Ohrfurunkel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Ohrfurunkel
Die Ohren gehören zu den empfindsamsten Organen des Menschen. Bereits kleinste Entzündungen im Ohrenbereich, wie zum Beispiel Ohrfurunkel, können zu starken Schmerzen führen, sofern sie nicht frühzeitig behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist ein Ohrfurunkel?
Unter einem Ohrfurunkel, unter Medizinern auch als Otitis externa circumscripta bezeichnet, wird eine entzündliche Veränderung in dem äußeren Gehörgang verstanden. Dort befinden sich besonders feine Härchen, die aufgrund ihrer geringen Größe und Stärke für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar sind.
Trotz ihrer geringen Ausmaße besitzen auch diese Härchen Haarwurzeln, die unter Umständen tief in die Haut des äußeren Gehörganges hineinreichen können. Die Hülle, die eine solche Haarwurzel umgibt, wird als Haarbalg bzw. als Follikel bezeichnet: ein für Entzündungen besonders anfälliger Bereich.
Kommt es hier zu einer Entzündung, wächst sie unter Umständen so stark an, dass sie die Hautoberfläche erreicht. Und genau dies wird als Ohrfurunkel bezeichnet. Je weiter die Entzündung fortschreitet, desto mehr vermehren sich die Bakterien. Die Folge ist, dass sich hochinfektiöser Eiter unter der Haut bildet, was zu starken Schmerzen bei den Betroffenen führen kann.
Ursachen
Andere Arten dagegen können Entzündungen wie Ohrfurunkel verursachen. Aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Infektiosität muss nicht jeder Kontakt mit Staphylokokken zum Ausbruch eines Ohrfurunkels führen. Im Gegenteil: Die bereits erwähnte natürliche Hautflora bietet insoweit einen effektiven Schutz. Erst wenn diese Hautflora beeinträchtigt wird und der natürliche Schutzmechanismus gestört wird, können sich Ohrfurunkel bilden.
Insbesondere die Reinigung des Gehörganges mit Wattestäbchen fördert die Bildung von Ohrenfurunkeln. Denn neben der Entfernung der Hautfloraschicht werden durch die mechanische Reinigung auch noch die empfindlichen Härchen verletzt, was letztlich eine Entzündung begünstigt.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Ohrfurunkel kann sich durch heiße Ohren und starke Schmerzen im Ohr bemerkbar machen. Beim vorsichtigen Tasten nach der Schmerzursache ist die Schmerzempfindlichkeit noch erhöht. Es kann eine starke Schwellung im äußeren Gehörgang festgestellt werden. Der hinzugezogene Mediziner kann außerdem eine Rötung im Ohr feststellen. Ist das Ohrfurunkel genügend gereift, bildet es einen gelben Eiterherd.
Der behandelnde Arzt kann durch eine Sichtprüfung und einen Abstrich sicherstellen, dass die Symptome tatsächlich auf ein Ohrfurunkel hindeuten. Auslöser eines Ohrfurunkels sind meistens, aber nicht immer Staphylokokken. Breiten sich diese im Körper aus, kann es zu weiteren Symptomen und Folgebeschwerden kommen.
Der Betroffene fühlt sich ganzkörperlich geschwächt. Er hat starke, teilweise ausstrahlende Schmerzen in einem Ohr. Außerdem kann es zu Kopf- oder Gliederschmerzen kommen. Die Lebensqualität ist durch die starken Schmerzen beeinträchtigt.
Durch die Eiterbildung im Furunkel kann es zu Verunreinigungen im Ohr kommen, wenn es sich nachts öffnet. Es kann bei Ohrfurunkeln außerdem zu einer Abszessbildung kommen. Die Gefahr einer Blutvergiftung besteht, wenn die auslösenden Keime oder Staphylokokken in die Blutbahn gelangen. Die typischen Symptome eines Ohrfurunkels begünstigen solche Komplikationen.
Daher sollten bereits die früh auftretenden Beschwerden eines Ohrfurunkels ärztlicherseits abgeklärt und behandelt werden. Eine Selbstbehandlung von Ohrfurunkeln verbietet sich angesichts der komplikationsträchtigen Beschwerdelage.
