Pilzvergiftung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Pilzvergiftung oder fachlich auch Myzetismus ist eine Vergiftung durch giftige Pilze. Zumeist kommt es hierbei durch falsche Kenntnis von Waldpilzen zu Verwechslung von Speisepilzen mit Giftpilzen, die im Anschluss verzehrt werden. Dabei treten dann typische Vergiftungserscheinungen, wie starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Es sollte bei Verdacht immer schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pilzvergiftung?

Pilzvergiftung
Je nach Art des aufgenommenen Toxins kann sich eine Pilzvergiftung innerhalb von wenigen Stunden bis zu zehn Tagen durch sehr unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Am häufigsten kommen Störungen des Verdauungstraktes vor, typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und heftige Bauchschmerzen.
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Wenn man giftige oder gesundheitsschädliche Pilze isst, kann man eine Pilzvergiftung, in der Fachsprache Myzetismus genannt, bekommen. Schuld daran sind Pilzgifte, die schon in kleinsten Mengen schwere Vergiftungserscheinungen auslösen können. Die Haupt-Symptome bei einer Pilzvergiftung sind schwere Übelkeit, Herz-Kreislauf-Probleme und Schwindel. Pilzvergiftungen können tödlich enden, deswegen ist schnelle Erste Hilfe und eine unverzügliche ärztliche Behandlung enorm wichtig.

Ursachen

Wie bekommt man eine Pilzvergiftung? Besonders gefährdet sind Menschen, die Pilze selbst im Wald sammeln. Laien können bekömmliche Speisepilze meistens nicht von giftigen Pilzen unterscheiden. Die Pilzvergiftung wird durch Pilztoxine verursacht, die zum Beispiel in Fliegenpilzen und grünen Knollenblätterpilzen enthalten sind.

Im Wald findet man in etwa 10.000 Pilzarten. Von denen sind allerdings nur 1000 wirklich bekömmlich, die sich aber nur schwer von den giftigen unterscheiden lassen. Man kann sich allerdings auch eine Pilzvergiftung einfangen, indem man rohe oder verdorbene Speisepilze isst. Der früher verbreitete Rat, Pilzgerichte nie aufzuwärmen, gilt heute als überholt: Werden die Reste rasch abgekühlt, kühl gelagert und beim Aufwärmen gut durcherhitzt, sind sie unbedenklich.

Wie oft und wie viele Menschen durchschnittlich an einer Pilzvergiftung leiden, ist nicht bekannt, denn nicht jeder Fall wird in Vergiftungszentralen gemeldet und zudem gibt es in Deutschland keine zentrale Meldestelle nur für Pilzvergiftungen. Es heißt aber, dass rund zehn Prozent aller gemeldeten Vergiftungen durch Pilze verursacht worden sind.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Je nach Art des aufgenommenen Toxins kann sich eine Pilzvergiftung innerhalb von wenigen Stunden bis zu zehn Tagen durch sehr unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Am häufigsten kommen Störungen des Verdauungstraktes vor, typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und heftige Bauchschmerzen. Charakteristisch sind auch Schweißausbrüche, Schwindelattacken, Herzrasen, Atembeschwerden und Gleichgewichtsstörungen, einige Pilzgifte lösen Verwirrtheitszustände und Wahrnehmungsstörungen aus.

Entscheidend für die Einschätzung der Gefahr ist die Zeit zwischen der Pilzmahlzeit und den ersten Beschwerden, die sogenannte Latenzzeit. Setzen die Beschwerden erst mehr als sechs Stunden nach dem Essen ein, spricht das für eine Vergiftung mit besonders gefährlichen Pilzgiften, allen voran den Amatoxinen des Knollenblätterpilzes. Beginnen die Beschwerden schon innerhalb der ersten sechs Stunden, verläuft die Vergiftung meist glimpflicher – ausschließen lässt sich eine gefährliche Vergiftung dadurch aber nicht, etwa wenn mehrere Pilzarten zusammen gegessen wurden.

