Krebsfrüherkennung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Krebsfrüherkennung bezeichnet eine Reihe von Untersuchungen, die auch ohne besonderen Verdacht bei gesunden Personen durchgeführt werden, um eventuelle Krebserkrankungen bereits im frühen Stadium zu erkennen und so die Heilungschancen zu erhöhen. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten für die geschlechts- und altersspezifischen Untersuchungen. Umgangssprachlich wird dafür auch der Begriff Krebsvorsorge verwendet; genau genommen meint Vorbeugung jedoch die Verringerung des Erkrankungsrisikos, die Früherkennung dagegen das rechtzeitige Aufspüren einer bereits entstandenen Erkrankung — dieser Artikel behandelt beides.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Krebsfrüherkennung?

Krebsfrüherkennung
Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung dienen dem Zweck, eventuell bestehende Krebserkrankungen zu entdecken, bevor sie Symptome verursachen. Abbildung zeigt eine Mammographie.

Der Begriff der Krebsfrüherkennung fasst unterschiedliche Untersuchungen zusammen, die ohne konkreten Krankheitsverdacht vorgenommen werden. Sie dienen dem Zweck, eventuell bestehende Krebserkrankungen zu entdecken, bevor sie Symptome verursachen.

So sollen die Heilungschancen deutlich erhöht werden. Untersuchungen im Rahmen der Krebsfrüherkennung werden standardmäßig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, da sie zum Erhalt der Gesundheit und somit auch zur Verringerung von späteren hohen Kosten beitragen können. Sie sind alters- und geschlechtsspezifisch ausgerichtet und sehen vor, dass in regelmäßigen Abständen bestimmte Körperregionen umfassend untersucht werden.

Die Krebsfrüherkennung beginnt für Frauen bereits ab einem Alter von 20 Jahren. Besteht ein genetisches Risiko für eine Krebserkrankung, können die Untersuchungen auch noch früher und/oder in kürzeren Abständen durchgeführt werden.

Nicht bei jeder Krebsart ist eine planmäßige Früherkennung vorgesehen. Gerade bei bösartigen Tumoren, die früh Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden, kann die rechtzeitige Erkennung jedoch lebensrettend und lebensverlängernd sein. Die Früherkennung basiert im deutschen Gesundheitssystem auf einheitlichen Richtlinien, um eine möglichst hohe Qualität der Verfahren zu garantieren.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Krebsfrüherkennung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als erste Ansätze zur frühzeitigen Erkennung von Tumoren entwickelt wurden. Ein Meilenstein war die Einführung des Papanicolaou-Tests (Pap-Test) in den 1940er Jahren durch den griechischen Arzt Georgios Papanikolaou; entwickelt hatte er das Verfahren bereits in den 1920er Jahren. Dieser Test ermöglichte die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs durch die Analyse von Zellabstrichen und senkte die Sterblichkeitsrate erheblich.

In den 1960er Jahren wurde die Mammografie entwickelt, eine Röntgentechnik zur Früherkennung von Brustkrebs. Diese Methode ermöglichte es, Brusttumoren bereits in frühen Stadien zu entdecken, bevor sie tastbar wurden. Vorausgegangen war in den 1950er Jahren die Verbreitung der Selbstuntersuchung der Brust; in den 1970er Jahren wurde die Mammografie in vielen Ländern als Routineuntersuchung etabliert. Parallel dazu etablierte sich der PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) in den 1980er Jahren als ein Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Mit der Entwicklung der Koloskopie in den 1970er Jahren wurde die Früherkennung von Darmkrebs revolutioniert. Diese endoskopische Untersuchung ermöglicht die direkte Sicht auf die Darmschleimhaut und das Entfernen von Polypen, die sich zu Krebs entwickeln könnten. Etwa zur gleichen Zeit wurden Stuhltests zur Früherkennung von Darmkrebs eingeführt.

