Myelolipom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Myelolipomen handelt es sich um gutartige Tumoren beziehungsweise tumorähnliche Läsionen, die sehr selten vorkommen. Die Myelolipome bestehen aus reifem Fettgewebe sowie variablen Anteilen an hämatopoetischem Gewebe. In den meisten Fällen treten sie in der Gegend der Nebenniere auf. Die Bezeichnung der Erkrankung prägte der französische Pathologe Charles Oberling. Trotz des ähnlichen Namens ist das Myelolipom nicht mit dem Myolipom zu verwechseln: Dieses besteht aus Fettgewebe und glatter Muskulatur und sitzt meist im Bauchraum oder im Becken, während das Myelolipom Fettgewebe und blutbildendes Knochenmark enthält („myelo“ = Mark) und fast immer in der Nebenniere liegt.
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Was ist ein Myelolipom?
Myelolipome stellen eine seltene Erkrankung dar, in deren Rahmen gutartige Tumoren auftreten. Diese sind meist im Bereich der Nebennieren lokalisiert. Myelolipome treten mit gleicher Häufigkeit bei Frauen und Männern auf, wobei der Altersgipfel im Zeitraum vom 50. bis zum 70. Lebensjahr liegt. Bei Obduktionsstudien werden Myelolipome in 0,08 bis 0,4 Prozent aller Fälle gefunden.
Bei Myelolipomen handelt es sich um Tumoren von gelblicher bis bräunlicher Farbe, deren Größe von wenigen Millimetern bis zu 30 Zentimetern reichen kann. Die Tumoren sind allerdings nicht gekapselt. In der Regel treten sie einzeln und einseitig im Bereich der Nebenniere auf. In selteneren Fällen können sie auch bilateral sowie mitunter außerhalb der Nebenniere vorkommen.
Dabei können sie etwa in der Leber, im Retroperitoneum, in den Muskelfaszien oder im Mediastinum auftreten. Im Rahmen von mikroskopischen Analysen zeigt sich, dass sich Myelolipome hauptsächlich aus reifem Fettgewebe sowie myeloiden Zellen zusammensetzen. Zum Teil finden sich bei Myelolipomen auch knöcherne Metaplasien oder Einblutungen.
Ursachen
Derartige Umwandlungen können in der Folge bestimmter Stimuli wie etwa Stress, Infektionen oder Nekrose auftreten. Mitunter wird auch die Ansicht vertreten, dass es sich bei dem Myelolipom um einen Ort handelt, an dem extramedulläre Blutbildung stattfindet. Darunter wird eine Form der Blutbildung verstanden, die außerhalb des Knochenmarks stattfindet. Aktuellere Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl die knochenmarkartige Komponente als auch der Fettanteil des Myelolipoms auf die gleiche Weise aufgebaut sind.
Dies veranlasst zu der Schlussfolgerung, dass es sich bei Myelolipomen womöglich tatsächlich um echte Neubildungen von Körpergewebe (medizinische Bezeichnung Neoplasie) handelt. Darüber hinaus wird in der Fachliteratur ein möglicher Zusammenhang von Myelolipomen mit angeborener Vergrößerung der Nebennieren (medizinische Bezeichnung Nebennierenhyperplasie) diskutiert.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Grundsätzlich können bei bestehenden Myelolipomen verschiedene Symptome auftreten. Jedoch handelt es sich bei den Tumoren im überwiegenden Teil der Fälle um asymptomatische Erkrankungen. Das bedeutet, dass die Myelolipome keine spürbaren Symptome oder Beschwerden verursachen und aus diesem Grund nicht von den betroffenen Personen bemerkt werden können.
In solchen Fällen werden die Myelolipome meist nur durch Zufall, beispielsweise im Rahmen von radiologischen Untersuchungen, festgestellt. Bleiben sie unerkannt und zeigen keinerlei Beschwerden, kann es vorkommen, dass Myelolipome erst bei der Obduktion gefunden werden. Von den betroffenen Patienten spürbare Symptome ergeben sich oftmals nur bei größeren Tumoren.
In solchen Fällen leiden die an Myelolipomen erkrankten Personen etwa unter Bauch- und Flankenschmerzen. Nur sehr selten besteht ein Zusammenhang zu endokrinen Störungen wie dem Conn-Syndrom, dem Cushing-Syndrom oder einer vererbten Nebennierenhyperplasie, wobei sich entsprechende Symptome zeigen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Zeigen sich typische Symptome eines Myelolipoms, sollte umgehend ein Facharzt konsultiert werden, der die notwendigen Maßnahmen anordnet. Zur Diagnose von Myelolipomen kommen radiologische Untersuchungen in Betracht, die die inneren Organe und mögliche Tumoren bildlich darstellen. Ärztliche Untersuchungen sind in jedem Fall bedeutsam, da die Erkrankung von anderen, ernsthafteren Krankheiten mit ähnlichen Symptomen abgegrenzt werden muss. Heute lässt sich ein Myelolipom in der Computertomografie meist schon am typisch hohen Fettanteil eindeutig erkennen, sodass eine Gewebeentnahme in aller Regel nicht nötig ist. Ergänzend werden die Hormonwerte im Blut und im Urin bestimmt, um andere Nebennierentumoren auszuschließen, die selbst Hormone bilden.
