Rotor-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Rotor-Syndrom ist eine Störung des Bilirubinstoffwechsels, die den Erberkrankungen zugeordnet wird. Die Leitsymptome sind Gelbsucht und ein erhöhter Blutspiegel an direktem Bilirubin. Eine Behandlung der Erkrankung findet in der Regel nicht statt, da die Patienten bis auf Ikterus meist keinerlei Symptome zeigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Rotor-Syndrom?

Rotor Syndrom
Das Rotor-Syndrom ist vor allem durch Ikterus gekennzeichnet. Die Patienten leiden demnach an einer Gelbsucht, die sich auf der Haut, in den Augen oder sogar in den inneren Organen manifestieren kann.
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Als Bilirubin ist ein Abbauprodukt von Hämoglobin bekannt, das bei der Zersetzung von alten Erythrozyten in der Milz und der Leber frei wird. Das Häm wird durch die Hämoxygenase und die Biliverdinreduktase zu Bilirubin abgebaut, das anschließend im Blut an Albumin gebunden wird. Diese Vorgänge werden auch unter dem Begriff des Bilirubinstoffwechsels zusammengefasst.

Das ICD-10 kennt unterschiedliche Störungen des Porphyrin- und Bilirubinstoffwechsels. Eine davon ist das Rotor-Syndrom, das auch als Rotor-Manahan-Florentin-Syndrom betitelt wird. Dabei handelt es sich um eine seltene, gutartige und autosomal-rezessive Erkrankung, die den Bilirubinstoffwechsel betrifft. Als Leitsymptome der Erkrankung gelten ein ungewöhnlich hoher Bilirubinspiegel und eine Gelbsucht.

Bislang ist das Syndrom aufgrund seiner Seltenheit und weitest gehenden Irrelevanz in der westlichen Gesellschaft nur wenig erforscht. Nichtsdestotrotz melden immer mehr westliche Wissenschaftler Interesse an der Störung an, da sie sich von der Untersuchung einen Einblick in Transportvorgänge der Leber erhoffen.

Die philippinischen Ärzte Florentin, Manahan und Rotor haben die Störung erstmals beschrieben und sie zunächst mit dem Dubin-Johnson-Syndrom gleichgesetzt. Wolkoff und Kollegen bewiesen in den 70er Jahren, dass es sich bei Rotor- und Dubin-Johnson-Syndrom um verschiedene Krankheitsbilder handelt.

Ursachen

Die Hyperbilirubinämie und die daraus entstehende Gelbsucht des Rotor-Syndroms werden von einer intrazellulären Speicherstörung des konjugierten sowie unkonjugierten Bilirubins bedingt. Beide Geschlechter können vom Rotor-Syndrom betroffen sein. Das Syndrom tritt vorwiegend auf den Philippinen auf und hat erbliche Basis. Familiäre Häufung wurde an den bisher dokumentierten Fällen beobachtet.

Damit ist eine genetische Ursache naheliegend. Beschrieben wurde die Erkrankung inzwischen allerdings auch in Familien ganz unterschiedlicher Herkunft, sodass sie nicht auf die Philippinen beschränkt ist. Als genetische Ursache wurde lange vor allem über einen Defekt spekuliert, der die Abführung von konjugiertem Bilirubin aus der Leberzelle in den Bereich der Gallenkanälchen erschwert.

Früher ging man deshalb davon aus, dass dem Syndrom ein erblicher MRP-2-Kanal-Defekt aufgrund von Mutationen zugrunde liegt. Nach heutigem Kenntnisstand ist dieser Defekt jedoch für das Dubin-Johnson-Syndrom kennzeichnend. Beim Rotor-Syndrom fehlen der Leberzelle dagegen gleichzeitig die beiden Aufnahme-Transporter OATP1B1 und OATP1B3, die von den Genen SLCO1B1 und SLCO1B3 kodiert werden. Betroffene tragen in beiden Genen Veränderungen; deshalb kann bereits verarbeitetes Bilirubin, das aus der Leberzelle in das Blut zurückgelangt ist, nicht wieder aufgenommen werden und reichert sich im Blut an.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Rotor-Syndrom ist vor allem durch Ikterus gekennzeichnet. Die Patienten leiden demnach an einer Gelbsucht, die sich auf der Haut, in den Augen oder sogar in den inneren Organen manifestieren kann. Zusätzlich liegt eine Hyperbilirubinämie vor. Von einer solchen ist bei etwaiger Erhöhung der Bilirubin-Konzentration über 1,1 mg/dl die Rede.

Diese Symptome können mit weiteren Beschwerden vergesellschaftet sein, die allerdings eher unspezifisch sind und nicht zwingend vorhanden sein müssen. Zusätzliche unspezifische Beschwerden und Schmerzen im rechten Oberbauchbereich werden von einigen Patienten beklagt. Die Schmerzsymptomatik im Oberbauch liegt vergleichsweise nur selten vor, sodass sie nicht als Diagnosekriterium heranzuziehen ist.

