Nahrungsergänzungsmittel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Nahrungsergänzungsmittel sind Nährstoffkonzentrate, die in dosierter Form – etwa als Tablette, Kapsel oder Pulver – zusätzlich zur allgemeinen Ernährung eingenommen werden können. Sie dienen dazu, den Stoffwechsel optimal mit Nähr- und Wirkstoffen wie Vitaminen oder Mineral- und Ballaststoffen zu versorgen, dürfen jedoch keinen therapeutischen Zweck erfüllen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel dienen dazu, den Stoffwechsel optimal mit Nähr- und Wirkstoffen wie Vitaminen oder Mineral- und Ballaststoffen zu versorgen, sie dürfen jedoch keinen therapeutischen Zweck erfüllen.

Rechtlich sind die Nahrungsergänzungsmittel den Lebensmitteln zugeordnet und fallen damit in Deutschland unter die Regelungen des Lebensmittel- und Futtergesetzbuchs (LFGB); die erlaubten Mineralstoffe und Vitamine sind in der Nahrungsergänzungsmittelverordnung aufgeführt. Anders als Arzneimittel durchlaufen Nahrungsergänzungsmittel kein Zulassungsverfahren; ihre Wirksamkeit wird vor dem Verkauf nicht geprüft. Der Hersteller oder Einführer muss das Produkt lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzeigen.

Aufgrund ihrer ernährungsphysiologischen Wirkung haben bestimmte Nahrungsergänzungsmittel allerdings auch Eigenschaften von Arzneimitteln. Laut Nahrungsergänzungsmittelverordnung dürfen die Inhaltsstoffe jedoch ausschließlich aus lebensmittelspezifischen Rohstoffen gemäß LFGB stammen.

Trotzdem versuchen viele Hersteller, Produkte als Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen, die rechtlich eigentlich Arzneimitteln zugeordnet werden müssen.

Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte der Nahrungsergänzungsmittel reicht weit zurück und ist eng mit der Entdeckung von Vitaminen und Mineralstoffen im frühen 20. Jahrhundert verknüpft. Zunächst entstand das Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln durch das Bedürfnis, Nährstoffmängel zu beheben, die zu verschiedenen Krankheiten führten.

Die systematische Erforschung und Isolation einzelner Vitamine begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Erkenntnis, dass bestimmte Krankheiten wie Skorbut, Rachitis und Beriberi durch Nährstoffmängel verursacht wurden, führte zur Entwicklung der ersten vitaminreichen Ergänzungsmittel. 1912 prägte Casimir Funk den Begriff „Vitamine“, als er das Konzept der lebensnotwendigen Amine formulierte.

In den 1930er Jahren begann die kommerzielle Produktion von Vitaminergänzungsmitteln, insbesondere nachdem die chemischen Strukturen von Vitaminen wie C und D aufgeklärt wurden und man sie synthetisch herstellen konnte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Vitaminergänzungsmittel intensiv genutzt, um die Ernährung von Soldaten und Zivilisten zu verbessern.

Nach dem Krieg und mit dem Aufkommen des Wohlstandes in den 1950er und 1960er Jahren erweiterte sich die Branche der Nahrungsergänzungsmittel schnell. Die Entwicklung ging von einfachen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zu einer breiten Palette von Produkten, einschließlich pflanzlicher Ergänzungsmittel und solcher, die spezielle Nährstoffe wie Aminosäuren und Fettsäuren enthalten.

Heute sind Nahrungsergänzungsmittel ein integraler Bestandteil des Gesundheitsbewusstseins vieler Menschen weltweit. Sie werden verwendet, um die allgemeine Gesundheit zu fördern, das Wohlbefinden zu steigern und als präventive Maßnahme gegen verschiedene Gesundheitsprobleme. Die Branche bleibt jedoch auch wegen potenzieller Überdosierung und fragwürdiger Wirksamkeitsansprüche in der Kritik.