Moderne Techniken wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) haben die Krebsfrüherkennung weiter verbessert, indem sie detaillierte Bilder von Organen und Geweben liefern. Die Fortschritte in der Molekulargenetik und der Entwicklung von Biomarkern bieten heute zudem die Möglichkeit, spezifische genetische Prädispositionen für verschiedene Krebsarten zu identifizieren. In den 1990er Jahren rückten genetische Tests in den Blick, nachdem die Bedeutung der BRCA-Gene für das Risiko von Brust- und Eierstockkrebs erkannt worden war.

Einsatz & Indikation

Krebsfrüherkennung wird in der Regel bei asymptomatischen Personen durchgeführt, um bösartige Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie klinische Symptome verursachen. Diese Untersuchungen werden je nach Alter, Geschlecht und individuellen Risikofaktoren empfohlen. Beispielsweise wird die Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen, manchmal früher, wenn eine familiäre Vorbelastung besteht.

Die Notwendigkeit einer Krebsfrüherkennung richtet sich nach spezifischen Risikofaktoren wie genetischen Prädispositionen, familiärer Krankheitsgeschichte oder früheren Erkrankungen. Menschen mit einer Familiengeschichte von Krebserkrankungen, wie Brust-, Darm- oder Prostatakrebs, wird oft empfohlen, sich früher und häufiger testen zu lassen.

Darüber hinaus spielen Lebensstilfaktoren eine Rolle; Raucher oder Menschen mit chronischen Virusinfektionen wie Hepatitis B oder HPV können ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten haben, was regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen notwendig macht. Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs wird häufig bei Männern über 50 Jahren durchgeführt, oder früher, wenn ein erhöhtes Risiko besteht.

Auch Screening-Programme für Darmkrebs, wie die Koloskopie, werden ab einem bestimmten Alter (meist ab 50) empfohlen, um präkanzeröse Polypen zu erkennen und zu entfernen. Neben der Koloskopie kommen dabei Stuhltests zum Einsatz. Diese Untersuchungen sind besonders wichtig, da Darmkrebs im Frühstadium oft keine Symptome verursacht. Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko, wie Raucher, sollten früher und häufiger spezielle Untersuchungen wie Lungenkrebs-Screenings in Erwägung ziehen. Insgesamt zielt die Krebsfrüherkennung darauf ab, Krebs in einem frühen, behandelbaren Stadium zu identifizieren und so die Überlebenschancen zu erhöhen.

Vorteile & Nutzen

Die Krebsfrüherkennung bietet gegenüber anderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden entscheidende Vorteile, da sie die Möglichkeit bietet, Krebs in einem frühen Stadium zu erkennen, bevor Symptome auftreten. Dies erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung erheblich, da viele Krebsarten in frühen Stadien besser behandelbar und oft heilbar sind. Früherkennung kann zu weniger invasiven Behandlungsmethoden führen, da kleinere Tumoren weniger umfangreiche chirurgische Eingriffe oder weniger aggressive Therapien erfordern.

Ein weiterer Vorteil ist die Reduzierung der Mortalität. Durch die frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Überlebensraten deutlich verbessert werden. Früh entdeckte Krebserkrankungen erfordern in der Regel auch kürzere und kostengünstigere Behandlungsverläufe, was die finanzielle Belastung für Patienten und Gesundheitssysteme verringert.

Krebsfrüherkennung ermöglicht es zudem, präkanzeröse Zustände zu identifizieren und zu behandeln, bevor sie sich zu malignen Tumoren entwickeln. Dies ist beispielsweise bei der Entfernung von Darmpolypen während einer Koloskopie der Fall, was die Entstehung von Darmkrebs verhindern kann. Darüber hinaus bietet die Früherkennung die Möglichkeit, regelmäßige Überwachung und Vorsorge zu planen, was zur besseren Lebensqualität der Patienten beiträgt. Durch die gezielte Überwachung können Rezidive frühzeitig erkannt und behandelt werden, was die langfristigen Aussichten verbessert.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das erklärte Ziel der Krebsfrüherkennung ist bereits im Begriff selbst enthalten. Die verschiedenen Untersuchungen haben die Aufgabe, möglicherweise bereits entstehende, aber noch unerkannte Krebserkrankungen zu entdecken und so eine angemessene Therapie zu ermöglichen, noch bevor die Krankheit Symptome zeigen oder sich gar ausbreiten kann.

