Gutartiger Tumor
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Ein gutartiger Tumor ist ein Tumor, der nicht die Kriterien für einen malignen oder einen semimalignen Tumor erfüllt. Im Gegensatz zu bösartigen Tumoren metastasieren gutartige Tumore nicht.
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Was ist ein gutartiger Tumor?
Als Tumor wird die Zunahme von Gewebe bezeichnet. Synonym wird der Begriff Neoplasie genutzt. Neoplasien sind Neubildungen von Körpergeweben, die durch eine gestörte Regulation des Zellwachstums entstehen. Dabei können sämtliche Gewebe im Körper betroffen sein. Es kann zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Varianten unterschieden werden. Bösartige Tumore werden in der Umgangssprache als Krebs bezeichnet.
Gutartige Tumore sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zwar das umliegende Gewebe verdrängen, es aber nicht infiltrieren. Zudem bilden sie keine „Absiedlungen“. „Absiedlungen“ ist ein anderes Wort für Metastasen. Im Gegensatz dazu wachsen maligne Tumoren invasiv. Sie wachsen in das umgebende Gewebe ein und zerstören es dadurch. Zudem verbreiten sie sich über den Blut- oder den Lymphweg. Als Zwischenform existieren die semimalignen Tumore. Sie setzen in der Regel keine Metastasen, wachsen aber destruierend und infiltrierend.
Gutartige Tumore grenzen sich vom gesunden Gewebe durch Kapseln oder Pseudokapseln gut ab. Das Gewebe der Tumore ist homogen und gut differenziert. Die Zellen zeigen nur wenige oder gar keine Zellveränderungen. Die mitotische Aktivität ist gering. Das bedeutet, dass die gutartigen Tumore eine geringe Zellteilungsrate haben.
Bei den gutartigen Tumoren findet eine weitere Differenzierung nach ihrer Herkunft statt. Ein gutartiger Tumor ist immer nach dem lateinischen Namen seines Ursprungsgewebes benannt. An diesen Namen wird die Endung "-om" angehängt. So wird der gutartige Tumor des epithelialen Drüsengewebes beispielsweise Adenom genannt. Ein gutartiger Tumor, der vom Fettgewebe ausgeht, nennt sich Lipom.
„Gutartig“ bedeutet dabei allerdings nicht in jedem Fall „harmlos“. Ein gutartiger Tumor kann allein durch seine Lage gefährlich werden, etwa ein Meningeom, das im Schädel den Druck auf das Gehirn erhöht, oder ein Myxom, das im Herzen den Blutfluss behindert. Andere gutartige Tumoren bilden Hormone und stören dadurch den gesamten Stoffwechsel, so das Insulinom der Bauchspeicheldrüse oder das Phäochromozytom der Nebenniere. Einige Formen können darüber hinaus mit der Zeit entarten, vor allem Adenome des Darms (Darmpolypen). Umgekehrt gilt aber ebenso: Die meisten gutartigen Tumoren verursachen keinerlei Beschwerden und müssen nicht behandelt werden.
Ursachen
Die Ursachen und die Entstehung von gutartigen Tumoren sind noch nicht vollständig geklärt. Die genetische Disposition scheint eine Rolle zu spielen. Zudem wird die Entstehung einiger benigner Tumore durch die Einnahme bestimmter Medikamente gefördert. So steigt beispielsweise bei Frauen aufgrund von langjähriger Einnahme oraler Verhütungsmittel das Risiko, ein Leberzelladenom zu entwickeln.
Andere Tumore treten bei fast allen Menschen ab einem bestimmten Alter auf. Die benigne Prostatahyperplasie gilt zum Beispiel als Volkskrankheit. Der Großteil der Männer ab 50 Jahren hat eine gutartig vergrößerte Prostata. Auch Vergrößerungen der Rachenmandel treten gehäuft auf. Hier sind jedoch meist Kinder betroffen. Streng genommen handelt es sich dabei nicht um einen Tumor, sondern um eine Vermehrung des ohnehin vorhandenen Gewebes.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome sind abhängig von der Lage und von der Größe des Tumors. Adenome des Magen-Darm-Trakts wölben sich in das Darmlumen hinein, sodass es zu Behinderungen der Stuhlpassage kommen kann. Die Folge sind Verstopfungen und Schmerzen beim Stuhlgang. Auch Blutbeimengungen im Stuhl können auftreten.