Medizinische & gesundheitliche Anwendung

Die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln können einen wichtigen Nutzen für den menschlichen Stoffwechsel erfüllen; konkrete Aussagen zur Wirksamkeit sind jedoch kaum zu treffen, da die Substanzen individuell unterschiedlich wirken. Für bestimmte Personengruppen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben, können Nahrungsergänzungsmittel sicherlich sinnvoll sein, wenn die allgemeine Ernährung nicht ausreichend Nährstoffe liefert und daher die Energieversorgung unterstützt werden muss.

Eine Unterversorgung mit Nährstoffen und Vitaminen kann zu einer verminderten Aktivität von Hormonen und Enzymen führen, die Folge sind dann etwa Müdigkeit, Erschöpfung und Energielosigkeit und daraus resultierende Leistungsminderung. Dies trifft vor allem auf Schwangere, Kinder und Jugendliche, Senioren, chronisch Kranke oder Leistungssportler zu. Abhängig von der Lebensphase oder der körperlichen Belastung und des damit zusammenhängenden Energieverbrauchs benötigen sie mehr Vitamine und Nährstoffe; dies kann zum Teil sogar das Doppelte des normalen Bedarfs sein.

Trotz ausgewogener Ernährung kann es in der alltäglichen Praxis oft schwierig sein, diesen erhöhten Bedarf zu decken, so dass in diesem Fall Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll eingesetzt werden können. Bei Senioren kommt hinzu, dass die generelle Nährstoffaufnahme durch den Gebrauch von Medikamenten oftmals eingeschränkt ist und Nahrungsergänzungsmittel daher zusätzlich zur allgemeinen Ernährung sinnvoll sein können.

Pflanzliche, natürliche & chemische Nahrungsergänzungsmittel

In Nahrungsergänzungsmitteln lassen sich verschiedenste Substanzen finden, die für den Organismus unverzichtbar sind. Neben Vitaminen sind dies etwa Ballaststoffe, Mineralien, Spurenelemente oder auch Fett- und Aminosäuren.

In der Regel sind sie in konzentrierter Form als Tablette oder Kapsel, manchmal auch als Pulver einzunehmen. In diesen werden entweder einzelne Wirkstoffe als Monopräparat, oftmals aber auch verschiedene in einem Kombinationspräparat angeboten, so dass eine kombinierte Einnahme ohne eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte möglich ist.

Da sie den Lebensmitteln zugeordnet werden, sind sie frei im Handel erhältlich, müssen dabei aber mit einer Angabe über die empfohlene tägliche Verzehrmenge versehen sein. Für die Entfaltung der Wirkung werden Nahrungsergänzungsmittel meist über einen längeren Zeitraum eingenommen; eine anhaltende Unterversorgung mit Nährstoffen sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sind jedoch auch Risiken und Nebenwirkungen zu bedenken. Wenn eine ausgewogene Ernährung den Bedarf an Nährstoffen bereits abdeckt, kann eine zusätzliche Einnahme von ergänzenden Mitteln zu einer Überdosierung führen, die nachteilige Wirkungen für die Gesundheit haben kann.

Eine Überschreitung der empfohlenen Höchstmenge an bestimmten Wirkstoffen kann etwa zu Nierensteinen (Calcium), zu Blutdruckabfall, Herzschlagverlangsamung und Einschränkung der Nierenfunktion (Magnesium) sowie zu Knochenentkalkung (Vitamin D) führen. Die Gefahr bei einer Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln ist somit nicht zu unterschätzen, daher sollten sie nicht unbedacht eingenommen werden.

Alternativen

Nahrungsergänzungsmittel sind dafür gedacht, die tägliche Ernährung zu ergänzen und bestimmte Nährstoffe in konzentrierter Form zu liefern. Doch es gibt alternative Methoden und Therapien, die ähnliche gesundheitliche Vorteile bieten können, ohne auf diese Ergänzungen angewiesen zu sein.

1. Ausgewogene Ernährung: Die einfachste und oft effektivste Alternative zu Nahrungsergänzungsmitteln ist eine gut ausbalancierte Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, mageren Proteinen und gesunden Fetten ist. Diese natürliche Nahrungszufuhr bietet nicht nur die erforderlichen Vitamine und Mineralien, sondern auch eine Vielzahl anderer gesundheitsfördernder Substanzen wie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die in Ergänzungsmitteln nicht zu finden sind.