Meist ist die Prognose von Myelolipomen relativ gut. Bisher wurden keine malignen Entartungen des Myelolipoms zu bösartigen Tumoren beobachtet. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen kommen, in deren Rahmen Blutungen eintreten. Diese werden meist durch traumatisch bedingte oder spontan auftretende Tumorrupturen verursacht. Gesicherte Angaben über die Mortalität im Zusammenhang mit Myelolipomen sind bedingt durch die Seltenheit der Tumoren nicht möglich.
Komplikationen
Weil sie meist keine Beschwerden machen, bleiben Myelolipome häufig unerkannt und werden nur zufällig entdeckt. Führt der Tumor zu Beschwerden, leiden die Betroffenen vor allem an Schmerzen im Bauch oder an den Flanken. Diese Schmerzen können sich auch in den Rücken oder in andere Bereiche des Körpers ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. In solchen Fällen kann die Lebensqualität deutlich verringert sein.
In der Regel muss ein Myelolipom nur dann behandelt und entfernt werden, wenn es zu Beschwerden führt oder wenn es deutlich an Größe zunimmt. Ohne Beschwerden wird in den meisten Fällen keine Behandlung durchgeführt. Dabei kommt es meist zu keinen weiteren Komplikationen und es stellt sich in der Regel ein positiver Krankheitsverlauf ein. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es auch nicht zur Verringerung der Lebenserwartung des Patienten durch das Myelolipom.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Myelolipom verursacht meist keine Beschwerden und wird zufällig entdeckt. Treten anhaltende Schmerzen im Bauch oder in den Flanken auf oder verschlechtert sich der Gesundheitszustand ohne erkennbare Ursache, sollte der Rat des Hausarztes eingeholt werden. Der Arzt kann das Myelolipom in der Bildgebung sicher erkennen und entscheiden, ob eine Behandlung nötig ist oder eine regelmäßige Kontrolle ausreicht.
Personen, die bereits einmal an einem Myelolipom oder an einem anderen gutartigen Tumor erkrankt sind, sollten beim Wiederauftreten von Beschwerden den zuständigen Arzt informieren. Auch Menschen mit Vorerkrankungen und anderen Dispositionen, welche die Entstehung eines Tumors begünstigen, sollten mit genannten Beschwerden zum Arzt gehen. Ein Myelolipom kann vom Allgemeinmediziner festgestellt werden. Die weitere Behandlung erfolgt durch Internisten sowie durch Fachärzte für Hormon- und Tumorerkrankungen. Im Zeitraum der Behandlung muss regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, da auch bei gutartigen Geschwülsten Komplikationen auftreten können, die sofort zu behandeln sind. Setzen plötzlich heftigste Bauch- oder Flankenschmerzen ein, begleitet von Blässe, kaltem Schweiß, Herzrasen oder Kreislaufschwäche, kann ein Einriss des Tumors mit einer inneren Blutung vorliegen. Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
Die therapeutischen Maßnahmen bei Vorliegen eines Myelolipoms sind abhängig vom individuellen Krankheitsbild sowie dem Schweregrad der Läsion. Bei Myelolipomen, die durch eine kleine Größe gekennzeichnet sind und bei den betroffenen Patienten keine Symptome hervorrufen, kann von einer Behandlung des Myelolipoms vorerst abgesehen werden.
In diesem Fall muss das Myelolipom lediglich einer regelmäßigen fachärztlichen Untersuchung unterzogen werden, um möglicherweise auftretende Veränderungen oder potenzielle Komplikationen rechtzeitig einzudämmen. Myelolipome, die mit spürbaren Symptomen verbunden sind, werden in der Regel mittels chirurgischer Entfernung der betroffenen Nebenniere therapiert. Während dieser Eingriff früher über einen großen Bauchschnitt erfolgte, wird die Nebenniere heute meist in Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) entfernt, was mit einer kürzeren Erholungszeit verbunden ist.
Aussicht & Prognose
Myelolipome bieten in der Regel eine gute Prognose. Entartungen treten nicht auf und Tumorrupturen sind selten. Gelegentlich ruft der Nebennierentumor Beschwerden wie Bauch- und Flankenschmerzen hervor. Auch endokrine Störungen wie das Conn-Syndrom können auftreten. Diese und andere Begleiterscheinungen verschlechtern die Lebensqualität, sind jedoch nicht lebensbedrohlich.
