der Muskulkus digastricus, zu Deutsch zweibäuchiger Muskel (Skelettmuskel) und früher auch als Musculus biventer mandibulae bezeichnet, ist Teil des Kopfes, speziell der oberen Zungenmuskulatur.

Der Muskel ist beteiligt an der Mundöffnung (Kiefergelenkbeweglichkeit zum Öffnen und Schließen), Gähnen und Sprechen (Stimmbandspannung). Kommt es zu Verspannungen, kann es zu einer gravierenden Kopfgelenkasymmetrie kommen, die sich fast immer mit vielen physiologischen Einschränkungen auf den gesamten Körper ausdehnen kann. Der Musculus digastricus ist deshalb über seine zuvor genannten eigentlichen Aufgaben immer in einem gesamtheitlichen Fokus zu betrachten. Auch oder vor allem dann, wenn Beschwerden wie zum Beispiel Ohrenschmerzen auftreten, ohne dass eine krankhafte Diagnose bezüglich dieses Organs durch den HNO-Arzt, Orthopäden etc. gestellt werden kann.

Anatomie & Aufbau

Der Musculus digastricus besteht aus zwei fleischigen Bäuchen, welche von zwei Hirnnerven innerviert werden. Diese Innervation geht beim vorderen Bauch vom Nervus mandibularis und beim vorderen Bauch vom Ramus digastricus aus.

Die zwei Bäuche werden von einer Sehne miteinander verbunden. Der vordere Bauch (Venter anterior) beginnt an der Unterkieferinnenseite. Der hintere Bauch (Venter posterior) beginnt am Schläfenbein, genau gesagt an der Incisura mastoidea (3). Der Muskel ist auf beiden Seiten des Kopfes (also paarig) angeordnet. Beide Muskelköpfe treffen sich in der Mitte und bilden die gemeinsame Zwischensehne, über die sie somit wie bereits erwähnt miteinander verbunden sind. Diese Zwischensehne ist am Zungenbeinkörper mit einer Bindegewebsschlaufe befestigt. Damit gehört er gehört zur suprahyalen Muskulatur (von kranial kommende Skelettmuskeln, die am Zungenbein beginnen und sich somit oberhalb des Zungenbeins befinden).

Mit diesem Aufbau ist der Musculus digastricus nicht nur für viele zentrale Vorgänge verantwortlich, sondern leider auch für viele Beschwerden, die ihm nicht immer direkt zugeordnet werden. Dazu in den nächsten Abschnitten mehr.

Funktion & Aufgaben

Zu den wichtigsten Aufgaben des Muskulus digastricus gehört sein Anteil am Schluckvorgang. Er hebt das Zungenbein bzw. fixiert dieses. Darüber hinaus ist dieser Muskel an der Kieferöffnung beteiligt. Dabei sind zwei Unterscheidungen zu berücksichtigen: Der Venter posterior, der hintere Bauch, ist für die Zungenbeinhebung verantwortlich. Der Venter anterior, der vordere Bauch, hingegen ist für das Öffnen des Kiefers verantwortlich.

Darüber hinaus ist der Musculus digastricus somit verantwortlich für das Gähnen, Sprechen sowie Schlucken. Damit gilt er als Antagonist der Kaumuskulatur.

Nicht nur den Mundboden bildet die suprahyoidale Muskulatur. Sie ist vielmehr der Teil, der für das Kauen und Schlucken sowie Sprechen verantwortlich ist. Zusammen mit den infrahyoidalen Muskeln sind diese auch für die möglichst richtige Positionierung des Zungenbeins verantwortlich. Detailliert betrachtet wird das Zungenbein beim Schlucken vom Digastricus und Stylohyoideus angehoben. Gleichzeitig erfolgt eine Unterstützung bei der Mundöffnung. Beim Schlucken wird das Zungenbein vom Geniohyoideus nach vorne bewegt. Dabei wird die Öffnung aber auch die Seitwärtsbewegung des Unterkiefers unterstützt.

Anders der Mylohyoideus. Durch ihn wird hauptsächlich die Anspannung und Hebung des Mundbodens hervorgerufen. Allerdings kann er auch die Kieferöffnung und die Kaubewegung unterstützen. Durch die Unterstützung beim Kauen werden dann die suprahyoidalen Muskeln auch als Kaumuskeln bezeichnet.


Krankheiten

Ohrbeschwerden, Reizhusten und Reizräuspern sowie Kloß im Hals (Globusgefühl) aber auch Schluckbeschwerden (Dysphagie) und Stimmstörungen (Dysphonie) können von den Zungenbeinmuskeln ausgehen. Dies zu diagnostizieren ist aber nur mit einer Untersuchung der Muskeln und Faszien möglich. Geschieht dies nicht, erhält der Patient keinen körperlichen Befund.

Die Symptome beim Reizhusten und Reizräuspern werden dann häufig als psychisch abgetan. Bei einer Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl werden die Faszien und die Halsmuskulatur gelockert. Meistens sind die Symptome damit behoben.

Zu den Schluckbeschwerden kommt es, weil der Vorgang des Schluckens von der asymmetrischen Digastricus-Muskelführung beeinflusst wird. Das Zungenbein mit dem Schlund, der sich darunter befindet, wird vom Muskel seitenunterschiedlich angehoben. Anhaltende Schluckbeschwerden können die Folge sein. Die Stimmhöhe und die Stimmstärke (die sogenannte Stimmbandspannung) werden durch die Muskulatur oberhalb des Zungenbeins mitbestimmt. Liegen hier gravierende Änderungen (Verschlechterungen) vor, ohne das eine Erkältung besteht, kann eine Kopfgelenksasymmetrie unter Beteiligung des Musculus digastricus vorliegen.

Der Kloß im Hals geht nicht selten mit Schluck- und Atemstörungen sowie Übelkeit im Hals, Brech- und Würgereiz einher. Bei Verspannungen kommt es häufig zu einer gesenkten und damit zunehmend verspannten Kopfhaltung, bei der das Kinn näher dem Hals zugewandt ist. Bei dieser Kopfhaltung wird begleitend immer eine Behinderung der Atmung von Seiten der Betroffenen erwähnt.

Die Darstellungen der Beschwerden wie Luftnot und Angstgefühl im Hals unterstreichen diese Symptome und machen deutlich, wie sehr der Alltag beeinträchtigt werden kann.

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Lanz, T., Wachsmuth, W.: Praktische Anatomie, Band 3 – Hals. Springer, Berlin 2004
  • Valerius, K.-P. et al: Das Muskelbuch: Anatomie - Untersuchung – Bewegung. KVM – Medizinverlag, Berlin 2014

Das könnte Sie auch interessieren