2. Angereicherte Lebensmittel: Viele Grundnahrungsmittel werden mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert. Beispiele hierfür sind Vitamin-D-angereicherte Milch, mit B-Vitaminen angereichertes Brot oder mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Eier. Diese können eine gute Alternative zu Nahrungsergänzungsmitteln darstellen, insbesondere für Menschen, die spezifische Ernährungsbedürfnisse haben oder in Regionen mit begrenztem Zugang zu frischen Lebensmitteln leben.

3. Funktionelle Lebensmittel: Manche Lebensmittel und Getränke werden speziell dafür entwickelt, gesundheitliche Vorteile zu bieten, die über die einfache Ernährung hinausgehen. Beispiele sind probiotischer Joghurt, der die Darmgesundheit unterstützen kann, oder grüner Tee, der aufgrund seiner Antioxidantien als gesundheitsfördernd gilt. Diese funktionellen Lebensmittel bieten eine Alternative zu Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere für diejenigen, die ihre Ernährung auf natürliche Weise optimieren möchten.

4. Kräutertherapien und traditionelle Medizin: In vielen Kulturen werden spezifische Kräuter und traditionelle Medizinpraktiken genutzt, um Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern. Solche Praktiken können eine alternative oder ergänzende Rolle zu Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen, wobei sie oft auf einer ganzheitlichen Behandlung basieren.

Jede dieser Alternativen hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und kann je nach individuellen Gesundheitsbedürfnissen und Lebensumständen passender sein. Es ist jedoch wichtig, jede Änderung der Ernährungs- oder Gesundheitsstrategie mit einem Arzt zu besprechen, um sicherzustellen, dass die gewählte Methode sicher und effektiv ist.

Forschung & Zukunft

Die Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln entwickelt sich stetig weiter, wobei Wissenschaftler daran arbeiten, ihre Wirksamkeit, Sicherheit und Personalisierung zu verbessern. Aktuelle Trends in dieser Forschung umfassen:

1. Personalisierte Nahrungsergänzungsmittel: Einer der führenden Trends ist die Personalisierung von Nahrungsergänzungsmitteln basierend auf individuellen Gesundheitsbedürfnissen, genetischen Profilen und Lebensstilen. Die Idee ist, dass maßgeschneiderte Ergänzungen effektiver bei der Unterstützung der Gesundheit und Vorbeugung von Krankheiten sein können. Unternehmen nutzen zunehmend DNA-Tests, um personalisierte Supplementpläne zu erstellen.

2. Verbesserung der Bioverfügbarkeit: Forscher arbeiten daran, die Formulierung von Nahrungsergänzungsmitteln zu optimieren, um die Aufnahme und Nutzung der Nährstoffe im Körper zu verbessern. Neue Technologien, wie Nanotechnologie und Mikroverkapselung, werden eingesetzt, um die Löslichkeit zu erhöhen und die Freisetzung von Nährstoffen zu steuern.

3. Natürliche und pflanzliche Ergänzungsmittel: Es gibt ein wachsendes Interesse an natürlichen und pflanzlichen Inhaltsstoffen. Forscher untersuchen intensiv die gesundheitlichen Vorteile von traditionell verwendeten Kräutern und Pflanzenextrakten, um ihre potenzielle Rolle bei der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen zu verstehen.

4. Synergistische Kombinationen: Die Kombination verschiedener Nährstoffe und Pflanzenstoffe in synergistischen Formulierungen kann ihre gesundheitlichen Vorteile verstärken. Forscher sind bestrebt, solche Kombinationen zu identifizieren, die synergistisch wirken, um die Gesundheit optimal zu fördern.

5. Transparenz und Sicherheit: Angesichts der Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln setzen sich Forschung und Industrie für strengere Regulierungen und Transparenz ein. Dies umfasst die Überprüfung der Quellen der Inhaltsstoffe, die Herstellungspraktiken und die genaue Kennzeichnung der Produkte.