Mediziner empfehlen die Vorsorgeuntersuchungen, da Studien gezeigt haben, dass zahlreiche Krebsarten eine bessere Heilungschance haben und auch schonender behandelt werden können, wenn die Erkrankung sich noch in einem frühen Stadium befindet. Da nicht alle Krebsarten rasch nach ihrer Entstehung spezifische Symptome verursachen, werden sie oftmals erst spät erkannt, was sich auf den weiteren Verlauf negativ auswirken kann. Personen, die eine genetische Vorbelastung aufweisen, sollten besonders darauf achten, Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrzunehmen.

Allerdings wird auch ansonsten gesunden Menschen dazu geraten. Frauen sollten ab einem Alter von 20 Jahren ihre Geschlechtsorgane untersuchen lassen. Ab 30 kommt eine Tastuntersuchung der Brust dazu. Zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr sollte alle zwei Jahre eine Mammografie vorgenommen werden. Männer haben ab dem 45. Lebensjahr die Möglichkeit, ihre Prostata untersuchen zu lassen. Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung von Hautkrebs und Darmkrebs können von beiden Geschlechtern gleichermaßen wahrgenommen werden. Erstere wird ab dem 35., Letztere ab dem 50. Lebensjahr angeboten.

Die einzelnen Verfahren sind auf die jeweiligen Organe zugeschnitten. Klare Hinweise bieten bei Dickdarmkrebs die Labortests von Stuhl auf das Vorhandensein von okkultem Blut. Die Tastuntersuchung des Enddarms erfasst beim Kolonkarzinom dagegen nur den untersten Darmabschnitt und ersetzt die Darmspiegelung nicht. Des Weiteren ist die Aussagefähigkeit von Tastverfahren durch einen Urologen in Bezug auf einen Verdacht auf Prostatakrebs innerhalb der Vorsorgemaßnahmen äußerst bedeutsam.

Bei Frauen kommen die vom Gynäkologen durchgeführten Abstriche vom Gebärmutterhals hinzu, ergänzt um eine Abtastung der äußeren und inneren weiblichen Geschlechtsorgane, um Veränderungen am Muttermund, an den Eierstöcken oder der Gebärmutter zu erkennen. In einem Abstrichpräparat lassen sich unter dem Mikroskop spezielle Zellverbände oder einzelne Zellen erkennen, welche für ein Tumorwachstum charakteristisch sind. Die Früherkennung erfasst somit vor allem die Haut, die Prostata und die weiblichen Geschlechtsorgane, die Brüste und den Darm; einige Verfahren dienen zudem der Erkennung von Lungenkarzinomen.

Das Mammografie-Screening wird schon von vielen Frauen wahrgenommen, welche zur Zielgruppe ab 50 Jahren gehören, und kann eine Darstellung von Brustkrebs erzielen. Diese Vorgehensweise wird durch spezifischere Ultraschallaufnahmen und eine weiterführende Gewebeprobe der Brust differentialdiagnostisch erweitert. Bei der Mammografie handelt es sich um ein radiologisches Verfahren; sie wird nicht nur bei Frauen eingesetzt. Auch die männliche Brust kann mit einer Mammografie untersucht werden, dann allerdings bei konkretem Verdacht und nicht als Vorsorgeuntersuchung. Weiterführende Technologien sind die sogenannte Tomosynthese und die Mammografie auf der Basis des Magnetresonanzprinzips.

Die Krebsfrüherkennung ist grundsätzlich freiwillig, und es liegt im Ermessen des Einzelnen, ob die Untersuchungen wahrgenommen werden oder nicht. Der jeweilige Hausarzt kann genauer über die einzelnen Schritte und das gesamte Programm informieren. Zu einigen Untersuchungen wie beispielsweise der Mammografie werden Personen, die vom Alter und Geschlecht her für die Vorsorge infrage kommen, schriftlich eingeladen.


