Selenmangel

Selen tritt bei Menschen, Tieren und einigen Bakterien als wichtiges Spurenelement auf. Es schützt den Körper vor Angriffen, bindet dabei Schwermetalle und besitzt eine antioxidative Wirkung. Selenmangel kann für den Körper auf Dauer weitreichende Folgen haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Selenmangel?

Symptome, die auf einen Selenmangel hindeuten, sind beispielsweise weiße Flecken auf den Fingernägeln und eine blasse, schuppige Haut. Oftmals wird die Haut dünner und die Haarfarbe kann sich aufhellen.
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Im gesamten Körper ist Selen in verschiedenen Mengen vorhanden. So vor allem in den Geweben und Organen. Größere Mengen Selen enthalten beispielsweise das Gehirn, das Herz, Leber, Nieren und die Augen. Aber auch die Blutplättchen und Blutkörperchen werden in höherer Dosierung mit Selen versorgt. Bei Selenmangel geht ein Großteil der vorhandenen Selenmenge im Körper an die Organe, die die Körperfunktionen stützen.

Es erfolgt eine Umverteilung des Spurenelements auf beispielsweise die Nieren und die Schilddrüse sowie die Bauchspeicheldrüse. Aber auch die Fortpflanzungsorgane und das zentrale Nervensystem benötigen eine bestimmte Menge an Selen, um vernünftig arbeiten zu können. Obwohl es als Spurenelement in seiner Gesamtheit nur in kleinen Mengen im Körper vorkommt, kommt ihm ein wichtiger Stellenwert bei der Erhaltung der Körperfunktionen zu.

Ihm werden nicht nur zellschützende und krebsverhindernde, sondern auch aufmunternde und entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Mangelerscheinungen lösen demnach eine Funktionsminderung der Organsysteme aus, für die Selen unerlässlich ist. Der tägliche Selenbedarf, der über die Nahrung zugeführt werden muss, liegt bei einem Erwachsenen zwischen 30 und 70 Mikrogramm.

Ursachen

Die Ursachen für einen Selenmangel können sehr unterschiedlich sein. Werden die Lebensmittel überwiegend aus selenarmen Böden gewonnen oder Futtertiere nicht ausreichend mit selenhaltigen Mineralmischungen gefüttert, kann dem Körper häufig keine ausreichende Menge an Selen zugeführt werden. Betroffen sind auch Personen, die sich eiweißarm ernähren oder aus verschiedenen Gründen einen erhöhten Selenbedarf haben. Dies ist ab einem gewissen Alter der Fall.

Aber auch Raucher, Nierenkranke und Krebspatienten benötigen eine erhöhte Selenmenge. Ebenso ist bei einem geschwächten Immunsystem eine höhere Selenaufnahme sinnvoll, da das Spurenelement wichtige Funktionen im Bereich der Immunabwehr einnimmt. Zudem kann eine verminderte Aufnahmefähigkeit des Spurenelements aus der Nahrung die Ursache für Mangelerscheinungen sein. Der Grund hierfür sind meist körperliche Beschwerden wie Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptome, die auf einen Selenmangel hindeuten, sind beispielsweise weiße Flecken auf den Fingernägeln und eine blasse, schuppige Haut. Oftmals wird die Haut dünner und die Haarfarbe kann sich aufhellen. Außerdem können Gelenkbeschwerden und männliche Unfruchtbarkeit auftreten. Die Symptomatik ist häufig wenig spezifisch.

Aufgrund des breit gefächerten Aufgabenbereiches, der Selen im menschlichen Körper zukommt, ist die Differenzierung von anderen Erkrankungen oftmals schwierig. Die Funktion des Immunsystems nimmt in vielen Fällen ab, der Körper ist geschwächt und der Betroffene wird häufig schneller krank. Die körpereigene Abwehr funktioniert hierbei nicht mehr ausreichend. Allerdings wurden auch Leberstörungen, Schilddrüsenerkrankungen (Unterfunktion) und Herzmuskelerkrankungen beobachtet.

Abgesehen davon kann ein Selenmangel bei Kindern das Wachstum blockieren und allgemein die Häufigkeit von Tumorerkrankungen erhöhen.Erste auftretende Beschwerden können Abgeschlagenheit, Atembeschwerden, Wassereinlagerungen (Ödeme) und eine verringerte Leistungsfähigkeit sein.