Diese Trends zeigen, dass die Nahrungsergänzungsmittelindustrie zunehmend darauf abzielt, wissenschaftlich fundierte Produkte zu entwickeln, die sicher, effektiv und auf die individuellen Gesundheitsbedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind.

Was auf der Packung stehen muss

Die Nahrungsergänzungsmittelverordnung schreibt für die Kennzeichnung eine Reihe von Angaben vor, die auf jeder Packung zu finden sein müssen. Dazu gehören die Verkehrsbezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“, die Namen der Nährstoffkategorien oder sonstigen Stoffe, die für das Erzeugnis kennzeichnend sind, sowie die Mengenangabe der wirksamen Bestandteile; bei Vitaminen und Mineralstoffen ist zusätzlich der Prozentsatz der europaweit festgelegten Referenzwerte anzugeben.

Hinzu kommen drei Hinweise, die der Verordnungsgeber ausdrücklich verlangt: dass die angegebene empfohlene Verzehrsmenge nicht überschritten werden darf, dass ein solches Erzeugnis kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist, und dass es außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufzubewahren ist. Umgekehrt ist es untersagt, in der Kennzeichnung den Eindruck zu erwecken, eine ausgewogene Ernährung reiche nicht aus, um mit Nährstoffen versorgt zu sein. Die europäische Richtlinie 2002/46/EG, auf der die deutsche Verordnung beruht, verbietet außerdem in Kennzeichnung, Aufmachung und Werbung jede Zuschreibung von Eigenschaften, die der Verhütung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit dienen.

Diese Pflichtangaben sind kein Nebenschauplatz, denn das Etikett ist zugleich das, was die Behörde zu sehen bekommt: Der Anzeige, die spätestens beim ersten Inverkehrbringen zu erstatten ist, muss ein Muster des verwendeten Etiketts beiliegen. Von dort aus wird sie an das zuständige Bundesministerium und an die Überwachungsbehörden der Länder weitergeleitet, die für die Kontrolle im Handel zuständig sind.

Höchstmengen: die offene Stelle

Wie viel eines Vitamins oder Mineralstoffs in einer Tagesportion enthalten sein darf, ist europaweit bis heute nicht verbindlich geregelt. Dabei war es von Anfang an vorgesehen: Artikel 5 der Richtlinie 2002/46/EG beschreibt ausführlich, wie solche Höchstmengen zu bestimmen wären – ausgehend von sicheren Höchstmengen aus wissenschaftlicher Risikobewertung, unter Berücksichtigung der Zufuhr aus anderen Quellen der Ernährung und der Bevölkerungsreferenzmengen, und unter Beachtung der unterschiedlichen Empfindlichkeit einzelner Verbrauchergruppen. Zahlen nennt der Artikel jedoch nicht; ihre Festsetzung ist einem eigenen Ausschussverfahren überlassen.

Dieses Verfahren ist nie zum Abschluss gekommen. Die Europäische Kommission führt selbst aus, dass sie zwar ein Diskussionspapier vorgelegt und die Mitgliedstaaten wie die beteiligten Kreise ausführlich angehört hat, dass aber wegen der Komplexität der Materie und der weit auseinandergehenden Auffassungen bislang kein Vorschlag unterbreitet worden sei. Was fehlt, ist also nicht die wissenschaftliche Vorarbeit, sondern die Einigung.

Für den Käufer hat das eine unmittelbare Folge. Die Werte, die auf Packungen als Orientierung erscheinen, sind wissenschaftliche Empfehlungen und Referenzwerte, keine gesetzlichen Obergrenzen. Zwei Präparate mit demselben Nährstoff können sich in der Menge je Tagesportion erheblich unterscheiden, ohne dass eines davon gegen geltendes Recht verstößt.

Wenn im Präparat ein Arzneistoff steckt

Wo die Grenze zwischen Lebensmittel und Arzneimittel verläuft, entscheidet sich im Zweifel nach § 2 Absatz 3a des Arzneimittelgesetzes: Fällt ein Erzeugnis zugleich unter die Begriffsbestimmung eines Arzneimittels und unter die eines Lebensmittels, so gilt es als Arzneimittel. Ein Lehrstück dafür ist Rotschimmelreis. Dieser fermentierte Reis enthält Monakoline, darunter Monacolin K, das chemisch dem cholesterinsenkenden Arzneistoff Lovastatin entspricht. Ein Erzeugnis, das ihn in wirksamer Menge enthält, wirbt damit nicht nur wie ein Arzneimittel – es enthält einen.

