Muttermundabstrich

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Muttermundabstrich

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Frauen im Rahmen der jährlichen gynäkologischen Krebsfrüherkennung verschiedene Vorsorgeuntersuchungen an. Zu diesen Untersuchungen gehört der Muttermundabstrich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Muttermundabstrich?

Ein Muttermundstrich ist ein Zellabstrich aus dem Bereich des Muttermundes. Mit Hilfe eines Wattestäbchens oder Spatels werden Zellen vom Muttermund entnommen.

Ein Muttermundstrich ist ein Zellabstrich aus dem Bereich des Muttermundes. Für den Abstrich wird vom Gynäkologen ein Spekulum in die Scheide eingeführt, um sie etwas zu dehnen, damit der Gynäkologe eine bessere Sicht auf den Muttermund hat.

Mit Hilfe eines Wattestäbchens oder Spatels werden anschließend Zellen vom Muttermund entnommen. Auffällige Gewebeveränderungen oder eventuelle Krankheitserreger kann der Gynäkologe meistens schon unter dem Mikroskop erkennen. Anschließend wird der Zellabstrich an ein Speziallabor geschickt, wo ein sogenannter Pap-Test durchgeführt wird, um veränderte Zellen, Vorstufen von Krebs oder einen Gebärmutterhalskrebs frühzeitig erkennen und bei Bedarf therapieren zu können.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ein Muttermundabstrich gehört zu den gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen, die bei Frauen das Risiko senken sollen, an einem Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Der Gebärmutterhalskrebs gehört bei Frauen zu den häufigsten Krebsarten.

Der Abstrich wird durchgeführt, um zum einen so früh wie möglich einen Gebärmutterhalskrebs diagnostizieren und behandeln zu können und zum anderen, um gerade durch die Früherkennung den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Durch den Pap-Test können bereits Zellveränderungen und -auffälligkeiten erkannt werden. Dieser Test wird ca. seit 1970 in Deutschland im Rahmen von gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Diese Verbesserungen in der Diagnostik haben zusammen mit Verbesserungen der Lebens- und Hygieneverhältnisse dazu geführt, dass die Krebsrate bei Gebärmutterhalskrebs gesunken ist.

Der Muttermundabstrich wird nach seinem Entdecker Papanicolaou, einem griechischen Arzt, auch Pap-Test genannt. Nicht selten werden bei dieser Untersuchung auffällige Veränderungen beobachtet, die aber nicht zwangsläufig eine Krebserkrankung bedeuten müssen. Es kann sich auch um Entzündungen oder leichte Zellveränderungen handeln, die sich wieder zurückbilden können. Wird durch den Pap-Test eine Krebsvorstufe entdeckt, kann in den meisten Fällen das auffällige Gewebe entfernt und so ein Ausbruch der Krankheit verhindert werden. Es dauert meistens Jahre, bevor sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt, und durch wiederholte jährliche Abstriche lässt sich die Bildung von neuen Zellen beobachten, so dass eine regelmäßige jährliche Vorsorge mit Muttermundabstrich die sicherste Vorsorge ist.

Die Auswertung des Muttermundabstriches erfolgt meistens nach der Münchener Nomenklatur, die Befunde in fünf Gruppen einteilt. Wenn sich Auffälligkeiten oder Tumorzellen finden, werden weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Gewebeprobe oder Ausschabung durchgeführt. Es kommt nicht selten vor, dass Abstriche auffällige Zellbefunde ergeben, die jedoch in den meisten Fällen harmlos sind und weiter beobachtet werden. Wenn sich aufgrund des Muttermundabstriches ein Tumorverdacht ergibt, wird in der Regel eine Biopsie vorgenommen, bei der eine Gewebeprobe entnommen und an ein Labor geschickt wird.

Auch wenn es trotz regelmäßiger Vorsorge zu einem Gebärmutterhalskrebs kommen kann, gilt er doch als sicherste Vorsorge, weil Auffälligkeiten in Zellbefunden schon auftauchen, bevor es zu Krankheitssymptomen kommt. Eine regelmäßige jährliche Krebsvorsorge wird daher allen Frauen empfohlen und von den meisten auch wahrgenommen. Und wenn durch den Muttermundabstrich ein Gebärmutterhalskrebs festgestellt wird, sind die Heilungschancen in der Regel besser, weil der Krebs durch die Vorsorge meistens schon in einem frühen Stadium festgestellt wird. Bei auffälligen, aber nicht dramatischen Befunden wird der Muttermundabstrich nach 3 Monaten wiederholt, um eventuelle Veränderungen einschätzen zu können.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Auch wenn durch den Muttermundabstrich ein Gebärmutterhalskrebs meistens schon in einem frühen Stadium erkannt werden kann oder es durch frühzeitiges Eingreifen gar nicht erst zum Ausbruch der Krankheit kommt, bietet der Test keine absolute Sicherheit.

Es bleibt ein Restrisiko, dass Zellauffälligkeiten übersehen werden können und es trotz regelmäßiger Vorsorge zu einer Krebserkrankung kommt. Aber da die Krankheit sich über einen langen Zeitraum entwickelt und der Abstrich jährlich vorgenommen wird, werden auffällige Befunde bei ca. 90% der untersuchten Frauen erkannt. Ein weiteres Risiko ist, dass es zu auffälligen Befunden und damit verbundenen Ängsten kommen kann, auch wenn medizinisch alles in Ordnung ist. Es gibt auch Befunde, die von allein wieder zurückgehen.

Bei leichten oder mittleren Veränderungen tendieren Gynäkologen daher meistens zum Beobachten und Abwarten und wiederholen den Test in Abständen von ein paar Wochen mehrfach, um die Frauen nicht zu beunruhigen. Wenn die Zellauffälligkeiten auch nach mehreren Abstrichen noch bleiben, müssen weitere diagnostische Maßnahmen erfolgen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Muttermundabstrich zwar eine Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses ermöglicht, aber nicht einen Krebs der Gebärmutter oder der Eierstöcke. Deshalb wird der Muttermundabstrich bei den Vorsorgeuntersuchungen mit einer gynäkologischen Untersuchung der Eierstöcke und meistens einer Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und Eierstöcke kombiniert. Das Tückische an diesen Krebsarten ist, dass sie meistens erst Beschwerden verursachen, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist. Wurde bei einer Frau schon einmal ein Gebärmutterhalskrebs erkannt und erfolgreich behandelt, muss sie trotzdem weiter regelmäßige Vorsorge in Anspruch nehmen.

Um die Nachteile des Pap-Tests auszugleichen, wurde ein HPV-Test entwickelt. Als Hauptauslöser von Gebärmutterhalskrebs stehen humane Papillomviren im Verdacht, die sich durch diesen neuen Test in Gebärmutterhalszellen nachweisen lassen. Allerdings ist dieser Test noch nicht Bestandteil der gesetzlichen Vorsorgeleistungen und kann daher noch keinen Muttermundabstrich ersetzen.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

Das könnte Sie auch interessieren