Diagnose & Verlauf
Ohrenfurunkel lassen sich wegen ihres charakteristischen Erscheinungsbildes klinisch leicht feststellen. Nur bei Vorliegen des Verdachtes, dass nicht wie üblich Staphylokokken als Erreger infrage kommen, sondern andere, die einer entsprechenden Therapie bedürfen, werden weitere Diagnosemaßnahmen erforderlich.
Dazu gehört unter anderem der Abstrich. Durch den Abstrich der entzündeten Stelle, an den einige Erreger haften bleiben, kann der behandelnde Arzt labortechnisch den konkreten Erreger feststellen und ein entsprechendes Medikament zur Bekämpfung des Erregers des Ohrfurunkels verordnen.
Komplikationen
Eine Eiterbildung ist ebenfalls eine häufige Komplikation, die im Zusammenhang mit einem Ohrfurunkel auftreten kann. Wer bei der Eiterbildung auf die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten beziehungsweise einem Arzt verzichtet, geht ein großes Risiko ein, weitere Komplikationen zu begünstigen. Dazu zählt beispielsweise die Entstehung eines Abszesses. Bei einem Abszess handelt es sich um die Ansammlung von Eiterflüssigkeit.
Wenn diese Eiterflüssigkeit in den menschlichen Blutkreislauf gelangt, dann besteht die Gefahr einer gefährlichen Blutvergiftung. Wer diese Komplikationen vermeiden möchte, der sollte bei einem bestehenden Ohrfurunkel schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen und die verordneten Medikamente einnehmen. Somit gilt: Wer unter einem Ohrfurunkel leidet, der muss gleichzeitig auch mit verschiedenen Komplikationen rechnen. Wer die ärztlich verordneten Medikamente einnimmt, der hat gute Chancen auf eine baldige Heilung. Das Furunkel selbst aufzustechen oder auszudrücken, ist dagegen gefährlich: Dabei können die Erreger in tiefere Gewebeschichten und in die Blutbahn gelangen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Schwellungen oder Schmerzen im Ohr gelten als ungewöhnlich und sollten ärztlich abgeklärt werden. Kommt es zu einem Druckschmerz oder einer Überempfindlichkeit des Ohrs bei Berührung, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei einer Bildung von Eiter im Ohrinnern oder einem unangenehmen Geruch aus dem Ohr sind die Beschwerden als Anzeichen einer gesundheitlichen Unregelmäßigkeit zu verstehen.
Ein Arzt sollte konsultiert werden, damit eine Klärung der Ursache erfolgen kann. Nehmen die Beschwerden zu oder halten sie unvermindert über mehrere Tage an, besteht Handlungsbedarf. In schweren Fällen droht eine Blutvergiftung und damit liegt eine potentielle Gefährdung des Lebens vor. Warnzeichen dafür sind hohes Fieber mit Schüttelfrost, eine sehr schnelle Atmung, ein rasender Puls, Verwirrtheit oder starke Benommenheit. Bei einem solchen akuten gesundheitsbedrohlichen Zustand muss der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmiert werden.
Kopfschmerzen, eine Schiefhaltung des Kopfes oder Beschwerden im Nacken sind weitere Anzeichen einer Störung. Setzen Schlafstörungen ein, kommt es zu einer verminderten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit oder klagt der Betroffene über Unwohlsein sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei Schwindel, Störungen des Gleichgewichts sowie Gangunsicherheiten ist eine Abklärung der Symptome anzuraten. Gliederschmerzen, Unregelmäßigkeiten der Aufmerksamkeit oder Defizite der Konzentration sind einem Arzt vorzustellen. Sinken aufgrund der Beeinträchtigungen die Lebensfreude oder das Wohlbefinden des Betroffenen, wird eine ärztliche Untersuchung benötigt. Veränderungen des Verhaltens sowie der Stimmung sollten ebenfalls als Warnhinweise für vorhandene körperliche Beschwerden verstanden werden.
