Placenta accreta
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Placenta accreta ist der Mutterkuchen mit dem Muskel der Gebärmutter verwachsen. Als Folge dessen stellen sich bei der vaginalen Geburt schwere Blutungen ein, die eine Schnittgeburt notwendig machen. Als Ursache der Erscheinung vermuten Mediziner Narbengewebe im Uterus.
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Was ist eine Placenta accreta ?
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Bei der Placenta accreta ist die Muskulatur der Gebärmutter mit der Plazenta verwachsen. Nach dem Geburtsvorgang findet somit keine natürliche Ablösung des Mutterkuchens statt. Meist sind mit einer Geburt daher starke Blutungen verbunden. Rund eine von 2500 Schwangeren litt älteren Erhebungen zufolge an einer Placenta accreta. Nach neueren Daten ist die Erkrankung infolge der weltweit gestiegenen Kaiserschnittrate deutlich häufiger geworden und betrifft heute etwa eine von 500 Schwangerschaften. Die Erscheinung wird auch als krankhaft anhaftende Plazenta bezeichnet und kann schwere Komplikationen bei der Geburt hervorrufen.
Es werden mehrere Formen der Placenta accreta unterschieden. Schwerere Formen sind die Placenta increta, bei der die Plazenta in die Gebärmuttermuskulatur einwächst, und die Placenta percreta, bei der sie die Gebärmutterwand ganz durchdringt und benachbarte Organe erreichen kann. Die Placenta percreta ist damit die schwerste Form. Eine der leichtesten Formen ist die Sonderform der Placenta adhaerens. Der Verdacht auf eine Plazenta accreta stellt sich häufig schon lange vor der Geburt ein; dann wird die Entbindung von vornherein als geplante Schnittgeburt in einer darauf eingerichteten Klinik vorbereitet. Nicht selten fällt die Anomalie aber erst unter der Geburt auf.
Ursachen
Bei einer Placenta accreta fehlt die Gebärmutterschleimhaut oder die Schleimhaut ist zumindest nicht gut ausgebildet. Damit wachsen die Trophoblasten ungehindert an die Muskulatur der Gebärmutter heran. In manch einem Fall wachsen die Trophoblasten sogar in den Muskel der Gebärmutter mit ein. Eingewachsene Trophoblasten entsprechen einer schweren Placenta accreta. Lediglich herangewachsene Trophoblasten finden sich dagegen bei den leichteren Formen.
Auch Narbengewebe an der Gebärmutter kann eine Placenta accreta verursachen. In diesem Fall kommt als primäre Ursache zum Beispiel das Asherman-Syndrom infrage, dem in der Regel eine Gebärmutteroperation oder eine Schnittentbindung vorausgeht. Experten halten die zunehmende Tendenz zum Kaiserschnittverfahren im 21. Jahrhundert daher für die Hauptursache der angestiegenen Placenta-accreta-Rate. Ein vorangegangener Kaiserschnitt gilt als der wichtigste einzelne Risikofaktor, und das Risiko steigt mit der Zahl der Schnittentbindungen weiter an. Besonders hoch ist es, wenn nach einem Kaiserschnitt zusätzlich eine Placenta praevia vorliegt, der Mutterkuchen also über der Narbe im unteren Bereich der Gebärmutter sitzt.
Auch Myomentfernungen oder Kürettagen verursachen manchmal das Asherman-Syndrom. In einem Alter von mehr als 35 Jahren steigt das allgemeine Komplikationsrisiko für Schwangerschaften an. Auch mit dem allgemeinen Komplikationsrisiko steigt das Risiko für eine Placenta accreta.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die gesamte Schwangerschaft lang kann die Placenta accreta weitestgehend symptomlos bleiben. Gegen Ende der Schwangerschaft treten manchmal vaginale Blutungen auf. Diese Blutungen sind allerdings kein zwingendes Anzeichen. Die Ultraschalluntersuchung kann die Erscheinung noch in der Schwangerschaft in aller Regel ans Licht bringen.