Abgesehen davon wurden die Keshan-Krankheit und die Kaschin-Beck-Erkrankung mit starkem Selenmangel in Verbindung gebracht. Bei der Keshan-Krankheit handelt es sich um eine Herzmuskelerkrankung, während der Körper bei der Kaschin-Beck-Erkrankung Gelenkknorpel zurückgebildet. Manche Symptome treten erst bei zeitgleichem Auftreten eines Vitamin-E-Mangels auf, sofern der Selenmangel gering ist.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Beschwerden ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Dieser wird anhand der Symptomatik und anhand der Krankengeschichte möglicherweise bereits eine erste Vermutung aufstellen können. Nachdem der Mediziner eine gründliche Komplettuntersuchung durchgeführt hat, wird er in den meisten Fällen bereits auf eine Mangelerscheinung schließen können. Die Diagnose erfolgt über eine Blutentnahme, bei der ein Labor gleichermaßen auf verschiedene Mängel testen kann. Eine Minderung der Menge an Selen im Blut stützt die Diagnose. Zusammen mit dem Patienten wird der Arzt geeignete Therapiemaßnahmen besprechen.

Komplikationen

Ein Selenmangel führt zur Schwächung des gesamten Körpers. In der Schilddrüse kann er zu einer Unterfunktion führen, weil Selen für den Stoffwechsel benötigt wird. Wenn der Spiegel zu niedrig ist, wird der Stoffwechsel im ganzen Körper gedrosselt.

Selen hat auch einen großen Einfluss auf die Abwehrkräfte und die Entgiftung des Körpers. Ist der Selenspiegel zu niedrig, tendiert der Körper stärker zu bakteriellen Infekten und Entzündungen. Die Auswirkungen sind aber noch weitreichender anhand weißer Flecken auf den Nägeln, dünnem Haar oder verringerter Spermaqualität. Auch Schäden an der Leber, an den Nerven und Muskeln, sowie Herz-/Kreislauferkrankungen sind denkbar. Mitunter kommt es zur- Begünstigung verschiedener Krebserkrankungen in der Brust, Lunge, Darm, Eierstöcke oder Prostata.

Auch Kopfschmerzen, Karies und Verdauungsprobleme können auf einen Selenmangel zurückgehen. In der Schwangerschaft kann ein Selenmangel beim Kind das Wachstum stören. Bei Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass es dadurch häufiger zu Totgeburten kommt. Eine Schwangerschaftsvergiftung (Präklampsie) hängt häufig mit einem niedrigen Selenspiegel zusammen.

Dadurch kann es zu Komplikationen im Fortlauf der Schwangerschaft und im Wochenbett kommen. Selen ist auch wichtig für das seelische Wohlbefinden. Menschen mit Ängsten, Depressionen und großen Selbstzweifeln leiden oft unter einem Selenmangel. Eine Doppelblindstudie konnte nachweisen, dass sich bei Probanden, die während der Studie Selenpräparate erhielten, die Stimmung aufhellte.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein leichter Selenmangel kann durch den Verzehr von Paranüssen, Kokosnuss und Eiern ausgeglichen werden. Eine Infektanfälligkeit ist ein typisches Anzeichen für einen schweren Selenmangel. Auch kann es zu Haarausfall, trockener Haut und einer zunehmenden Muskelschwäche kommen. Männer können eine Unfruchtbarkeit erleiden. Wenn diese Symptome bemerkt werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein Selenmangel kann unbehandelt ernste Komplikationen des Immunsystems und des Herzens hervorrufen. Personen, die sich nicht ausgewogen ernähren oder aufgrund einer Erkrankung an einem starken Nährstoffmangel leiden, sollten den zuständigen Arzt kontaktieren, wenn die eingangs genannten Beschwerden auftreten.

Männer, die an einer Unfruchtbarkeit leiden, müssen Selenmangel als Ursache in Betracht ziehen. Frauen und Vegetarier oder Veganer haben ein erhöhtes Risiko für Selenmangel. Ebenso Raucher, Alkoholiker und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Der Mediziner kann das Leiden durch einen Bluttest feststellen und geeignete Präparate verordnen.

Betroffene sollten diese Maßnahmen möglichst schon in den ersten Stadien eines Selenmangels veranlassen. Ein steigendes Unwohlsein und ungewöhnliche Haut- oder Haarveränderungen müssen in jedem Fall abgeklärt werden. Betroffene suchen am besten den Hausarzt oder einen Dermatologen auf. Bei einem konkreten Verdacht ist der Internist der richtige Ansprechpartner. Wer regelmäßig fastet, sollte sich routinemäßig vom Hausarzt durchchecken lassen.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Mangels hängt in erster Linie von der ihm zugrundeliegenden Ursache ab. Daher muss in erster Linie der Auslöser bekämpft werden. Ist die Ursache eine mangelhafte Aufnahme über die Ernährung, ist beispielsweise eine Ernährungsumstellung sinnvoll, um die nötige Selenmenge wieder aufzunehmen. Auch eine Ergänzung mit Selentabletten ist möglich, wobei der Patient hier strikt auf die vorgegebene Einnahmemenge achten sollte. Eine Überdosis an Selen ist schädlich und kann Vergiftungen auslösen.

