Staphylokokken

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Staphylokokken (lat. Staphylococcus) sind Bakterien, die der Untergruppe der Kokken zugehören. Sie sehen rundlich bis weintraubenähnlich aus und sind unbeweglich. Sie wurden 1884 von Friedrich Julius Rosenbach erstmals benannt und in Arten unterteilt. Erkannt und als traubenförmige Haufen beschrieben hatte sie bereits 1880 der schottische Chirurg Alexander Ogston.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Staphylokokken?

Staphylokokken
Besonders anfällig für Staphylokokkeninfektionen haben sich Patienten erwiesen, die an Diabetes mellitus leiden oder auf eine Dialyse angewiesen sind.
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Staphylokokken sind Bakterien, die aufgrund ihrer widerstandsfähigen Zellwand und ihrer hohen Salz- und pH-Toleranz relativ unempfindlich gegen diverse Desinfektionsmittel und gegen Austrocknung sind. Die meisten Arten der Gattung leben dabei als harmlose Bewohner von Haut und Schleimhäuten; als eigentlicher Krankheitserreger gilt vor allem Staphylococcus aureus.

Aus diesem Grund sind sie weit verbreitet und nur sehr schwer unschädlich zu machen. Sie entwickeln auch äußerst schnell eine Resistenz gegen Antibiotika, indem sich ihre genetische Struktur den Gegebenheiten ihrer Umwelt anpasst und so das Überleben garantiert. Grundlage dafür sind zufällige Veränderungen im Erbgut und die Aufnahme von Resistenzgenen anderer Bakterien; unter dem Selektionsdruck von Antibiotika setzen sich dann die widerstandsfähigen Stämme durch.

Antibakterielle Wirkstoffe bleiben oft erfolglos, so dass sich in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen oft eine hohe Konzentration von Staphylokokken nachweisen lässt, die bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auch zu Erkrankungen führt.

Einige Stämme dieser Bakteriengattung besitzen die Eigenschaft, sich sehr schnell ausbreiten zu können, was das Auftreten von epidemischen Krankheiten zur Folge hat.

Bedeutung & Funktion

Staphylokokken siedeln im Normalfall auf der Haut und auf den Schleimhäuten von Menschen und Tieren, ohne dass es zum Ausbruch einer Krankheit oder Krankheitssymptomen kommt. Ist der Körper aber infolge von Vorerkrankungen oder anderer Ursachen nicht mehr in der Lage, die Immunabwehr aufrecht zu erhalten, dann können Krankheiten und Infektionen auftreten, die durch die Staphylokokken bedingt sind.

So ist das Hauptreservoir für Staphylokokkeninfektionen der Mensch selber. Insbesondere bei Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, bei Personen mit großflächigen, infektiösen Hauterkrankungen, bei Diabetikern und Personen aus der Drogenszene wurde eine vermehrte Besiedlung mit Staphylokokken festgestellt.

Aus der eigenen Besiedlung des Menschen mit Staphylokokken kann sich also eine Infektion entwickeln, wenn sich die Erreger auf andere Areale des Körpers, wie zum Beispiel den Rachen oder die Schleimhäute ausbreiten. Fremdinfektionen treten zumeist durch den Kontakt von Patient zu Patient oder durch den Kontakt zum Pflegepersonal oder den behandelnden Ärzten auf.

Die Ausgangspunkte solcher Fremdinfektionen liegen zumeist in Wundsekreten, Absonderungen der Atemwege, infektiösen Hautbereichen oder auch im Blut von infizierten Personen. Als Bakterienüberträger kommen auch medizinische Gerätschaften in Frage.

Besonders anfällig für Staphylokokkeninfektionen haben sich Patienten erwiesen, die an Diabetes mellitus leiden oder auf eine Dialyse angewiesen sind. Ist die Hautbarriere gegen das Eindringen von Krankheitskeimen aus irgendeinem Grund nicht mehr vollständig, so sind die Betroffenen ebenfalls für eine Ansteckung durch Staphylokokken besonders disponiert. Das ist zum Beispiel der Fall bei Hautverletzungen.

Auch das permanente Vorhandensein von Fremdkörpern führt zu einer erhöhten Infektionsgefahr, wie zum Beispiel beim Tragen von Venenkathetern oder bei Metalllegierungen von Gelenkersatz.