Die Mehrzahl der Pilzvergiftungen verläuft vergleichsweise harmlos und heilt nach Überwindung der Magen-Darm-Beschwerden ohne Folgeschäden aus. In Einzelfällen, etwa bei einer Vergiftung durch den hochgiftigen Knollenblätterpilz, kommt es nach einer vorübergehenden Phase der Besserung zu massiven Funktionseinschränkungen der Leber: Neben einigen unspezifischen Symptomen wie Leistungsabfall, Müdigkeit und Appetitlosigkeit und einem Wiederauftreten der Magen-Darm-Symptomatik deutet eine Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus) auf eine beginnende Leberschädigung hin. Diese Besserungsphase ist trügerisch: Sie dauert etwa ein bis zwei Tage, in denen sich die Betroffenen scheinbar erholen, während die Leberzellen bereits zerstört werden. Wer sich davon täuschen lässt und den Arztbesuch aufschiebt, verliert die entscheidende Zeit für eine wirksame Behandlung.

Bedingt durch eine Störung der Blutgerinnung sind innere Blutungen möglich, je nach Schwere der Vergiftung zeigt die Blutuntersuchung einen mehr oder weniger starken Anstieg der harnpflichtigen Substanzen sowie der Leberenzyme an. Eine Vergiftung mit einigen Arten von Schleierlingen kann sich nach bis zu 14 Tagen mit Übelkeit, Erbrechen, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen und Schüttelfrost äußern – auf eine massive Nierenschädigung weisen im weiteren Verlauf starker Durst und verstärkter Harndrang hin.

Krankheitsverlauf

Was passiert, wenn man eine Pilzvergiftung hat? Je nachdem, welche Pilzgifte und was für eine Menge man davon gegessen hat, kann es entweder bereits innerhalb der ersten Stunde zu schlimmen Symptomen bis hin zum Tode kommen oder es dauert mehrere Tage, bis Symptome sicht- und spürbar werden.

Die Symptome einer Pilzvergiftung sind vielfältig, häufig leiden Betroffene an Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, Luftnot und Schweißausbrüche.

Diese Symptome können recht schnell innerhalb von einer halben Stunde oder auch erst nach einigen Tagen auftreten. Abzugrenzen von einer Pilzvergiftung sind natürlich Nahrungsmittel-Allergien oder Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten.

Komplikationen

Eine durch unsachgemäße Zubereitung oder den Verzehr schwach giftiger Pilze verursachte Pilzvergiftung ähnelt in ihrer Symptomatik einer Magen-Darm-Verstimmung und heilt in der Regel innerhalb weniger Tage aus. Auch bei diesen leichteren Verläufen können heftiges Erbrechen und starker Durchfall zu einem erheblichen Flüssigkeits- und Salzverlust führen, der vor allem für Kinder, ältere und vorerkrankte Menschen gefährlich werden kann. Da im Anfangsstadium der Verlauf noch nicht absehbar ist, sollte ohnehin immer ein Arzt hinzugezogen werden, wenn nach dem Genuss von Pilzen Unwohlsein auftritt.

Lebensgefährlich kann eine Pilzvergiftung werden, wenn giftige Knollenblätterpilze verspeist wurden: Komplikationen wie Leberversagen, Nierenversagen und innere Blutungen treten nach einer ersten Besserung erst Tage später auf, selbst schnelles ärztliches Eingreifen führt nicht in allen Fällen zum Erfolg. Überlebende können bleibende Leberschäden zurückbehalten, nach einem Versagen der Leber kann eine Lebertransplantation nötig sein.

Auch das Gift mancher Schleierlinge kann eine lebensbedrohliche Nierenschädigung verursachen, die nur durch dauerhafte Dialyse oder eine Nierentransplantation therapiert werden kann. Einige Pilze, wie etwa Fliegenpilz oder Pantherpilz, entfalten eine starke Giftwirkung auf das Nervensystem.