Durchführung & Ablauf

Eine Krebsfrüherkennung beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese und Risikobeurteilung durch den Arzt, wobei familiäre Vorbelastungen, persönliche Krankengeschichte und Lebensstilfaktoren berücksichtigt werden. Je nach festgestelltem Risiko und Alter des Patienten werden spezifische Screening-Methoden empfohlen.

Zu den häufig verwendeten Methoden gehört der Pap-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, bei dem Zellen vom Gebärmutterhals entnommen und auf abnormale Veränderungen untersucht werden. Bei der Mammografie wird die Brust durch Röntgenstrahlen untersucht, um kleine Tumoren oder Kalkablagerungen zu erkennen. Koloskopien werden zur Früherkennung von Darmkrebs durchgeführt, bei denen ein Endoskop durch den Anus eingeführt wird, um die Darmschleimhaut auf Polypen oder Tumore zu untersuchen.

Bei der Mammografie werden die Brüste zwischen zwei Platten gedrückt, um detaillierte Aufnahmen zu erstellen. Bei der Darmkrebsfrüherkennung steht neben der Koloskopie ein Stuhltest zur Wahl, der auf okkultes Blut im Stuhl prüft; während einer Koloskopie können zugleich Dickdarmpolypen entfernt oder Gewebeproben entnommen werden.

Ein weiterer gängiger Test ist der PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen), ein Bluttest zur Erkennung von Prostatakrebs; ergänzend erfolgt meist eine Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm. Beim Hautkrebsscreening wird die Haut auf ungewöhnliche Muttermale oder Hautveränderungen untersucht, oft ergänzt durch Dermatoskopie, einer detaillierten Analyse von Hautläsionen.

Zusätzlich zu diesen spezifischen Tests können Blutuntersuchungen auf Tumormarker durchgeführt werden, die auf bestimmte Krebsarten hinweisen können. Während der gesamten Früherkennungsuntersuchung werden die Ergebnisse analysiert und bei Auffälligkeiten weiterführende diagnostische Maßnahmen wie Biopsien oder bildgebende Verfahren eingeleitet, um eine genaue Diagnose zu stellen und gegebenenfalls eine frühzeitige Behandlung zu beginnen. Je nach Krebsart und Untersuchung kommen dabei zusätzliche Methoden wie Ultraschall, Bluttests oder Schnittbildverfahren wie CT oder MRT zum Einsatz.

Risiken & Gefahren

Während viele Mediziner und Experten eindeutig die positiven Aspekte der Krebsfrüherkennung betonen, finden sich auch vermehrt Gegner der Vorsorgeuntersuchungen.

Entsprechende Statistiken sollen beweisen, dass nur wenige der zahlreichen Untersuchungen tatsächlich den versprochenen Nutzen haben. Dieser Nutzen bestehe darüber hinaus nur bei den Personen, bei denen tatsächlich Krebs im Frühstadium diagnostiziert wird. Alle anderen könnten demzufolge überhaupt nicht von der Vorsorge profitieren. Besonders Maßnahmen wie die Mammografie oder die Darmspiegelung werden nicht selten angezweifelt, da sie für den Betroffenen eher unangenehm sind und daher Gegnern zufolge nur dann durchgeführt werden sollten, wenn sie auch wirklich angebracht sind.

Auch mögliche Fehldiagnosen, die nach Untersuchungen im Rahmen der Krebsfrüherkennung entstehen können, werden diesbezüglich häufig thematisiert. Wird fälschlicherweise eine Krebserkrankung diagnostiziert, kann dies negative Auswirkungen auf die Psyche und das gesamte Leben des Betroffenen haben. Unter Umständen kommt es als Folge einer solchen Fehldiagnose oder bei unspezifischen Befunden zu unnötigen operativen Eingriffen, die schlimmstenfalls das Wohlbefinden des Patienten beeinträchtigen können (beispielsweise Impotenz bzw. Inkontinenz nach einem Eingriff an der Prostata).

Letztendlich liegt es immer im Ermessen des Einzelnen, ob und wenn ja, welche Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung er wahrnehmen möchte. Ärzte und Krankenkassen informieren ausführlich über die Untersuchungen selbst, deren Nutzen und mögliche Risiken.