Biologische Eigenschaften

Klassifikation und Taxonomie

Staphylokokken gehören zur Familie der Staphylococcaceae und zur Ordnung der Bacillales innerhalb der Firmicutes. Die wichtigste Art ist Staphylococcus aureus, daneben gibt es S. epidermidis, S. saprophyticus und weitere Koagulase-negative Staphylokokken. Die entscheidende Trennlinie innerhalb der Gattung verläuft zwischen dem koagulasepositiven S. aureus und den koagulasenegativen Arten wie S. epidermidis, S. capitis und S. saprophyticus: Nur S. aureus bildet regelmäßig das Enzym Koagulase, mit dem er Blutplasma gerinnen lässt.

Morphologie und Wachstum

Staphylokokken sind Gram-positive, kugelförmige Bakterien, die meist in traubenartigen Haufen angeordnet sind. Sie sind unbeweglich, nicht sporenbildend und fakultativ anaerob. Sie wachsen auf einfachen Nährmedien und bilden oft gelbe oder weiße Kolonien. S. aureus zeigt β-Hämolyse auf Blutagar.

Genom und genetische Besonderheiten

Das Genom von S. aureus umfasst etwa 2,8–2,9 Megabasenpaare und enthält zahlreiche virulenzassoziierte Gene. Plasmide und mobile genetische Elemente wie Pathogenitätsinseln, Transposons und Bakteriophagen tragen zur hohen Anpassungsfähigkeit und Antibiotikaresistenz bei. Besonders bekannt ist das mecA-Gen, das für Methicillin-Resistenz (MRSA) verantwortlich ist.

Durch horizontalen Gentransfer können Staphylokokken Resistenzgene schnell austauschen. Ihr adaptives Genom ermöglicht es ihnen, in verschiedenen Umgebungen zu überleben und Infektionen auszulösen.

Vorkommen & Verbreitung

Natürliches Vorkommen

Staphylokokken sind weltweit verbreitet und kommen als Teil der natürlichen Mikroflora auf der Haut und den Schleimhäuten von Menschen und Tieren vor. Besonders häufig besiedeln sie den Nasenvorhof, die Haut, den Rachen und den Darm. Staphylococcus epidermidis und andere koagulase-negative Staphylokokken sind typische Hautbewohner und meist harmlos, während Staphylococcus aureus potenziell pathogen ist.

In der Umwelt finden sich Staphylokokken auf Oberflächen, in Wasser und Staub. Sie überleben lange unter trockenen Bedingungen und sind gegenüber Austrocknung und vielen Desinfektionsmitteln relativ widerstandsfähig; ausreichende Erhitzung tötet sie dagegen zuverlässig ab.

Übertragungswege und Verbreitung

Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Hautkontakt oder über kontaminierte Gegenstände (fomitenbedingte Übertragung). Auch Tröpfcheninfektionen oder Lebensmittel können Staphylokokken verbreiten. S. aureus ist zudem ein häufiger Erreger von nosokomialen Infektionen, da er leicht auf medizinischen Geräten oder Händen von Pflegepersonal überlebt.

Rolle in verschiedenen Ökosystemen

In der Mensch-Tier-Interaktion kommen Staphylokokken auch in der Tierhaltung vor und können von Nutztieren auf Menschen übergehen. In der Lebensmittelindustrie spielen sie eine Rolle als Lebensmittelvergifter, insbesondere durch hitzestabile Enterotoxine. In Krankenhausumgebungen sind antibiotikaresistente Stämme wie MRSA eine ernsthafte Bedrohung.

Krankheiten

Eine weitere Erscheinungsform von Erkrankungen durch Staphylokokken sind Lebensmittelvergiftungen. Vor allen Dingen bei Fleisch und Milchprodukten bilden die Staphylokokken als Stoffwechselprodukt Giftstoffe, die zu entsprechenden Vergiftungserscheinungen führen.

Bei Vergiftungen ist die Inkubationszeit bis zum Auftreten der Erscheinungen relativ kurz und beträgt nur einige Stunden, bei einer Infektion durch Staphylokokken kann sie 4-10 Tage betragen. Wenn ein Patient eine Kolonie dieser Keime in sich trägt, dann besteht die Möglichkeit, dass die Krankheit sich erst nach Monaten manifestiert.

