Ohrfurunkel

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Ohren gehören zu den empfindsamsten Organen des Menschen. Bereits kleinste Entzündungen im Ohrenbereich, wie zum Beispiel Ohrfurunkel, können zu starken Schmerzen führen, sofern sie nicht frühzeitig behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Ohrfurunkel?

Unter einem Ohrfurunkel, unter Medizinern auch als Otitis externa circumscripta bezeichnet, wird eine entzündliche Veränderung in dem äußeren Gehörgang verstanden. Dort befinden sich besonders feine Härchen, die aufgrund ihrer geringen Größe und Stärke für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar sind.

Trotz ihrer geringen Ausmaße besitzen auch diese Härchen Haarwurzeln, die unter Umständen tief in der Haut des äußeren Gehörganges hineinreichen können. Das letzte Ende des Härchens, das in die Haarwurzel mündet, wird als Haarbalg bzw. als Follikel bezeichnet: ein für Entzündungen besonders anfälliges Haarteil.

Kommt es hier zu einer Entzündung, wächst sie unter Umständen so stark an, dass sie die Hautoberfläche erreicht. Und genau dies wird als Ohrfurunkel bezeichnet. Je weiter die Entzündung fortschreitet, desto mehr vermehren sich die Bakterien. Die Folge ist, dass sich hochinfektiöser Eiter unter der Haut bildet, was zu starken Schmerzen bei den Betroffenen führen kann.

Ursachen

Die Entzündungen des Haarbalges, die letztendlich zum Ohrfurunkel führen, werden in der Regel von einer besonderen Bakterienart verursacht: der Familie der Staphylokokken. Viele Subtypen dieser Bakterienfamilie gehören zu der natürlichen Hautflora des Menschen, die nicht nur keine Krankheiten bzw. Entzündungen verursachen, sondern als Schutzfilm sogar von erheblicher Bedeutung für den Menschen ist.

Andere Arten dagegen können Entzündungen wie Ohrfurunkel verursachen. Aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Infektiosität muss nicht jeder Kontakt mit Staphylokokken zum Ausbruch eines Ohrfurunkels führen. Im Gegenteil: Die bereits erwähnte natürliche Hautflora bietet insoweit einen effektiven Schutz. Erst wenn diese Hautflora beeinträchtigt wird und der natürliche Schutzmechanismus gestört wird, können sich Ohrfurunkel bilden.

Insbesondere die Reinigung des Gehörganges mit Wattestäbchen fördert die Bildung von Ohrenfurunkel. Denn neben der Entfernung der Hautfloraschicht werden durch die mechanische Reinigung auch noch die empfindlichen Härchen verletzt, was letztlich eine Entzündung begünstigt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Ohrfurunkel kann sich durch heiße Ohren und starke Schmerzen im Ohr bemerkbar machen. Beim vorsichtigen Tasten nach der Schmerzursache ist die Schmerzempfindlichkeit noch erhöht. Es kann eine starke Schwellung im Innenohr festgestellt werden. Der hinzugezogene Mediziner kann außerdem eine Rötung im Ohr feststellen. Ist das Ohrfurunkel genügend gereift, bildet es einen gelben Eiterherd.

Der behandelnde Arzt kann durch eine Sichtprüfung und einen Abstrich sicherstellen, dass die Symptome tatsächlich auf ein Ohrfurunkel hindeuten. Auslöser eines Ohrfurunkels sind meistens, aber nicht immer Staphylokokken. Breiten sich diese im Körper aus, kann es zu weiteren Symptomen und Folgebeschwerden kommen.

Der Betroffene fühlt sich ganzkörperlich geschwächt. Er hat starke, teilweise ausstrahlende Schmerzen in einem Ohr. Außerdem kann es zu Kopf- oder Gliederschmerzen kommen. Die Lebensqualität ist durch die starken Schmerzen beeinträchtigt.

Durch die Eiterbildung im Furunkel kann es zu Verunreinigungen im Ohr kommen, wenn es sich nachts öffnet. Es kann bei Ohrfurunkeln außerdem zu einer Abszessbildung kommen. Die Gefahr einer Blutvergiftung besteht, wenn die auslösenden Keime oder Staphylokokken in die Blutbahn gelangen. Die typischen Symptome eines Ohrfurunkels begünstigen solche Komplikationen.