Nach psychischen Ausfallerscheinungen wie Sprachstörungen, Halluzinationen und allgemeiner Unruhe kann es in schweren Fällen ohne ärztliche Behandlung zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand kommen. Als weitere Komplikationen einer Pilzvergiftung sind Herzrasen, Bluthochdruck, starkes Schwitzen, Kreislaufbeschwerden und Atemnot zu nennen – bei manchen Pilzarten werden diese Symptome durch den gleichzeitigen Genuss von Alkohol verstärkt oder erst ausgelöst.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Pilzvergiftung sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Im schlimmsten Fall führt die Pilzvergiftung zum Tod oder zu anderen schwerwiegenden Komplikationen, die die inneren Organe deutlich schädigen können. In Notfällen sollte ein Notarzt gerufen oder direkt das Krankenhaus aufgesucht werden. Je früher die Pilzvergiftung diagnostiziert und behandelt wird, desto wahrscheinlicher sind ein positiver Krankheitsverlauf und eine vollständige Heilung.

Der Arzt ist in der Regel dann aufzusuchen, wenn der Betroffene nach dem Verzehr von Pilzen starke Schmerzen im Bauch verspürt und Verdauungsbeschwerden aufweist. Dabei kann es auch zu Atembeschwerden oder zu Herzrasen kommen, einige Betroffene verlieren das Bewusstsein. Ebenso können Schweißausbrüche oder Panikattacken auf eine Pilzvergiftung hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden, falls diese Beschwerden nach dem Verzehr von Pilzen auftreten. Ebenso treten häufig grippeähnliche Symptome auf, die auf die Erkrankung hindeuten können. In vielen Fällen leiden die Patienten auch an Erbrechen oder Durchfall. Auch wenn die Magenbeschwerden von alleine wieder verschwinden, muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden: Gerade bei den gefährlichsten Pilzvergiftungen folgt auf die ersten Beschwerden eine trügerische Phase der Besserung.

Die Pilzvergiftung kann vom Allgemeinarzt oder in einem Krankenhaus behandelt werden. Bei Verdacht auf Knollenblätterpilze, bei Bewusstseinsstörungen oder wenn die Beschwerden erst mehr als sechs Stunden nach der Mahlzeit begonnen haben, gehört der Betroffene jedoch sofort in ein Krankenhaus. In den meisten Fällen kommt es bei rechtzeitiger Behandlung zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung & Therapie

Wie wird eine Pilzvergiftung vom Arzt behandelt? Neben den eben beschriebenen Vergiftungserscheinungen können auch Nieren- und Leberschädigungen auftreten, die dann lebensbedrohlich werden. Es ist deswegen wichtig, dem behandelnden Arzt zu erzählen, dass man Pilze gegessen hat, um die Symptome zum Beispiel von einer Lebensmittelvergiftung abgrenzen zu können.

Ideal wäre, wenn man noch Reste des Pilzes oder Erbrochenes hat, damit die Ärzte schneller feststellen können, um welche Art von Pilzvergiftung es sich handelt. Auch die Putzabfälle, also Stielenden, Schalenreste und aussortierte rohe Pilze, sollten aufgehoben werden: An ihnen lässt sich die Art oft besser bestimmen als an gegartem Material. Eine Behandlung mit Hausmitteln ist absolut nicht empfehlenswert! Behandelt werden je nach Schwere der Vergiftung nur die Beschwerden.

Bei schweren Vergiftungen wird Aktivkohle verabreicht, um das Pilzgift im Darm zu binden. Lange Zeit gehörte auch die Magenspülung zum Standard; heute wird sie nur noch in Ausnahmefällen und nur kurz nach der Aufnahme durchgeführt, weil ihr Nutzen gering und das Risiko nicht unerheblich ist. Je nachdem, welches Pilztoxin die Beschwerden hervorgerufen hat, gibt es auch Gegenmittel: Bei einer Vergiftung durch Knollenblätterpilze wird unter anderem Silibinin eingesetzt, bei Vergiftungen durch muskarinhaltige Pilze Atropin.