Sachlich lassen sich die Nachteile in drei Gruppen fassen. Erstens gibt es auffällige Befunde, die sich in der weiteren Abklärung als harmlos erweisen; sie verursachen Ängste, zusätzliche Untersuchungen und mitunter Eingriffe, die im Nachhinein nicht nötig gewesen wären. Zweitens gibt es unauffällige Befunde, obwohl eine Erkrankung vorliegt; sie können in falscher Sicherheit wiegen, sodass später auftretende Beschwerden zu spät ernst genommen werden. Drittens werden Veränderungen entdeckt, die dem betroffenen Menschen zeitlebens keine Beschwerden bereitet hätten. Für diesen zuletzt genannten Fall hat sich der Begriff der Überdiagnose eingebürgert; er beschreibt kein Versehen, sondern eine unvermeidbare Folge jeder Suche nach frühen Veränderungen.

Hinzu kommen Belastungen der Untersuchungen selbst. Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung und damit mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden. Bei der Darmspiegelung sind Blutungen und in seltenen Fällen Verletzungen der Darmwand möglich, insbesondere wenn dabei Polypen entfernt werden. Diese Nachteile sprechen nicht gegen die Krebsfrüherkennung, sie gehören aber in die Aufklärung, damit die Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung auf Kenntnis beruht und nicht auf Erwartung.

Alle bei der Krebsfrüherkennung angewendeten Eingriffe und Technologien sind zuvor in jahrelangen Tests auf ihre Nebenwirkungen und Risiken hin geprüft worden; risikofrei sind sie deshalb aber nicht. Ob der Nutzen einer Untersuchung ihre Risiken überwiegt, hängt vom Verfahren, vom Alter und vom persönlichen Risiko ab. Hinzu kommen die psychischen Belastungen, die jeder Mensch im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung individuell anders erträgt oder wahrnimmt. Ebenso unterschiedlich wird die körperliche Belastung erlebt: Ein Teil der Untersuchungen verläuft weitgehend schmerzfrei, während Verfahren wie die Mammografie oder die Darmspiegelung von vielen als unangenehm empfunden werden.

Alternativen

Neben den konventionellen Methoden der Krebsfrüherkennung gibt es alternative Verfahren, die entweder als Ergänzung dienen oder eingesetzt werden können, wenn traditionelle Screening-Methoden nicht anwendbar sind. Eine solche Alternative ist die Flüssigbiopsie, bei der Blutproben auf zirkulierende Tumorzellen oder deren DNA analysiert werden. Diese Methode kann genetische Veränderungen oder Tumormarker aufspüren, die auf eine Krebserkrankung hinweisen; als Verfahren der Früherkennung wird sie bislang erprobt und gehört noch nicht zu den regulären Programmen.

Eine andere Technik ist die Thermografie, die Veränderungen in der Hauttemperatur misst. Diese Methode wird gelegentlich ergänzend zur Mammografie eingesetzt, um Anomalien in der Brust zu erkennen; ihr Nutzen für die Früherkennung ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt, und sie ersetzt die Mammografie nicht.

Nicht-invasive bildgebende Verfahren wie der Ultraschall oder die Magnetresonanztomographie (MRT) können bestimmte Untersuchungen ergänzen. Sie sind weniger belastend, ersetzen die Koloskopie und die Mammografie aber nicht gleichwertig; die MRT der Brust kommt vor allem bei Frauen mit stark erhöhtem Erkrankungsrisiko zum Einsatz.

Bei Patienten, die keine bildgebenden Verfahren oder invasiven Tests vertragen, können stuhlbasierte DNA-Tests eine Alternative sein, insbesondere für Darmkrebs. Diese Tests suchen nach genetischen Veränderungen im Stuhl, die auf Tumore hinweisen könnten.

Die Endosonografie, bei der ein Ultraschallkopf über ein Endoskop bis an das Organ herangeführt wird, kann Verdickungen oder Tumoren in der Wand von Hohlorganen genauer darstellen als eine Untersuchung von außen.