Rund die Hälfte aller Patientinnen mit einer Placenta accreta leidet in der Schwangerschaft zugleich an einer fehlerhaften Lage des Mutterkuchens. Manchmal bleibt die Erscheinung aber auch bis zur Geburt unentdeckt und stellt sich erst beim Geburtsvorgang heraus. In wieder anderen Szenarien muss die Schwangerschaft vorzeitig beendet werden, da im Rahmen der Placenta accreta starke Blutungen auftreten, die das Kind und die Mutter in Gefahr bringen. In der Regel findet die vorgezogene Entbindung zu einem Zeitpunkt statt, zu dem das Kind bereits reif und voll lebensfähig ist.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Mittlerweile wird die Placenta accreta durch die Fortschritte in der Sonographie meist vor der eigentlichen Geburt erkannt. Vor allem die Erfahrung des betreuenden Arztes spielt für die Früherkennung eine wichtige Rolle. Der Verlauf der Placenta accreta wird von der Schwere der Erscheinung bestimmt. Auch der Zeitpunkt der Diagnose kann Einfluss auf den Verlauf nehmen.
Falls die Erscheinung erst bei der Geburt erkannt wird, wird der Verlauf vor allem von der Reaktionsschnelligkeit der Geburtshelfer bestimmt. Wenn die Anomalie vor der Geburt erkannt wurde, wird in der Regel von vorneherein ein Kaiserschnitt als Geburtsmodus empfohlen, was die Komplikationen in aller Regel vermindert.
Komplikationen
Auch der Mutterkuchen befindet sich durch die Placenta accreta in etwa der Hälfte der Fälle in einer falschen Lage, sodass eine vaginale Geburt dabei nicht mehr möglich ist. In schwerwiegenden Fällen muss die Schwangerschaft im schlimmsten Falle allerdings unterbrochen werden, wenn die Schwangerschaft eine Gefahr für das Kind und die Mutter darstellen kann. Ebenso kann eine frühzeitige Entbindung eingeleitet werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Das Kind erleidet durch die Placenta accreta selbst in der Regel keine besonderen Schäden; sein Hauptrisiko ist die Frühgeburtlichkeit, da die Entbindung meist vor dem errechneten Termin geplant wird. Bei starken Blutungen ist die Frau auf Bluttransfusionen angewiesen. Ebenso kann es bei den darauffolgenden Schwangerschaften auch zur Placenta accreta kommen, sodass diese einer Beratung von einem Arzt unterliegen. In einigen Fällen muss nach der Geburt die Gebärmutter der Patientin vollständig entfernt werden. Die Lebenserwartung des Kindes und der Mutter wird durch die Placenta accreta bei einer erfolgreichen Geburt nicht beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Während der Schwangerschaft bleibt die Placenta accreta oft unbemerkt. Erst im letzten Drittel der Schwangerschaft können vaginale Blutungen auftreten, die ärztlich diagnostiziert werden müssen. Der Frauenarzt kann die Ursachen abklären und wird dabei auch eine Placenta accreta als Auslöser in Betracht ziehen. Oft wird das Leiden im Rahmen der Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft entdeckt. Sollte es kurz vor dem geplanten Geburtstermin zu starken Blutungen kommen, ist der zuständige Arzt zu informieren. Bei starken vaginalen Blutungen handelt es sich um einen Notfall: Es ist umgehend der Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu alarmieren, statt eigenständig in die Klinik zu fahren oder den nächsten Sprechstundentermin abzuwarten. Unter Umständen muss die Schwangerschaft vorzeitig beendet werden, um Mutter und Kind nicht zu gefährden.
Meist ist das Baby zu diesem Zeitpunkt bereits lebensfähig. Die Entbindung selbst ist bei einer Placenta accreta jedoch mit einem hohen Risiko schwerer Blutungen verbunden und gehört deshalb in eine geburtshilfliche Klinik, die auf solche Fälle eingerichtet ist. Bei einer erneuten Schwangerschaft muss eine umfassende Untersuchung der Gebärmutter vorgenommen werden, denn eine Placenta accreta kann wiederholt auftreten. Üblicherweise wird der Patientin bei folgenden Geburten zu einem Kaiserschnitt geraten. Betroffene Frauen sollten mit dem Gynäkologen über die Einzelheiten sprechen und gegebenenfalls auch einen Therapeuten in die Beratung involvieren.