Beim Pilzsammeln sollte deswegen auf bestimmte Dinge geachtet werden. Es sollten nur Pilze mitgenommen werden, die man auch wirklich kennt. Im Zweifel sollten Pilze lieber stehengelassen werden. Hilfreich dabei sind Pilz-Bestimmungsbücher oder die Beratung durch einen ausgebildeten Pilzberater. Die gesammelten Pilze sollten in einem luftigen Gefäß transportiert werden und nicht zum Beispiel in Plastiktüten.

Wenn man unerfahren ist, sollte man nur Pilze aus der Familie der Röhrlinge sammeln. Diese haben einen sogenannten Schwamm, also Röhren statt Lamellen an der Hutunterseite, und sind in der Regel ungiftig. Doch auch unter den Röhrlingen gibt es giftige Arten wie den Satansröhrling, und die tödlichen Verwechslungen betreffen fast ausschließlich Pilze mit Lamellen.

Auf Faustregeln zur Unterscheidung von Speise- und Giftpilzen darf man sich dabei niemals verlassen. Merkmale wie das Anlaufen eines Silberlöffels, eine Verfärbung beim Anschneiden, Schneckenfraß, Madenbefall oder ein milder Geschmack sagen nichts über die Giftigkeit aus. Der Grüne Knollenblätterpilz etwa schmeckt angenehm, wird von Schnecken gefressen und lässt keinen Löffel anlaufen – er ist dennoch tödlich giftig.

Beim Kochen sollte darauf geachtet werden, dass die Pilze ausreichend lange, mindestens 15 bis 20 Minuten, durchgegart werden. Einige Speisepilze sind roh oder halbgar giftig.

Aussicht & Prognose

Eine echte Pilzvergiftung kann innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen. Je giftiger der Pilz, desto schlechter ist die Prognose. Eine schnelle ärztliche Behandlung ist unumgänglich, um schwere körperliche Schäden zu verhindern.

Sekundäre Pilzvergiftungen sind unangenehm, aber für den Körper weitaus weniger gefährlich. Die meisten sekundären Pilzvergiftungen heilen folgenlos aus. Die Beschwerden können mehrere Tage anhalten und die betroffene Person sehr schwächen.

Je später die Symptome einer Vergiftung einsetzen, desto länger kann das Gift im Körper wirken. Die Gefahr von dauerhaften Organschäden steigt. Bei Schäden an inneren Organen muss zwingend eine ambulante Nachbehandlung erfolgen. Gleiches gilt, wenn der Patient durch die Pilzvergiftung völlig kraftlos ist. Regelmäßige Nachkontrollen verringern die Gefahr bleibender Funktionseinschränkungen an inneren Organen.

Um den Behandlungserfolg zu unterstützen, ist eine Nahrungskarenz angeraten. Das Verdauungssystem soll in dieser Zeit geschont und entlastet werden. Ein Kostaufbau sollte langsam erfolgen, am besten mit leicht verdaulicher Schonkost. Milchprodukte sind dabei zu vermeiden. Führte die Pilzvergiftung zu Durchfall, dann muss der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden.

Bei leichteren Vergiftungen ist nach rechtzeitiger Behandlung und Schonung mit einer vollständigen Ausheilung zu rechnen.

Nachsorge

Das Ziel der Nachsorge besteht grundsätzlich darin, das Wiederauftreten einer Erkrankung zu verhindern und dadurch lebensbedrohliche Folgen abzuwenden. So kennt man es etwa von Tumorerkrankungen. Arzt und Patient vereinbaren dafür regelmäßige Kontrolltermine. Diese Vorbeugungsmaßnahmen fallen nach einer ersten Pilzvergiftung allerdings in den alleinigen Zuständigkeitsbereich des Erkrankten.

Dieser verzichtet auf das Sammeln und den Konsum unbekannter Pilzarten. Dadurch besteht ein hinreichender Schutz gegen eine Neuerkrankung. Weiterhin kann die Nachsorge auf eine Dauerbehandlung zielen. Sie wird immer dann notwendig, wenn eine Erkrankung gar nicht oder über Monate beziehungsweise Jahre hinweg nicht abklingt. Diese Szenarien stellen aber im Allgemeinen eine Ausnahme dar.