Dieses Phänomen tritt beispielsweise auf, wenn nach einer Operation Staphylokokken im Körper verbleiben und erst durch andere Einflüsse wieder aktiv werden und sich im Organismus ausbreiten. Auf diese Weise können auch nach Monaten oder auch Jahren schwere Allgemeininfektionen oder Wundinfektionen ausbrechen.

Einige Beispiele für durch Staphylokokken hervorgerufene Krankheitsbilder sind Furunkel, Abszesse, Karbunkel, Wundinfektionen, Hirnhautentzündungen, Knochenmarkentzündungen und Lungenentzündungen. In schweren Fällen kann eine solche Infektion in eine allgemeine Sepsis übergehen, die in jedem Fall lebensbedrohlich ist. Diese Krankheitsbilder gehen ganz überwiegend auf Staphylococcus aureus zurück; koagulasenegative Arten wie Staphylococcus epidermidis oder Staphylococcus capitis werden vor allem bei Fremdkörperinfektionen und bei abwehrgeschwächten Patienten bedeutsam.

Das Toxic Shock Syndrome, kurz TSS genannt, ist ebenfalls eine Folge einer durch Staphylokokken hervorgerufenen Vergiftung. Bei TSS besteht die Gefahr, eine heftige Verlaufsform anzunehmen. TSS ist demnach eine äußerst gefährliche Krankheit.

Auch eine Lebensmittelvergiftung, hervorgerufen durch Staphylokokken, ist nicht zu unterschätzen, die Symptome treten relativ zeitnah auf und äußern sich in heftigen Bauchkrämpfen, Durchfall und exzessivem Erbrechen. Da die von Staphylokokken gebildeten Enterotoxine hitzestabil sind, werden sie bei der Wärmebehandlung von Lebensmitteln nicht zerstört, auch wenn die Bakterien selbst dabei absterben.

Wenn in einer medizinischen Einrichtung das Auftreten von epidemischen Krankheiten, die auf Staphylokokken zurückzuführen sind, festgestellt wird, so sind diese nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig.

Behandlungsmöglichkeiten

Standardtherapien

Die Behandlung von Staphylokokken-Infektionen hängt von der Schwere der Erkrankung und dem betroffenen Körperbereich ab. Oberflächliche Hautinfektionen durch Staphylococcus aureus können oft mit antiseptischen Lösungen oder topischen Antibiotika wie Mupirocin behandelt werden. Systemische Infektionen erfordern orale oder intravenöse β-Laktam-Antibiotika, insbesondere Oxacillin oder Flucloxacillin bei Methicillin-sensiblem Staphylococcus aureus (MSSA).

Herausforderungen bei resistenten Stämmen

Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) sind gegen viele Standard-Antibiotika resistent. Hier werden Glykopeptid-Antibiotika wie Vancomycin oder Teicoplanin eingesetzt. Bei Vancomycin-resistenten Stämmen (VRSA) sind alternative Wirkstoffe wie Linezolid, Daptomycin oder Ceftarolin erforderlich.

Neue und experimentelle Therapieansätze

Um Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen, werden neue Ansätze erforscht, darunter bakteriophagenbasierte Therapien, die gezielt Staphylokokken abtöten. Auch antimikrobielle Peptide, die Zellmembranen von Bakterien zerstören, bieten vielversprechende Alternativen. Zudem werden Immuntherapien und Impfstoffe gegen S. aureus entwickelt, um Infektionen präventiv zu verhindern. Eine weitere vielversprechende Strategie sind CRISPR-basierte Gentherapien, die resistenzvermittelnde Gene gezielt ausschalten könnten.

Antibiotikaresistenz bei Staphylokokken: Eine wachsende Bedrohung

Staphylokokken sind weit verbreitete Bakterien, die sowohl harmlose Besiedler der Haut als auch gefährliche Krankheitserreger sein können. Besonders problematisch ist die zunehmende Resistenzentwicklung gegenüber Antibiotika, die die Behandlung schwerer Infektionen erheblich erschwert.