Daher sollten bereits die früh auftretenden Beschwerden eines Ohrfurunkels ärztlicherseits abgeklärt und behandelt werden. Eine Selbstbehandlung von Ohrfurunkeln verbietet sich angesichts der komplikationsträchtigen Beschwerdelage.

Diagnose & Verlauf

Ohrenfurunkel lassen sich wegen ihres charakteristischen Erscheinungsbildes klinisch leicht feststellen. Nur bei Vorliegen des Verdachtes, dass nicht wie üblich Staphylokokken als Erreger infrage kommen, sondern andere, die einer entsprechenden Therapie bedürfen, werden weitere Diagnosemaßnahmen erforderlich.

Dazu gehört unter anderem der Abstrich. Durch den Abstrich der entzündeten Stelle, an den einige Erreger haften bleiben, kann der behandelnde Arzt labortechnisch den konkreten Erreger feststellen und im ein entsprechendes Medikament zur Bekämpfung des Erregers des Ohrfurunkels verordnen.

Komplikationen

Bei einem Ohrfurunkel handelt es sich um eine Entzündung, sodass auch bei diesem Krankheitsbild verschiedene Komplikationen möglich sind. Eine Entzündung im Ohr ist nätürlich auch mit intensiven Schmerzen verbunden, sodass die betroffene Person erheblich im Alltag eingeschränkt ist. Es können zudem auch Komplikationen wie zum Beispiel Kopfschmerzen und Gliederschmerzen hinzukommen.

Eine Eiterbildung ist ebenfalls eine häufige Komplikation, die im Zusammenhang mit einem Ohrfurunkel auftreten kann. Wer bei der Eiterbildung auf die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten beziehungsweise einem Arzt verzichtet, geht ein großes Risiko ein, weitere Komplikationen zu begünstigen. Dazu zählt beispielsweise die Entstehung eines Abszesses. Bei einem Abszess handelt es sich um die Ansammlung von Eiterflüssigkeit.

Wenn diese Eiterflüssigkeit in den menschlichen Blutkreislauf gelangt, dann besteht die Gefahr einer gefährlichen Blutvergiftung. Wer diese Komplikationen vermeiden möchte, der sollte bei einem bestehenden Ohrfurunkel schnellstmöglich Medikamente nehmen beziehungsweise einen entsprechenden Arzt aufsuchen. Somit gilt: Wer unter einem Ohrfurunkel leidet, der muss gleichzeitig auch mit verschiedenen Komplikationen rechnen. Wer jedoch auf die Einnahme von Medikamenten zurückgreift, der hat gute Chancen auf eine baldige Heilung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schwellungen oder Schmerzen im Ohr gelten als ungewöhnlich und sollten ärztlich abgeklärt werden. Kommt es zu einem Druckschmerz oder einer Überempfindlichkeit des Ohrs bei Berührung, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei einer Bildung von Eiter im Ohrinnern oder einem unangenehmen Geruch aus dem Ohr sind die Beschwerden als Anzeichen einer gesundheitlichen Unregelmäßigkeit zu verstehen. Ein Arzt sollte konsultiert werden, damit eine Klärung der Ursache erfolgen kann. Nehmen die Beschwerden zu oder halten sie unvermindert über mehrere Tage an, besteht Handlungsbedarf. In schweren Fällen droht eine Blutvergiftung und damit liegt eine potentielle Gefährdung des Lebens vor. Bei einem akuten gesundheitsbedrohlichen Zustand muss ein Rettungsdienst alarmiert werden.

Kopfschmerzen, eine Schiefhaltung des Kopfes oder Beschwerden im Nacken sind weitere Anzeichen einer Störung. Setzen Schlafstörungen ein, kommt es zu einer verminderten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit oder klagt der Betroffene über Unwohlsein sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei Schwindel, Störungen des Gleichgewichts sowie Gangunsicherheiten ist eine Abklärung der Symptome anzuraten. Gliederschmerzen, Unregelmäßigkeiten der Aufmerksamkeit oder Defizite der Konzentration sind einem Arzt vorzustellen. Sinken aufgrund der Beeinträchtigungen die Lebensfreude oder das Wohlbefinden des Betroffenen, wird eine ärztliche Untersuchung benötigt. Veränderungen des Verhaltens sowie der Stimmung sollten ebenfalls als Warnhinweise für vorhandene körperliche Beschwerden verstanden werden.