Vergrößerte Rachenmandeln, die umgangssprachlich auch als Polypen bezeichnet werden, können Schwierigkeiten bei der Atmung und eine erhöhte Infektanfälligkeit zur Folge haben. Adenome der Schilddrüse können unabhängig vom Hormonregelkreis Schilddrüsenhormone produzieren. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit Symptomen wie Durchfall, Herzrasen, Schwitzen oder Gewichtsabnahme. Auch Adenome der Nebennieren können Hormone produzieren.
Bei einer Überproduktion des Hormons Cortisol kann sich ein Cushing-Syndrom entwickeln. Typische Symptome dieses Hypercortisolismus sind Gewichtszunahme, Müdigkeit, Stiernacken und Pergamenthaut. Von einem Morbus Cushing spricht man dagegen nur dann, wenn ein Adenom der Hirnanhangsdrüse die Nebennieren zur vermehrten Cortisolbildung antreibt. Adenome der Prostata führen häufig zu Beschwerden beim Wasserlassen. Je nach Größe des Tumors kann auch der Stuhlgang beeinträchtigt sein.
Adenome der Eierstöcke verursachen erst dann Beschwerden, wenn sie aufgrund ihres Wachstums andere Organe verdrängen. Typische Symptome sind Völlegefühl, Probleme beim Stuhlgang und beim Wasserlassen, Unterleibsschmerzen und Kreuzschmerzen. Wenn das Adenom der Eierstöcke Hormone produziert, kann es unabhängig vom Zyklus zu Blutungen kommen. Leberzelladenome gehen häufig mit starken Bauchschmerzen einher.
Zudem kann es zu Nekrosen mit lebensgefährlichen Blutungen kommen. Adenome der Hypophyse führen zu einer vermehrten Hormonausschüttung. Je nach Hormonart können unterschiedliche Symptome entstehen.
Diagnose
Zur Diagnose von gutartigen Tumoren stehen verschiedene Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Mithilfe der Röntgenuntersuchung können krankhafte Veränderungen von Organen oder Körperteilen sichtbar gemacht werden. Zusätzlich kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zum Einsatz. Einige Adenome werden entfernt und anschließend mikroskopisch untersucht, um bösartigen Krebs auszuschließen.
Komplikationen
Auch ein gutartiger Tumor kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko, dass die Wucherung das umliegende Gewebe zusammendrückt und dabei Hohlorgane schädigt. Wird ein Blutgefäß zusammengedrückt, kann es zur Sauerstoffunterversorgung von Gliedern oder Organen kommen. Im schlimmsten Fall stirbt dadurch das Gewebe ab.
Ein gutartiger Tumor im Magen-Darm-Trakt kann Verstopfungen oder einen Darmverschluss verursachen. Ist die Galle betroffen, kann die Gallenflüssigkeit unter Umständen nicht mehr richtig abfließen und es kommt zu einem Gallenrückstau. Ein solcher Rückstau kann unter anderem zu einer Gelbsucht, aber auch zu Entzündungen der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse führen.
Daneben kann ein gutartiger Tumor auch Durchblutungsstörungen hervorrufen. Dadurch können sich Blutgerinnsel bilden, die viele weitere lokale Komplikationen auslösen können. Ein Tumor in der Darmwand kann unter Umständen durch die Darmwand brechen, was meist eine lebensbedrohliche Entzündung des Bauchfells zur Folge hat.
In der Folge eines Durchbruchs können sich weitere Fisteln an anderen Organen wie der Harnblase oder der Gebärmutter bilden, die sich wiederum entzünden können. Bei der Entfernung eines gutartigen Tumors besteht die Gefahr von Gewebe- und Nervenverletzungen. Körperlich erschöpfende Therapiemethoden wie eine Chemotherapie kommen bei gutartigen Tumoren dagegen in aller Regel nicht zum Einsatz.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Auch bei einem gutartigen Tumor sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. So lässt sich zunächst klären, ob der Tumor tatsächlich gutartig ist; bei den wenigen Formen, die entarten können, lässt sich die Entartung durch eine rechtzeitige Entfernung verhindern. In der Regel ist der Arzt dann aufzusuchen, wenn es ohne einen besonderen Grund zu einer Gewichtsabnahme und zu Beschwerden im Bereich des Magens und des Darms kommt.