Zusätzlich wird die Genetische Beratung und Testung zunehmend genutzt, um familiäre Krebsrisiken zu identifizieren. Dies ist besonders wichtig für Personen mit einer starken Familiengeschichte von Krebs, um präventive Maßnahmen zu planen. Untersucht werden dabei unter anderem Mutationen in Genen wie BRCA1 oder BRCA2, die mit einem erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs einhergehen.

Voraussetzungen eines Früherkennungsprogramms

Nicht jede Krebsart eignet sich für eine planmäßige Suche bei beschwerdefreien Menschen. Die Fachwelt legt dafür seit langem einige Bedingungen an, die alle erfüllt sein müssen. Die Erkrankung muss häufig genug und schwerwiegend genug sein, damit sich der Aufwand für viele Untersuchte rechtfertigt. Sie muss ein Stadium besitzen, in dem sie noch keine Beschwerden macht, aber bereits nachweisbar ist — bei manchen Krebsarten ist dieses Zeitfenster sehr kurz. Es muss ein Test zur Verfügung stehen, der zuverlässig genug ist, wenig belastet und den Untersuchten zumutbar ist. Und es muss eine Behandlung geben, die im Frühstadium mehr nutzt als im späteren Verlauf.

Erst wenn diese Bedingungen zusammenkommen, kann eine Untersuchung Teil eines Programms werden. Deshalb gibt es für einige der häufigen Krebsarten ein geregeltes Angebot, für andere nicht, obwohl auch sie schwer verlaufen. Das Fehlen einer Untersuchung ist also nicht immer eine Lücke, sondern häufig das Ergebnis einer Prüfung, die einen Nutzen nicht belegen konnte. Weil neue Verfahren hinzukommen und ältere neu bewertet werden, ändert sich der Umfang des Angebots über die Jahre; welche Untersuchungen aktuell vorgesehen sind, erfahren Interessierte bei ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder ihrer Krankenkasse.

Was ein Befund bedeutet

Ein auffälliger Befund in der Krebsfrüherkennung ist keine Diagnose. Er bedeutet zunächst nur, dass eine Abweichung gefunden wurde, die einer Klärung bedarf. Was folgt, richtet sich nach dem Verfahren: eine erneute Aufnahme, eine ergänzende Untersuchung mit einer anderen Technik oder eine Gewebeentnahme. Erst deren Ergebnis entscheidet, ob überhaupt eine Krebserkrankung vorliegt. Ein wichtiger und oft übersehener Zusammenhang ist dabei, dass unter allen auffälligen Befunden umso mehr harmlose sind, je seltener die gesuchte Erkrankung in der untersuchten Gruppe vorkommt. Genau deshalb werden Untersuchungen an Alter, Geschlecht und Risiko geknüpft und nicht wahllos allen angeboten.

Ebenso wenig ist ein unauffälliger Befund ein Freibrief. Er sagt aus, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung mit dem verwendeten Verfahren nichts Auffälliges gefunden wurde. Er schließt weder aus, dass eine Veränderung übersehen wurde, noch dass sich in der Zeit bis zur nächsten Untersuchung eine neue entwickelt. Für Krebserkrankungen, die zwischen zwei planmäßigen Terminen auftreten, gibt es einen eigenen Begriff: Intervallkarzinome. Aus beidem folgt dieselbe praktische Regel: Beschwerden, die neu auftreten und anhalten, gehören ärztlich abgeklärt — auch dann, wenn die letzte Untersuchung zur Krebsfrüherkennung ohne Befund geblieben ist. Von der Früherkennung zu unterscheiden ist die eigentliche Vorbeugung, also die Verringerung des Erkrankungsrisikos selbst; sie ist in den beiden folgenden Abschnitten dargestellt.

Vorbeugen und Früherkennen

Im Sprachgebrauch wird der Begriff Krebsvorsorge meist für Untersuchungen verwendet, die eine bereits entstandene Erkrankung möglichst früh aufspüren sollen. Streng genommen handelt es sich dabei um Früherkennung: Der Krebs ist entstanden, und die Untersuchung soll ihn zu einem Zeitpunkt finden, an dem er noch gut behandelbar ist. Von der Vorbeugung im engeren Sinn spricht man dagegen, wenn die Entstehung der Erkrankung selbst unwahrscheinlicher gemacht wird. Beide Ansätze ergänzen sich, und keiner ersetzt den anderen: Wer vorbeugt, kann dennoch erkranken, und wer Untersuchungen wahrnimmt, verringert damit nicht sein Risiko.