Begleitende Hormonstörungen lassen sich meist medikamentös behandeln. Größere oder beschwerdeverursachende Myelolipome werden chirurgisch entfernt. Kleine Tumoren bedürfen keiner Behandlung. Allerdings sind in den ersten Jahren regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt sinnvoll, damit ein Größenwachstum frühzeitig bemerkt wird; ab einer Größe von etwa vier bis sechs Zentimetern wird häufig zur Entfernung geraten, weil bei großen Tumoren ein Einriss mit Blutung droht. Ein Übergang in einen bösartigen Tumor ist bislang nicht beobachtet worden, sodass Betroffene deswegen keine Krebsangst haben müssen.
Die Lebenserwartung wird durch ein Myelolipom in aller Regel nicht verkürzt. Der Patient kann ein beschwerdefreies Leben führen; eine besondere Diät ist dafür nicht erforderlich. Wird eine Nebenniere entfernt, übernimmt die verbliebene Nebenniere die Hormonproduktion in der Regel vollständig. Exakte Daten stehen aufgrund der Seltenheit des Leidens nicht zur Verfügung. Der zuständige Facharzt kann anhand des Symptombilds eine Prognose stellen und zur Bewertung der Lebenserwartung vergleichbare Fälle zurate ziehen.
Vorbeugung
Konkrete Maßnahmen zur Prävention von Myelolipomen existieren nach dem derzeitigen Kenntnisstand der medizinischen Wissenschaft noch nicht. Es bestehen lediglich Hinweise darauf, dass spezielle externe Stimuli die Entstehung eines Myelolipoms beim Menschen begünstigen können. Zu derartigen Stimuli zählen zum Beispiel psychischer und physischer Stress, diverse Infektionen oder eine Nekrose, worunter das Absterben von Zellen im lebenden Organismus verstanden wird.
Wenn typische Anzeichen eines Myelolipoms wie beispielsweise Schmerzen in Bauch und Flanken auftreten, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um adäquate therapeutische Maßnahmen zu veranlassen.
Nachsorge
Bei einem Myelolipom sind die Maßnahmen einer Nachsorge in den meisten Fällen sehr stark eingeschränkt. Hierbei ist der Betroffene in erster Linie auf eine schnelle und auf eine frühzeitige Diagnose der Krankheit angewiesen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommt. Eine Selbstheilung kann beim Myelolipom in der Regel nicht eintreten, sodass Betroffene idealerweise schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Krankheit einen Arzt aufsuchen sollten.
Eine Behandlung ist beim Myelolipom nicht immer notwendig, wobei allerdings der Zustand des Tumors regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden sollte. In einigen Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig, welcher den Tumor oder das betroffene Organ vollständig entfernen kann. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Patient ausruhen und seinen Körper schonen.
Von Anstrengungen oder anderen stressigen und körperlichen Tätigkeiten ist dabei abzusehen. Ebenso sind auch nach dem Eingriff regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt wichtig. Ob es durch das Myelolipom zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen kommt, kann nicht universell vorhergesagt werden. Weiterhin stehen Betroffenen bei dieser Krankheit in der Regel keine besonderen Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung.
Das können Sie selbst tun
Welche Maßnahmen Betroffene beim Vorliegen eines Myelolipoms selbst ergreifen können, hängt vom individuellen Krankheitsbild und der Schwere der Läsion ab. Kleinere Wucherungen rufen oft keine Beschwerden hervor und bedürfen nicht zwingend einer Behandlung. Größere Tumoren sollten allerdings ärztlich abgeklärt und behandelt werden.
Der Patient kann die Therapie unterstützen, indem er sich schont und enge Rücksprache mit dem zuständigen Arzt hält. Sollte der Tumor an Größe zunehmen, muss der Arzt darüber informiert werden. Auch ernste Komplikationen wie zum Beispiel Schmerzattacken oder gar eine Ruptur des Tumors bedürfen einer raschen Abklärung. Zur Linderung der Schmerzen stehen in erster Linie die vom Arzt verordneten Schmerzmittel zur Verfügung. Äußerlich aufgetragene Naturheilmittel wie Arnika- oder Ringelblumensalbe erreichen einen tief im Bauchraum gelegenen Tumor nicht und können die ärztliche Behandlung nicht ersetzen; Zubereitungen mit Belladonna (Tollkirsche) sind zudem giftig und gehören nicht in die Selbstbehandlung. Die Verwendung alternativer Heilmittel sollte deshalb immer zuvor mit dem Mediziner abgesprochen werden.
Größere Myelolipome müssen operativ entfernt werden. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme besteht darin, den Körper nach der Operation zu schonen. Die Operationswunde muss nach den Vorgaben des Arztes gepflegt werden, da ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Begleitend dazu sind regelmäßige Arztbesuche angezeigt, um ein mögliches Rezidiv frühzeitig erkennen zu können.
Quellen
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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