Die Europäische Kommission hat darauf 2022 mit der Verordnung (EU) 2022/860 reagiert und Monakoline aus Rotschimmelreis in den Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 aufgenommen, und zwar gleich zweifach: in den Teil, der Stoffe mit eingeschränkter Verwendung führt, und in den Teil, der Stoffe verzeichnet, die von der Union weiter geprüft werden. Vorausgegangen waren Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und Stellungnahmen nationaler Stellen, darunter eine gemeinsame Einschätzung von Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aus dem Jahr 2016.

Wie aufwendig die Kontrolle solcher Erzeugnisse ist, zeigt die Analytik, die dafür entwickelt wurde. Das Forensic Chemistry Center der amerikanischen Arzneimittelbehörde legte 2024 ein Verfahren vor, das über das Verhältnis stabiler Kohlenstoffisotope unterscheidet, ob das gefundene Monacolin K aus der Fermentation stammt oder ob dem Präparat synthetisches Lovastatin zugesetzt wurde. Der Nachweis eines Stoffes genügt hier also nicht; man muss auch seine Herkunft bestimmen.

Was Studien an Gesunden zeigen

Für Menschen mit erhöhtem Bedarf oder nachgewiesenem Mangel ist die Frage nach dem Nutzen eine andere als für gesunde Erwachsene ohne besondere Belastung. Für diese zweite Gruppe hat die US Preventive Services Task Force, ein unabhängiges Sachverständigengremium, 2022 im Journal of the American Medical Association eine Bilanz gezogen. Ihr Ergebnis fällt für zwei Stoffe eindeutig aus: Von der Einnahme von Beta-Carotin und von Vitamin E zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs rät sie ab. Für Multivitaminpräparate und für einzelne weitere Nährstoffe hält sie die Datenlage für zu dünn, um Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen zu können.

Hinter der Empfehlung zu Beta-Carotin steht eine der bemerkenswertesten Kehrtwenden der Ernährungsforschung. Beobachtungsstudien hatten nahegelegt, dass eine an Carotinoiden reiche Kost mit einem geringeren Risiko für Lungenkrebs einhergeht. Zwei große Interventionsstudien prüften daraufhin das isolierte Präparat. Die finnische ATBC-Studie, 1994 im New England Journal of Medicine veröffentlicht, begleitete 29.133 Männer, die rauchten. Unter denen, die Beta-Carotin erhielten, traten nicht weniger, sondern 18 Prozent mehr Fälle von Lungenkrebs auf, und die Gesamtsterblichkeit lag um 8 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe. Die amerikanische CARET-Studie, 1996 in derselben Zeitschrift veröffentlicht, prüfte an 18.314 Rauchern, ehemaligen Rauchern und asbestbelasteten Arbeitern eine Kombination aus Beta-Carotin und Vitamin A. Auch hier lag das Lungenkrebsrisiko in der Behandlungsgruppe höher als unter Placebo; die Untersuchung wurde 21 Monate früher abgebrochen als geplant.

Der Stoff war derselbe geblieben, der Zusammenhang hatte sich umgekehrt. Was in der Frucht oder im Gemüse als Teil eines Ganzen wirkt, verhält sich als konzentriertes Einzelpräparat nicht notwendig gleich – und in diesem Fall verhielt es sich gegenteilig.

Quellen

  • Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445956
  • Hahn, A., Ströhle, A., Wolters, M.: Ernährung.
    ISBN: 9783804739628
  • Elmadfa, I., Leitzmann, C.: Ernährung des Menschen.
    ISBN: 9783825288099
  • Biesalski, H.-K., Grimm, P., Nowitzki-Grimm, S.: Taschenatlas Ernährung.
    ISBN: 9783132426078
  • Kasper, H., Burghardt, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik.
    ISBN: 9783437230066

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