Der größte einzelne Beitrag zur Vorbeugung ist der Verzicht auf das Rauchen. Tabakrauch begünstigt nicht nur Lungenkrebs, sondern auch Tumoren an Mundhöhle, Kehlkopf, Speiseröhre, Harnblase und weiteren Organen. Als gesichert krebserzeugend gilt außerdem Alkohol; ein völlig unbedenkliches Maß lässt sich nicht angeben. Starkes Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko für mehrere Krebsarten, während regelmäßige körperliche Aktivität es senkt. Bei der Ernährung gelten reichlich Ballaststoffe, Gemüse und Obst als günstig, während verarbeitetes Fleisch von der Weltgesundheitsorganisation als krebserzeugend eingestuft wurde. Für die Haut ist der Schutz vor starker Sonneneinstrahlung entscheidend; Sonnenschutz und der Verzicht auf das Solarium verringern das Risiko für Hautkrebs.

Ein eigener Weg der Vorbeugung führt über Impfungen. Zwei Viruserkrankungen erhöhen das Risiko für bestimmte Krebsarten erheblich: Eine dauerhafte Infektion mit bestimmten humanen Papillomviren ist die wesentliche Voraussetzung für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und begünstigt weitere Tumoren, und eine chronische Hepatitis B erhöht das Risiko für Leberkrebs. Gegen beide Erreger steht eine Impfung zur Verfügung. Die Impfung gegen humane Papillomviren wird für Mädchen und Jungen im Kindes- und frühen Jugendalter empfohlen, weil ihr Nutzen am größten ist, wenn sie vor den ersten sexuellen Kontakten erfolgt. Sie ersetzt die späteren Untersuchungen des Gebärmutterhalses nicht, weil sie nicht gegen alle beteiligten Virustypen schützt.

Kosten & Kostenübernahme

Die Untersuchungen des gesetzlich geregelten Früherkennungsprogramms werden von den gesetzlichen Krankenkassen getragen; welche das sind, hängt von Alter und Geschlecht ab. Versicherte müssen dafür keine gesonderte Vereinbarung treffen, es genügt in der Regel die Vorstellung in der Praxis. Ergibt sich aus einer solchen Untersuchung ein auffälliger Befund, gehören auch die notwendigen weiteren Schritte zur Abklärung zur Leistung der Kassen — die Kostenfrage ist also kein Grund, eine empfohlene Abklärung aufzuschieben. Für privat Versicherte richtet sich der Umfang nach dem jeweiligen Vertrag.

Daneben werden in Praxen Untersuchungen angeboten, die nicht Teil des Programms sind und selbst bezahlt werden müssen. Dazu zählen etwa Ultraschalluntersuchungen bestimmter Organe ohne konkreten Anlass oder Blutuntersuchungen auf Tumormarker bei Beschwerdefreien. Dass eine Untersuchung angeboten wird, sagt nichts über ihren Nutzen aus: Für einen Teil dieser Angebote ist nicht belegt, dass sie die Sterblichkeit an der betreffenden Krebsart senken, während die möglichen Nachteile — auffällige Befunde ohne Krankheitswert und daraus folgende Eingriffe — dieselben sind wie bei den geregelten Verfahren. Vor der Zusage einer solchen Leistung ist es sinnvoll, sich den erwartbaren Nutzen, die möglichen Folgen eines auffälligen Ergebnisses und die Kosten schriftlich erläutern zu lassen. Wer unsicher ist, kann die Einschätzung der eigenen Krankenkasse oder eine unabhängige Beratung hinzuziehen.

Quellen

  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Hurrelmann, K., Richter, M., Klotz, T., Stock, S. (Hrsg.): Referenzwerk Prävention und Gesundheitsförderung.
    ISBN: 9783456855905
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471

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