Behandlung & Therapie
Ist die Placenta accreta schon vor der Geburt bekannt, gilt heute die geplante Schnittentbindung in einem darauf eingerichteten Zentrum als Vorgehen der Wahl. Der Mutterkuchen wird dabei bewusst nicht von Hand abgelöst, weil dieser Versuch eine massive Blutung auslösen kann; stattdessen wird die Gebärmutter entweder samt Plazenta entfernt oder die Plazenta belassen und die Frau anschließend engmaschig überwacht. Die Behandlung der Placenta accreta kann bei der Geburt konservativen Techniken wie einer Embolisation der Uterusarterien entsprechen. Auch eine Ballon-Katheterisierung ist denkbar. Nur bei den leichtesten Formen kann im Einzelfall eine vaginale Geburt vertretbar sein; diese Entscheidung trifft das Geburtsteam in der Klinik. Um bei einer vaginalen Geburt die Blutung zu minimieren, wird neben Wehenmitteln in der Regel eine Infusionsbehandlung gegeben, die dem Volumenersatz dient.
Manchmal wird eine Bluttransfusion notwendig, damit starke Blutungen die Patientin nicht in Lebensgefahr bringen. Trotzdem muss die werdende Mutter nach der Geburt in der Regel mit einem Eingriff rechnen. Bei der leichtesten Form, der Placenta adhaerens, lässt sich der Mutterkuchen noch von Hand lösen, und meist muss die Gebärmutter nach der Geburt ausgeschabt werden. Zuweilen ist auch eine Entfernung der gesamten Gebärmutter notwendig. Falls dieses Verfahren schlichtweg abgelehnt wird oder falls ein weiterer Kinderwunsch besteht, kann eine Resektion um die Plazenta stattfinden.
Das Komplikationsrisiko steigt bei diesem Verfahren aber an. Wenn einmal eine Placenta accreta vorgelegen hat, dann ergibt sich bei den darauffolgenden Schwangerschaften automatisch das Risiko einer Wiederholung, da die Komplikation im Uterus Narbengewebe hinterlassen hat. Es muss in den nachfolgenden Schwangerschaften aber nicht zwingend zu einer Placenta accreta kommen.
Aussicht & Prognose
In der Regel kann keine allgemeine Prognose über den weiteren Verlauf bei einer Placenta accreta gemacht werden, da der weitere Verlauf der Erkrankung sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose und auch von der Ausprägung dieser Krankheit abhängig ist. Daher sollte die Betroffene idealerweise schon sehr früh einen Arzt aufsuchen und auch eine Behandlung einleiten, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt. Je früher dabei eine Behandlung eingeleitet wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf der Erkrankung.
Wird die Krankheit nicht behandelt, so kann es im schlimmsten Falle zum Tode des Kindes und damit zu einer Totgeburt kommen. Für die Mutter ist die schwere Blutung nach der Geburt die größte Gefahr; sie ist der Grund, weshalb die Entbindung in einer darauf vorbereiteten Klinik erfolgen sollte. Bei einer Behandlung ist in vielen Fällen ein operativer Eingriff notwendig, um die Beschwerden der Placenta accreta zu lindern. Ein solcher Eingriff kann dabei auch weitere Komplikationen verhindern und heilt in den meisten Fällen auch diese Erkrankung. Falls das Kind ohne Komplikationen geboren wird, kommt es auch im weiteren Leben nicht zu Beschwerden oder zu anderen Problemen. Auch die Gesundheit der Mutter ist auf Dauer meist nicht beeinträchtigt, wenn die Placenta accreta rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Vorbeugung
Der Placenta accreta ist in der laufenden Schwangerschaft nicht mehr vorzubeugen. Da ein vorangegangener Kaiserschnitt der wichtigste Risikofaktor ist, senkt der Verzicht auf medizinisch nicht notwendige Schnittentbindungen jedoch das Risiko für spätere Schwangerschaften. Schwere Komplikationen lassen sich bei der Geburt außerdem vermeiden, indem die Patientin einer Schnittgeburt zustimmt. Falls die Placenta accreta in Kombination mit einer fehlerhaften Lage des Mutterkuchens auftritt und so der Geburtskanal verschlossen ist, muss die Geburt ohnehin als Schnittgeburt stattfinden.