Behandlung & Therapie
Da Bakterien für die Majorität der Ohrfurunkel verantwortlich sind, kommt als Behandlungsmaßnahme in erster Linie eine örtliche Behandlung infrage: Der Arzt reinigt den Gehörgang und legt Streifen mit einer antiseptischen oder antibiotikahaltigen Salbe ein. Antibiotika zum Einnehmen sind schweren Verläufen, einer Ausbreitung der Entzündung und Patienten mit geschwächter Abwehr vorbehalten. Vor dem Einlegen der Salbenstreifen empfiehlt sich, die entzündete Stelle mit einem speziellen, alkoholhaltigen Desinfektionsmittel zu desinfizieren.
Durch diese erste Abtötung oberflächlicher Erreger wird die anschließende Behandlung unterstützt, da es weniger Erreger zu bekämpfen hat. Allerdings sollte die alkoholische Erstreinigung ausschließlich von Ärzten vorgenommen werden, da sich nicht alle Desinfektionsmittel hierzu eignen: Ungeeignete Mittel reizen die empfindliche Haut des Gehörgangs und können bei einem verletzten Trommelfell bis in das Mittelohr gelangen und es schädigen.
Zur Linderung der oft starken Schmerzen werden zusätzlich Schmerzmittel eingesetzt.
Bei besonders großen Ohrenfurunkeln kann es notwendig sein, sie chirurgisch aufzuschneiden. Der Grund dafür liegt darin, dass sich in dem Furunkel Eiter ansammeln kann, der auch bei einer erfolgreichen antibiotischen Behandlung nicht auf natürliche Weise abfließen kann. Die im Eiter lebenden Bakterien können dann zu Rezidiven führen, das heißt zur Entstehung eines neuen Ohrfurunkels.
Aussicht & Prognose
Unter normalen Umständen ist die Prognose bei einem Ohrfurunkel günstig. Es handelt sich meist um eine vorübergehende gesundheitliche Beeinträchtigung, die vollständig abklingt. Sie ist verbunden mit Schmerzen, Einschränkungen des Hörvermögens sowie Schwellungen. Kann die vorliegende Entzündung durch die Gabe von Medikamenten geheilt werden, kommt es zu einer Rückbildung aller vorhandenen gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten.
In den meisten Fällen werden Arzneien verabreicht, die dem körpereigenen Abwehrsystem dabei helfen, die Krankheitserreger an einer Vermehrung zu hindern sowie sie abzutöten. Innerhalb weniger Tage ist bereits mit einer deutlichen Linderung der Beschwerden zu rechnen. Eine Genesung wird innerhalb weniger Wochen erreicht.
Ohne eine ausreichende medizinische Versorgung kann es zu einer Ausbreitung der Entzündung im Organismus kommen. Die Krankheitserreger gelangen über das Blutsystem an andere Regionen im Körper und können dort ebenfalls Krankheiten auslösen. Insbesondere bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder Risikopatienten sollte daher nicht auf die Inanspruchnahme einer ärztlichen Behandlung verzichtet werden.
Bei grundsätzlich gesunden Menschen mit einem stabilen körpereigenen Abwehrsystem kann auch eine Spontanheilung beobachtet werden. Für eine Linderung der Beschwerden benötigen sie nicht zwingend eine medizinische Versorgung. Dennoch sollten sie zur Beobachtung von einem Arzt betreut werden, damit bei einer Verschlechterung der Gesundheit unverzüglich reagiert werden kann.
Vorbeugung
Ohrfurunkeln kann wegen der weiten Verbreitung von Staphylokokken nicht gänzlich vorgebeugt werden. Zwar sind keine Impfungen möglich, dies ist aber auch nicht weiter erforderlich. Immerhin handelt es sich in aller Regel um eine schmerzhafte, aber nicht lebensbedrohliche Erkrankung; gefährlich wird sie erst, wenn sich die Erreger im Körper ausbreiten.
Insoweit bleibt es bei den allgemeinen Empfehlungen, sein Immunsystem sowie die natürliche Hautflora als effektivste Schutzmechanismen zu stärken. Dazu gehört auch der Verzicht auf übertriebene Hygiene. Der äußere Gehörgang braucht den natürlichen Talg; ihn zu entfernen, schadet mehr, als es nützen könnte.
Deshalb raten Mediziner von Wattestäbchen sowie von tensidhaltigen Seifen und Duschgels ab und empfehlen stattdessen, den äußeren Gehörgang während des Duschens mit einem leichten Wasserstrahl der Duschbrause zu säubern. Sofern die natürliche Umgebung des Gehörganges nicht beeinträchtigt wird, können sich für gewöhnlich auch keine Erreger verbreiten, die schlussendlich zum Ohrfurunkel führen.