Vor allem kann ein blutiger Stuhlgang auf diesen Tumor hindeuten. Die meisten Patienten leiden an Schmerzen beim Stuhlgang oder an starken Verstopfungen. Weiterhin ist der Besuch beim Arzt dann notwendig, wenn der Patient häufig unter Herzrasen oder starkem Schwitzen leidet.
Auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann auf einen gutartigen Tumor hindeuten. Neben den Beschwerden beim Stuhlgang sollten auch Schmerzen beim Wasserlassen immer von einem Arzt untersucht werden. Ebenso können ein Völlegefühl oder starke Blähungen auf diese Krankheit hinweisen.
Da die Beschwerden nicht immer spezifisch sind, können sich schon regelmäßige und frühzeitige Untersuchungen sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. In erster Linie kann beim Verdacht auf einen gutartigen Tumor ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Dieser verweist den Betroffenen in der Regel an einen Internisten oder an einen Urologen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie ist abhängig von der Art, der Lokalisation und der Größe des Tumors. Während kleine Tumore im Darmbereich selten Beschwerden machen, kann ein kleiner gutartiger Tumor im Gehirn schon starke Beschwerden verursachen. Bei Adenomen im Darm besteht die Neigung zu einer Umwandlung in bösartige Tumore, sodass die Adenome im Rahmen einer Darmspiegelung in der Regel entfernt werden.
Auch eine vergrößerte Rachenmandel wird, sofern schon im Kindesalter Beschwerden vorliegen, mittels Adenotomie entfernt. Bei Adenomen der Schilddrüse wird der betroffene Teil der Schilddrüse mittels Radiojodtherapie zerstört oder in einem operativen Eingriff entfernt. Ebenso werden hormonproduzierende Adenome der Nebennieren chirurgisch entfernt.
Adenome der Prostata werden normalerweise medikamentös behandelt. Lange Zeit kamen dazu vor allem Phytopharmaka und biogene Arzneistoffe zum Einsatz. Heute werden bei stärkeren Beschwerden bevorzugt Alphablocker wie Tamsulosin oder 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid verordnet, deren Wirksamkeit in Studien belegt ist. Bei starken Beschwerden ist eine invasive oder operative Behandlung indiziert. Bei Adenomen der Eierstöcke wird auch operiert. Bei Frauen nach dem 40. Lebensjahr wird der betroffene Eierstock zusammen mit dem Eileiter entfernt.
Nach den Wechseljahren werden zudem die Gebärmutter, die Eierstöcke und beide Eileiter entfernt. Bei großen Adenomen der Leber wird ebenfalls zu einer chirurgischen Entfernung geraten. Wachstumshormonproduzierende Tumore der Hypophyse können hingegen medikamentös verkleinert werden. Besonders gut sprechen prolaktinbildende Adenome auf Medikamente an, sodass bei ihnen eine Operation häufig entbehrlich ist. Je nach Größe des Tumors muss aber eventuell auch operiert werden.
Aussicht & Prognose
Die Prognose bei einem gutartigen Tumor ist abhängig von der Lage und der Größe der Gewebeveränderung. Die Lebenserwartung ist im Normalfall nicht verkürzt. Einige Patienten können trotz der Unregelmäßigkeit bis zu ihrem Lebensende eine beschwerdefreie Lebensführung genießen. Dennoch besteht das Risiko, dass der Tumor auf umliegende Organe, Gelenke, Drüsen, Gefäße oder Nerven drückt. Damit ist deren Funktionsfähigkeit beeinträchtigt und es kommt zu Beschwerden. Bei einem weiteren Wachstum des Tumors, verschlechtert sich allmählich die Gesundheit des Patienten.
In schweren Fällen kommt es zu Störungen oder vollständigen Ausfällen einzelner Systeme. Das tägliche Leben ist eingeschränkt und der Patient ist auf Hilfe angewiesen. Ohne eine medizinische Versorgung können innere Verletzungen auftreten, Schmerzen entstehen oder sich ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln. Aufgrund der Enge führen gutartige Tumore im Innern des Schädels häufig zu Einschränkungen der Gehirntätigkeit. Es treten Unterbrechungen der Sinnesfunktionen ein und aufgenommene Informationen können nicht mehr ausreichend verarbeitet werden.