Eine früh behandelte Pilzvergiftung bringt in der Regel kein Erfordernis einer Nachsorge mit sich. Der Patient kann sein Leben ohne Einschränkungen weiterführen. Ein medizinischer Grund für Weiterbehandlungen besteht angesichts der Beschwerdefreiheit nicht. Demgegenüber bleiben selten Folgeschäden zurück. Diese betreffen vor allem die Leber und Nieren.

Daraus ergeben sich regelmäßig weitere Behandlungen und Untersuchungen. Sie dienen der Früherkennung von Komplikationen. Unter Umständen kann sogar eine Transplantation notwendig werden. Neben bildgebenden Verfahren greifen Ärzte zu Blutuntersuchungen. Der Rhythmus der Nachsorge richtet sich nach dem individuellen Beschwerdestand.

Das können Sie selbst tun

Eine Pilzvergiftung ist ein medizinischer Notfall, der in der Regel sofortiges ärztliches Eingreifen erfordert. Vom Verzehr der Pilze bis zum Auftreten der ersten Symptome kann jedoch eine gewisse Zeitspanne vergehen. Auch genießbare Pilze können zu Beschwerden führen, wenn diese bei der Zubereitung bereits verdorben waren.

Für die Selbsthilfe ist es wichtig, so früh als möglich medizinische Maßnahmen einzuleiten, wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Pilzvergiftung besteht. Noch bevor ein Arzt oder das nächste Krankenhaus aufgesucht wird, kann ein Anruf beim Giftnotruf sinnvoll sein. Denn dort stehen Toxikologen, als ausgebildete Experten für Vergiftungserscheinungen, Rede und Antwort. Die Giftinformationszentralen sind rund um die Uhr erreichbar. Bei schweren Beschwerden, bei Bewusstseinsstörungen oder wenn der Verdacht auf Knollenblätterpilze besteht, sollte statt eines Arztbesuchs sofort über die 112 der Rettungsdienst alarmiert werden.

Falls der Arzt oder das Krankenhaus aufgesucht wird, empfiehlt es sich, Reste der Pilzmahlzeit sowie die Putzabfälle dorthin mitzunehmen. Denn anhand der Pilzbestandteile ist meist schnell erkennbar, ob es sich um echte Giftpilze oder um eine verdorbene Pilzmahlzeit handelt. Im Falle des sehr giftigen Knollenblätterpilzes kann sogar eine symptomfreie Zeit von mehreren Stunden auftreten, in diesem wichtigen Zeitfenster werden jedoch bereits Leber und Nieren nachhaltig und irreversibel geschädigt. Auch nach dem Abklingen der Symptome ist es also dennoch ratsam, unbedingt den Arzt oder Notarzt hinzuzuziehen. Spätestens beim Auftreten manifester Symptome wie Bewusstseinstrübung, Pulsbeschleunigung, Schweißausbrüche, Erbrechen, Durchfall oder Magendarmkrämpfe sollte umgehend ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Toxikologen raten darüber hinaus, bei Verdacht auf Pilzvergiftungen kein Erbrechen zu provozieren. Ebenso wenig sollte Milch verabreicht werden: Der früher verbreitete Rat ist wirkungslos und kann die Aufnahme mancher Gifte sogar beschleunigen. Auch Salzwasser darf nicht zum Auslösen von Erbrechen gegeben werden, weil es selbst zu einer lebensgefährlichen Vergiftung führen kann.

Quellen

  • Flammer, R.: Giftpilze.
    ISBN: 9783038008347
  • Zilker, T.: Klinische Toxikologie für die Intensivmedizin.
    ISBN: 9783837416480
  • Ludewig, R., Regenthal, R., Köppel, C., et al.: Akute Vergiftungen und Arzneimittelüberdosierungen.
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  • Marquardt, H., Schäfer, S. G., Barth, H. (Hrsg.): Toxikologie.
    ISBN: 9783804736573
  • Buchheim-Schmidt, S., Schwarzbach, R.: Gifte und Vergiftungen.
    ISBN: 9783804746343

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