Behandlung & Therapie

Da Bakterien für die Majorität der Ohrfurunkel verantwortlich sind, kommt als Behandlungsmaßnahme in erster Linie die Verabreichung von Antibiotika infrage. Vor der Einnahme der Antibiotika empfiehlt sich, die entzündete Stelle mit einem speziellen, alkoholhaltigen Desinfektionsmittel zu desinfizieren.

Durch diese erste Abtötung oberflächlicher Erreger wird das Antibiotikum unterstützt, da es weniger Erreger zu bekämpfen hat. Allerdings sollte die alkoholische Erstreinigung ausschließlich von Ärzten vorgenommen werden, da sich freilich nicht alle Desinfektionsmittel hierzu eignen und im Zweifelsfall nicht nur die Erreger des Ohrfurunkels resistent gegen das Antibiotikum machen, sondern auch noch zu schweren Beschädigungen des Mittelohres führen können.

Bei besonders großen Ohrenfurunkeln kann es notwendig sein, sie chirurgisch aufzuschneiden. Der Grund dafür liegt darin, dass sich in dem Furunkel Eiter ansammeln kann, der auch bei einer erfolgreichen antibiotischen Behandlung nicht auf natürliche Weise abfließen kann. Die im Eiter lebenden Bakterien können dann zu Rezidiven führen, das heißt zur Entstehung eines neuen Ohrfurunkels.

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Vorbeugung

Ohrfurunkel können wegen der weiten Verbreitung von Staphylokokken nicht gänzlich vorgebeugt werden. Zwar sind keine Impfungen möglich, dies aber auch nicht weiter erforderlich. Immerhin handelt es sich zwar um eine schmerzhafte Erkrankung, aber um keine lebensbedrohliche.

Insoweit bleibt es bei den allgemeinen Empfehlungen, sein Immunsystem sowie die natürliche Hautflora als effektivste Schutzmechanismen zu stärken. Dazu gehört auch der Verzicht auf übertriebene Hygiene. Der äußere Ohrengang braucht den natürlichen Talg; ihn zu entfernen, schadet mehr, als es nützen könnte.

Deshalb raten Mediziner von Wattestäbchen ab und empfehlen stattdessen, den äußeren Gehörgang während des Duschens mit einem leichten Wasserstrahl der Duschbrause zu säubern, statt ihn mit Wattestäbchen oder tensidhaltigen Seifen und Duschgels zu säubern. Sofern die natürliche Umgebung des Gehörganges nicht beeinträchtigt wird, können sich für gewöhnlich auch keine Erreger verbreiten, die schlussendlich zum Ohrfurunkel führen.

Das können Sie selbst tun

Die regelmäßige Reinigung des Ohres ist ein fester Bestandteil bei der Körperpflege. Fremdkörper, die Bildung von Zerumen oder andere Verschmutzungen müssen entfernt werden, damit sich keine Auffälligkeiten oder Veränderungen des Hautbildes entwickeln. Bakterien oder andere Keime können sich im Außen- wie im Innenohr aufhalten und zu Auslösern von Beschwerden werden.

Damit der Befall der Krankheitserreger zu keinen weiteren Erkrankungen oder Verschlechterungen eines Ohrfurunkels führen, sollten insbesondere bei einer Diagnose gründliche Kontrollen und Säuberungen des Ohrs stattfinden. Fühlt sich der Betroffene verunsichert oder nicht ausreichend in der Lage, eine kompetente Reinigung durchzuführen, ist es ratsam, eine andere Person mit der Entfernung von Unreinheiten zu beauftragen.

Bei einer Säuberung des Ohrs ist darauf zu achten, dass vorhandene Verschmutzungen nicht unabsichtlich tiefer in das Ohr geschoben werden. Dies geschieht häufig, wenn Wattestäbchen zur Entfernung von Ohrenschmalz oder Fremdkörpern genutzt werden. Mit diesen können leicht aufgenommene Partikel durch Drehen und Wenden tiefer in die Gehörgänge geschoben werden. Spülungen des Ohrs sind für eine Verbesserung der Situation optimaler. Sie verhelfen zu einer gründlichen Reinigung, entfernen Absonderungen des Ohrfurunkels und beugen möglichen Neuerkrankungen im Gehörgang vor. Damit die Hautflora nicht beeinträchtigt wird, sind ph-neutrale Wasch- und Hautpflegeprodukte zu verwenden.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009


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