Nichtsdestotrotz kann der Schmerz im rechten Oberbauch eine auf Basis der restlichen Symptome gestellte Rotor-Syndrom-Diagnose noch erhärten. Dasselbe gilt für mögliche Begleitsymptome wie Fieberschübe. Typischerweise treten die Hyperbilirubinämie und der Ikterus als isolierte Erscheinungen auf. Enzymatische Unterfunktionen oder ein Mangel an abbaubeteiligten Enzymen zählen nicht zu den Symptomen des Rotor-Syndroms.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Hyperbilirubinämie gilt als diagnostisches Leitsymptom des Rotor-Syndroms. Die hohe Konzentration des Abbauprodukts lässt sich im Blut mittels Laboruntersuchung nachweisen. Es handelt sich um erhöht direktes Bilirubin zwischen drei und zehn mg/dl. Hämolyse-Anzeichen bestehen an den Patienten nicht. Dasselbe gilt für Hepatopathie mit Zellnekrose.

Die Transaminasen-Werte bewegen sich also immer im Normalbereich, wobei auch die alkalische Phosphatase normale Aktivität zeigt. Differenzialdiagnostisch muss der Arzt die Gelbsucht der Patienten von Ikterus im Neugeborenen- und Säuglingsalter unterscheiden und demzufolge von der hämolytischen Anämie, der Hepatitis und etwaigen Konjugationsstörungen des Bilirubins abgrenzen.

Über die differentialdiagnostische Abgrenzung vom Crigler-Najjar-Syndrom oder einem Morbus Gilbert-Meulengracht hinaus sind zur Diagnose des Rotor-Syndroms Fehlbildungen an den Gallenwegen als Ikterus-Ursache auszuschließen. Beim Crigler-Najjar-Syndrom und beim Morbus Gilbert-Meulengracht ist dabei das indirekte Bilirubin erhöht, beim Rotor-Syndrom dagegen das direkte.

Die wichtigste Abgrenzung betrifft das Dubin-Johnson-Syndrom, bei dem das direkte Bilirubin ebenfalls erhöht ist. Dort lagert die Leber ein charakteristisches dunkles Pigment ein, das beim Rotor-Syndrom fehlt; unterscheiden lassen sich beide Erkrankungen zudem an der Zusammensetzung bestimmter Abbauprodukte im Urin.

Komplikationen

In den meisten Fällen muss das Rotor-Syndrom nicht besonders behandelt werden, da es keine schwerwiegenden oder gesundheitsschädlichen Symptome zeigt. Dabei ist auch die Lebenserwartung des Patienten in der Regel nicht eingeschränkt oder verringert. Die Betroffenen leiden bei dieser Erkrankung in erster Linie an einer meist milden, in ihrer Stärke schwankenden Gelbsucht. Dabei kann es vor allem bei Kindern oder bei Jugendlichen zu Mobbing oder Hänseleien aufgrund dieser Beschwerde kommen, sodass diese Altersgruppen häufig an Depressionen oder an anderen psychischen Beschwerden leiden.

Allerdings können auch Erwachsene an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl erkranken. Im Oberbauch kann es zu Schmerzen kommen, wobei diese in der Regel nicht mit einer Nahrungsaufnahme verbunden werden. Auch Fieberschübe können bei diesem Syndrom auftreten und sich negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken.

Organische Folgeschäden entstehen durch das Rotor-Syndrom dagegen nicht; die Leber bleibt gesund. Die psychische Belastung durch die Gelbfärbung wird allerdings oft unterschätzt. Nur die Fieberschübe können mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Das Vorbeugen des Rotor-Syndroms ist leider ebenso nicht möglich.

Die eigentliche Gefahr des Rotor-Syndroms liegt darin, dass die Gelbfärbung für das Zeichen einer ernsten Lebererkrankung gehalten wird. Betroffene erhalten dann mitunter belastende Untersuchungen bis hin zur Leberpunktion, obwohl die Leber gesund ist und die Lebenserwartung nicht verkürzt wird. Praktisch bedeutsam ist außerdem, dass die Leber bei dieser Erkrankung auch bestimmte Arzneistoffe schlechter aufnimmt; einzelne Medikamente können dadurch stärker wirken als üblich. Behandelnde Ärzte sollten deshalb über das Syndrom informiert werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Rotor-Syndrom sollte in der Regel immer ein Arzt aufgesucht werden. Der Grund dafür ist allerdings nicht das Syndrom selbst, das keiner Behandlung bedarf und sich auch nicht verschlimmert, sondern die Abgrenzung von ernsthaften Lebererkrankungen, die ebenfalls eine Gelbsucht hervorrufen. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an sehr starken Schmerzen im Bereich des oberen Bauches leidet. Dabei können sich die Schmerzen auch in benachbarte Regionen des Körpers ausbreiten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken.