Bei Erkrankungen im Bereich der Verdauung, die den Mangel bedingen, muss zunächst die Krankheit bekämpft werden. Ist dies nicht möglich, sollte der Betroffene ebenfalls auf ausreichende Aufnahme von Selen über die Ernährung oder entsprechende Präparate achten. Je nach aufgetretenen Symptomen und Erkrankungen gilt es, diese zu behandeln. In einigen Fällen, zum Beispiel beim Abbau von Gelenkknorpel, müssen Patient und Mediziner Vorkehrungen treffen, um die Beschwerden zu linden. Einige der Erkrankungen verschwinden auch bei ausreichender Selenaufnahme nicht wieder.

Vorbeugung

Durch ausgewogene und bewusste Ernährung kann in den meisten Fällen einem Selenmangel vorgebeugt werden. Betroffene, die zu den Risikogruppen gehören, sollte bewusst auf ausreichende Selenzufuhr achten und sich im Bestfall auch darüber informieren, woher die Nahrungsmittel stammen. Bei Fleisch und Milch ist es beispielsweise möglich, die Lieferanten nach dem Futtermittel der Futtertiere zu fragen. Trotzdem sollten Menschen Präparate nie auf Verdacht einnehmen, da eine Selenvergiftung ebenso schädlich für den Körper ist wie ein Mangel.

Nachsorge

Hat der Patient einmal unter einem akuten Selenmangel gelitten, ist davon auszugehen, dass er immer wieder einen Mangel erleiden kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Auslöser nicht gefunden wurden. Hat sich der Patient schlecht ernährt? Hat er einen erhöhten Selenbedarf? Falls ja, liegt das an einer chronischen Grunderkrankung, einem kurzzeitig geschwächtem Immunsystem oder daran, dass der Patient noch immer raucht?

Der Patient sollte sich diese Fragen stellen und anhand der gefundenen Antworten in der Nachsorge versuchen, einen künftigen Selenmangel zu vermeiden. Insgesamt profitiert der Patient jedoch von einer Umstellung auf eine biologische Ernährung und den Verzicht auf Genussgiften. Gerade eine gesunde, vitaminreiche Ernährung sorgt dafür, dass die Schäden des vorausgegangenen Selenmangels ausgeglichen werden können und auch das Immunsystem sich wieder regenerieren kann.

Sport ist in diesem Fall unverzichtbar, denn er baut den Körper ebenso auf wie die Psyche des Patienten. Wer sich viel im Freien bewegt, aktiviert sein Immunsystem und reguliert seinen Stoffwechsel. So wird auch die Infektanfälligkeit bekämpft, die zuvor mit dem Selenmangel einherging.

Waren von dem Selenmangel auch die Haare betroffen, braucht es viel Zeit, bis hier die Schäden wieder ausgeglichen sind und ausgefallene Haare wieder nachwachsen. Schuppige Haut hingegen kann relativ schnell wieder geschmeidig gepflegt werden. Die Patienten können sich hier von einem Dermatologen beraten lassen.

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Das können Sie selbst tun

Ein Selenmangel ohne krankheitsbedingte Ursachen lässt sich mit einer darauf abgestimmten Ernährung beheben. Betroffene sollten sich zunächst über die Nährstoffzusammensetzung der Böden in ihrer Umgebung informieren. Enthält dieser sehr wenig Selen, weist auch das Gemüse von in der Region liegenden Feldern einen geringen Selengehalt auf. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung müssen Bewohner dementsprechend auf andere Seelenquellen zurückgreifen.

Um den Selenspiegel gezielt zu heben, empfiehlt sich allgemein eine erhöhte Aufnahme von tierischem Eiweiß wie in Lammfleisch oder Rinderinnereien sowie Meeresfrüchten. Einen besonders hohen Selengehalt weisen zudem Paranüsse und einige Pilzsorten wie der Champignon auf. Bei einer vegetarischen Ernährung können Betroffene alternativ auf pflanzliche Produkte aus Gegenden mit hohem Selenanteil in den Böden sowie Käse oder Eier als Selenquellen tierischen Ursprungs zurückgreifen. Zu den selenreichen Fischsorten gehören ferner Thunfisch, Lachs und Kabeljau.

Sind die körpereigenen Seelenspeicher auf diese Weise aufgefüllt, sollte auf eine weitere fokussierte Ernährung oder auf die eigenständige Einnahme von Selentabletten verzichtet werden. Ein zu hoher Selenkonsum kann andernfalls zu Kopfschmerzen, Haarausfall und weiteren Beschwerden führen. Ob eine Medikation angebracht ist, lässt sich bei einem im Zweifelsfall anzuratenden Arztbesuch klären. Ist der Selenmangel etwa auf eine andere Grunderkrankung zurückführen, kann die ärztlich verordnete Mineralstoffzufuhr mittels Tabletten zeitweise sinnvoll sein.

Quellen

  • Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Verlag F.A. Brockhaus (Hrsg.): Der Brockhaus Ernährung. F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 2008

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 14. Juni 2020

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