Eine der bekanntesten resistenten Staphylokokken-Varianten ist Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA). Diese Bakterien sind gegen viele gängige Antibiotika resistent, was ihre Bekämpfung kompliziert macht. MRSA-Infektionen treten besonders in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auf, wo geschwächte Patienten ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Sie können Wundinfektionen, Lungenentzündungen und lebensbedrohliche Blutvergiftungen verursachen. In Deutschland ist der Anteil von MRSA an den invasiven Staphylococcus-aureus-Infektionen seit den 2010er Jahren allerdings deutlich zurückgegangen und liegt inzwischen unter zehn Prozent.

Neben MRSA gibt es auch Vancomycin-resistenten Staphylococcus aureus (VRSA), eine noch gefährlichere Variante. Vancomycin galt lange als eines der letzten verfügbaren Antibiotika zur MRSA-Behandlung, weshalb VRSA eine ernste Bedrohung für das Gesundheitswesen darstellt. Diese resistenten Keime entstehen durch genetischen Austausch mit anderen Bakterien, die bereits Vancomycin-Resistenzen entwickelt haben. Inzwischen stehen mit Linezolid, Daptomycin und Ceftarolin allerdings weitere Reserveantibiotika zur Verfügung.

Ein weiterer besorgniserregender Trend ist das Auftreten von Community-assoziierten MRSA-Stämmen (CA-MRSA). Im Gegensatz zu den klassischen MRSA-Stämmen, die vor allem in Krankenhäusern verbreitet sind, treten CA-MRSA-Infektionen zunehmend auch in der Allgemeinbevölkerung auf. Sie können durch Hautkontakt oder kontaminierte Oberflächen übertragen werden und sind oft Ursache für hartnäckige Haut- und Weichteilinfektionen.

Die zunehmende Resistenzproblematik macht die Suche nach alternativen Therapieansätzen dringend erforderlich. Neue Antibiotika werden erforscht, doch die Entwicklung ist langwierig und teuer. Wissenschaftler untersuchen zudem phagenbasierte Therapien, bei denen spezielle Viren gezielt Staphylokokken abtöten. Auch die Kombination verschiedener Wirkstoffe oder die Hemmung bakterieller Virulenzfaktoren sind vielversprechende Ansätze.

Zur Verhinderung der weiteren Resistenzentwicklung ist ein bewusster Umgang mit Antibiotika entscheidend. Übermäßige oder unsachgemäße Antibiotikavergabe fördert die Selektion resistenter Bakterien. Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und die sorgfältige Desinfektion medizinischer Geräte sind essenziell, um Infektionen zu vermeiden.

Die Bekämpfung antibiotikaresistenter Staphylokokken stellt eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin dar. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Medizin und Politik ist erforderlich, um die Ausbreitung dieser gefährlichen Erreger einzudämmen.

Name & Entdeckungsgeschichte

Der Gattungsname setzt sich aus zwei altgriechischen Wörtern zusammen: „staphylé“ bedeutet Weintraube, „kókkos“ Kern oder Beere. Gemeint ist das Bild, das die Bakterien unter dem Mikroskop abgeben, wenn sie sich nach der Zellteilung nicht voneinander lösen und zu unregelmäßigen Häufchen zusammenlagern.

Alexander Ogston untersuchte in Aberdeen den Eiter aus Abszessen und fand darin regelmäßig solche traubenförmigen Kugelbakterien. Er konnte zeigen, dass sich mit diesem Material im Tierversuch erneut Abszesse hervorrufen ließen, und lieferte damit einen der frühen Belege dafür, dass Wundeiterungen von bestimmten Mikroorganismen ausgehen und nicht von selbst entstehen. Diese Einsicht stützte die damals noch umstrittene Forderung nach keimarmen Bedingungen bei Operationen.

Friedrich Julius Rosenbach gelang wenige Jahre später die Anzucht in Reinkultur. Er unterschied die Erreger nach der Farbe ihrer Kolonien auf dem Nährboden und benannte die goldgelb wachsende Form als Staphylococcus aureus – „aureus“ ist das lateinische Wort für golden –, die weiß wachsende als Staphylococcus albus. Aus dem weißen „albus“ ist später Staphylococcus epidermidis geworden.