Einzelne Betroffene berichten zudem über Fieberschübe. Die Lebensqualität wird durch das Rotor-Syndrom selbst dagegen in aller Regel nicht eingeschränkt. Auch eine Gelbsucht kann dabei auf die Erkrankung hindeuten. Sollten diese Beschwerden über einen längeren Zeitraum auftreten und nicht wieder von alleine verschwinden, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel kann das Rotor-Syndrom relativ leicht durch einen Allgemeinarzt erkannt und behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die genetische Ursache des Rotor-Syndroms ist inzwischen bekannt, eine ursächliche Behandlung gibt es dennoch nicht. In der Regel ist auch eine symptomatische Behandlung nicht erforderlich.

Falls starke Oberbauchschmerzen als Begleitsymptome vorliegen, kann dem mit schmerzstillenden Medikamenten symptomatische Abhilfe geschaffen werden. Bei begleitenden Fieberschüben können fiebersenkende Medikamente zum Einsatz kommen. In den meisten Fällen beeinträchtigt das Rotor-Syndrom die Patienten aber kaum, sodass keinerlei Therapieschritte erforderlich werden.


Vorbeugung

Dem Rotor-Syndrom lässt sich nicht vorbeugen, da es angeboren ist. Wegen der erblichen Basis der Erkrankung kann eine humangenetische Beratung Betroffene über den Erbgang und das Wiederholungsrisiko in der Familie informieren. Da das Rotor-Syndrom gutartig verläuft, keine Behandlung erfordert und die Lebenserwartung nicht verkürzt, ergibt sich daraus jedoch kein Grund, auf eigene Kinder zu verzichten.

Nachsorge

Patienten mit einem Rotor-Syndrom benötigen in der Regel keine umfassende Nachsorge. Da die Erkrankung selten auftritt, existieren keine spezifischen Nachsorge-Methoden. Die Nachsorge orientiert sich daran, in welchem Umfang die Symptome auftreten. Die Symptome der Erkrankung sind meist harmlos und klingen ohne Folgen ab.

Nach dem Abklingen der Beschwerden sollte ein Arzt den Gesundheitszustand des Patienten abklären. Die typischen Symptome wie Fieber, Bauchschmerzen und die Gelbfärbung der Haut sind unbedingt ärztlich zu untersuchen, damit Folgesymptome ausgeschlossen werden können. Nach starkem Fieber kann der Arzt über weitere Erholungsmaßnahmen aufklären. Sollten die Bauchschmerzen anhalten, kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums Klarheit über mögliche Ursachen schaffen.

Auf diese Weise lassen sich etwa Gallensteine oder Erkrankungen der übrigen Bauchorgane erkennen. Treten die Symptome eines Rotor-Syndroms auf, liegt womöglich ein nicht diagnostiziertes Leberleiden vor. Die Nachsorge erfolgt durch den Hausarzt oder den Internisten. Bei chronischen Leberbeschwerden sind regelmäßige Arztbesuche angezeigt.

Die Nachsorge findet je nach zugrunde liegender Erkrankung in der Arztpraxis oder in der Fachklinik statt. Sollte die Gelbfärbung erneut deutlich zunehmen, muss der Arzt informiert werden. Eine ursächliche Behandlung des Rotor-Syndroms gibt es allerdings nicht. Der Facharzt kann die geeigneten Maßnahmen nennen und dem Patienten bei Bedarf ein geeignetes Schmerzmittel verordnen.

Das können Sie selbst tun

Patienten, die am Rotor-Syndrom leiden, sollten die vereinbarten Arztbesuche einhalten. Eine besondere Diät gibt es beim Rotor-Syndrom dagegen nicht: Gestört ist allein der Transport des Bilirubins, nicht die Leistung der Leber selbst, sodass die Ernährung nicht umgestellt werden muss. Wichtiger ist es, jeden behandelnden Arzt über das Syndrom zu informieren, damit die harmlose Gelbfärbung nicht für eine ernste Lebererkrankung gehalten wird.

Bei Bauchschmerzen helfen Hausmittel wie wärmende Auflagen und Schonkost. Auch Kräutertees mit Kamille oder Melisse lindern die typischen Beschwerden und tragen zu einer raschen Genesung bei. Bei anhaltenden Beschwerden wird am besten der zuständige Hausarzt oder Gastroenterologe konsultiert. Sollten Komplikationen wie starke Fieberattacken oder Schmerzreaktionen auftreten, empfiehlt sich ebenfalls ein Arztbesuch. Nimmt die Gelbfärbung plötzlich stark zu oder kommen dunkler Urin, entfärbter Stuhl, anhaltendes hohes Fieber oder eine ausgeprägte Müdigkeit hinzu, spricht das gegen ein reines Rotor-Syndrom und für eine andere Lebererkrankung. Dann ist umgehend ein Arzt aufzusuchen; bei Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit oder Kreislaufschwäche ist über den Notruf 112 der Notarzt zu rufen.

Eltern von betroffenen Kindern können sich bei erneutem Kinderwunsch humangenetisch beraten lassen. Dort wird über den Erbgang und das Wiederholungsrisiko informiert; wegen des gutartigen Verlaufs des Rotor-Syndroms sind weitergehende Untersuchungen aber nicht erforderlich.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
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  • Schaaf, C. P., Zschocke, J.: Basiswissen Humangenetik.
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  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

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