Obgleich gutartige Tumore im Normalfall leicht entfernt werden können, besteht bei einer ungünstigen Lage des Tumors die Gefahr, dass eine Entfernung zu Komplikationen und Beschädigungen der Umgebung führt. In schweren Fällen können einzelne Formen gutartiger Tumore im weiteren Entwicklungsverlauf entarten. Sobald sie bösartig werden, verschlechtert sich die Prognose des Patienten erheblich.
Vorbeugung
Da die Ursache der meisten gutartigen Tumore bisher ungeklärt ist, ist eine Vorbeugung nicht möglich.
Nachsorge
Die Art und Dauer der Nachsorge richtet sich nach der Lage und Behandlung des gutartigen Tumors. Oftmals sind keine Nachsorge-Maßnahmen notwendig. Wurde der gutartige Tumor operativ entfernt, sollte die Heilung der Operationsnarben beobachtet werden. Kommt es zu postoperativen Komplikationen, wird eine intensive Nachsorge notwendig.
In der Regel wird nach erfolgreicher Entfernung des Tumors im Zuge von mehreren Kontrolluntersuchungen untersucht, ob es zu einem Wiederauftreten von Tumoren kommt. An manchen Körperregionen wie etwa im Bereich der Brust können Betroffene dies selbst durch regelmäßiges Abtasten feststellen. Dennoch sind auch in diesen Fällen regelmäßige Untersuchungen durch einen Arzt anzuraten.
Das genaue Intervall der Kontrollen wird vom jeweiligen Facharzt festgelegt. Manche Formen von gutartigen Tumoren neigen dazu, nach ihrer Entfernung erneut zu wachsen, wodurch es auch vermehrt zur Bildung neuer Geschwülste kommen kann. Bei einigen dieser Formen besteht zudem ein erhöhtes Risiko, dass bösartige Tumore entstehen.
Sobald die Betroffenen wieder Veränderungen wahrnehmen, sollten sie daher unabhängig von den vereinbarten Kontrollintervallen einen Facharzt konsultieren. In einigen Fällen können gutartige Tumore bedingt durch ihre Lage und ihr Wachstum inoperabel und langfristig auch tödlich sein. Die Betroffenen sollten in diesen Fällen engmaschig überwacht werden.
Das können Sie selbst tun
Wird ein gutartiger Tumor festgestellt, ist nicht in jedem Fall eine medizinische Behandlung erforderlich. Welche Schritte im Detail ergriffen werden müssen und was die Betroffenen selbst tun können, hängt von Art, Lokalisation und Größe des Tumors ab.
Adenome im Darm, vergrößerte Rachenmandeln sowie Tumore der Prostata oder im Gehirn werden bei Beschwerden operativ entfernt. Nach größeren Eingriffen müssen sich Patienten auf eine Zeit der Schonung bis hin zur Bettruhe einstellen und unter Umständen auch ihre Ernährung umstellen. Letztlich wird der Arzt dem Patienten mitteilen, welche Schritte dieser selbst ergreifen kann. So sind bei größeren Darmtumoren mitunter Vorbereitungen für eine vorübergehende Inkontinenz sinnvoll.
Bei gutartigen Hirntumoren können aufgrund der Komplexität des Eingriffs schwere Komplikationen auftreten. Es empfiehlt sich darum, frühzeitig therapeutische Unterstützung einzuholen. Zur Vorbereitung auf den Klinikaufenthalt gehört auch die Organisation aller notwendigen Dokumente, Medikamente und Hilfsmittel. Zudem sollten Freunde und Verwandte informiert werden.
Verläuft der Eingriff erfolgreich, darf der Patient das Krankenhaus in der Regel nach wenigen Tagen wieder verlassen. Danach sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen angezeigt. Mitunter ist auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten sinnvoll, um das Risiko einer erneuten Tumorbildung zu senken.
Quellen
- Böcker, W., Denk, H., Heitz, P. U., Moch, H. (Hrsg.): Lehrbuch Pathologie.
ISBN: 9783437171437
- Riede, U.-N., Werner, M. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pathologie.
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- Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
ISBN: 9783110783346