Lange blieb es bei dieser groben Zweiteilung. Erst in den 1970er Jahren wurden Verfahren entwickelt, mit denen sich auch die weiß wachsenden, koagulasenegativen Staphylokokken zuverlässig in einzelne Arten auftrennen ließen. Seither ist die Zahl der beschriebenen Arten stetig gewachsen, nicht zuletzt weil der Vergleich von Genabschnitten Unterschiede sichtbar macht, die im Reagenzglas nicht auffallen. Auch die Nachbarschaft der Gattung hat sich verschoben: Früher wurden Staphylokokken gemeinsam mit den ähnlich aussehenden Mikrokokken in einer Familie geführt; heute gelten beide als nur entfernt verwandt und werden verschiedenen Verwandtschaftskreisen zugeordnet.

Nachweis im Labor

Der Weg zur Artbestimmung führt über wenige, aufeinander aufbauende Schritte. Am Anfang steht die Gramfärbung eines Abstrichs oder einer Kolonie: Staphylokokken erscheinen darin als blauviolett angefärbte Kugeln in Haufen. Damit sind sie von den kettenbildenden Streptokokken und von den sich rot anfärbenden gramnegativen Bakterien bereits unterschieden.

Der nächste Schritt ist der Katalase-Test. Gibt man Wasserstoffperoxid auf eine Kolonie, so schäumt diese auf, wenn das Bakterium das Enzym Katalase besitzt, das Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff zerlegt. Staphylokokken sind katalasepositiv, Streptokokken und Enterokokken nicht.

Erst danach folgt der Test, der die Gattung in ihre beiden klinisch bedeutsamen Hälften teilt: der Koagulase-Test. Bei ihm wird Bakterienmaterial mit Blutplasma zusammengebracht. Gerinnt das Plasma, ist Koagulase gebildet worden, und es handelt sich in aller Regel um Staphylococcus aureus. Bleibt es flüssig, liegt eine der koagulasenegativen Arten vor. Im Laboralltag wird der Test häufig durch Schnelltests ersetzt, bei denen beladene Kügelchen sichtbar verklumpen, sobald sie auf die für Staphylococcus aureus typischen Oberflächenmerkmale treffen.

Für die Anzucht genügen einfache Nährböden. Weil Staphylokokken hohe Salzkonzentrationen vertragen, die den meisten anderen Bakterien das Wachstum verwehren, verwendet man zur gezielten Suche salzhaltige Selektivnährböden. Ein Farbumschlag zeigt dort zusätzlich an, ob der Zucker Mannit vergoren wird, was für Staphylococcus aureus spricht.

Die Artbestimmung selbst erfolgt heute meist massenspektrometrisch: Aus einer Kolonie wird ein Muster der Bakterieneiweiße gewonnen und mit einer Datenbank verglichen. Dieses als MALDI-TOF bezeichnete Verfahren liefert das Ergebnis binnen Minuten und hat die früher üblichen langen Reihen biochemischer Einzelreaktionen weitgehend abgelöst. Bleibt die Zuordnung unklar, entscheidet der Vergleich bestimmter Genabschnitte. Mit der Polymerase-Kettenreaktion lassen sich außerdem Resistenzgene unmittelbar nachweisen, ohne das Ergebnis der Empfindlichkeitsprüfung abzuwarten.

Ein eigenes Problem ist die Bewertung des Befundes. Da koagulasenegative Staphylokokken auf jeder Haut sitzen, können sie bei der Blutentnahme in die Probe geraten, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Für die Beurteilung zählt deshalb, ob derselbe Keim wiederholt und aus mehreren getrennt entnommenen Proben wächst und ob das Krankheitsbild dazu passt. Bei entfernten Kathetern und Implantaten wird das Material eigens aufbereitet, weil die Bakterien dort in einem Biofilm fest anhaften und in gewöhnlichen Kulturen leicht übersehen werden.

Am Ende steht die Prüfung der Empfindlichkeit gegenüber den einzelnen Antibiotika. Sie entscheidet über die Wahl des Wirkstoffs und liefert zugleich die Daten für die Überwachung der Resistenzlage.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174
  • Neumeister, B., Geiss, H. K., Braun, R. W., Kimmig, P. (Hrsg.): Mikrobiologische Diagnostik.
    ISBN: 9783137436027

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