Nachsorge
Betroffenen stehen bei Placenta accreta in den meisten Fällen wenige oder gar keine besonderen Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Daher sollten Betroffene idealerweise schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Erkrankung einen Arzt aufsuchen, um eine weitere Verschlechterung der Beschwerden oder andere Komplikationen zu verhindern. Eine Selbstheilung kann bei Placenta accreta in der Regel nicht eintreten.
Wie die Nachsorge nach der Geburt aussieht, hängt davon ab, wie die Placenta accreta behandelt wurde. Wurde die Plazenta in der Gebärmutter belassen, sind engmaschige Kontrollen nötig, weil es auch Wochen später noch zu starken Blutungen oder zu einer Infektion kommen kann. Jede erneute oder anhaltende Blutung nach der Entbindung gehört ärztlich abgeklärt. Mutter und Kind müssen dabei besonders gut versorgt und von einem Arzt kontrolliert werden. Ebenso kann nach der Geburt die Gebärmutter vollständig entfernt werden, falls die Placenta accreta nicht anders behandelt werden kann. Dabei ist die Betroffene in vielen Fällen auf die intensive Unterstützung und Pflege durch den Partner und die eigene Familie angewiesen.
Dadurch kann mitunter auch die Entstehung von Depressionen oder anderen psychischen Verstimmungen verhindert werden. Nach der Geburt ist auch das Kind auf eine dauerhafte Überwachung durch einen Arzt angewiesen. Besondere Komplikationen treten dabei meist nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Kindes und der Mutter wird durch die Krankheit nicht verringert, wenn diese rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Das können Sie selbst tun
Im Rahmen der Selbsthilfe sollten schwangere Frauen an den regelmäßig angebotenen Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft teilnehmen. In diesen wird die Placenta accreta im Optimalfall rechtzeitig entdeckt, so dass die Überlegungen für die Umstände der Geburt frühzeitig besprochen und festgelegt werden können. Zur Vermeidung von Komplikationen wird von den Ärzten ein Kaiserschnitt empfohlen. Es ist anzuraten, dieser Empfehlung zu folgen, wenngleich die schwangere Frau vor der Diagnosestellung andere Vorstellungen hatte.
Sobald sich Auffälligkeiten und Besonderheiten während der Gestation zeigen, ist eine ärztliche Kontrolle angezeigt. Die Ergreifung von eigenverantwortlichen Maßnahmen ist nicht zu empfehlen. Nach Möglichkeit sind Aufregungen, Stress oder Unruhe während der Schwangerschaft und auch der Geburt zu vermeiden.
Die Lebensweise sollte gesund und an den natürlichen Bedürfnissen von Mutter und Kind ausgerichtet sein. Der Konsum von Schadstoffen wie Alkohol, Nikotin oder Koffein ist zu unterlassen. Die Schwangere benötigt ausreichenden Schlaf, sollte Überanstrengungen vermeiden und eine Lebensführung haben, die vorbereitend auf den Neuankömmling ist.
Zusätzlich sind Informationen rund um die Geburt einzuholen. Die Klärung offener Fragen verfolgt das Ziel, über mögliche Abläufe und Vorgänge der Niederkunft bestmöglich informiert zu sein. Das Wissen darum kann unnötigen Überraschungen vorbeugen, die zu einer Überforderung beitragen würden.
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.-T. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662450635
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
ISBN: 9783437210976
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783437211348