Nachsorge
Ein Ohrfurunkel bedarf in der Regel keiner langfristigen Nachsorge. Nachdem das Furunkel zurückgegangen ist, sind einige wenige kurzfristige Wundkontrollen durch den Arzt erforderlich. Ebenso werden die Blutwerte gemessen, um Entzündungen im Körper festzustellen. Zuletzt erfolgt eine umfassende Anamnese, bei welcher offene Fragen geklärt werden.
Insofern keine Auffälligkeiten festgestellt werden und der Patient keine Rückfragen hat, kann die Behandlung abgeschlossen werden. Die Einnahme etwaiger Schmerzmittel und Entzündungshemmer kann beendet werden, sobald die Beschwerden abgeklungen sind. Ein verordnetes Antibiotikum wird dagegen über die gesamte vom Arzt festgelegte Dauer eingenommen, auch wenn die Schmerzen früher nachlassen. Hierzu sollte der zuständige Arzt befragt werden. Im Rahmen der Nachsorge wird zudem geprüft, ob der Auslöser für das Ohrfurunkel behoben wurde.
Gegebenenfalls kann der Arzt weitere Maßnahmen nennen, um ursächliche Erkrankungen wie eine Infektanfälligkeit zu kurieren. Die Nachsorge in diesem Punkt orientiert sich an den individuellen Symptomen des Patienten. Die Nachsorge eines Ohrfurunkels erfolgt durch den Arzt, der bereits die eigentliche Behandlung des Furunkels übernommen hat.
Zuständig ist der Ohrenarzt beziehungsweise ein Internist, wenn die Entzündung auf weitere Körperregionen übergegangen ist. Bei Komplikationen muss unter Umständen ein anderer Facharzt hinzugezogen werden. Tritt an derselben Stelle erneut ein Furunkel auf, muss auch die Behandlung erneut aufgenommen werden.
Das können Sie selbst tun
Die Pflege der Ohren gehört zur täglichen Körperpflege, beschränkt sich beim Gesunden aber auf die Ohrmuschel. Der Gehörgang reinigt sich selbst, indem er das Ohrenschmalz nach außen befördert; Ohrenschmalz ist keine Verschmutzung, sondern Teil des natürlichen Schutzes. Bakterien oder andere Keime können sich dennoch im Gehörgang ansiedeln und zu Auslösern von Beschwerden werden.
Damit sich ein bestehendes Ohrfurunkel nicht verschlechtert, sollte am erkrankten Ohr gerade nicht selbst manipuliert werden. Das Furunkel darf keinesfalls aufgestochen oder ausgedrückt werden, weil die Erreger dabei in tiefere Gewebeschichten und in die Blutbahn verschleppt werden können. Kontrolle und, falls nötig, Reinigung des Gehörgangs übernimmt während der Erkrankung der HNO-Arzt. Bis zum Arzttermin lindern rezeptfreie Schmerzmittel die oft starken Ohrenschmerzen; das Ohr sollte in dieser Zeit trocken gehalten werden.
Bei einer Säuberung des Ohrs ist darauf zu achten, dass vorhandene Verschmutzungen nicht unabsichtlich tiefer in das Ohr geschoben werden. Dies geschieht häufig, wenn Wattestäbchen zur Entfernung von Ohrenschmalz oder Fremdkörpern genutzt werden. Mit diesen können leicht aufgenommene Partikel durch Drehen und Wenden tiefer in die Gehörgänge geschoben werden. Ohrspülungen gehören in ärztliche Hand und dürfen bei einem akuten Ohrfurunkel nicht durchgeführt werden: Sie sind sehr schmerzhaft und können die Entzündung weiter in den Gehörgang tragen. Auch bei einem verletzten Trommelfell sind sie nicht erlaubt. Damit die Hautflora nicht beeinträchtigt wird, sind pH-neutrale Wasch- und Hautpflegeprodukte zu verwenden.
Quellen
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131521231
- Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
ISBN: 9783132454606
- Franzen, A., Coordes, A.: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783837416336
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
ISBN: 9783662581773

